| Fakten
Titel: Der Passfälscher
Autor/in: Cioma Schönhaus
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-16446-2
Preis: 8,95 EUR
Seiten: 237
| Kaufgrund
Die alljährliche Bücherbestellung stand wieder an und als ich beim Stöbern durch das Sortiment auf den Roman "Der Passfälscher" von Cioma Schönhaus ... Bericht lesen
von seinem Leben, als er er als Zwanzigjähriger in der Zeit des Nationalsozialismus im Untergrund Ausweise fälschte und damit vielen Verfolgten das Leben rettete.Schließlich kam ihm die Gestapo doch auf die Spur und suchte ihn steckbrieflich. Mit seinem Fahrrad gelang ihm die Flucht in die Schweiz, selbstverständlich mit gefälschten Dokumenten.Schönhaus' Bericht zeugt von Intelligenz und Einfallsreichtum, von Mut und unbändiger Lebensfreude.Entdecken Sie mehr Hörbücher aus dem Argon-Verlag!
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten; Preise und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein. Alle Angaben ohne Gewähr.
| Kaufgrund Die alljährliche Bücherbestellung stand wieder an und als ich beim Stöbern durch das Sortiment auf den Roman "Der Passfälscher" von Cioma Schönhaus stieß, überlegte ich nicht lange und bestellte das Taschenbuch. Der Grund ist ganz schnell erklärt. Die Inhaltsbeschreibung traf genau meinen Geschmack.
| Aufmachung Der Buchumschlag ist in zarten Gelb-braun-Tönen gehalten, die wohl die "alten" Fotografien unterstreichen sollen, die auf der Titelseite abgebildet sind. Hier sieht man ein Foto aus einem Straßencafé der - ich vermute mal - 1930/40er Jahre. Ein paar Frauen sitzen an einem Tisch und drehen sich teilweise dem Fotografen zu. Im Vordergrund ist ein Herr im Livree zu sehen, im Hintergrund ein vorbei fahrendes Auto, das für uns heute ein "Oldtimer" ist. Neben dem Titel "Der Passfälscher" ist ein Passfoto eines Mannes abgebildet. Man kann davon ausgehen, dass es sich hierbei um Cioma Schönhaus handelt. Ein schwarzer Stempel mit dem Nazi-Symbol bedeckt die untere rechte Ecke dieses Fotos. Alles in allem ist der Buchumschlag sehr hübsch gestaltet. Das Design gefällt mir sehr gut. Die Buchbindung ist sehr stabil und auch nach dem Lesen ist kein Blatt locker oder eingerissen - der Buchrücken weißt nur einen leichten Knick auf. Naja, ich gehe auch sehr vorsichtig mit Büchern um. Und eigentlich ist die Qualität der Bücher heutzutage hervorragend. Da sollte es wohl keine Probleme geben. Ich erwähne das nur, weil ich nicht oft Fischer-Verlag-Bücher lese und mit der Qualität dieser Taschenbücher noch keine Erfahrungen gemacht habe.
| Inhalt Die Geschichte selbst ist sehr schnell zusammengefasst. Cioma Schönhaus ist Jude. Während des Nazi-Regimes und des Krieges ist er ein junger Mann mit Hoffnungen und Träume, mit Idee und Wünschen. Doch das Leben der Juden wird sehr schnell sehr stark eingeschränkt. Schließlich beginnt die Zeit der Verfolgungen und Deportationen. Ciomas Eltern bekommen den Bescheid zur Umsiedlung nach Polen. Cioma selbst entgeht dem Abtransport, weil er in einer "kriegswichtigen Fabrik" "unabkömmlich" arbeitet. Sie verabschieden sich auf dem Flur einer Synagoge, nichts ahnend, dass sie sich nie wieder sehen werden.
Doch auch für ihn kommt die Zeit, in der er sich verstecken muss. Als gelernter Grafiker hat er damit begonnen, für Juden (Wehrmachts-)Pässe zu fälschen. Ein Kontaktmann gibt ihm immer mehr Aufträge. Immer mehr Menschen wissen von seiner Tätigkeit und als er dann auch noch seinen Ausweis verliert, fliegt seine Tarnung auf. Er muss untertauchen. Auch dieses Unterfangen meistert er mit Hilfe seines recht leichtsinnigen Mutes und seiner teils aberwitzigen Ideen. Was macht man, wenn man in Zügen, auf Bahnhöfen, an Grenzen etc. ständig kontrolliert wird? Man fährt mit dem Fahrrad. Er beschließt, von Berlin aus in die Schweiz zu flüchten... - mit dem Rad!
| Meine Meinung: Schreibstil Der Schreibstil ist vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig. Der Autor springt von einer Geschichte zur nächsten. Erzählt von einem Onkel, dem dies widerfahren ist und von einem Nachbarn, der zu Besuch kam und jenes erzählt hat. Die kurzen, abgehackten Sätze tragen ihr übrigens dazu bei, dass mir die Erzählungen recht sprunghaft erschienen. Ich brauchte eine ganze Weile, bis ich mich an diesen Schreibstil gewöhnt hatte. Dann aber gefiel er mir so gut, dass ich das Buch am liebsten nicht mehr zur Seite gelegt hätte. Trotzdem kann man es schlecht in einem Zug durchlesen, dafür gibt es einfach zu viel zu verarbeiten...
| Meine Meinung: Inhalt, Personen und Aufbau Die Story ist ziemlich ergreifend, auch wenn einem das vielleicht erst im Nachhinein bewusst wird. Denn während des Lesens ist man so gefesselt, als würde man einen Krimi lesen. Doch man muss sich immer wieder bewusst machen: Das, was hier geschrieben steht, ist wirklich geschehen! Viele Dinge werden meiner Meinung nach etwas zu "harmlos" beschrieben. So erzählt er z.B. von einem Mann, "der irgendwann mal dick gewesen sein muss", jetzt aber plötzlich eine "um die Hüften schlotternde Hose" trägt. Was dahinter steckt, kann man sich nicht bewusst machen, weil man bereits beim nächsten Thema ist, das einen fesselt. Doch nachdem ich das Buch weggelegt hatte, kam mir diese Textstelle wieder in den Sinn und ich grübelte lange darüber nach. So gab es während des Lesens immer wieder Momente, die mir erst viel später bewusst wurden. Manche Dinge blieben so deutlich im Gedächtnis, dass ich beim nächsten Plausch mit einer Kollegin davon erzählte: "Ich lese gerade ein Buch, da..." Dann entstand teilweise eine kleine Diskussion.
Das Leben Ciomas kann ich nicht nachvollziehen. Das liegt aber nicht daran, dass ich weder diese schreckliche Zeit noch das Gefühl von Todesangst erlebt habe, sondern daran, dass dieser junge Mann teilweise nicht nachvollziehbar gehandelt hat und dies nicht meinem Naturell entspricht. So verliert er z.B. ständig irgendwelche wichtigen Dinge, wie Ausweis oder Schlüssel. Ich bin auch ein Schussel und ich suche auch ständig nach irgendwelchen verlegten Gegenständen. Aber wenn ich ständig Angst haben muss, entdeckt zu werden, dann achte ich doch auf solche Dinge. Als weiteres Beispiel möchte ich die Situation nennen, als Ciaoma ein Segelboot kauft, ohne jemals gesegelt zu sein. In seinem leichtsinnigen Übermut kauft er sich das Boot und fährt hinaus. Als dann eine Böe das Boot erfasst, kann er sich nur mit Mühe an Land retten. Seine Art zum Leben führt er dem Leser immer wieder vor und schränkt ein, dass er zwar - im Nachhinein gesehen - sehr leichtsinnig war, aber dass genau diese leichtsinnige Lebensweise ihm angeblich das Leben gerettet hat. Er meint, dass vieles vielleicht nicht so "glatt gelaufen wäre", wenn er nicht mit sehr viel Mut und Leichtsinn so gehandelt hätte, wie er es tat. Das mag durchaus zutreffen, trotzdem rief dieses Verhalten in mir ein Kopfschütteln hervor.
Das Thema rund um den Grafiker, der Pässe fälscht, wird zwar deutlich gemacht, nimmt aber nicht unbedingt den Mittelpunkt der Story ein. Das Leben des Menschen Cioma wird dargestellt, nicht das Leben des Grafikers. Falls sich also ein Grafiker aufgrund des Titels für das Buch interessieren sollte, wird dieser - so vermute ich - enttäuscht werden. So ging es auch mir im gewissen Sinne. Ich habe schon sehr viele Bücher mit dem Thema Judenverfolgung gelesen und erwartete mir nun eine neue Blickrichtung aus Sicht des Grafikers - wurde dahingehend aber leider enttäuscht.
Etwas enttäuscht war ich außerdem vom Schluss. Viel zu abrupt ist die Geschichte zu Ende. Sehr oberflächlich wird die Flucht über die Grenze beschrieben. Vielleicht wollte der Autor das Tempo erhöhen, damit die Spannung steigt. Anders kann ich mir das recht flache Ende nicht erklären. Danach folgt ein kurzer Bericht, was mit den im Buch erwähnten Personen geschehen ist. Außerdem werden auf den letzten Seiten die Fußnoten ausgeführt. Während des Lesens hatte ich ihnen keine Aufmerksamkeit geschenkt, weil dort nämlich Begriffe wie "Mischlinge 1. Grades" und "privilegierte Mischehe" näher erklärt wurden, für die ich persönlich keine Erklärung benötigte. Ich habe mich mit diesem Thema schon oft auseinander gesetzt, so dass mir diese Bezeichnungen bekannt sind. Für Leser, die sich damit nicht so gut auskennen, mag die Begriffserklärung eine Hilfe sein, auch wenn es ziemlich lästig ist, immer an den Schluss des Buches blättern zu müssen. Mich würde das stören.
| Fazit Cioma Schönhaus' Geschichte fand ich interessant und fesselnd - die Story beschäftigte mich auch übers Lesen hinaus. Doch das abrupte Ende hat mich so aus meinen Gedanken heraus gerissen, dass ich dafür einen dicken Minuspunkt vergebe. Außerdem hatte ich mir unter dem Titel "Der Passfälscher - Die unglaubliche Geschichte eines jungen Grafikers, der im Untergrund gegen die Nazis kämpfte" etwas anderes vorgestellt. Ich hatte erwartet, mehr Details und Informationen aus Sicht des Grafikers zu erhalten, der Pässe auf raffinierte Weise fälscht und mit dieser Arbeit einerseits sich und andere gefährdet, aber andererseits auch viele Leben rettet. Doch "Der Passfälscher" ist "nur" eine weitere Geschichte über einen Juden, der vor den Nazis fliehen muss und beleuchtet das Thema leider nicht aus einer neuen Blickrichtung, wie ich es mir aufgrund des Titels erhofft hatte.
Deshalb vergebe ich drei von fünf Sternen.In diesem Sinne... alles bleibt anders... eure Dotti
[...auch bei yopi und dooyoo unter ähnlichem Nick tätig ;-) ]
Vergleichen Sie ähnliche Produkte mit Der Passfälscher / Schönhaus, Cioma