der rattenzauber

5  03.08.2007

Pro:
spannend, voller geheimnisse, mysteriös

Kontra:
-

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Stil

Unterhaltungswert

Wie ergreifend ist die Story?

mehr


margy

Über sich:

Mitglied seit:19.04.2006

Erfahrungsberichte:197

Diesen Bericht teilen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 50 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Zum Buch:

Dieses Buch wurde auf chlor- und säurefreiem Papier gedruckt. Es erschien 1995 bei Rütten & Loening Berlin GmbH. 1999 wurde es auch in Deutschland gedruckt und vom Heyne Verlag Gmb H & Co KG in München veröffentlicht. Für die Gestaltung des Umschlages waren die Hauptmann & Kampa Werbeagentur, CH-Zug unter der Verwendung des Gemäldes "Ophelia" zuständig.
ISBN: 3-453-13108-8
Preis: 6,95 €
346 Seiten

Zum Autor:

Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Philosophie und Germanistik in Bochum. Danach arbeitete er als Redakteur bei einer Tageszeitung. Er hat bereits zahlreiche Romane veröffentlicht, unter anderem folgende:

Der Rattenzauber
Das Gelübde
Der Schattenesser
Die Alchimistin
Doktor Faustus

Kai Meyer lebt mit seiner Familie in der Nähe von Köln.

Inhaltsangabe der Buchrückseite:

Im Herbst 1284 wird der junge Robert von Thalstein nach Hameln entsandt, um das rätselhafte Verschwinden von 130 Kindern aufzuklären. Die ganze Stadt scheint von einem dunklen Zauber gebannt. Und nur die geheimnisvolle Klarissin Julia soll die ganze Wahrheit kennen - doch sie hat ewiges Schweigen gelobt.

Inhaltsangabe aus der Buchinnenseite:

Im Jahre 1284 wird ein argloser Ritter von seinem Herzog nach Hameln entsandt. Ein beunruhigendes Gerücht hat den Hof zu Braunschweig erreicht:

In Hameln sollen 130 Kinder auf rätselhafte Weise verschwunden sein. Der junge Robert von Thalstein muß entdecken, daß seine frühere Vaterstadt offenbar dem religiösen Wahn anheimgefallen ist. Ein angeblicher Ketzer wird grausam gefoltert, der Statthalter des Herzogs hält sich in seinem Haus versteckt. Und der geistliche Herrscher der Stadt, der Probst Gunthar von Wetterau, sorgt sich lediglich um das große Mysterienspiel, das er auf einer riesigen Bühne aufführen will.

Nur ein skuriler Italiener, Darte Alighieri, versucht Robert zu helfen. Er erzählt von einem unheimlichen Rattenzauber, der die Kinder in eine nahe Burg gelockt haben soll, und von der Klarissin Julia, die das Geheimnis kennt. Als es Robert gelingt, mit der Nonne Julia Kontakt aufzunehmen, stellt er mit Schrecken fest, daß es nicht mehr nur um die verschwundenen Kinder geht, sondern sein eigenes Seelenheil in Gefahr gerät...

Leseprobe:

Manche sagen, Eltern träumen die Sünden ihrer Kinder. Doch wessen Sünden träume dann ich?

Damals, in der letzten Nacht vor meiner Ankunft in Hameln, erwachte ich naß von Schweiß, frierend in einem harten, fremden Bett, voll von knisterndem, wimmelndem Leben. Ich träumte oft in jenen Jahren
doch nicht so häufig wie heute, und mochten damals die nächtlichen Bilder Vorboten der kommenden Ereignisse sein, hämische Krähen des Schlafs, so sind es heute die Erinnerungen, die mich martern, mich zurückzerren in die Vergangenheit, zurück an jenen Ort, in den Schlamm und in die Nässe. Zurück zu den Kindern.

Der letzte Tag meiner Reise begann früh, denn ich fand keinen Schlaf mehr, nachdem ich die Alpdrücke zurück ins Wachsein entließen. Ich schnürte mein Bündel, stieg hbinab in den finsteren Schankraum des Gasthofs und legte dem Wirt einige Münzen vor die Küchentür. Draußen teaf ich den Stallknecht, der gleichfalls früh auf den Beinen war. Auch ihn entlohnte ich reichlich, so daß er eilte, mir mein Pferd zu satteln.

Die Nacht lag noch schwarz und schwer auf dem Land, als ich das Gasthaus hinter mir ließ und entlang eines schmalen Hohlwegs gegen Hameln ritt. Die Luft war kühl und atemlos, die Erinnerungen an den steten Regen der vergangenen Tage wogte als herber Duft zwischen den Fichten. Kein Stern stand am Himmel, noch immer mußten die schweren, satten Wolken über den Septemberwäldern schweben, und der Weg vor mir schien wie ein seltsamer Gang durch leblose Finsternis. Kein Luftzug wehte, kein Zweig rieb sich am Holz anderer Äste, allein ein dürres Rinnsal rauschte in der Tiefe eines Talgrundes. Ihm folgte ich eine Weile, geführt allein vom Instinkt des Pferdes, denn meine müden Augen waren nutzlos im träuenden Nachtdunkel. Es war, als schwebte ich auf dem Rücken des Tieres durch ein geheimnisvolles Nichts, und doch machte mir die scheinbare Leere, die Lautlosigkeit der Hügel und Täler keine angst. Ich war froh, mich im Sattel einem dumpfen Halbschlaf hingeben zu können, ungestört von allem, was außerhalb meiner Gedanken geschah.

So ritt ich träumend dahin, wohl einige Stunden lang, mal in, mal außerhalb der Wälder, bis der Morgen graute - und das tat er ganz wortwörtlich, denn nichts als ein fahles Grau war es, das sich träge um die Herbstgerippe der Eichen auf öden Hügelkuppen legte. Tatsächlich sollte das knochenfarbene Zwielicht auch den Tag über nicht weichen, und ganz wie ich es vorhergesehen hatte, stellte sich bald von neuem der Regen ein und ließ die Hufen meines Rappen tief in schwarzem Schlamm versinken. Ich traf nicht eine Menschenseele während der letzten Stunden meines Ritts, nicht, bis meine trüben Augen gegen
ittag auf die Weserauen blickten und die Stdat aus dem Dämmerlicht kroch wie ein todgeweihtes Tier.

Aus der Ferne schien mir Hameln stumm und schweigend, ein merkwürdiger, kauernder Ort unter einem Himmel wie aus Blei gegossen. Hinter den Dächern zog sich das farblose Band des Flfußes von Norden nach Süden, und mir, der ich von Osten kam, schien es zur Rechten wie zur Linken in weiter Biegung hinter den Hügelflanken zu verschwinden. Regen trieb in wogenden Schüben über das Land, ließ mal mehr, mal weniger von der Stadt erkennen. Kurz waren die Giebel in all ihrer Klarheit zu sehen, dann wieder verschwanden sie hinter Wolken aus eisiger Nässe.

Schreibstil:

Wortgewaltig läßt Kai Meyer Spannung wachsen, das ganze Geschehen wie ein Märchen wirken, melancholisch und geheimnisvoll, teilweise sogar gespenstig. Der Schriftsteller benutzt eine bildhafte Sprache.

Inhalt:

Robert von Thalstein erhält den Befehl, für seinen Herzog in Hameln nach 130 verschwundenen Kindern zu suchen. Dabei trifft er auf einen Dichter, einige Frauen und Geistliche. Alle geben ihm erst einmal keinerlei Auskunft, bis sich ein Puzzleteil nach dem anderen zusammenfügt.

Meinung:

Sehr interessant, oft in aufzählender Form, sehr fließend zu lesen, vermischt sich die Wahrheit über den Rattenfänger von Hameln mit einem Märchen bzw. einer Sage.

Denkweisen, Lebensformen, Ansichten werden hervorgehoben genauso wie der Aberglaube und die Kraft und die Wirkung einiger Talismanen.

Die Geschichte spielt im ausgehenden 13. Jahrhundert. Viele der genannten Personen und auch das Verschwinden der Kinder sind Recherchen einiger Dokumente entnommen. Manches dichtete Kai Meyer selbst dazu, um einen vollständigen Roman fertigstellen zu können.

Das ist ihm auf jeden Fall super gelungen. Manches hört sich eher märchenhaft, grausig, mysteriös an, dennoch finde ich es ein Meisterwerk in der Art und Weise, es so spannend, dramatisch an den Leser zu bringen.

Innerhalb kürzester Zeit war ich mit dem Lesen des Textes und der insgesamt 10 Kapitel durch, ohne daß es jemals langweilig wurde - und das von Anfang an.

Der Roman ist höchst amüsant, regt zum Nachdenken an, kurzweilig, zudem höchstspannend und dramatisch zugleich.

In Höchstform und wohlüberlegt wird Spannung aufgebaut bis zum Schluß, wo sich das Rätsel um die 130 Kinder löst. Klasse geschrieben, empfehlenswert!

Diesen Bericht teilen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
knopfi.de

knopfi.de

05.08.2007 21:09

Interessant! Gruß knopfi*de

Mangekyou

Mangekyou

03.08.2007 19:33

Sehr schöner Bericht, guten Start ins Wochenende!

Mondlicht1957

Mondlicht1957

03.08.2007 19:14

Sehr informativ geschrieben, LG pet

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken
Preisvergleich sortiert nach Preis
Der Rattenzauber - Kai Meyer

Der Rattenzauber - Kai Meyer

Seiten: 366, Ausgabe: 2, Taschenbuch, Bastei Lübbe (Bastei Verlag)

€ 20,00

Händler kann Preis
erhöht haben

Amazon.de Marketplace Bücher 157 Bewertungen

Versandkosten: EUR 3,2...

Verfügbarkeit: Versandfertig in 1 -​ 2 Werktagen.​.​.

     zum Shop  

Amazon.de Marketplace Bücher

* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein,
da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.


Preisvergleich
Der Rattenzauber - Kai Meyer
Der Rattenzauber - Kai Meyer
Amazon.de Marketplace Bücher
€ 20,00 *
Versandkosten: EUR 3,2.​.​.​...
mehr
 zum Shop
Amazon.de Marketplace Bücher
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 379 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (98%):
  1. kathrin_klitz
  2. Tweety-88
  3. Leuchttuermin
und weiteren 46 Mitgliedern

"hilfreich" von (2%):
  1. BulmaZ

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.
Das könnte Sie interessieren
Die Farben der Wirklichkeit / Heinz Körner Die Farben der Wirklichkeit / Heinz Körner
ISBN: 9783922028079 - Verlag: Körner
5 Testberichte
Zum Angebot für € 12,50
Krabat / Otfried Preußler Krabat / Otfried Preußler
Taschenbuch - ISBN: 9783423252812 - Verlag: dtv - Untertitel: Roman
2 Testberichte
Zum Angebot für € 8,95
Sagen des klassischen Altertums / Gustav Schwab Sagen des klassischen Altertums / Gustav Schwab
Taschenbuch - ISBN: 9783458362135 - Verlag: Insel Verlag
Zu diesem Produkt wurde noch kein Erfahrungsbericht geschrieben. Jetzt bewerten
Zum Angebot für € 5,80
Verwandte Tags für Der Rattenzauber / Kai Meyer