Der Turm / Tellkamp, Uwe

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... Wie oft habe ich das schon beklagt! Doch wann ging es mir mal ganz genau anders herum? Ein schwacher Anfang und zum Ende hin wird es immer besser? Höchst selten! Der viel gepriesene Roman des Trägers des Deutschen Buchpreises 2008 Uwe Tellkamp ist für mich ein solches Buch. Ich wollte ... Bericht lesen





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Dresden - die letzten Jahre der DDR
Erfahrungsbericht von Die_Buchhaendlerin über Der Turm / Tellkamp, Uwe
21. November 2008


Produktbewertung des Autors:   

Niveau: sehr anspruchsvoll 
Unterhaltungswert: durchschnittlich 
Spannung: durchschnittlich spannend 
Humor: wenig humorvoll 
Aufmachung: ok 

Pro: sehr anspruchsvoller Stil, wichtiges Thema
Kontra: Stil ist gewöhnungsbedürftig (aber man kann sich daran gewöhnen)

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Die Problemzone von Romanen ist der Schluss. Wie oft geht es mir so, dass ich Bücher gut finde, mir der Stil gefällt, die Geschichte spannend ist - also alles im grünen Bereich - und dann: ein uninspiriertes Ende, ein Schluss, dem man anmerkt, dass der Autor nun aber mal endlich aufhören will und nicht so recht weiß wie.
Ganz im Ernst: sehr, sehr viele an sich gute Bücher sind keine guten, weil sie zum Ende hin zerfasern, versanden, problematische Enden bekommen, die das, was vorher gut war, im Rückblick auf den Roman auch verschlechtern. Wie oft habe ich das schon beklagt!

Doch wann ging es mir mal ganz genau anders herum? Ein schwacher Anfang und zum Ende hin wird es immer besser? Höchst selten!

Der viel gepriesene Roman des Trägers des Deutschen Buchpreises 2008 Uwe Tellkamp ist für mich ein solches Buch.
Ich wollte es nicht lesen, ich nahm es zur Hand, begann und fand es schrecklich.
Ich las eine begeisterte Kritik, nahm es noch mal zur Hand, las ein wenig weiter, fand es nunmehr höchst ärgerlich und noch schlimmer als beim ersten Mal.
Ich bekam eindringliche Empfehlungen von Menschen, deren Geschmack ich kenne und sehr schätze, die mich beschworen, ihm noch eine Chance zu geben.
Ich tat es. Ich las mich fest, ich wollte tagelang das Buch nicht mehr aus der Hand legen, ich las fast 1000 Seiten und ich hätte - ganz ehrlich - noch gerne weiter gelesen.

Ich glaube, dass ich noch nie ein Buch gelesen habe, bei dem ich anfangs solche inneren Widerstände hatte und das mir zunehmend im wahrsten Sinne des Wortes, wirklich zunehmend, immer besser gefiel. Gerade das letzte Drittel war dann so, dass es mich atemlos machte und ich es für grandios halte.
Auch hier ist es allerdings so: Das Ende (diesmal das gelungene Ende) überstrahlt das ganze Buch und lässt den Anfang zwar nicht vergessen, aber in einem neuen, anderen Licht erscheinen. Ich glaube nun sogar zu verstehen, dass der Anfang so sein musste, wie er ist.

Genug der Vorrede! Worum geht es hier überhaupt?

Daten:

Uwe Tellkamp
"Der Turm" Suhrkamp Verlag 2008
ISBN: 9783518420201
972 Seiten
24,80€

Autor

Uwe Tellkamp wurde 1968 in Dresden geboren. Nach seinem Abitur verpflichtete er sich für drei Jahre bei der NVA, was wohl eine Voraussetzung war, um zum Medizinstudium zugelassen zu werden. Gegen Ende seiner Dienstzeit 1989 kam es zu einer Konfrontation, bei der seine Einheit gegen Demonstranten eingesetzt wurde. Sein Bruder war unter den Demonstranten, Tellkamp verweigerte den Befehl, was ihm Gefängnishaft (zwar nur 2 Wochen, aber das wusste er ja nicht vorher) einbrachte und anschließende "Beurlaubung".
1989 und 1990 jobbte er dann als Hilfskrankenpfleger, als Gehilfe im Braunkohleabbau und als ungelernter Dreher. Anschließend, nach dem Ende der DDR studierte er Medizin in Leipzig, Dresden und New York.
Er wurde Arzt in München, ist aber mittlerweile (seit 2004) nur noch Schriftsteller. Er lebt heute mit seiner Frau und einem Sohn in Freiburg.
Tellkamp gewann 2004 den hoch begehrten Ingeborg Bachmannpreis und zwar mit einem Auszug aus dem noch unveröffentlichten (und bis jetzt noch nicht beendeten) Roman "Der Schlaf in den Uhren". Kein Wunder, dass die literarische Welt höchst gespannt war auf den im Jahr 2005 veröffentlichten Roman "Der Eisvogel" der allerdings absolut floppte. Die Kritik warf ihm damals vor, er stehe hinter seinem Romanhelden, der sich eine "konservative Revolution" wünsche. Man warf Tellkamp vor, er sei ein Neo-Rechter.
Daraufhin kam es zu einem Bruch mit seinem Verlag Rowohlt (wer den Bruch wollte, ob der Autor, der Verlag oder beide, das weiß ich nicht) und Tellkamp wechselte zu Suhrkamp, bei dem nun sein neuer Roman "Der Turm" erschien.

Seit der Veröffentlichung vor einigen Monaten überschlugen sich die Feuilletons mit begeisterten Besprechungen. Er erhielt dafür den Uwe- Johnson - Preis.
Schnell kam er nicht nur auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis (20 stehen auf dieser Liste), sondern auch auf die Shortlist (da war'n es nur noch sechs). Selten gab es - zumindest in der Literaturkritik - eine so große Einigkeit über den Wunschsieger. Es musste unbedingt Tellkamp werden - und er wurde es auch!
Die Erfahrungen mit dem noch recht neuen Deutschen Buchpreis zeigen bisher, dass es ein - von den Verkaufszahlen her - sehr wichtiger Preis ist, der den Siegern große Aufmerksamkeit beschert.
Mein Wunschkandidat war zwar ein anderer (Sherko Fatah mit seinem hier schon besprochenen "Das dunkle Schiff", der es zwar auch auf die Shortlist schaffte, das war es dann aber leider auch), aber nun wollte ich doch selbst sehen, was es mit dem vielgerühmten Werk auf sich hat.

Inhalt:

Der Untertitel "Geschichte aus einem versunkenen Land" mag schon einen Hinweis auf den Inhalt geben: es geht um die DDR, genauer gesagt um die letzten Jahre von 1982 bis 1989.
Der Handlungsort ist Dresden, die Akteure sind Bewohner des dortigen Villenviertels. Einerseits wohnen diese in und in der Nähe der Turmstraße, doch bei dem Titel gebenden Wort Turm denkt man unwillkürlich - und auch folgerichtig - an einen anderen Turm, nämlich den "Elfenbeinturm" der Dichter und Denker, man denkt auch an innere Emigration.

Uwe Tellkamp bringt uns in diesem 1000 - Seiten - Opus eine nahezu untergegangene Gesellschaftsschicht nahe, eine Schicht, von der wohl die meisten "Westler" gar nicht wussten, dass es sie in der DDR gab. In den Häusern mit den klingenden Namen "Tausendaugenhaus" oder "Haus Abendstern" wohnen Menschen, die sich der Hausmusik widmen, Literaturabende veranstalten oder Vorträge über naturwissenschaftliche Hobbies (z.B. der Spinnenkunde) halten.
Sie bilden eine Enklave der Intellektualität, sie spinnen sich ein in ihre kleine Welt, die möglicherweise doch eine größere ist. Es sind Ärzte, Lektoren, Schriftsteller, Schauspieler, Zoologen, Schüler und Studenten.

In einer der Anfangsszenen auf einem großen Familienfest kommt es nicht nur zu einer Vorstellung fast aller Protagonisten, sondern auch zu einem fast komisch anmutenden Clash der Kulturen: hier der Kunst, Literatur und klassische Musik liebende Teil der Menschheit, da die große Freude über seltene profane Genüsse. Denn anlässlich der großen Feier gibt es alles mögliche exotische Obst (Bananen und Kiwis) und seltene alkoholische Getränke.
Hier wird eines der großen Themen des Romans schon angedeutet: der Zusammenprall zwischen innerem Empfinden seiner selbst und dem Auskommen -Müssen mit der Realität.

Eine der Hauptpersonen (für mich: die Hauptperson) ist der Teenager Christian, der sein Cello liebt und an seiner schlimmen Akne leidet. Er geht auf ein Internat und ist ein Lernbesessener, aber auch ein absoluter Büchernarr. Zitat: " Mit 500 Seiten begannen die wirklichen Romane. Mit 500 Seiten begann der Ozean, drunter war Bachpaddeln"

Ein Außenseiter, ein "schwieriger Jugendlicher" der dennoch Freunde findet, doch nie wird es ihm leicht fallen. Wir werden Christian durch die nächsten Jahre begleiten, durch seine Zeit im Internat, sein Abitur, seine erste Liebe (?) und durch die Jahre in der NVA; ja auch ins Gefängnis, in den Braunkohlebergbau und in den Karbidabbau.

Christian und sein jüngerer Bruder Robert sind die Kinder von Richard, einem Chirurgen und Anne, einer Krankenschwester. Richard hat nicht nur ein heimliches Verhältnis mit einer Sekretärin, sondern auch eine gemeinsame Tochter mit dieser. Dies trägt zu seiner inneren Zerrissenheit zwar stark bei, ist aber nicht ihr einziger Grund. Er soll zum Spitzel werden, es wird ihm gedroht nicht nur mit dem Bekannt werden seines Verhältnisses, sondern auch mit der Tatsache, dass er schon einmal als Jugendlicher für die "Firma" tätig war.
Richard und seine Frau Anne überlegen zum ersten Mal, einen Ausreiseantrag zu stellen, doch sie unterlassen es vor allem wegen der Kinder.

Christian möchte unbedingt Medizin studieren, der Weg dazu führt allerdings nur über eine langjährige Verpflichtung zur Nationalen Volksarmee. Nach geplanten drei Jahren soll er sein Studium beginnen. Doch es kommt zu Verzögerungen: er liest die falsche Lektüre, er eckt an, er verhält sich nicht konform genug. Die Gründe, warum er später im Gefängnis (in Schwedt) landet, lasse ich mal außen vor, doch sie sind erschütternd.

Doch neben Christian und seiner engeren Familie gibt es noch andere wichtige Bewohner des "Turms". Vor allem sein Lieblingsonkel Meno Rohde (Bruder seiner Mutter Anne) stellt als ein begeisterter Hobbynaturwissenschaftler und Zoologe und als Lektor eines wichtigen literarischen Verlags eine der interessantesten Figuren dar. Meno ist ein sehr vorsichtiger Mensch, der sich zwar zu allem seine Gedanken macht, doch lieber lange beobachtet, bevor er urteilt. Nach einer gescheiterten Ehe widmet er sich vor allem der Literatur. Doch auch die beste Literatur muss am Zensor vorbei und seine Aufgabe ist es - neben dem Aufspüren von literarischen Schätzen- auch das vorsichtige Verteidigen der Autoren und beanstandeter "Stellen".
Wie schwierig es gewesen sein muss, in diesem untergegangenen Land auch nur ein klein wenig geistige Freiheit durchzusetzen - wer es nicht schon vorher geahnt hat - jetzt weiß es der Leser.
Meno bleibt als eine Art Zwitter, als scharfsichtiger Beobachter einerseits und als Teilnehmender Part andererseits, als ein Kritiker des Systems einerseits als einer, der mitmacht andererseits, ein stummer Held, einer der zwischen den Welten lebt. Er ist es, der die Bewohner des Stadtteils, das "Ostrom" genannt wird, in dem die politische Nomenklatura lebt, persönlich kennt und Zugang zu ihnen hat, doch er ist es auch, der die Literatur der kritischen Autorin Judith Schevola so schätzt, dass er sie gegen Widerstände unbedingt veröffentlichen will. Doch Meno ist nicht der Typ des "Kämpfers".

Es kommen noch so viele ganz wichtige Menschen vor, so viele, dass der Verlag extra ein Lesezeichen mit Hilfestellung (who is who) zum Buch dazu gibt, ein Lesezeichen, das aber nicht sehr hilfreich ist, weil viele, die mir als wichtig erschienen gar nicht darauf auftauchen und andere bloße Nebenfiguren schon.
Ich werde jedenfalls nicht versuchen, das gesamte Romanpersonal aufzuzählen, das bringt niemandem etwas.
Vielleicht ist es aber nützlich wenn ich mich an einer kleinen Typologie der "Helden" versuche:
Diverse wichtige Schriftsteller - arrivierte, kritische, die miteinander kämpfen - nicht immer nur um die bessere Literatur, sondern um Posten, um gesellschaftliche und politische Anerkennung, um Einfluss und Macht. Manche auch einfach darum, veröffentlicht zu werden.

Ärzte, Zahnärztinnen, Krankenhauspersonal - auch hier zeigt Tellkamp ganz detailliert und mit einem - auf den ersten Blick nicht sichtbaren, aber dennoch subtil vorhandenen - Humor die eiskalten Machtkämpfe und Hierarchien im Mikrokosmos Krankenhaus. Sicher ist vieles davon auf die heutige Zeit oder auf die damalige BRD übertragbar - doch hinzu kommt eben in diesem Fall immer noch der Druck des Bespitzelt - Werdens, des Nicht - Offen - Reden - Könnens.

Die Wohnungsnot: ein anderes Thema, das wie nebenbei und ebenfalls leicht ironisch an Zwangsbelegungen der Wohnungen unserer Turmbewohner dargestellt wird. So drücken die Behörden den Menschen im Tausendaugenhaus noch ein munteres Ehepaar - sie Pionierleiterin und er Kampfgruppenkommandeur - aufs Auge bzw. mit ins Haus.
Republikflüchtige, oppositionelle Pfarrer, Heuchler und Schleimer, Spitzel, Mutige, Feige, Menschen, die versuchen, ihr "eigenes" Leben durch zu ziehen ohne Rücksicht auf Verluste, es gibt andere, die noch an einen echten Sozialismus glauben und die allermeisten, die sich einfach irgendwie "durchwurschteln" .

Die Zeit Christians bei der Armee und während seiner Strafen sind nicht nur von der Seitenlänge, die der Autor dieser Thematik widmet, sondern auch in meinen Augen ganz eindeutig einer der wesentlichen Handlungsstränge des Buches.
In diesen Kapiteln wird dieses "versunkenen Land" mit seiner ganzen Brutalität geschildert, dass es dem Leser kalt den Rücken herunter läuft.

Christian bleibt nicht - wie anfangs gedacht - drei Jahre bei der NVA, sondern erzwungene fünf. Ganz gegen Ende seiner Dienstzeit soll er gegen "Wir sind das Volk" rufende Demonstranten (wir schreiben das Jahr 89) ausrücken. Er sieht seine Mutter unter den Demonstranten und dreht durch…

Stil:

Tellkamp beginnt seinen Roman mit einem höchst ungewöhnlichen Stil, einem sehr poetisch raunenden, sehr manierierten Kunststil. Er erinnert an das 19. Jahrhundert, an "hohe" Literatur, an Vergangenes. Auch wenn ich sonst kein Fan von Leseproben bin, hier nun doch eine:
"…suchend, in der Nacht der Strom ein ermüdetes krankes Tier, träumend in einem Schlafgehäuse, um das die Kälte steigt, und Straßenadern auf den Inseln, schütter beleuchtet, eingezwängt in den Frost und das Schweigen, Menschen mit biegsamen Schatten hasten über die Magistralen, wo am 1. Mai die Banner wehen… der Fluß öffnet Hörrohre… die Große Uhr schlug, und das Meer stieg vor den Fenstern, den Zimmern mit den Farntapeten und den Eisblumen an den Leuchtern, den Stuckdecken und schönen Möbeln…
Dresden - in den Musennestern wohnt die süße Krankheit Gestern"

Der Stil wird zunehmend "normaler" also weniger an Lyrik, die versehentlich in einen Prosatext gezwungen wurde, erinnernd.
Dennoch bleibt er - zumindest im ersten Drittel - sehr gewöhnungsbedürftig. Zu gewollt, zu viele sonderbare Namen wie Ezzo, Reglinde, Meno stört mich ebenso wie die all zu geschliffene und ausgefeilte Sprache. Einen Thomas Mann gibt es schon, er muss nicht noch einmal erfunden werden.

Doch irgendwann merkt man, dass ihm wunderbare Sprachbilder gelingen, dass manche Sätze so schön sind, dass man sie noch einmal lesen möchte. Habe ich mich einfach an seinen Stil gewöhnt? Oder - was ich eher denke - gelingt es Tellkamp wirklich, mitten drin zu wechseln?
Wenn man die Passagen, in denen er Meno Rohde einen literarischen Text schreiben lässt mit den Internatspassagen vergleicht, oder noch stärker spürbar, in den Gesprächen zwischen den NVA Soldaten, dann merkt man sehr deutlich, dass Tellkamp nicht nur über e i n e n Sprachstil verfügt, sondern er passt den Duktus ans Geschehen an.
Je weiter man liest, desto mehr nimmt einen nicht nur der immer spannender werdende Inhalt gefangen, sondern eben auch die Sprache. Es fällt mir auf Anhieb kein vergleichbarer junger deutscher Autor ein, der so virtuos, so poetisch, dennoch so genau und so ums Detail bemüht schreibt wie Tellkamp.

Meine Meinung:

Ich habe eingangs schon beschrieben, wie schwer ich mich am Anfang tat. Tatsächlich ist diese Kritik nicht ganz verschwunden trotz meiner zunehmenden Begeisterung fürs Buch.

Immer noch finde ich, dass er zu sehr nach "ganz oben" schielt, dass er auf genau das, was dann auch eintrat, gehofft hatte: auf Vergleiche mit Thomas Mann, Alfred Döblin und Uwe Johnson.

Ich habe noch nicht den inneren Abstand zu dem Buch um darüber ein abschließendes Urteil abgeben zu können, dazu muss noch ein wenig Zeit vergehen. Keiner verlange von mir, dass ich sage: "Ja, Tellkamp ist der Thomas Mann des 21. Jahrhunderts", das muss er ja auch nicht sein.
Aber dass er ein ungewöhnlich sprachmächtiger, talentierter Schriftsteller ist, dessen Buch man wirklich auf keinen Fall überfliegen sollte, sondern eher langsam lesen, einer, dem ich viel zutraue, ja, das kann ich auch jetzt schon sagen!

Möglicherweise fügt sich meine Lektüre des Turms auch gut ein in andere -großartige- Bücher, die ich in der letzten Zeit über die DDR gelesen habe.
Mit dem Roman von Bräunig "Rummelplatz" der die Anfangsjahre der DDR beleuchtet und meinem "Lieblingsautor" (ja, so etwas habe ich zur Zeit wirklich) Clemens Meyer, der eher die dunkle Seite der Nachwendezeit nahe bringt, nun also die letzten Jahre der untergegangenen DDR. Und dann gibt es ja auch immer noch den nicht zu unterschätzenden Ingo Schulze. Alle drei ganz großartige Schriftsteller, die alle wirklich so was von unterschiedlich schreiben, dass man keinen gemeinsamen Nenner finden kann, außer eben diesem: Sie schreiben über diesen wichtigen Teil der deutschen Geschichte.

Uwe Tellkamp fügt mit seinem opulenten Gesellschaftspanorama ein weiteres Puzzlestück hinzu. Das große Rätsel: wie war es wirklich? Wie war es für wen unter welchen Umständen?
Das ist für mich eine wahnsinnig spannende Frage - die der neue Preisträger des Deutschen Buchpreises - höchst aufschlussreich beantwortet.
Für mich ist er aber nicht - wie andere Rezensenten es bezeichnen - "der große Wenderoman", sondern er fügt eine Facette zu meinem Bild hinzu. Zugegeben: mehr als nur eine Facette und er tut es richtig gut!

Ganz nebenbei muss ich Tellkamp für einen Satz, über den ich bei einem Radiointerview noch abschätzig gelächelt hatte, mittlerweile absolut Recht geben: das Buch ist nicht zu lang, es musste genau so lange werden, wie es ist.

Stimmt genau, Herr Tellkamp!

Fazit:

Die Lektüre lohnt sich wirklich! Nehmt euch Zeit zum Lesen, lasst euch nicht gleich abschrecken - es ist ein echter Gewinn!

P.S. … und so viel Buch für vergleichsweise so wenig Geld… 

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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich

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12.05.2009

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