Der Verlorene / Treichel, Hans-Ulrich

Der Verlorene / Treichel, Hans-Ulrich

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... Oder unterschwellige Botschaften vermitteln? Vielleicht ergibt dieser Bericht sogar rückwärts gelesen das Rezept für eine leckere Tomatensuppe? Diesen Bericht widme ich der Vorstellung eines vielleicht nicht besonders bekannten Nachkriegsromans: „Der Verlorene“ von Hans-Ulrich Treichel. ... Bericht lesen





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Der Verlorene / Treichel, Hans-Ulrich Der Verlorene / Treichel, Hans-Ulrich
Buch, gebundene Ausgabe, 88 S., Erschienen: 2006
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Der Verlorene / Treichel, Hans-Ulrich Der Verlorene / Treichel, Hans-Ulrich
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Der Verlorene. Jubiläumsausgabe / Treichel, Hans-Ulrich Der Verlorene. Jubiläumsausgabe / Treichel, Hans-Ulrich
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Der Verlorene - Hans-Ulrich Treichel Der Verlorene - Hans-Ulrich Treichel
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Der Verlorene - Hans-Ulrich Treichel Der Verlorene - Hans-Ulrich Treichel
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Der Verlorene - Hans-Ulrich Treichel Der Verlorene - Hans-Ulrich Treichel
Seiten: 174, Ausgabe: 1, Gebundene Ausgabe, Suhrkamp
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Der Verlorene. - Hans-Ulrich Treichel Der Verlorene. - Hans-Ulrich Treichel
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Der Verlorene. Text und Kommentar / Treichel, Hans-Ulrich Der Verlorene. Text und Kommentar / Treichel, Hans-Ulrich
Taschenbuch, 180 S., Erschienen: 2005
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Amüsante Nachkriegsliteratur....
Erfahrungsbericht von Boda über Der Verlorene / Treichel, Hans-Ulrich
9. Juni 2004


Produktbewertung des Autors:   

Niveau: leichte Kost 
Unterhaltungswert: hoch 
Spannung: durchschnittlich spannend 
Humor: ziemlich humorvoll 
Aufmachung: mäßig 

Pro: amüsant, originell, gute Geschichte
Kontra: zum Ende hin wird das anfangs Originelle etwas langweilig

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

....geht das überhaupt?

Momentan bin ich im Bücherrausch. Ich glaube, es ist meine Art, das abrupte Bildungsdefizit nach dem Abitur auszugleichen. Vielleicht möchte ich damit auch Bildung vortäuschen. Oder unterschwellige Botschaften vermitteln? Vielleicht ergibt dieser Bericht sogar rückwärts gelesen das Rezept für eine leckere Tomatensuppe?

Diesen Bericht widme ich der Vorstellung eines vielleicht nicht besonders bekannten Nachkriegsromans: „Der Verlorene“ von Hans-Ulrich Treichel.
„Nachkriegsroman“, werdet ihr vielleicht denken, „ich möchte im Moment vielleicht lieber unterhaltsamere Literatur genießen.“
Richtig, aber hier ist das ja noch nicht einmal ein Wiederspruch.


Treichel beschreibt in seinem Roman eine tragischerweise typische Nachkriegsfamilie: die Familie hat bei der Flucht aus dem Osten ihren Erstgeborenen Sohn Arnold verloren.
Interessant ist nun, das Treichels Roman nicht aus der Sicht eines der Elternteile, sondern aus der Sicht ihres zweiten Sohnes, der Ich-Erzähler, dessen Namen der Leser nicht erfährt.

Bis dieser Sohn ein erwachseneres Alter erreicht hatte, war für ihn eigentlich alles ganz in Ordnung: zwar muss er sich immer wieder Geschichten über seinen Bruder anhören und das eine existierende Foto von seinem Bruder ansehen, doch mit dem Fakt, dass sein Bruder, wie seine Eltern ihm erzählt hatten, tot sei, auf der Flucht vor dem Russen verhungert, macht ihn fast stolz: „Ich fühlte mich vom Schicksal ausgezeichnet. Von meinen Spielkameraden hatte kein einziger einen toten und schon gar nicht einen auf der Flucht vor dem Russen verhungerten Bruder.“
Erst als er älter wird, erfährt er, dass Arnold keineswegs tot ist; vielmehr habe die Mutter den Säugling, aus Angst, von den Russenverschleppt zu werden, einer fremden Frau in die Arme gelegt.

Nun, zehn Jahre nach dem Krieg, hat sich die Schuld der Mutter zu einem wahren Komplex ausgewachsen. Zentrum der Familie ist der verlorene Bruder, gegen den der Erzähler, der sich nur über seinen Bruder definiert fühlt und einen Groll gegen diesen entwickelt: seine Angst beschränkt sich dabei in kindlicher Weise stark auf die Befürchtung, sein Zimmer mit einem älteren Bruder teilen zu müssen.

Bei ihren Nachforschungen stoßen die Eltern auf das Findelkind 2307, und als die ersten, einfachen Untersuchungen kein zufriedenstellendes Ergebnis haben, werden kompliziertere Untersuchungen, ein Anthropologisch-erbbiologischen Abstammungsgutachten verlangt.
Die Eltern, besonders die Mutter, geraten in einen solchen Wahn, dass sie bereit wären, jedes halbwegs passende Kind als ihres zu akzeptieren.

Vielleicht hört sich alles immer noch recht trocken an, doch das schöne an Treichels Roman ist, dass er mit einem Kind als Erzähler zu einer naiven, nüchterner Sprache, Betrachtungsweise greifen kann. Um einen Eindruck der Sprache zu vermitteln:

„Er hieß Arnold, ebenso wie der Vater. Arnold war ein fröhliches Kind, sagte die Mutter, während sie das Photo betrachtete. Dann sagte sie nichts mehr, und auch ich sagte nichts mehr und betrachtete Arnold, der auf einer weißen Wolldecke hockte und sich freute. Ich weiß nicht, worüber Arnold sich freute, schließlich war Krieg, außerdem befand er sich im Osten, und trotzdem freute er sich.“

Die kindliche Sprache des Erzählers zeichnet sich durch Wiederholungen auf, die teilweise fast nervend skurril wirken. Häufig wirkt die Sprache erleichternd auf die tragischen Situationen, stellt Dynamik her, Treichel schwebt zwischen erleichternder Komik und bedrückender Melancholie.

Dabei trifft man als Leser immer wieder auf grotekse Situationen, die ein Abbild der 50er Jahre zu schaffen wissen.
Der Russenhass etwa entwickelt im Verlauf des Romans einen immer bizarreren Charakter, der Fernseher ist „Erfindung des Teufels“.
Der Vater der Familie ist ein Beispiel für das Wirtschaftswunder: als Vertriebener bringt er es im Westen zu einem erfolgreichen Fleischgroßhändler.

Immer wieder tauchen skurrile Situationen auf, Höhepunkte bildet etwa das Gespräch mit einem Leichenkutscher, der vom neuen Krematorium schwärmt, oder die Beschreibungen von abendlichen Familien-Schweinehirnessen. „'Hirn macht klug', sagte der Vater, was es mir ganz und gar unmöglich machte, auch nur zu hoffen, vom Schweinehirnessen befreit zu werden, denn in den Augen des Vaters fehlte mir nichts so sehr wie eine anständige Portion Hirn.“

Arnold bleibt dabei die Person, die die Geschichte zusammenhält und vorwärtstreibt. In der Gestalt des „Findelkindes 2307“, in bestechender, absichtlicher nervtötender Manier wird diese Nummer immer wieder genannt, treibt er die Dinge voran und bestimmt groteskerweise das Schicksal auch des Erzählers, des eigentlich Unbeteiligten, aber hier vor allem Unbeachteten.
Der Spannungsbogen, der die Suche nach Arnold begleitet, gerät bei teilweise bizarr-humoristischer, absichtlich mit Wiederholungen und übermäßigen Details gespickten Sprache zwar immer wieder unerträglich straff bis, so empfand ich es, teilweise in Vergessenheit, bildet doch sichereres Geflecht. Der Roman endet mit einer Überraschung, ein Ende, das zwar plausibel, aber doch schmerzhaft offen ist.

Inspiriert wurde Treichel zu dem Roman durch eigene Erfahrungen. 1952 in Westfalen geboren war auch er Bruder eines „Verlorenen“. „Der Verlorene“ ist also auch Verarbeitung persönlicher Erfahrungen, was wohl das recht zwanglos erscheinende Umgehen mit einer ansonsten extrem ernsthaften Thematik. Treichels Erzählung behandelt den Krieg, die Nachkriegszeit ohne zu erstarren und ohne das der Leser daran zu ersticken droht.

Ein sehr empfehlenswerter Roman. Zwar hat mich der nüchterne, wiederholende, den Erzählfluss teilweise aufhaltende Stil zum Ende hin ein wenig gestört, doch macht das angenehme Ende doch einiges wieder gut.
Wenn ihr auch schon was von Thomas Bernhard gelesen habt, und seinen Stil mochtet, dann ist auch dieser Roman etwas für euch. Auf originelle Art unterhaltsam.

Das Buch erscheint im Suhrkamp-Verlag und kostet 7,50 Euro.

Es bleibt die Erkenntnis: heute würde man das Thema stundenlang in einer Talkshow besprechen und anschließend bekanntgeben, welches Ergebnis der Vergleich der genetischen Fingerabdrücke der beteiligten bringt. Hoch lebe die schöne neue Welt! (Oh, noch ein Buch, über das ich mich noch ausgelassen habe!)

Danke für’s Lesen und Bewerten!
 
weitere Erfahrungsberichte
Verlorener Sohn und unbegriffene Schuld
Bewertung für Der Verlorene / Treichel, Hans-Ulrich von kroetli

Pro: teilweise lustig, leicht lesbar
Kontra: einiges - siehe Bericht

...Mann bei seinen Tätigkeiten unterstützend. Der Leser bekommt den Eindruck, als wenn das Ehepaar quasi permanent damit beschäftigt sei, sich durch blinde Tätigkeit von ihren Gefühlen abzulenken. Der Vater wendet sich seinem Zweitgeborenen nur zu, um ihm Aufgaben zuzuteilen, die Mutter verbringt zwar mit dem Erzähler gemeinsam Zeit vorm Fernseher und vorm Fotoalbum, lässt aber keine emotionale Nähe zu. Körperliche Nähe bekommt ihr Sohn nur hin und ...
...kaum mehr Atem schöpfen kann. Der Junge spürt, dass er auch dann und eigentlich überhaupt nur als völlig unzulänglicher Ersatz für den fehlenden Erstgeborenen fungiert. Schmerz und Scham sind seine Grundgefühle: seine Eltern, insbesondere seine Mutter, hängen offensichtlich nur an ihrem verlorenen, nicht aber an ihrem vorhandenen Sohn und dieser kann trotz seines Wunsches den Schmerz nicht lindern, den sie für dieses ständig präsente Phantom empfinden. ... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
sehr hilfreich

08.10.2004
(09.10.2004)
Die Identitätskrise eines Pubertiernden
Bewertung für Der Verlorene / Treichel, Hans-Ulrich von Guitarhero

Pro: amüsanter Erzählstil, groteske Momente
Kontra: kaum Spannung, viele Wiederholungen, zieht sich oft in die Länge

...Buch, dass ich einmal in der Schule lesen musste und dass wie ziemlich viele Schullektüren mit der Nachkriegszeit, in diesem Falle den 50er Jahren, beschäftigt. In diesem Buch geht es um einen Jungen. Die Geschichte wird als Ich Erzählung erzählt, dadurch sieht man die Welt wie sie der Junge erlebt hat. Hierbei gibt es noch anzumerken, dass Herr Treichel nicht der Ich Erzähler ist auch wenn das Buch teilweise autobiographische Züge annimmt. An manchen ...
...Moment noch nicht". Der Ich Erzähler, dessen Name übrigens nirgends im Buch auftaucht, lebt in einer typischen Familie der 50er Jahre. Am Anfang erfährt man, dass der Bruder des Ich- Erzählers gestorben ist. Er heißt Arnold und er ist ein glückliches Kind gewesen. Er nimmt immer den größten Teil auf den Fotos ein und er ist sehr wichtig für die Eltern. Eines Tages erzählt die Mutter aber dem Ich- Erzähler, dass Arnold nicht auf der Flucht vor den ... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
sehr hilfreich

02.12.2007

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