Der gute Doktor - Roman / Damon Galgut

Der gute Doktor - Roman / Damon Galgut

ISBN: 9783442463084 - Verlag: Goldmann Verlag mehr

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In einem halb verlassenen Krankenhaus tief in den ehemaligen Homelands von Südafrika fristet Frank Eloff ein ereignisloses Dasein. Als der junge Arzt Laurence Waters auftaucht, um...
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Galgut - ein würdiger Nachfolger Coetzees?
Erfahrungsbericht von Die_Buchhaendlerin über Der gute Doktor - Roman / Damon Galgut
11.03.2005


Produktbewertung des Autors:   

Niveau anspruchsvoll 
Unterhaltungswert durchschnittlich 
Spannung wenig spannend 
Wie ergreifend ist die Story? berührt ein wenig 

Pro: leises unaufdringlicher Stil, Buch bleibt im Kopf
Kontra: auf den ersten Blick nicht sehr spannend

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Ich hatte noch nie etwas von Damon Galgut gehört, bis zu dem Zeitpunkt, als mir der Verlagsvertreter von Random House, der Verlagsgruppe, die mittlerweile so viele Verlage unter ihrem Dach beherbergt, dass man nicht mehr weiß, wer wozu gehört, das Buch „Der gute Doktor“ dringend ans Herz legte mit den Worten: wenn Sie überhaupt irgendein Buch aus diesem Verlag brauchen, dann dieses!
Nun, der Verlag „Manhattan“ nennt er sich, ist nicht unbedingt einer derjenigen, die ansonsten „große“ Literatur veröffentlichen, deshalb wunderte ich mich etwas, doch auf der Titelseite prangte außerdem groß der Aufkleber „Nominiert für den Man Booker Prize“(einer der wichtigsten Literaturpreise). Nicht genug damit wirbt auch noch ein Zitat aus einer Besprechung des Guardian um meine Aufmerksamkeit: „Galgut ist unter allen jungen südafrikanischen Autoren wohl derjenige, der die Nachfolge von J.M. Coetzee antreten könnte.“ Wer mich schon etwas länger kennt, weiß, dass Coetzee einer meiner Lieblingsautoren ist und damit war eigentlich schon klar, dass ich das Buch nicht nur für den Laden einkaufen würde, sondern auch selber lesen musste.
Mal sehen, ob Galgut diesem hohen Anspruch gerecht wird…

Zum Autor:

Damon Galgut wurde 1963 in Pretoria, Südafrika geboren, lebt aber mittlerweile in Kapstadt. Er begann sehr früh mit der Schriftstellerei, im doch noch recht zarten Alter von 17 Jahren veröffentlichte er den Roman „A sinless season“. Laut Klappentext gehört er mittlerweile zu den renommierten Autoren Südafrikas. „Der gute Doktor“ wurde mit dem „Commonwealt Writers Prize“ ausgezeichnet, ob er den Booker Prize auch noch gewinnt, ist noch abzuwarten.
Auf dem Verlagsfoto erinnert er ein klein wenig an einen jüngeren Paul Auster, allerdings mit abstehenden Ohren (sieht aber trotzdem ziemlich gut aus).

Inhalt:

Frank Eloff ist Arzt an einem kleinen Krankenhaus in einer recht gottverlassenen Gegend in einem der früheren Homelands Südafrikas. Eigentlich ließ er sich vor Jahren da hin versetzen, weil ihn seine Frau mit seinem besten Freund verlassen hatte und deshalb ein Neustart nicht schlecht erschien. Außerdem machte ihm Frau Dr. Ngema große Hoffnungen, dass ihr bald ein Karrieresprung bevorstehe und er dann ihre Stelle als Leiter der Klinik annehmen könne.
Nun, das alles ist schon ein paar Jahre her, mittlerweile gibt es immer weniger Patienten in dem Krankenhaus, es fehlt an nahezu allem, an Betten, sanitären Anlagen und Medikamenten. Wenn mal wirklich ein schwerkranker Mensch aufgenommen wird, muss er in die nächste größere Klinik gefahren werden. Neben Frank und Dr. Ngema gibt es nur noch ein südamerikanisches Arztehepaar, das ständig darüber nachdenkt, wieder in die Heimat zurückzukehren und Tehogo, den faulen und unzuverlässigen Krankenpfleger.
In diesen wie gelähmt erscheinenden Stillstand hinein taucht plötzlich ein junger engagierter Arzt, Laurence Waters, auf, der hier, gerade hier, sein soziales Jahr ableisten möchte.
Frank muss ein Zimmer mit ihm teilen.
Der Eifer und Tatendrang Laurences kollidiert mit den realen Begebenheiten; es gibt einfach fast nichts zu tun in dieser Ödnis. So kommt er auf die Idee, wenn die Patienten nicht zum Krankenhaus kommen, dann muss das Krankenhaus eben zu den Patienten kommen. Mit nahezu missionarischem Eifer gelingt es ihm, die Kollegen davon zu überzeugen, in den umliegenden Dörfern Projekttage abzuhalten; doch er kennt die Gegend, die Mentalität der Menschen nicht wirklich. Die alten politischen Fehden zwischen dem mysteriösem abgesetzten „Gouvernor“ und den neuen Soldaten, die tief verwurzelten Stammesstrukturen, Laurence kann und will das alles nicht sehen. Als seine Freundin Zanele, die im Sudan in einem medizinischen Hilfscamp arbeitet, zu Besuch kommt, gerät einiges ins Wirbeln.
Diese Gegend, die anfangs so unwahrscheinlich träge, aber eben auch friedlich erscheint, entpuppt sich letztendlich als gar nicht so friedlich, es kommt zu einem Showdown, auf den ich verständlicherweise nicht eingehen möchte.
Geschrieben ist die ganze Geschichte immer aus der Sicht von Frank, dem abgeklärten und desillusionierten Doktor, der einige Probleme mit der Naivität, der Güte aber auch dem nervigen Aktionismus von Laurence hat. Laurence sieht in Frank seinen besten Freund, während Frank selbst gar nicht mehr an Freundschaft glaubt.
Ohne zu viel verraten zu wollen: ja, es gibt auch Sex, Parties, ernste Gespräche, Wanderungen in den Busch und nächtliche Ausflüge in verlassene Häuser, außerdem Verrat, Treue, Vater-Sohn-Probleme, eher unglückliche Beziehungsgeschichten und noch einiges mehr…
Dennoch: auch eine Geschichte über Südafrika und seine Probleme wird hier, wenn auch nicht plakativ, sondern eher subtil erzählt.

Stil:

Ja, der Stil: hier wird es ganz schwierig für mich, wie beschreibe ich diesen Stil?
Selten habe ich ein Buch gelesen, in dem so lakonisch, unaufgeregt und unspektakulär eine nicht sehr spannende Geschichte erzählt wird, die dennoch eine so ungewöhnliche Atmosphäre entstehen lässt, dass ich sofort gefangen war. Galgut erzählt eine Begebenheit, bewertet sie nicht, erzählt die nächste, dann gewinnt man den Eindruck, aha, jetzt hat man ein bisschen was vom Hintergrund verstanden, um im nächsten Moment wieder eine neue Facette der beschriebenen Menschen zu zeigen. Das Interessante ist, dass man am Anfang des Buches denkt, man kann alle vorkommenden Personen mit Ausnahme von Franks schwarzer Geliebter Maria, die weder ihm noch dem Leser je nahe kommt und immer rätselhaft bleibt, in eine Schublade einordnen, man weiß, wie sie „ticken“. Doch dann kommen immer wieder kleine Brüche, die alles in einem neuen Licht erscheinen lassen.
Als ich das Buch ausgelesen hatte, war ich zwar sehr beeindruckt, hatte aber vorrangig das Gefühl, die Story an sich sei doch ein bisschen langweilig. Doch der Stil Galguts wirkt nach: einzelne Bilder, Szenen, ja sogar Abschnitte spulen sich wieder ab in meinem Kopf und bleiben hängen.
Ja, je mehr ich über die Geschichte nachdenke, desto mehr Details fallen mir ein und auf und ich merke, wie unheimlich geschickt Galgut ist, dass es ihm gelingt, den Leser so in die Irre zu führen, und ihn dann aber nicht mehr los zu lassen.
Typisch für seinen Stil ist es sicherlich, dass er Situationen, Gespräche und Gefühle nie bis zum Ende ausarbeitet. Man könnte das einen sehr distanzierten Stil nennen, der Ich-Erzähler ist jemand, der nicht sehr gesprächig ist, das ist an sich für einen Ich-Erzähler schon mal eine interessante Perspektive. Der Leser muss sehr viel mehr als wirklich angesprochen wird mitfühlen und weiterdenken. Wer bereit ist, das zu tun, wird mit einem echten Lesegenuss belohnt!

Meine Meinung:

Das ist eines dieser Bücher, bei denen ich mit Sicherheit Schwierigkeiten haben werde, es „mitreißend“ zu empfehlen, denn ich weiß nicht wirklich hundertprozentig, was genau mir so wahnsinnig gut daran gefällt. Ich beneide oft – so auch hier ganz besonders – die „richtig“ guten Rezensenten, denen es gelingt, genau die richtigen Worte zu finden, die ihr Leseerlebnis nachvollziehbar machen. Ich kann eigentlich nur sagen, dass Galgut kein Autor ist, der sich sofort und einfach erschließt, aber ganz bestimmt jemand, den ich ganz persönlich als eine echte Entdeckung empfinde, dessen weitere Romane ich auf alle Fälle verfolgen werde. Ich kann nur hoffen, dass sein Buch die besseren Rezensenten findet, die Euch und allen Literatur begeisterten Menschen diesen ungewöhnlichen Roman ans Herz legen.

Fazit:

Ein Buch, das nachwirkt und im Gedächtnis bleibt und dem ich viele neugierige Leser wünsche!
Nachfolger von Coetzee??? – ich bin nicht sicher, aber vielleicht schon, das Zeug dazu hat er.
   



Der gute Doktor - Roman / Damon Galgut

Haupteigenschaften

Produktform: Einband - flexibel (Paperback)

Erscheinungsdatum: 2006

Seitenzahl / arabisch: 288

ISBN: 3442463084

EAN: 9783442463084

Titel: Der gute Doktor

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