Über sich:Frühstück bei Emanzen:" Gibst Du mir mal bitte die Salzstreuerin?"
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Eins meiner großen Vorbilder heißt Franco Palumbo. Der Italo-Amerikaner mit dem mächtigen Schnauzer moderierte in den Siebzigern eine Kochshow in Amerika, die das Öffentlich-Rechtliche übernahm, synchronisiert, selbstverständlich. Bekannt war Palumbo dafür, dass er aus den Sachen, die er in seinem Fernsehkühlschrank "zufällig" fand, etwas zaubern konnte. Pizza ohne Hefe. Kein Problem, wir machen einen Quark-Öl-Teig. Zufällig hatte Palumbo fünf Kilo Quark übrig. So lernte ich bereits mit zehn Jahren ein paar Grundlagen des Kochens. Diese mir in langjähriger Pröbelei angeeignete Fähigkeít des kulinarischen Improvisierens wurde vor ein paar Tagen mal wieder auf eine harte Probe gestellt. Unangemeldet stand mein guter Freund Marius vor der Tür. Grinsend drückt mir der beleibte Pole einen klingelnden Rucksack voller Bierflaschen in die Hand und setzt sich in die Küche. Wie verarbeiten unsere Gedanken zu Wortwasserfällen, quasseln um die Wette und genießen kühles Bier und heiße Zigaretten. Hunger haben wir jetzt natürlich auch, ich war aber nicht einkaufen, also muss aus dem was machen, was ich in meinem alten Kühlschrank finde:
1 Weißkohl, ca. 1 kg 500g Rinderhack ein paar kleine Bio-Kartoffeln einen Becher Schmand, Sahne oder Crème fraîche Butterschmalz (Butaris, o.ä.) Zutaten also für vier hungrige Mäuler
Mein Gewürzschrank muss natürlich auch was abgeben:
ca. zwei Teelöffel Getrockneter Majoran 2 kleine Lorbeerblätter 5-6g Senfkörner 1 Messerspitze Muskatnuss Paprikapulver, edelsüß, nach Gusto 4 Gemüsebrühwürfel (empfehle die von Lidl) Pfeffer Salz
Hardware: Einen Topf. Logisch. Heißt ja Eintopf. Natürlich brauchen wir noch einen langen Kochlöffel. Lang, weil an kurzen Kochlöffeln die Rührhand an der blubbernden Magma sehr nah dran ist. Da gibt's schnell eine heiße Hand. Des weiteren eine Schüssel für das Hackfleisch und ein großes Kochmesser mit passendem Schneidbrett.
Während mir Marius seine Kiez-News erzählt, fange ich mit dem Kohl an. Eine Schicht Blätter entfernen und mit einem großen (!) Küchenmesser vierteln. Ich betone das, weil gerade Frauen dazu neigen, zu kleine Messer zu benutzen. Dann wird aus falschem Respekt das Gemüse auf dem Schneidbrett mit einem Schälmesser klein geschnitten. Das scheint wohl ein geschlechtsspezifischer Fehler zu sein. Gut. Wir Männer haben auch unsere Macken. Wir würden am liebsten ein rotierendes elektrisches Messer von Binford oder eine Laserklinge benutzen. Schneiden allerdings kann man sich mit kleinen Messern auch. Statistisch gesehen passiert am meisten mit stumpfen und (oder) mit zu kleinen Messern. Oft werden die von Küchenanfängern und von unsicheren Hobby-Jamie-Olivers gegriffen. Damit schneidet man sich ja nicht so schnell. Quatsch. Mit weniger scharfen Messern rutscht man schneller ab und dann - rizzzz, "Aua!" und Weißkohl wird zum Rotkohl. Also: mehr Mut und keinen falschen Respekt. Die Finger immer schön krumm machen und den Kohl geviertelt. Den holzigen Strung (unten, mittig) schneiden wir bequem aus den Vierteln raus. Nun legen wir die Viertel auf eine ihrer Schnittflächen und schneiden sie mit einer gleichmäßigen Hackbewegung aus dem Unterarm (nicht dem Handgelenk!) in ca. 5-10 mm breite Streifen.
Jetzt schmeiße ich ca. 50 g Butaris in einen größeren Topf. Fünf bis zehn Liter Fassungsvermögen sollte der schon haben. Den gehackten Weißkohl dazu und bei mittlerer Hitze glasig schwitzen. Salzen, Pfeffern. Dazu einen Liter kochendes Wasser geben und vier Brühwürfel hinein. Ein normaler Brühwürfel reicht normalerweise für 250ml Wasser. Nun die Lorbeerblätter dazugeben. Die paar kleinen Kartoffeln schälen und im Ganzen hineinschmeißen. Aufkochen und zehn Minuten köcheln lassen.
Nun das Hackfleisch in Schüssel geben. Majoran, Pfeffer, Salz, Senfkörner, Paprikapulver und Muskatnusspulver dazu. Von letzterem nur sehr wenig, vielleicht eine Messerspitze. In zu hohen Dosen kann reines Muskatnuss halluzinogene Wirkung haben, mehrere ganze Muskatnüsse auf einmal verspeist können nicht nur neben die Spur bringen, sondern tödlich sein. Nun das Fleisch mit den Gewürzen verkneten. Ei oder in Milch aufgeweichtes Toastbrot ersparen wir uns. Das werden Klopse und keine Bouletten (oder Frikadellen, wie man in manch anderer Gegend sagt). "Iest dass niecht siess?", fragt mich Marius, rein rhetorisch natürlich. Während ich das Fleisch zubereite, hat er ordentlich über seine Nachbarn hergezogen. Da ist dieser Trottel, der in Sandalen immer Socken trägt, ein anderer Sonderling ist nach Marius' Verdacht bestimmt ein Spion, oder zumindest ehemaliger Securitate-Agent und andere wiederum gehören seiner Meinung verhaftet, weil sie mit außerirdischen Mächten kooperieren sollen. Aber zurück zu meinem Fleisch. Aus dem gewürztem Hack jetzt Klopse abdrehen. Das geht am besten mit nassen Händen (kaltes Wasser!). Die Klopse sollten nur unwesentlich größer als Golfbälle sein. Fertige Klopse gleich in die köchelnde Suppe schmeißen. Den Becher Schmand, Sahne oder Crème fraîche dazu und zehn Minuten köcheln lassen. In einem tiefen Teller servieren, mit frisch gehackter (oder tiefgefrorener) Petersilie dekorieren. Fertich. Guten Appetit!
Nun serviere ich. Voller Vorfreude nimmt Marius seine Schubert-Brille ab und wedelt sich den aromatischen Dampf aus der Suppe ins Gesicht. "Oh, man, dass riecht gutt." Wortlos schaufeln wir das Essen rein. Danach reden wir noch lang und viel an diesem Abend, gut gesättigt vom Weißkohleintopf mit Klopsen.
PS.: Die Nährwerte pro Portion versuche ich nachzureichen
Die besten Brühwürfel (vergaß ich kurzfristig vor Begeisterung) sind tatsächlich die von Lidl. Lidl bietet auch die allerbeste Gemüsebrühe (also im Glasdingensbummmens) an, die ist toll!
18.03.2012 09:38
Wird notiert.LG
10.02.2011 23:16
Die besten Brühwürfel (vergaß ich kurzfristig vor Begeisterung) sind tatsächlich die von Lidl. Lidl bietet auch die allerbeste Gemüsebrühe (also im Glasdingensbummmens) an, die ist toll!
10.02.2011 23:13
sabbert immer noch...