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Erfahrungsbericht von geistreich über Der Verlag / Jungbluth, Roland 2. August 2009
Produktbewertung des Autors:
Aufmachung:
schön
Zeichnungen:
supergut
Unterhaltungswert:
sehr hoch
Anspruch:
geht so
Fun-Faktor:
riesig
Pro:
100% Lachfaktor, Unterhaltungswert, Details in den Zeichnungen, auch z . Auflockerung zwischendurch
Kontra:
Wer keinen schwarzen Humor versteht, ist selber Schuld .
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
...wie eine Gewehrkugel. So könnte man den satirischen, zum Totlachen komischen, grotesk-schwarzen Humor dieser Comicepisoden gut zusammenfassen. Wer hingegen keinen schwarzen Humor mag, dem würde ich eher von diesem Buch abraten. ;-)
Aufmerksamkeit und Erwerb
Als ich einen Erfahrungsbericht über diesen Comicband hier auf Ciao las, war mir sofort klar, dass ich ihn unbedingt haben musste. Dieses Buch schrie mich förmlich an: Los, kauf mich! ;-))) Bei Amazon wurde ich auch kurz darauf fündig, ohne lange suchen zu müssen. Gebraucht bzw. auf dem Marketplace ist er dort aktuell fab 2,49 € (zzgl. der üblichen 3,00 € Versandkosten) erhältlich. Wenige Tage nach der Bestellung war es auch schon da.
Daten zum Buch
erschienen 2007 im Rahmen der Ehapa Comic Collection Egmont Verlagsgesellschaften mbH, Gertrudenstr. 30-36, 50667 Köln 1. Auflage ISBN: 9783770430895 64 Seiten Redaktionsleitung: Alexandra Gertmann Redaktion: Dennis Becker Covergestaltung: Roland Jungbluth und Wolfgang Becker Buchherstellung: Sandra Pennewitz Koordination: Nadin Kreisel Druck und Verarbeitung: freiburger graphische betriebe, Freiburg Abmessungen: 20,6 x 16 x 0,6 cm Einband: broschiert mit glänzender Oberfläche Papierqualität: mittelstark, normal flexibel und nicht zu dünn
Worum geht's?
Der Klappentext verspricht:
„Der Verlag ist... ... ein satirischer Blick hinter die Kulissen der Verlags- und Medienwelt ... ein Abbild des alltäglichen Bürowahnsinns ... voll schräger Ideen und schwarzem Humor ... kritische Unterhaltung ohne erhobenen Zeigefinger ... ein Ratgeber für Führungskräfte (Anmerkung: auch DAS ist Ironie!) ... ein kleiner großer Comicstrip mit Herz“
Eigene Erläuterungen zum Aufbau und Inhalt:
In „Der Verlag“ werden in verschiedenen kurzen, meist ein-seitigen Episoden und Szenen diverse Aspekte der Verlagswelt humoristisch auf die Schippe genommen. Einige Episoden sind auch zwei oder drei Seiten lang – diese sind mit einem kleinen „Fortsetzung folgt“ Kasten unten rechts im letzten Bild versehen. In der Regel handelt es sich jedoch um abgeschlossene Episoden, so dass man auch mal eben zwischendurch und mittendrin eine Episode lesen und anschauen kann. (Ich habe es aber von vorne bis hinten durchgelesen, wie gewohnt – es ist ja auch so schnell durch.)
Die Protagonisten sind vier Menschen, die in dem Verlag arbeiten:
Der Chef, bei dem es sich um einen Hund handelt
Frau Babbel-Fön
Herr Kümmel (der mit den orangenen Haaren)
Herr Gibbel
und einige Nebenfiguren, wie etwa den spanischen Muskelprotz, der engagiert wird, um einen Autor in diversen Interviews zu doubeln, und die Leute von der L. M. A. A. (Liga für Moral, Anstand und Aufrichtigkeit)
So etwas wie eine Storyline gibt es nicht, da es sich wie gesagt um verschiedene Episoden handelt. Wohl aber gibt es ab und an Verknüpfungen. Wenn man es in einem durch von vorne bis hinten liest, kann man es durchaus so lesen, dass es gewissermaßen aufeinander aufbaut. Aber auch, wenn man sich die eine oder andere Episode separat herauspickt, dürfte es eigentlich keine Verständnisprobleme geben. Viele der Episoden handeln von Meetings, in denen Ideen zu Konzepten, Problemen und anderen die Verlagsarbeit betreffenden Dingen besprochen werden. Dabei leitet meist der Chef die Diskussion, etwa ein Brainstorming, ein, und die Mitarbeiter antworten reihum darauf. Aber wehe, eine Idee tanzt aus der Reihe oder passt nicht zum profitorientierten, ellbogenhaften und trickreichen Verlagskonzept! Moral und Gewissen sind hier nicht nur Fremdwörter, sondern sogar fehl am Platze. Mit völlig meschuggen Werbe-und Medienkampagnen werden die potentiellen Kunden für dumm verkauft; um die Konkurrenz auszustechen und ihre Produkte zu vermarkten, wird auch vor unlauteren Methoden nicht Halt gemacht. Autoren werden nach – nun ja – recht ungewöhnlichen Methoden ausgewählt, und welche Bücher veröffentlicht werden, entscheidet nicht der Inhalt, sondern ein schnüffelnder kleiner Köter (nein, NICHT der Chef... ein anderer Hund).
Weitere Themen aus diesem „kunterbunten Ideenstrauß“ sind Hypothesen über Massenentlassungen, feindliche Übernahmen sowie Plagiate, wobei als zusätzlich untermalendes „Bonbon“ in einigen Szenen auch einige bekannte Comicfiguren - wie zum Beispiel Snoopy (naheliegend *schmunzel*), Lucky Luke (alias „der Autorenflüsterer“), Garfield, Dagobert Duck, Bart von den Simpsons und Charlie Brown - persifliert werden bzw. in überraschend neuer Konstellation kurz auftauchen.
Dass die fehlende Moral des Unternehmens nicht ungestraft davon kommt, wird deutlich, als die so genannte L. M. A. A. vor der Tür steht, später begleitet von einer Organisation, die abgekürzt paradoxerweise F. U. C. K. heißt (steht für „Frauen gegen Unterdrückung, Chauvinismus und Krieg“). Ein Mal muss sich der Chef sogar vor Gericht verteidigen, und ein paar Mal landet die Crew im Gefängnis – davon ein Mal auf dem Kopf angekettet (nur der Chef ist aufrecht angekettet, über ihm steht ein Schild mit der Aufschrift: „VIP-Bereich: Bitte aufrecht anketten“).
Wie man sich inzwischen sicher denken kann, sind die meisten Gags alles andere als politisch korrekt, oft sogar fies und gemein. So wird beispielsweise in einer der Geschichten ein „Stuntwelpe“ ins All gekickt (dabei wird eine Art Warnung eingebaut, in der Kinder gewarnt werden, dies nicht nachzumachen, und auch die FSK wird dabei persifliert); in einer anderen der Teufel aus den Büchern des Verlages herausgetrieben. Wieder andere Szenen befassen sich mit sexistischen Klischees (z. B. Frauen und Einparken, Blondinen). Wer für solchen Humor also nichts übrig hat, sollte das Buch besser nicht lesen. Er könnte unter anderem den Glauben an das Gute im Verlagsmenschen verlieren. Wenn Ihr es doch kauft, könnt Ihr hinterher nicht behaupten, ich hätte Euch nicht gewarnt! *gg*
Ach ja – wie gesagt: Es ist ein Erwachsenencomic und aus dem oben genannten Grund tatsächlich nicht für Kinder geeignet. Und dass man es auf keinen Fall ernst nehmen sollte, sollte eigentlich auch vernünftigen Menschen sonnenklar sein. ;-)
Witzig finde ich auch, dass ziemlich am Ende der Autor sich selbst einbaut und durch den Kakao zieht. Und dann ist da noch die Szene mit dem Redner in der Aktionärsversammlung, dem die Nase wie bei Pinocchio immer länger wird, je mehr er lügt.
Das sind natürlich noch laaaaaaaaaange nicht alle Gags, sondern nur ein kleiner Auszug... Lasst Euch einfach überraschen!
Mein Senf dazu
Ich habe mich damit köstlich amüsiert! Hiermit kann man wunderbar auf – teils makaber – ironische Weise seine Lachmuskeln trainieren. An manchen Stellen hätte ich sogar fast Tränen gelacht. Die Gags sind sehr treffsicher und einfallsreich, Unterhaltung ist von vorne bis hinten ununterbrochen gegeben, egal welche Episode man sich vornimmt. Dabei ist es an keiner Stelle zu sehr überladen, sondern lässt sich stets locker und flüssig lesen und betrachten. Es ist witzig – zumindest, wenn man gelegentlich kompromiss- und quasi tabulosen schwarzen Humor mag – verlangt dabei aber auch ein Köpfchen zum Mitdenken. Also genau die richtige Kombination für mich. :-) Einen normal intelligenten Menschen dürfte es eigentlich niemals überfordern. Wer hingegen geistlosen, hohlen Humor bevorzugt, wird mit diesem Buch wenig anfangen können.
Die Zeichnungen sind eher schlicht gehalten, meistens bunt (ein paar Szenen sind mit Absicht schwarzweiß!) und gestochen scharf skizziert. Die Figuren sind nicht lebensecht, sondern – passend zu einer Satire – karikaturmäßig gezeichnet, mit übergroßem, etwa birnenförmigen Kopf und verhältnismäßig kleinerem Körper. Allein dieser Zeichenstil trägt noch zur Erheiterung bei und gibt einen passenden optischen Rahmen für die inhaltlichen Gags und Situationen. Auch werden einige Details wie nebenbei integriert, die das Ganze noch lustiger bzw. ironischer machen (so wird beispielsweise die Zeitschrift „Stern“ in einem Comicstrip mit dem Namen „Stirn“ persifliert, und es tauchen zwischendurch ein paar ebenso sarkastisch-witzige „Werbeanzeigen“ auf).
Das Verhältnis zwischen Bild und Text ist nach meiner Einschätzung recht ausgewogen. Weder werden die schwarz umrahmten Szenenbilder zu sehr mit Text überfrachtet, noch mit zu vielen Details. Letztere sind ausreichend, so viele wie nötig / angemessen und so wenige wie möglich. Gerade genug. Dank dieser Ausgewogenheit lässt sich das Werk also locker und entspannt zu Gemüte führen.
Der Autor und Zeichner
Roland Jungbluth hat ein Studium der Volkswirtschaft abgeschlossen, bevor er die Journalistenschule in Köln besuchte. Von 1992 bis 2000 war er Wirtschaftskorrespondent beim Stern und beim Spiegel und anschließend stellvertretender Chefredakteur bei Net Business. Heute ist er Autor für die Zeitschrift Max.
Fazit
Alle Fans des sarkastischen Humors werden ihre helle Freude daran haben! Ich für meinen Teil vergebe fünf Sterne und eine auf Erwachsene limitierte Empfehlung. (Kinder und jüngere Jugendliche würden diese Art von Humor 1. nicht immer verstehen, und 2. möglicherweise nicht richtig damit umgehen können. Außerdem sind manche Szenen schon an sich heftig, auch wenn auf hässliche Details in der Darstellung verzichtet wurde.) Müsste ich eine FSK-Freigabe hierfür tätigen, würde ich sagen: Frühestens ab 16.
Pro: Satirische Episoden mit einigem Witz. Kontra: Einige Gags wiederholen sich.
...wir die täglichen Abläufe in der Chefetage eines großen Verlages. Der oberste Boss ist ein Hund, der namenlos bleibt - logisch, denn wer könnte einem Hund je böse sein, was auch immer sein Verlag für einen Müll produziert und sich bewußt mit den Hütern von Sitte und Moral anlegt. Unterstützt wird der Chef von einem Führungsstab aus zwei Männern und einer Frau, die in der Regel dämlich daherkommen und sich von ihrem hündischen Boss zu fast allem zwingen ... ...Buch empfohlen, die sich mit der Auswahl neuer Autoren für den Verlag befassen oder die Bewerbung der neuesten Bestseller betreffen. Wie dezent es im fiktiven Verlag zugeht, erkennt man schon am Titelbild, das mit dem schlichten Satz „Kaufen Sie diese Buch!" auf Kundenfang geht - was vom Chef allerdings als „zu subtil" kritisiert wird. Ein amüsanter Comic-Band, der aus jeweils eine Seite langen Stories besteht. Einige der Gags wirken aber doch etwas ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
Aufmachung:
Zeichnungen:
Unterhaltungswert:
Anspruch:
Fun-Faktor:
sehr hilfreich
05.07.2009
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