Erfahrungsbericht über

Der Mann, der lächelte - Kriminalroman / Henning Mankell

Gesamtbewertung (37): Gesamtbewertung Der Mann, der lächelte - Kriminalroman / Henning Mankell

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Vom Stuhlbein, den Puppen und einem ewigen Lächeln

4  15.05.2003

Pro:
"Mankell" :  sicherer Stil, souverän erzählt

Kontra:
etwas platte Story

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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sannahschnuffi

Über sich: Wenn ein Bericht "besonders hilfreich" ist, fällt mir auch etwas Sinnvolles aus mehr als 2...

Mitglied seit:25.03.2001

Erfahrungsberichte:131

Vertrauende:53

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 91 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

--- ...ein VORWORT, bevor es ernst wird... ---
Inzwischen hat sie sich auch in unserer Familie durchgesetzt: skandinavische Kriminalliteratur. Um jedoch die Bücherregale nicht unter der wachsenden Last zusammenbrechen zu lassen, nutzen wir jede Möglichkeit zur Ausleihe. Da es sich jedoch in unserer ganzen Stadt rumgesprochen zu haben scheint, wie gut Mankell, Holt, Edwardson und all die anderen Autoren sind, ist es mir in letzter Zeit immer schwerer gefallen, in unserer Bücherei noch ein mir unbekanntes Exemplar zu ergattern. Und so traf es sich sehr gut, dass die Arbeitskollegin meiner Mutter und Mutter meiner Nachhilfeschülerin ebenfalls ein Liebhaber der sog. Skandinavien-Krimis ist - eine weitere Leihstelle war gefunden.

Und so landete vor kurzem auch das Buch vor meiner Nase, um das es im folgenden geht. Die Rede wird sein von Henning Mankells „Der Mann, der lächelte“, ein weiterer, wenn auch nicht mehr ganz neuer Teil der inzwischen abgeschlossenen Wallander-Reihe.


--- ...zum AUTOR... ---
Henning Mankell, geboren 1948 in Härjedalen/ Schweden, ist einer der angesehensten und meistgelesenen schwedischen Schriftsteller. Er lebt als Regisseur und Autor mit seiner dritten Frau Eva, einer Tochter Ingmar Bergmans, in Maputo/ Mosambik und Schweden. Mankell wurde für seine Bücher wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem von der Schwedischen Akademie für Kriminalliteratur. Mit Kurt Wallander schuf er einen der weltweit beliebtesten Kommissare.
In der Wallander-Reihe erschienen bisher: „Mörder ohne Gesicht“ (1991, dt. 1993), „Hunde von Riga“ (1992, dt. 1993), „Die weiße Löwin“ (1993, dt. 1995), „Der Mann, der lächelte“ (1994, dt. 2001), „Die falsche Fährte“ (1995, dt. 1999), „Die fünfte Frau“ (1996, dt. 1998), „Mittsommermord“ (1997, dt. 2000) und „Die Brandmauer“ (1998, dt. 2001) als Kriminalromane sowie „Wallanders erster Fall“ (1999, dt. 2002) als Sammlung von Erzählungen.


--- ...zum INHALT und gleichzeitig LESEPROBE... ---
„Es war einmal ein alter Anwalt, der besuchte einen reichen Mann auf einem Schloss. Auf dem Heimweg brachte ihn jemand um und versuchte den Anschein zu erwecken, es wäre ein Autounfall gewesen. Wenig später wird sein Sohn in der Kanzlei erschossen. Er hatte Verdacht geschöpft, es könnte kein richtiger Autounfall gewesen sein. Deshalb hatte er mich auch heimlich in Dänemark aufgesucht; er erwartete Hilfe von mir. Seiner Sekretärin hatte er gesagt, er reise nach Finnland; von dort kam eine Postkarte. Einige Tage darauf vergrub jemand eine Mine im Garten der Sekretärin. Meine aufmerksame Kollegin merkt, dass wir auf der Fahrt nach Helsingborg von einem Wagen verfolgt werden. Die Anwaltskanzlei hat Drohbriefe von einem Revisor erhalten, der später Selbstmord begeht, indem er sich bei Malmö an einem Baum aufhängt. Wahrscheinlich wurde auch er ermordet. All das hängt zusammen. Aber wir können es nicht erklären. Nichts wurde gestohlen, Hass oder Eifersucht scheinen nicht im Spiel zu sein. Übrig bleibt nur ein seltsamer Plastikbehälter. Und damit fängt alles von vorn an: Es war einmal ein alter Anwalt, der besuchte einen reichen Mann auf einem Schloss.“ (S. 228/229)

So reflektiert Kurt Wallander selbst den Fall, der ihn aus der anderthalbjährigen Lethargie gerissen hat, die ihn befallen hatte, seit er in seinem letzten Fall („Die weiße Löwin“) einen Menschen tötete. Zur Verwunderung (aber auch Bewunderung) der Mehrzahl seiner Kollegen nimmt er den Dienst wieder auf, der außergewöhnlich actionreiche Fall scheint ihn ausreichend motiviert zu haben.

--- ...BEMERKUNGEN meinerseits... ---
Sehr menschlich, ist er, der Kommissar Wallander, den uns Mankell entworfen hat. Kein stahlgestählter Bulle mit lockerem Colt, sondern ein Mensch mit Schwächen und Nöten wie jeder andere auch. Sein erhöhter Alkoholkonsum, die (ist es?) Liebe zu Baiba Liepa (seit dem Fall „Die Hunde von Riga“), das gespannte Verhältnis zu seinem Vater und seine Eigenheit, Dinge, die ihn bewegen, ihn sich reinzufressen. Dies hat sich auch nach seiner Auszeit nicht geändert: Gesund kann man seinen Lebenswandel sicherlich nicht nennen. Doch über eines verfügt er: einen ausgesprochenen Gerechtigkeitssinn. Und der zeigt sich besonders in diesem Fall. Schnell steht der Verdächtige fest: „der reiche Mann auf einem Schloss“, Alfred Hardenberg. Nur scheint dieser Mann nach außen hin ganz und gar kein Schurke zu sein, sondern ein echter Wohltäter für die Gesellschaft. Darf man diesen Gutmenschen strafrechtlich verfolgen?

Hauptsächlich von diesem Konflikt, der hier stellvertretend von Wallander (und seinen Vorgesetzten) ausgetragen wird, lebt die Geschichte. Wer also Krimis mag, in dem der Böse bis zum Schluss unerkannt bleibt, ist bei diesem Roman an der falschen Adresse. Hier handelt es sich stattdessen um eine Mischung aus Sozialkritik und einigen James-Bond-ähnlichen Actionsequenzen.


--- ...LESENSWERT???... ---
Ja! Denn die Beliebtheit skandinavischer Krimiautoren hat ihren Grund. Die stilistisch sichere Erzählung Mankells, sein Können, die Hauptpersonen (und vor allem deren Gefühle) dem Leser näher zu bringen und die deutlich sichtbare Sozialkritik, wie sie Teil vieler Romane von Mankell ist, machen dieses Exemplar zu einem wahren Lesegenuss. Dabei kann man großzügig darüber hinweg sehen, dass der wahre Übeltäter schon zu schnell feststeht – das Netz von Hintergründen, auf das Wallander bei seinen Ermittlungen stößt, fesselt den Leser. Inhaltlich birgt es zwar nur wenig Innovatives (alles schon mal da gewesen...), aber allein durch die Darstellung wird es lesenswert. Vier Punkte und eine deutliche Weiterempfehlung also, wegen des kleinen Abzugs in der A-Note. Für die B-Note hingegen, für der schnörkellosen Schreibstil Mankells: 6,0.


--- ...TECHNISCHE DATEN... ---
Henning Mankell: Der Mann, der lächelte. Wallanders vierter Fall. Roman, aus dem Schwedischen übersetzt von Erik Gloßmann. Originaltitel: „Mannen som log“.
Als Taschenbuch mit 377 Seiten im dtv erschienen und für 10 Euro überall erhältlich, wo es gute Bücher eben gibt.


--- ...NACHWORT... ---
„Was wir zu fürchten haben, ist nicht die Unmoral der großen Männer, sondern die Tatsache, dass Unmoral oft zur Größe führt.“ (de Tocqueville)
Dieses Zitat ist Vorwort des Buches – aber meines Erachtens auch außerhalb dieses Zusammenhangs immer aktuell...

--- ...nach dem NACHWORT... ---
Wie gut, dass der Bücherfrühling nach verlängert worden ist, sonst hätte ich diesen Bericht grundlos veröffenlichen müssen... :-)


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Jolozu

Jolozu

19.08.2003 00:27

Hi! Bin zufällig grad dabei dieses Buch zu lesen. Ist immer wieder spannend typisch Mankell eben. Gruß, Daniel

Mark_Oh

Mark_Oh

25.07.2003 18:12

Die Leseprobe und den Buchtitel findee ich ja etwas merkwürdig, aber meine Mutter mag den auch..

Pandoolio

Pandoolio

17.07.2003 12:20

Ja ich bin's, was hast denn du gedacht? Bin schon lange hier, und du hast auch schon mal mich bewertet, insofern dachte ich wir kennen uns;) Na denn, jetzt ist es ja soweit:))) Da ich den Bericht schon bei Dooyoo gelesen hab, schreib ich halt so nen themenfremden Kommentar...! Grüße Pandoolio

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  1. jansdarling2002
  2. 11071984
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