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Der Verlag / Roland Jungbluth

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Verlags-Unwesen

4  05.07.2009

Pro:
Satirische Episoden mit einigem Witz .

Kontra:
Einige Gags wiederholen sich .

Empfehlenswert: Ja 

KaiRabe

Über sich:

Mitglied seit:04.05.2005

Erfahrungsberichte:129

Vertrauende:23

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 130 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

IN KÜRZE:


Im Comic-Band „Der Verlag" von Zeichner und Autor Roland Jungbluth erleben wir die täglichen Abläufe in der Chefetage eines großen Verlages. Der oberste Boss ist ein Hund, der namenlos bleibt - logisch, denn wer könnte einem Hund je böse sein, was auch immer sein Verlag für einen Müll produziert und sich bewußt mit den Hütern von Sitte und Moral anlegt. Unterstützt wird der Chef von einem Führungsstab aus zwei Männern und einer Frau, die in der Regel dämlich daherkommen und sich von ihrem hündischen Boss zu fast allem zwingen lassen. Wem an dieser Stelle noch nicht klar ist, dass hier ein satirischer Blick auf das Verlags- und Medienwesen geworfen wird, dem seien insbesondere die Comics im Buch empfohlen, die sich mit der Auswahl neuer Autoren für den Verlag befassen oder die Bewerbung der neuesten Bestseller betreffen. Wie dezent es im fiktiven Verlag zugeht, erkennt man schon am Titelbild, das mit dem schlichten Satz „Kaufen Sie diese Buch!" auf Kundenfang geht - was vom Chef allerdings als „zu subtil" kritisiert wird. Ein amüsanter Comic-Band, der aus jeweils eine Seite langen Stories besteht. Einige der Gags wirken aber doch etwas abgedroschen und wiederholen sich mehr oder weniger innerhalb des Bandes. Die Zeichnungen von Roland Jungbluth wirken auf mich nicht sehr aufregend, spielen aber immerhin gelegentlich mit bekannten Comic-Figuren oder gar mit dem Medium Comic selbst.

DER AUTOR:


Roland Jungbluth, Jahrgang 1973, war mir vor diesem Band völlig unbekannt. Auf seiner Internet-Seite www.nuckellumpen.de gibt er Einblicke in sein Comic- Und Cartoon-Universum. Dieses besteht neben dem „Verlag" vor allem aus Cartoons, nämlich in den Reihen „Irre ist menschlich", „Kribbeln im Bauch" und „MMM"(„Mode, Männer und Moneten"). Es fällt auf, dass Jungbluths satirische Inhalte je nach Serie in unterschiedliche Zeichenstile gehalten sind, aber stets dem karikaturhaften Strich verpflichtet sind. Der vorliegende Band „Der Verlag" von 2007 ist offenbar seine erste Buchveröffentlichung.

DIE SERIE:


In diesem querformatigen Band sind 62 Strips aus der Serie gesammelt, die in der Regel nach einer Seite zu einem Gag, und damit zu einem
Bilder von Der Verlag / Roland Jungbluth
Der Verlag / Roland Jungbluth Cover
Der Verlag / Jungbluth, Roland
Ende finden. Da die Texte relativ umfangreich und auch wichtig sind, ist der Band aber nicht so schnell durchgelesen, wie man zunächst befürchten könnte.
Die Figuren werden dem Leser nicht groß vorgestellt; ihre Namen sowie ihre Macken werden aber im Laufe des Bandes dem Leser nahegebracht. Lediglich der Hund, der der große Boss des Verlages ist, bleibt namenlos, ist aber dennoch die Hauptfigur. Zu seinem Führungsstab, mit dem er regelmäßig konferiert, gehören die dämlichen Herren Gibbel und Kümmel, sowie die ehrenwerte Frau Babbel-Fön. Alle genannten gehören insofern zur heutigen Medienwelt, indem sie zugunsten des Profits alle moralischen oder kulturellen Bedenken fallen lassen und dem Leser auch noch den letzten Mist verhökern - zur Not auch unter Vortäuschung falscher Tatsachen, so wird z.B. ein hässlicher Autor bei öffentlichen Auftritten durch einen debil wirkenden Schönling ersetzt, der alle für sich einnimmt, ohne zu wissen worin es in „seinem" Buch überhaupt geht. Da kommt es schon mal zu juristischen Auseinandersetzungen. Zum Glück gibt es dafür Frau Tschigita Babbelgamm, eine „Volljuristin", die im Gerichtssaal mit ihrem weiblichen Reizen zu punkten versteht. Wie einfach wäre ansonsten das Verlagsleben, gäbe es nicht entschiedene Gegner einer allzu großen rücksichtslosen Kommerzialisierung - die „Liga für Moral, Anständigkeit und Aufrichtigkeit" (kurz L.M.A.A.) tritt auf den Plan und will durch einen Exorzismus den Teufel aus den Produkten des Verlags austreiben.

DER INHALT:


Schon im ersten Strip des Bandes erleben wir eine der Sitzungen, in denen die drei Mitarbeiter des Chef-Hundes nicht gerade durch ihre überragende Kompetenz auffallen. Der Chef will die Meinung seiner Mitstreiter zu einem geplanten Enthüllungsbuch hören, doch diese kommen erst gar nicht dazu, weil sie sich in die dämlichsten Ausreden verstricken. Die Namen der drei kompetenten Persönlichkeiten erfahren wir im weiteren Verlauf des Buches - es sind die Herren Gibbel und Kümmel, sowie Frau Babbel-Fön.
Danach geht es gleich um ein ganz heißes Eisen - und diesmal zeigen sich die drei gleich viel aktiver. Der Boss will ein „Pro-Walfang-Buch" herausbringen und will wissen, wie man der Öffentlichkeit das umstrittene Thema schmackhaft machen kann. Herr Gibbel argumentiert: „Wale nehmen echten Fischen den Platz weg." Frau Babbel-Fön würde ein Ende der „nervigen Walgesang-CDs" begrüßen, während Herr Gibbel einbringt, dass Wale aufgrund ihrer mangelnden Mediennutzung eigentlich keine potentiellen Kunden sind. Fehlt nur noch, dass auch die Gegenseite scheinbar bedient wird, vor allem durch einen organisierten Protest gegen das Buch, der nur der Vermarktung von Anti-Walfang-Aufklebern dient. Und der Gewinn daraus? Der fließt in die Anschaffung einer neuen Harpune („Wal-o-Piek 300"). Der Chef ist begeistert und bittet zur „Gruppenumarmung".

Doch der Verlag ist nicht nur im Buchbereich aktiv, sondern macht auch andere Medien unsicher. In Planung ist ein Fernsehsender namens „Klon-tv", der sich eifrig bei dem bedient, was anderswo längst auf dem Müll gelandet ist. Und tatsächlich sehen wir bald den Chef und seine drei Mitarbeiter nachts die Programmabfälle von „Kabbel 1" durchwühlen - immer auf der Suche nach den neuesten Uralt-Trends wie „Dallas, „Unsere kleine Farm" oder „Miami Vice" („und überall ist Schimmel..."). Der Boss ist hochzufrieden und sieht schon Fernsehträume Wirklichkeit werden.

Später sucht der Verlag den neuen „Super-Autor" - natürlich ganz nach dem Motto „Stolz und Würde bitte an der Garderobe abgeben". Zunächst erfahren wir ergriffen, dass für den Erfolg eines Buches der Umfang des Autors eine entscheidende Größe ist. Wer von den Kandidaten daher zu dick ist, um durch ein bestimmtes Loch zu passen, kann gleich wieder gehen - völlig unabhängig davon, was er oder sie denn so geschrieben hat. Im nächsten Strip kommt es zum Endkampf zwischen zwei Herren, die ihre Schriftstellerei immerhin relativ ernst nehmen und einer blonden Dame, die sich kaum verständlich ausdrücken kann, aber denn doch mit ihrem Werk „Pömps und Pudels" den Wettbewerb für sich entscheidet.

Auch mit den Mitteln des Comics kann der Autor erfolgreich spielen. In einer Folge sehen wir zunächst die Mitstreiter des Chefs und den Hintergrund in Schwarz-Weiß. Als die drei sich fragen, was los ist, erscheint der Boss - er allein ist weiterhin in Farbe. Dieser erklärt, dass die Farben einer Sparmaßnahme zum Opfer gefallen ist, die aufgrund anderweitiger „Billigproduktionen" unerlässlich war. Speziell Herr Gibbel ist überhaupt nicht begeistert und befürchtet sogar, dass die Sparmaßnahmen noch weiter gehen werden, so dass die Figuren bald nur noch im Kleinformat und als Strichmännchen zu sehen sind. Und tatsächlich erscheinen die drei im letzten Bild stark verkleinert und primitiv gezeichnet. Nur der Chef ist ganz der Alte und lobt Gibbels tollen Vorschlag...


ZU DEN ZEICHNUNGEN:


Obwohl die Zeichnungen relativ einfach gehalten sind, kann doch im Großen und Ganzen das Minenspiel der Hauptfiguren überzeugen und gibt deren jeweilige Gefühlslage passend wieder. Auf Hintergründe verzichtet der Zeichner dann, wenn diese nicht unbedingt erforderlich sind und macht sich das Leben so desöfteren relativ leicht.Zum Schluss des Bandes setzt er sogar sich selbst in Szene und gibt einen witzigen Einblick in seine Arbeit.

DIE DATEN:


„Der Verlag"
Text, Zeichnungen und Farbe von Roland Jungbluth
64 Seiten in Farbe
Querformat 21 mal 16,5 cm
Softcover
Ehapa-Comic-Collection 2007
ISBN 978-3-7704-3089-5
Preis: 7 Euro
Verlag:
www.ehapa-comic-collection.de
Zeichner:
www.nuckellumpen.de

INSGESAMT:

Eine witzige Reihe, deren satirische Spitzen gegen Fehlentwicklungen im Verlags- und Medienbereich in etlichen amüsanten Episoden verpackt sind Natürlich ist die Kritik an Verflachung und Kommerzialisierung des Kulturbetriebs ein gefundenes Fressen für so manchen, längst nicht nur für Roland Jungbluth. Dies kann dazu führen, dass manche Stelle in diesem Buch einem von anderswo bekannt vorkommt. Auch innerhalb des Buches selbst gibt es Wiederholungen, so z.B. die Ablehnung von hässlichen Autoren.

Um aber unverwechselbar zu sein oder zu bleiben verwendet der Autor karikierte Figuren in seinem persönlichen Zeichenstil und lässt einen Hund die zentrale Rolle übernehmen. Wie im Band ja auch erklärt wird, kann niemand einem Hund etwas übelnehmen; und auch der Autor ist damit erfolgreich. Nicht umsonst persifliert der Autor auch seine eigene Arbeitsweise und zeigt uns die Erwägungen bei der Schaffung einer neuen Comicfigur. Der Künstler ist jedenfalls ein ehrlicher Mann, wie könnte es auch anders sein bei einem Band, der mit „Kaufen Sie diese Buch!" eröffnet und auch weiterhin einige sehr dick aufgetragene Stelle zu bieten hat. Ich denke hier nur an die Gerichtsverhandlung um den „Bibelskandal" (bitte selbst nachlesen), bei der der nette Richter Lassfrei leider durch die resolute Richterin Abinsloch ersetzt wird. Nicht gerade die Krönung der Subtilität, aber es passt natürlich zum Geist des gesamten Bandes.

Bleibt noch zu erwähnen, dass der Autor gelegentlich auf Comicfiguren aus anderer Hand zurückgreift, um seine Stories noch witziger zu machen - so erleben wir die Umerziehung eines Autors durch einen „Autorenflüsterer", der irgendwie einem gewissen einsamen Cowboy ähnelt. Auch sehr schön der Beitrag zu Rauch- und Alkoholverboten im Comic, wo einige Gaststars auf uns warten.


Ich kann den Band daher weitgehend empfehlen und gebe ihm vier Sterne, auch in der Hoffnung, dass es nicht überall im Mediengeschäft so zugeht, insbesondere nicht im Haus der Ehapa Comic Collection, die hier mal wieder einen interessanten Band eines mir vorher völlig unbekannten deutschen Zeichners veröffentlicht hat.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
giselamaria

giselamaria

12.04.2010 10:43

prima Bericht!! - LG gisela

christianpirker

christianpirker

01.08.2009 16:54

Sehr guter Bericht! Liebe Grüße, Christian

geistreich

geistreich

28.07.2009 00:34

Das muss ich lesen (und parallel natürlich auch anschauen)! LG Karin

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