Mittelalter, Krimi, GEschichte und noch mehr
21. Dez 2001
Pro:
toll geschrieben, läßt sich oftmals lesen und immer Neues entdekcen
Kontra:
etwas lang
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Spannung:
mehr
 Flitzel
Über sich:
Mitglied seit:08.11.2001
Erfahrungsberichte:27
Vertrauende:9
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 40 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als hilfreich bewertet
Umberto Eco ist ein italienischer Historiker, der sich vor einigen Jahren auf's Romane-Schreiben verlegt hat. Mittlerweile hat er in Norditalien sogar eine Schule gegründet, auf der genau das beigebracht werden soll - und zwar auf die "schöne" Weise, wie er es nennt. "Der Name der Rose" ist sein erstes ganz großes Werk und wohl dasjenige, mit dem er bis heute am meisten bekannt ist.
Worum es geht: Um die immer gleichen Leidenschaften, die die Menschheit in Abgründe treiben: Leidenschaft, Liebe, Haß, Neid, Mißgunst, Eiferei - und das alles noch vor dem Hintergrund des Mittelalters und dogmatischer Spielereien. Die STory: In einem berühmten Kloster soll zur Zeit der Häretiker-Prozesse ein geheimes Treffen der Kirchenobersten stattfinden. Dummerweise hat sich gerade ein Mord ereignet, den nun der Mönch William, der gerade mit seinem GEhilfen Adlon eingetroffen ist, aufklären soll. Im Zuge seiner Ermittlungen stößt William auf allerlei Ungereimtheiten im Kloster. Und es geschehen weitere Morde, bis schließlich im großen Finale alles aufgeklärt wird.
Warum das Buch sich zu lesen lohnt: Nicht unbedingt wegen der Kriminalgeschichte, obwohl die schon wirklich gelungen ist, keine Frage. Anders als bei schlechteren Büchern bleiben auch Motive und Ungereimtheiten nicht im Dunkeln, sondern ergeben ein schlüssiges Ganzes zum Schluß. Bemerkenswert ist der Roman (übrigens satte 800 Seiten dick im Hanser Verlag) vor allem wegen der sprachlichen Fähigkeiten und der umfassenden Darstellung mittelalterlicher Gepflogenheiten. Eco geht dabei nicht den Weg von Leuten wie etwa Donna Cross in ihrer Päpstin, einfach moderne Menschen in ein anderes Setting zu versetzen, sondern er läßt auf sehr vorsichtige, aber unnachahmliche Weise das Mittelalter entstehen. Und dieBefremdung, die manches beim Leser erweckt, weicht im Laufe des Buches immer mehr einem Verstehen.
DAneben fasziniert außerdem noch Ecos - berufsbedingte - Fähigkeit, historische Zusammenhänge geschickt miteinander zu verweben. Ein Historiker hat mir erzählt, daß die Ketzer-Geschichten, die Eco zum Anlaß seines Treffens im Kloster wählt, zwar im Prinzip richtig sind, aber eben nicht so ganz stimmen (meisterhaft sit das übrigens im Focaultschen Pendel miteinander verwoben!). Immerhin - wenn man sich durch die z.T. seitenlangen historischen Erläuterungen durchquält, erfährt man eine Menge über die Glaubensvorstellungen jener Zeit, die aus heutiger Sicht nahezu absurd erscheinen. Und schließlich ist Eco auch noch ein begnadeter Kunsthistoriker: Die Beschreibungen der architektonischen STrukturen des KLosters sind einfach faszinierend - und der Einbau bzw. die Vermengung von Baustil und GEschichte einfach großartig.
Wer es nicht lesen sollte: Einen Leseatem braucht man schon. Seitenlange Erklärungen der Häretiker-Szene sind vielleicht nicht jedermanns Sache. Und auch die Schilderungen des Geschehens sind teilweise sehr ausufernd. Wer sich aber darauf einläßt, wird manch' klugen Gedanken entdecken. Nicht zuletzt ist Ecos Roman vor allem ein Abbild seiner geschichtlichen Zeit, in den der Krimi nur eingebettet ist.
Wer sich noch dafür interessiert: Hollywood natürlich - und das im ganz großen Stil. Und ausnahmsweise auch mal gelungen. Sean Connery hat zwar nicht gerade viel mönchisches an sich (er spielt den ermittelnden Mönch William), aber man glaubt ihm die ruhige, scharfe Ermittlungstätigkeit sofort. Und auch die sonstige Besetzung ist meisterhaft gewählt und macht den Film zu einem Genuß. Natürlich hat man jede Menge Details und Randfragen gestrichen, aber insgesamt eins chlüssiges Werk kreiiert. Ein Hörbuch gibt es auch dazu - und weil Ciao das Buch vernachlässigt, muß ich mich vor allem auf das Buch hier beziehen.
Preis: Im Hanser Verlag (schon allein wegen der Dicke unbedingt zu empfehlen) für 59.95.
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19.01.2002 00:15
vielleicht leg ich mir demnächst mal das buch zu! dunedain
21.12.2001 16:05
Habe Deinen Bericht nicht bewertet, da er so eigentlich ganz gut ist, aber leider keine Infos über das Hörbuch (siehe gewählte Kategorie) enthält. Schade, gerade diese Infos hätten mich interessiert. --- Liebe Grüße rosebud-riddle
21.12.2001 13:53
Schade, schade. Rein gar nichts zu dem Audiobook, dass mich interessiert hat.