Das neue Millennium...
14.09.2003
Pro:
Story, Atmosphäre, Sounduntermalung, Handlungsfreiheit, Realismusgrad
Kontra:
Nichts
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Grafik
Sound
Multiplayer:
Bedienung
mehr
 RedDevil_PoD
Über sich:
Willkommen im Reich der Dopeness! Hier dreht sich alles (oder zumindest viel) umm deutschen Rap. Mom...
Mitglied seit:25.10.2002
Erfahrungsberichte:61
Vertrauende:7
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 28 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo, geneigte Leser, bisher habe ich mich nie ans Thema Deus Ex herangetraut. Dabei ist es seit bald drei Jahren das für mich unangefochten beste Spiel aller Zeiten und das Spiel, bei dem ich an sehnsüchtigsten auf den Nachfolger warte (Anfang 2004 ist es soweit!). Der simple Grund dafür ist, dass ich persönlich immer der Meinung war, das Spielerlebnis von Deus Ex nicht in Worte fassen zu können. Aber ich versuch's trotzdem: Deus Ex ist mehr als nur irgend ein Spiel. Deus Ex hat Seele, es hat eine Story, die einen von Beginn an gefangen nimmt, es hat starke Charaktere mit Ansichten, politischen Einstellungen, Zweifeln, Stärken und Schwächen. Es hat einen Helden, mit dm man mit zunehmender Zeit mehr und mehr verschmilzt und mit dem das Identifikationspotential bei nahe 100% liegen dürfte. Wie zu Beginn gesagt: Deus Ex ist mehr als nur ein Spiel. Deus Ex ist wie ein zweites Leben.
---Inhalt--- 1. Story 2. Spielprinzip 3. Steuerung 4. Grafik 5. Sound 6. Fazit
---1. Story--- Deus Ex spielt im Jahre 2052. In dieser Zeit wütet ein fürchterlicher Virus unter den Bürgern der USA und Millionen sterben an dieser mysteriösen Krankheit. Es existiert allerdings ein Impfmittel - das jedoch für das gemeine Volk viel zu teuer und auch gar nicht zu erreichen ist. Doch Terroristen haben in letzter Zeit immer häufiger Ladungen des Impfstoffes gestohlen und unters Volk verteilt. Nachdem kürzlich durch einen terroristischen Anschlag der NSF (National Seccessionist Forces) die Freiheitsstatue schwer beschädigt wurde, hat die UN kurzerhand die UNATCO (United Nations Anti-Terrorist Coalition) gegründet, die die terroristischen Aktivitäten eindämmen soll. Und die Spielfigur J.C. Denton startet als neues Mitglied dieser Organisation. J.C. ist ein absolut cooler, abgebrühter und geradliniger Agent. Er zeigt nie Gefühle, aber hat trotzdem einen Blick für diejenigen anderer Menschen und ist natürlich an allen Ecken und Enden computertechnisch verbessert und daher normalen Gegnern weit überlegen. Wie man sich einen Geheimagenten des Jahres 2052 vorstellt. Die ersten Missionen für J.C. bestehen allerdings trotzdem aus mehr oder weniger regulären Aufträgen für die UNATCO. Dann jedoch passiert etwas Unerwartetes, und die Ereignisse überschlagen sich...
---2. Spielprinzip--- Anfangs könnte man glatt denken, Deus Ex wäre nicht mehr als ein Ego-Shooter mit erweiterten Funktionen. das Ego-Perspektiven-Interface, die recht große Anzahl an Waffen und das Szenario deuten auf ein typisches Geballer á la Soldier of Fortune oder Unreal hin. Doch schon in der ersten Mission wird klar: Hier steckt mehr dahinter. Der erste Auftrag der UNATCO besteht in der Aufgabe, in die von Terroristen bewachte und schwer beschädigte Freiheitsstatue einzudringen und den Anführer der Terroristen zu verhören. Um dies zu erreichen, gibt es allerdings mehrere Wege: Sie können einfach durch den Vordereingang mit der Tür ins Haus fallen und alles töten, was ihnen vor die Knarre kommt. Genausogut können Sie sich aber schleichend fortbewegen, Gegner entweder umgehen oder lautlos mit dem Elektroschocker ausschalten und letztlich nach oben gelangen, ohne dass Sie überhaupt jemand bemerkt hat. Eine andere Option wäre, sich ins Sicherheitssystem der Statue zu hacken (wobei man dann allerdings einem strengen Zeitlimit untersteht, bei dem bei Überschreitung der Alarm ausgelöst wird...und dann ist die Hölle los!), die automatischen Geschütze auf "Feind" umzustellen und zuzuschauen, wie die Terroristen ihren eigenen Sicherheitsvorkehrungen zum Opfer fallen... Die Liste der Möglichkeiten und verschiedenen Verläufen, eine Mission, zu erledigen ist sehr, sehr lang. Die Handlungsfreiheit ist riesig und man kann mit so gut wie jedem Objekt interagieren (Essen, alkoholische Getränke [allerdings nicht empfehlenwert], sogar Billardkugeln und Zimmerpflanzen!) - allerdings sollte man sich auf einen Weg konzentrieren. Ihre Fähigkeiten am Computer, mit Gewehren, Pistolen und Dietrichen müssen Sie nämlich kontinuierlich ausbauen, um den späteren Gegnern trotzen zu können. Das geschieht mit Fähigkeitspunkten, die man für erfolgreiche Primär- sowie Sekundäraufträge sowie für entdeckte Secrets und andere besondere Leistungen erhält. Jede der 11 Fertigkeiten (geht von Schlösser knacken über die eigenen Schwimmfertigkeiten bis hin zu Medizin und den Umgang mit verschiedenen Waffen) hat 4 Ausbaugrade, von denen man den ersten immer besitzt und die weiteren trainieren muss, um effektiv mit der Fertigkeit arbeiten zu können. Zum Beispiel wird man mit einer niedrigen Fäigkeit "Schlösser knacken" vor vielen Türen ratlos stehen, weil man 6 Dietriche dafür benötigen würde, aber nur noch 3 hat. Ein fähiger Schlösserknacker lacht über solche Schlösser dann nur noch müde. Mit den anderen Fähigkeiten ist es das Selbe: Auf dem ersten Grad sollte man sich die Benutzung von Gegenständen oder Waffen, die mit der Fähigkeit zusammenhängen, besser sparen und die Sachen benutzen, mit denen man sich besser auskennt. Dieses Fähigkeitensystem bringt einen Rollenspieltouch in das Spiel, weil sich zwei Spielcharaktere völlig unterschiedlich entwickeln können und auch vollkommen anders agieren werden. Daher ist das Spielerlebnis immer anders, auch wenn natürlich ein guter Kompromiss zwischen allen Extremen durchaus möglich (und empfehlenswert) ist. Die andere Möglichkeit, die Spielfigur zu verstärken, sind die Implantate, die man als einer von nur zwei UNATCO-Agenten nutzen kann. Diese direkt unter die Haut gepflanzten Dinger steigern kurzzeitig die Muskelkraft des Agenten, lassen ihn schneller laufen oder lassen genauere Infos über den Feind erscheinen, wenn sie aktiviert sind. Fast alles ist möglich - mit dem richtigen Implantat. In früheren Zeiten waren diese Implantate noch mechanisch und daher viel größer, was einige der dienstälteren UNATCO-Agenten eher wie Roboter als wie Menschen aussehen lässt. Auch die Implantate haben 4 Ausbaustufen und werden mit mehr Aufwand auch immer effektiver. Zudem wird der Verbauch an biologischer Energie oft verringert. Diese Energie braucht man, um die Implantate einsetzen zu können, und sie wird mittels Biozellen aufgeladen die man überall in der Welt von Deus Ex finden oder kaufen kann. Immer, wenn ein Implantat aktiviert ist, verbraucht es biologische Energie. Anfangs hat man drei Implantate im Körper: Die serienmäßige "Taschenlampe", das Freund-Feind-Erkennungssystem und das Infolink, über das andere Menschen mit J.C. kommunizieren können. Er kann zwar leider nicht antworten, aber oft braucht man ja auch nur weitere Instruktionen für einen Auftrag oder Ähnliches. Jedenfalls wäre Denton ohne sein Infolink nur noch ein halber Mensch. Der zweite Faktor, der Deus Ex weg vom Shooter und hin zum Action-Adventure bringt, sind die dichte Story und die zum Teil sehr ausschweifenden Unterhaltungen mit NPCs. Diese Unterhaltungen sind nicht nur Standardkost, sondern formen Charaktere der NPCs. Das sieht man am besten bei den Mitgliedern der UNATCO: Manche sind absolut loyal und folgen nur Befehlen, andere würden am liebsten desertieren, manche sind eher bodenständig, wieder andere geben vor allem vor den Sekretärinnen oft und gerne mit ihren angeblichen Heldentaten an. Auch im weiteren Verlauf des Spiels entwickeln sich Freundschaften, Abneigungen und andere zwischenmenschliche Beziehungen. Außerdem bemerkenswert ist die nicht vorhandene Trennung zwischen Gut und Böse in Deus Ex. Zuerst jagt man die Terroristen der NSF, in der Überzeugung, sie seien böse - aber ist es direkt böse, zu versuchen, das Volk vor der Seuche zu schützen? Und trotzdem hat die NSF Menschen getötet! Und ist es gut, den Impfstoff unter Kontrolle zu halten, während auf der Straße Menschen sterben? Und trotzdem hat die UNATCO auch Tausende Menschen vor Terroranschlägen bewahrt...die Grenze ist offen. Ob man sie überschreitet...wer weiß? Man wird sehen, wie sich das Geschehen entwickelt... ...womit wir beim nächsten Vorteil von Deus Ex wären: Der Story, die vor überraschenden Wendungen und unerwarteten Elementen nur so strotzt. Immer mehr wächst das Gefühl, niemandem vertrauen zu können und immer weniger weiß man, wer Freund und wer Feind ist (trotz Freund-Feind-Identifikationssystem ;-)). Aber hier soll nicht zu viel verraten werden...schließlich lohnt es sich, die Story selbst zu erleben. Das tun kann man mittels mehr als 20 verschiedener Waffen, die sich auf verschiedene Weise upgraden lassen (z.B. größeres Magazin, mehr Präzision, größere Reichweite...) und sehr real funktionieren, z.B. kann man mit einem Snipergewehr den Nahkampf knicken und umgekehrt mit einer abgesägten Schrotflinte einen Gegner ausschließlich aus wenigen Metern Distanz wirklich treffen. Außer den über 20 Waffen stehen einem fast genau so viele Werkzeuge zur Verfügung, mit denen man insgesamt 15 Missionen bestreiten muss, von denen manche an einem Abend geschafft sind und andere beim ersten Mal locker 15 Stunden einnehmen können. Die Gegner reichen von einfachen Terroristen bis hin zu geheimen Laborprojekten und sorgen vor allem auf dem höchsten der 4 Schwierigkeitsgrade recht schnell fürs Ableben des Agenten. Das kann vor allem für Frust sorgen, wenn man in letzter Zeit nicht gespeichert hat. Das passiert häufig, wenn man zu sehr ins Spiel eintaucht und darüber die Rationalität des Seins vergißt...ich spreche aus Erfahrung!
---3. Steuerung--- Sollte den meisten Actionspielern bekannt sein: geschaut wird mit der Maus, der Rest ist komplett frei belegbar. Empfindlichkeit kann man selbst festlegen und auch sonst keine Beschwerden - weder ungenau noch hakelig noch sonstwas. Eigentlich rundum gelungen...mehr gibt's dazu nicht zu sagen.
---4. Grafik--- Die Grafik von Deus Ex war schon zum Zeitpunkt des Erscheinens nicht unbedingt großartig - und das Spiel ist über drei Jahre alt. Also sprechen wir Klartext: Die Grafik ist heutzutage hoffnungslos veraltet. Allerdings genügt sie immer noch den Ansprüchen: Die Charaktere sprechen lippensynchron, bewegen sich äußerst realistisch und auch die Umgebungsgrafiken können sich fürs Alter des Spiels durchaus sehen lassen. Natürlich ist Deus Ex nicht Doom 3, und mit der alten Unreal-Engine war nicht viel mehr herauszubekommen. Letzten Endes kann man die Grafik als mittlerweile veraltet, aber trotzdem enorm zweckgemäß ansehen.
---5. Sound--- Kommen wir also zum Sound...und ich kenne bis heute kein Spiel, bei dem der Sound so viel Einfluss aufs Gesamterlebnis des Spiels hat. Zunächst einmal, weil alle Charaktere die Original-Sprachausgabe behalten haben (den Entwicklern waren 600.000 Zeilen Text zu viel zum Synchronisieren), man aber in der deutschen Version auf Wunsch Untertitel bereitgestellt bekommt, die zwar das Gesagte meist nicht wortgetreu übersetzen und häufig Wortspiele und Flüche unterschlagen, aber trotzdem hilfreich sind, wenn man des Englischen nicht mächtig genug ist, um den breiten US-Akzent der meisten Charaktere zu verstehen. Auch die Soundeffekte sind absolut erstklassig: Das Stampfen riesiger Kampfroboter, der individuelle Klang jeder Waffe, Schritte auf Stein, Holz, Eisen, Kies usw. sind genauso perfekt realistisch ins Spiel übertragen wie die stimmungsvolle Hintergrundmusik, die ebenfalls einen wichtigen Zweck erfüllt: Wenn man nämlich entdeckt wurde oder kämpft, wird die Musik ungleich dramatischer, um sich wieder zu beruhigen, wenn sich auch die Lage ein wenig abgekühlt hat. Zudem ist die Musik einfach extrem atmosphärisch und passt zu den jeweiligen Szenen wie die Faust aufs Auge (die es in Deus Ex übrigens nicht gibt...waffenloser Kampf ist nicht möglich).
---6. Fazit--- Sollte wohl klar sein. Deus Ex wird von vielen Experten als das beste Spiel aller Zeiten bezeichnet. Ich kann jenen Experten da nur zustimmen. So viel Spieltiefe, Atmosphäre, Abwechslung und Einfallsreichtum habe ich bis heute bei fast keinem Spiel mehr erlebt und trotz Ego-Perspektive und großer Waffenauswahl ist Deus Ex weit mehr als nur ein Shooter. Man kann das Spiel durchspielen, ohne einmal eine Waffe zu ziehen - das sollte wohl alles sagen. Deus Ex ist kein Shooter, sondern eine Mischung aus Actionspiel, Rollenspiel und Adventure ohne nennenswerte Schwächen, dafür aber mit vielen Faktoren, die das Spiel aus der Masse abheben (wie in Kapitel 2 genannt) und dem coolsten Helden, den ich je erlebt habe. Letzten Endes sollte mein Urteil für dieses großartge Spiel wohl niemanden überraschen: Klare 5 Sterne und natürlich auch die Empfehlung, da Deus Ex schon lange zum kleinen Budget-Preis erhältlich ist.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit (diesmal besonders, da der Bericht ja doch etwas länger geworden ist) cya, Red Wir kennen höchstens die Ränder, doch erreichen nie das Ende! (Justus, "Ein Leben, ein Gesetz")
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21.09.2003 14:16
Du hast mich neugierig gemacht. Ich denke, ich schau mir das Game mal an. Wirklich toller Bericht!
15.09.2003 08:27
man oh man. bin ein Ego-shooter fan und kenn das Spiel nicht. Gleich heute gehts in den Laden... ^^. Dein Bericht ist wirklich klassse. Schön informativ, ausführlich und mit eigener Meinung übersäht. deswegen ein s.h. B.O.R.E.D
15.09.2003 00:11
Klingt eigentlich recht interessant, habe das Spiel immer mal wieder im Regal liegen sehen, frag mich nur warum ich nie zugegriffen hab, ich schreibs mal auf meine Liste für den nächsten Videotheksbesuch ums mal zu prüfen. Gruß Thomas