Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
mörderisch gut |
| Kontra: |
blutig |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
„Der Mörder ist immer der Gärtner“
Das weiß jeder, der vor 40 Jahren oder auch später Reinhardt Mey gehört hat. Und in der heutigen Variante heißt es: „Den Mörder, den findet der Dexter und der schlägt erbarmungslos zu. Den Mörder, den findet der Dexter und bettet ihn zur Ew‘gen Ruh!“ oder so ähnlich … Jedenfalls sorgt Dexter Morgan in der Serie auf eine merkwürdige Art für so etwas wie Gerechtigkeit, auch wenn sein Tun eindeutig rechtswidrig ist.
Die Grundidee der Story ist einfach, ein Mensch mit dem unbezähmbaren Drang zu töten wird von klein auf darauf gedrillt, seinen Drang zu kontrollieren, nicht etwa zu unterdrücken. Sein „Ausbilder“ ist sein Adoptiv-Vater, ein verdienter Polizei-Offizier, der natürlich die Fehler der Verbrecher kennt. Und so gilt als oberste Maxime: Keine Spuren hinterlassen! Dexter selbst heuert bei der Polizei an und was kann es für einen wie ihn Schöneres geben, als in der Mordkommission für die Blutspuren und die Blutanalyse zuständig zu sein?
Und so haben wir jetzt einen Polizisten, der in seinem Job ein As ist, dabei aber gleichzeitig Serienmörder und der alle Ressourcen nutzt, um Menschen aufzuspüren, die durch die Maschen des Gesetzes geschlüpft sind. Hat er sie gefunden, sucht er nach eindeutigen Beweisen für ihre Schuld, denn das hat ihn sein Vater gelehrt: Töte niemals Unschuldige, es gibt so viele Schuldige, die frei herumlaufen. Dann überwältigt er sie, konfrontiert sie mit ihren Opfern bzw. Bildern davon, tötet und zerstückelt sie, um sie dann im Meer zu versenken. Einen Blutstropfen als Trophäe behält er und hat schon eine ganz schön große Sammlung, die Folge für Folge größer wird.
Dass so eine Person, ein Mörder, ein Wolf im Schafspelz -in Abwandlung eines lateinischen Sprichwortes: „Wer schützt uns vor unseren Beschützern?“ die Hauptperson eines Krimis ist, mag nicht so ungewöhnlich sein, man denke an Anthony Hopkins als Hannibal Lekter, dass diese Person aber Sympathieträger ist, die unumstrittene Hauptperson, der Held (!) der Serie, das macht sie einzigartig. Klar gibt es mit Dr. House einen pöbelnden Arzt, mit Monk einen Spinner als Ermittler, mit Columbo den leicht schmuddeligen Ermittler, mit Don Johnson in Miami Vice den Jet-Set-Bullen, aber so eine Antiperson ist mir in einer Serie noch nie untergekommen. Die Munsters vielleicht, aber da ist da ja alles nur Spaß, hier es bitterer Ernst, die DVD tragen das rote „Keine Jugendfreigabe“ Siegel. Hier werden Menschen getötet.
Ohne Krimi geht der Tommy nie ins Bett
Nach dieser allgemeinen Einführung in die Welt von Dexter folgt jetzt eine ausführliche Schilderung der ersten Episode, danach eine immer kürzer werdende Kurzfassung der weiteren Folgen und zum Ende eine ganz grobe Vorschau auf die Staffeln 2 und 3.
Es beginnt in Miami, Dexter fährt mit dem Auto durch die nächtlichen Straßen und bemächtigt sich eines offensichtlich beliebten Mannes. Er zwingt ihn dazu, zu einer bestimmten Stelle zu fahren, wo bereits drei Gräber ausgehoben sind. Ein paar Meter weiter dann in einer verfallenen Hütte liegen drei Kinderleichen aufgebahrt. Völlig emotionslos (merkt euch diesen Begriff für später!) erzählt er seinem Gefangenen, wie schwierig es war, diese Leichen in einem Stück aus dem Boden zu bekommen, da sie doch schon arg verwest waren. Als der mit seinen Opfern konfrontierte Mann mit einem flehentlichen „Sie verstehen das nicht…“ seinen Drang zu erklären versucht, sagt ihm Dexter, dass er ihn sogar sehr gut versteht. Danach tötet er ihn und entsorgt die Leiche. Tags drauf arbeitet er wieder für die Mordkommission, kann aber bei dem neuesten Mordfall nicht helfen, denn die zerstückelte Leiche enthält kein Blut! Dafür aber nennt er seine Gründe, warum bei einem anderen Mordfall wohl kaum ein geplatztes Drogengeschäft sondern eher eine Beziehungskrise der Auslöser war. Er tänzelt durch den Raum, führt ein imaginäres Messer und erklärt so jeden Blutspritzer an der Wand und dem Fußboden. Inzwischen taucht die nächste blutleere zerstückelte Leiche einer Prostituierten auf und Dexter kann einen wertvollen Tipp weitergeben. Nebenbei „entsorgt“ er noch den einen oder anderen Unhold und kümmert sich so gut es geht um seine Freundin. Einige Rückblenden in seine Kinder- und Jugendzeit zeigen, wie Harry –sein Adoptivvater- ihn prägt und seinen Drang kanalisiert. Diese erste Folge kulminiert damit, dass der Killer ihm nachts einen Kopf auf das Auto wirft und ihm in seinem Kühlschrank eine zerstückelte Barbiepuppe hinterlässt. Hier hat jemand einen Seelenverwandten gefunden. Wie reagiert Dexter? „Ich nehme an, ich sollte mich jetzt aufregen mich bedroht fühlen. Aber das tue ich nicht, nein! Eigentlich sehe ich es als eine gut gemeinte Nachricht, so ähnlich wie: Hey, wollen wir spielen? Und: JA! Ich will spielen, sehr sehr gern sogar.“ Ende der Pilotfolge.
In der zweiten Folge gibt es neue Leichen, neue Arbeit für Dexter. Er findet wichtige Indizien, die einer Unterweltgröße ernste Schwierigkeiten machen könnten. Der ermittelnde Sergeant hat ein privates Interesse an dem Fall und der mögliche Kronzeuge wird in U-Haft von einem korrupten Wärter „vorsorglich“ zum Schweigen gebracht. Dexter selbst jagt privat einen Täter, der unter den verschiedensten Namen an verschiedenen Orten der USA im Alkoholrausch Menschen überfahren hat. Seine Schwester schafft den Sprung von der Sitte in die Mordkommission, zwar noch in Uniform, aber mit Perspektive.
In der dritten Folge geht die Suche nach dem „Kühllaster-Killer“ weiter, es gibt einen ersten Verdächtigen, nach dem gesucht wird und der Sergeant, der den Big Boss erwischen möchte, wagt sich zu weit vor. Dexter selbst erzählt in seinen Rückblenden von seinem ersten Mord und wie er damit seinem Adoptivvater das Leben retten konnte. Denn die Krankenschwester gab den Patienten gerne etwas viel Morphium. Daneben verzichtet er auf den Mord an einem weiteren Täter, weil dieser glaubhaft machen konnte, dass er selbst Opfer war.
Die vierte Folge beginnt damit, dass der bisher Gesuchte eindeutig ein Opfer ist, dem der Killer Stück für Stück amputiert und die Teile genau da liegen lässt, wo Dexter Erinnerungen an seinen Vater hat. Das ist schon gruselig, nicht aber für Dexter, der das für weitere Ermittlungen nutzt. So findet er den halb Toten und lässt seine Schwester es als „Tipp aus der Szene“ nutzen.
In Folge 5 kommen die Ermittlungen gegen den Kühllaster-Killer voran, Dexter kann gleich ein mörderisches Ehepaar „entsorgen“. Der Gangsterboss wird erwischt, als er versuchte, den übereifrigen Sergeant zu töten.
In Folge 6 ist die Leiche der gerade von Dexter im Meer versenkten Frau wieder am Tatort. Außerdem hat ein kleiner Junge etwas gesehen. Dexter entledigt sich aller Indizien, die auf ihn deuten könnten doch am Ende erkennt er, dass es nur ein weiteres Spiel ist.
In Folge 7 gibt es einen neuen Verdächtigen als Kühllasterkiller und er wird festgenommen. Aber Dexter erkennt, dass dieser Typ niemals der Kühllaster-Killer sein kann.
Folgen 8-12: zunächst zweifelt nur Dexter, dann auch seine Vorgesetzte. Doch ihr Vorgesetzter will unbedingt den Ruhm behalten und schlägt alle Warnungen in den Wind. Dann schlägt der echte Killer wieder zu und die Jagd beginnt erneut. Zum Ende hin erfährt Dexter vieles über seine Herkunft, was er gar nicht wissen wollte.
In einer abschließenden Tagtraumsequenz lässt er sich als großen Helden feiern, der Miami vom Kühllaster-Killer und noch so vielen anderen Bösewichtern mehr befreit hat.
Die zweite Staffel setzt fast nahtlos an, der Tagtraum wird bittere Realität, als Dexters Leichen im Meer entdeckt werden. Bald weiß man, dass jede Leiche selber Dreck am Stecken hat und die Mordkommission fahndet bald in ihren eigenen Reihen. Wie kann Dexter seinen Kopf aus der Schlinge ziehen? Zudem misstraut ihm seine Freundin und hält ihn für einen verkappten Junkie.
Die dritte Staffel beginnt damit, dass Dexter in Notwehr einen anderen Menschen und nicht sein ausgewähltes Opfer tötet. Damit beginnen unglaubliche Verwicklungen. Nebenbei erfährt er, dass er Vater wird und kann damit überhaupt nicht umgehen. Aber Dexter wäre nicht Dexter, wenn er keine Lösung fände.
Inzwischen gibt es in den USA bereits 4 fertige Staffeln (Dexter jetzt als Ehemann und Familienvater) und Staffel 5 wird gerade begonnen.
Spiel mir das Lied vom Mord
Die weiteren wesentlichen Mitspieler von Dexter sind seine Schwester Debra, seine Freundin Rita (mit ihren Kindern), die Sergeanten Doakes und Batista, der Chefforensiker Masuka und die Abteilungsleiterin Lt LaGuerta.
Seine Schwester geht nur fluchend durch die Gegend, der jahrelange Umgang mit den Bordsteinschwalben im Sittendezernat hat eindeutig abgefärbt. Genial die Szene, als die „leichten Mädchen“ ihr klarmachen, dass LaGuerta eigentlich auch nur ihr „Pimp“ (Zuhälter) ist. Sie ist extrem ehrgeizig und erkämpft sich mit Dexters versteckter Hilfe ihren Platz in der Mordkommission, der sie auch dort weiterhin mit exklusiven Tipps versorgt.
Ritas Ehemann sitzt im Knast wegen Drogen und Gewalt gegen seine Frau, so ist sie nicht gerade auf Sex erpicht. Das kommt Dexter gerade recht. Wie er seine Hemmung vor dem Sex verliert, ist schon ein genialer Einfall, ein mörderischer Psychiater „hilft“ ihm dabei. Geholfen hat es ihm (dem Psychiater) allerdings nicht …) Als schon beinahe running gag in der ersten Staffel sind immer die Dialoge der beiden, wenn Rita feststellt, dass Dexter doch der netteste, harmloseste Mensch ist, den es nur geben kann und er seinen Senf dazu gibt.
Sergeant Batista denkt, er sei Dexters bester Freund. Dennoch verheimlicht er vor ihm, dass sich seine Frau schon längst von ihm getrennt hat. Auch eine fast tödliche Verwundung durch den Kühllaster-Killer kann die Ehe nicht wieder flicken.
Sergeant Doakes dagegen ist der einzige, der spürt, dass Dexter etwas verheimlicht. Dexter selbst wundert sich nur, dass in einer Mordkommission, wo doch die Ermittlungsprofis sitzen, nur eine Person ihn verdächtigt, eine Maske zu tragen.
Masuka, ein kleiner Asiate, nervt alle anderen mit seinen sexistischen Äußerungen, ist aber ein ausgewiesenes As in seinem Beruf. Ihn und Dexter verbinden die absolute Professionalität bei ihren häufigen gemeinsamen Untersuchungen.
Lt. LaGuerta, ihre unmittelbare Vorgesetzte hat eine Schwäche für Dexter (der Kommentar seiner Halbschwester dazu ist nicht jugendfrei!), sie will unbedingt weiter Karriere machen und rasselt so mit ihrem Chef zusammen. Den ersten Kampf in Staffel 1 verliert sie und muss ihr Büro räumen. Sie ist manchmal launisch und kann nicht gut mit Kritik umgehen. Auf der anderen Seite hat sie ein offenes Ohr für ihre Leute und setzt sich für sie ein. Zu gern hätte sie den kleinen Jungen aus Folge 6 adoptiert, doch ein Onkel taucht auf und nimmt ihn mit.
Der Mörder ist nämlich der Butler
Was macht diese Serie denn nun so einzigartig, neben dem, was ich schon geschrieben habe? Da sind in erster Linie Dexters innere Monologe zu nennen. Man hört, was denkt, während er Blutspuren untersucht, durch die Gegend fährt oder schwimmt. Und er macht sich so seine Gedanken über sich und die anderen Menschen „da draußen“. Denn er gehört nicht dazu, das weiß er. Alles muss er vortäuschen, denn eigentlich ist er absolut emotionslos. Und so wird er auch gespielt und so spricht er auch meistens, wenn nicht gerade versucht, jemandem etwas vorzumachen. In seinen Selbstgesprächen gibt es keinerlei Regung. Seine impulsive Schwester und auch Rita verzweifeln manchmal daran. Ihm zuzuhören ist einfach nur genial, oder nennt es gruselig. Dazu kommt ja noch sein meist emotionsloser Gesichtsausdruck. Und für uns Zuschauer, die wir ja wissen, was er wirklich ist, macht das die Sache noch viel schöner.
An zweiter Stelle folgen die ausgesprochen gut ausgesuchten Mitspieler, Rita ist die verhuschte, geschlagene Frau, Debra erklärt ihrer Vorgesetzten, warum sie bei den Jungs trotz Kontaktlinsen anstelle von einer Brille nicht landen konnte („zu kleine Titten!“). Dabei hilft sie ihr, ein Haar aus deren Kontaktlinsen zu entfernen. Wenn LaGuerta sich dann ausgiebig schminkt um der Presse die Verhaftung des Kühllaster-Killers zu vermelden und von ihrem Captain erfährt, dass er diese Pressekonferenz gerade selbst abgehalten und ihre Arbeit gar nicht erwähnt hat, dann sieht man, dass auch hier die richtige Person agiert. Sie könnte diesen Schnösel in der Luft zerreißen. Der bullige Doakes, der sich mit der Ehefrau eines Kollegen eingelassen hat, Batista, die „gute Seele“ die nach einem Geschenk zum 10-jährigen für seine Frau sucht (wohl wissend, dass diese ihn längst vor die Tür gesetzt hat) und auch die vielen Mörder, die Dexter enttarnt und selbst zur Strecke bringt, jede einzelne Figur, ob Alkoholiker, Geschäftsmann, Jungendlicher, Sadist, Schrotthändler usw. ist passend ausgewählt worden. Sie erhält nur einen kurzen Auftritt aber der ist professionell.
Der Empfehlung, die Serie „unbedingt“ im Original zu hören, kann ich nicht folgen. Die deutsche Synchronisation ist außerordentlich gelungen und so viele Slangbegriffe und mit kubanischem Akzent gesprochenen Redewendungen sind nur für native speakers geeignet. Die eine oder andere Passage sehe ich mir gerne nacheinander in beiden Sprachen an. Ich habe an keiner Stelle bemerkt, dass die deutsche Synchronisation ungenau war.
War da noch was?
Ach ja, ein paar Daten werfe ich noch hinterher.
2 x 2 DVDs in je einem dünnen Dopplecover füllen einen Pappschuber.
2 Sprachen (Deutsch Dolby Surround 2.0 und Englisch Dolby Digital 5.1) 5 Untertitel (Deutsch, Englisch, Griechisch, Polnisch, Portugiesisch) sind anwählbar.
Auf den Innenseiten kann man die Rückseite des Covers lesen, eine Kurzfassung der Folgen.
DVD Nummer 4 enthält ein paar Extras, so wird „der wahre Dexter“ vorgegestellt. Zum einen wird erläutert, wie ein echter Mordfall dank der Blutuntersuchungen, (wo lag wie viel Blut) gelöst werden konnte und ein Forensiker zeigt in kleinen Episoden, das, was man auch bei Dexter sieht, wenn er arbeitet. Wie Blut aus verschiedenen Wunden durch verschiedene Waffen spritzt, fließt usw., bzw. wie man das aus den Spuren nachträglich sehen kann. Durchaus interessant.
Die DVD ist über amazon für über 30 Euro zu bekommen, im Fachhandel steht sie selten.
FSK 18 schreckt hier ab, ist aber eindeutig korrekt.
Bild und Ton sind über jeden Zweifel erhaben.
| weitere Erfahrungsberichte |
Serien-Killer
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JoachimKroll
Pro: großes Suchtpotential
Kontra: Nach schnellen 651 Minuten vorbei
|[Story]|
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30.10.2009
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Polizei und Psychopath Hand in Hand
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scoopexx
Pro: Gute Schauspieler, einige gute Ideen.
Kontra: Im Groben das übliche Gerüst, auf dem die Serie aufbaut.
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04.10.2011
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