Viel besser als der Film (New Version)
12. Mar 2000
(5. Okt 2002)
Pro:
Toller Stoff, besser umgesetzt als die Filmversion
Kontra:
Zusammenfassungen zum Beginn jeder Kassette, ein paar Rollen nicht perfekt besetzt
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Spannung:
mehr
 YetiChris
Über sich:
Ja, ich lebe noch... auch wenn ich momentan kaum bei Ciao aktiv bin, ich treibe mich ab und an hier ...
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Ich lese gerne und viel, aber bei Autofahrten ist lesen leider nicht möglich. So habe ich eine Vorliebe, die noch aus meiner Bundeswehrzeit stammt. Damals war es so, das ich am Wochenende zwischen 4 und 18 Stunden auf der Autobahn verbringen musste, meist mit einem schlechten Radioprogramm und noch ohne CD-Wechsler. Was tut der geneigte Literaturfreund? Genau! Er schafft sich Hörbücher an. Inzwischen bin ich Gott sei Dank, nicht mehr bei der Bundewehr, aber di Vorliebe für Hörbücher habe ich bewahrt und besitze inzwischen einen ganzen Haufen, unter anderem die „Odysse“, „Der Herr der Ringe“, „der Kleine Hobbit“ und, und darum soll es hier, der „Name der Rose“ von Umberto Eco.
Hier eine kurze Inhaltsangabe, denn dieses Stück Weltliteratur wird sicherlich fast allen bekannt sein, nicht zuletzt durch die Verfilmung mit Sean Connery. Der junge Novize Adson von Melk reist zusammen mit seinem Lehrmeister, dem Franziskaner William von Baskerville, in geheimen Auftrag in eine entlegene Abtei in Norditalien. Dort ist grade unter mysteriösen Umständen ein junger Mönch ums Leben gekommen. William, früher Inquisitor, wird vom Abt gebeten, den Todesfall zu untersuchen. Er klärt ihn schnell auf, aber immer mehr Mönche sterben auf Mysteriöse Art und Weise, und alles scheint in Verbindung zu stehen mit der Bibliothek, die aber keiner betreten darf. Aber wer ist der Mörder? Der Undurchsichtige Bibliothekar Malachias, sein Gehilfe Berengar, der alte, blinde Jorge, der Apotheker Severin, oder doch die beiden ehemaligen Ketzer Remigius und Salvatore? William und Adson müssen sich beeilen, denn ein gefürchteter Inquisitor ist auf dem Weg zur Abtei... Nun, bevor ich zu meiner Meinung
über das Hörbuch komme, muss ich ein paar Infos über die verschiedenen Arten der Hörbücher geben. Es gibt drei Arten von Hörbüchern: Zum Ersten die Autorenlesung. Wie der Nema schon sagt, liest der Autor selber meist nur Auszüge aus seinem Werk vor. Wir oft bei Biografien oder deutschsprachiger Literatur angewendet. Als zweites die Lesung. Hier übernimmt ein Schauspieler die Rolle des Vorlesers, und versucht, durch Nuancierung seiner Stimme jeder Rolle ein eigenes Gesicht zu geben. Aufgrund des relativ geringen produktiven Aufwandes (Schnitt, Mischung und Manuskript) sind diese beiden Arten der Hörbücher heute am verbreitetsten. Die technisch, finanziell und logistisch aufwändigste Art der Hörbücher sind echte Hörspiele mit verteilten Rollen. Dieser Art ist auch „Der Name der Rose“.
Natürlich werden solche Hörspiele nicht von den Verlagen hergestellt. Die Produzenten solcher Literaturhörspiele sitzen immer noch in den öffentlich-rechtlichen Hörfunkanstalten, und am Produktivsten ist der Südwestrundfunk (SWR, früher SWF). Auch der „Name der Rose“ stammt aus den Studios des damaligen SWF, der das Hörspiel allerdings in Koproduktion mit dem BR und dem NDR 1986 herstellte. Die Rollen sind allesamt mit bekannten Hörspielsprechern besetzt.
Der alte Adson (Erzähler) – Heinz Moog Eine warme, freundliche Stimme, die dennoch leicht brüchig klingt. Einfach perfekt für die Rolle des Erzählers, so wie sie auch im Buch vorgesehen ist. Erklingt wirklich an manchen Stellen wie an der Schwelle zum Tod.
Der junge Adson – Christian Schulz Akzeptable Besetzung, wenn er auch manchmal schon etwas zu alt für die Rolle des 17jährigen klingt. Dennoch kann er die Unsicherheit des Novizen recht gut herüberbringen.
William von Baskerville – Pinkas Braun Der eine meiner wenigen Kritikpunkte. Er wirkt als William einfach überheblich, ohne jedoch überlegen zu wirken. Meines Erachtens benötigt die Rolle eher Überlegenheit als Überheblichkeit.
Remigius von Varagine – Helmut Stange Er gibt den gemütlichen, Genussmenschen und Cellerar hervorragend wieder. Zuerst sehr freundlich und doch etwas verschlagen, am Schluss in einer Todesangst... wirklich sehr gut!
Salvatore – Wolfgang Reichmann Im Film wer es leicht, den buckligen und hässlichen Salvatore dazustellen, mit Hilfe von Masken und Schminke. Beim Hörspiel muss man auf diese Hilfsmittel verzichten, um die Missgeburt glaubhaft zu machen, kann man sich nur auf seine Stimme verlassen, und das schafft er wunderbar!
Malachias von Hildesheim – Rolf Boysen Eigentlich einer der besten Hörspielsprecher in Deutschland, aber hier wirkt er steif und gelangweilt. Für die Rolle der Bibliothekars, immerhin einer der machtvollsten Person im Kloster, einfach zu wenig!
Weitere Rollen werden gesprochen von Manfred Steffen, Lukas Ammann, Ernst Jakobi, Paul Hoffman, Stefan Wigger, Peter Lieck, Markus Boysen u.v.a.
Die Hörspielumsetztung von Richard Hey ist beispielhaft für ein Drehbuch: Er hält sich sehr nah an das an sich schon spannende Buch, und die gestrichenen Abschnitte fallen so gut wie nie auf. Anders als beispielsweise der Film, bei dem nicht nur wichtige Teile und Rollen einfach gestrichen wurden oder, viel schlimmer, verändert und umgeschrieben wurden, wie zum Beispiel das unsägliche quasi-Happy End. Vielmehr ist es hier gelungen, ein Stück Weltliteratur von knapp 1000 Seiten in 340 Minuten spannendes Hörspiel zu packen. Dies wurde vom Regiseur Otto Düben auch hervorragend umgesetzt, und von der Musik Peter Zwetkoffs angenehm und passend untermalt. Das das Hörspiel inzwischen 16 Jahre alt ist (Produziert wurde es 1986), fällt kaum auf. Die Produktion ist einfach zeitlos gut! Und mein Fazit? Der Name der Rose gehört sicherlich zur Weltliteratur. Und das Hörbuch bzw. das Hörspiel wird dem Werk durchaus gerecht. Hier hält man sich recht genau an die Literaturvorlage, ohne manche Längen des Riesenschmökers zu übernehmen. Herausgekommen ist dadurch ein unheimlich spannendes Hörspiel, mit sehr guten Sprechern und hervorragender Regie. Anders als im Film wird hier das Labyrint richtig beschrieben, und auch das Treiben der Inquisition stimmt mit der Vorlage überein. So wird das Mitelalter viel genauer wiedergegeben als im Film. Einziger Wehrmutstropfen ist, das zu Beginn jeder der 4 Kasetten eine Zusammenfassung kommt. Was im Radio vielleicht Sinn gemacht hat, ist in der Kassettenversion überflüssig, da man sich die 4 Teile auf einer langen Autofahrt in einem Rutsch anhört. Leider kann man diese Zusammenfassungen nicht einfach per schnellem Vorlauf überspringen, da sie ab und an einen Nachtrag zum Inhalt der letzten Folge bringen, ohne den man vielleicht durcheinander kommt. Aber auch damit kann man sich aragieren, und wer 3 Stunden im Auto fährt, wird sich sicherlich über eine Kurzweilige, Spannende Unterhaltung freuen.
Wer gute Bücher mag, sollte sich nicht scheuen, den vergleichsweise hohen Preis von ca. 35 Euro für die 4 Kasetten oder die knapp 65 Euro für die zeitgemäßere CD-Version auszugeben. Daten Kasettenversion:
4 Teile auf 4 Kasetten (Die Abtei über dem Abgrund/Der Gesang des Laybrinths, 175 min.) (Der Sturz des Himmelsgewölbes/ Die Kraft von 1000 Skorpionen, 165 min.) Der HörVerlag 1985 ISBN – 389584022-X Preis ca. 35 Euro
Daten CD-Version: 4 Teile auf 6 CDs
Der HörVerlag 1986 ISBN - 3895841218 Preis ca. 65 Euro Viel Freude mit dem Hörbuch „Der Name der Rose“ wünscht euch
YetiChris P.S.: Ich besitze die Kasettenversion und kann über die Ausstattung und Qualität der CD-Version nichts sagen, sorry!
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05.11.2002 14:32
Uiii, schicker Bericht. Aber Der Name der Rose ohne Sean Connery? :( Hätten die dann nicht wenigstens den Synchronsprecher nehmen können...
12.10.2002 13:33
Ich liebe die Sory als solche und als ich letzte Woche das Bett hab hüten müssen hab ich mir den Film angesehen. Kein Vergleich zum Buch ganz klar. Und diese Art von Hörspiel kenne ich leider noch nicht, stelle sie mir aber sehr interessant vor.
06.10.2002 13:20
Das ist sicherlich was für mich ,-) cu albertas