... 13)
Melissa Paranello veröffentlichte mit 17 Jahren ihren ersten Roman „Mit geschlossenen Augen“; 2005 erschien von ihr die quasi-Fortsetzung und (angebliche?) autobiographische Darbietung
Dich lieben
Der Rowohlt Taschenbuch Verlag führt mit seinem Klappentext wieder völlig in die Irre, ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von Cosmay über Dich lieben / P. Melissa 23.12.2009
Produktbewertung des Autors:
Niveau
sehr anspruchsvoll
Unterhaltungswert
durchschnittlich
Spannung
ziemlich spannend
Wie ergreifend ist die Story?
sehr ergreifend
Pro:
verstörend, tiefsinnig, gibt einen definitiven Eindruck in zersplitterte Seelen
Kontra:
dank des Klappentextes erwartet man etwas völlig anderes
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
„Es war, als würde ich auf einmal jenen Pfad einschlagen, den ich schon so oft am Horizont meines Lebensweges gesehen hatte. Ich begehe ihn doch erst seit so kurzer Zeit, obwohl ich das Gefühl habe, schon hundert Jahre gelebt zu haben, die eine Hälfte ganz gut, die andere eher weniger gut, vorsichtig ausgedrückt. Es schien mir stets so unmöglich, an jenen Punkt zu gelangen, an dem die beiden Straßen sich kreuzten, dass ich teilnahmslos die ganze Strecke hinter mich brachte, ohne mich zu fragen, wann ich ankommen und was ich tun würde, wenn ich endlich dort wäre.“ (ZITAT; S. 13)
Melissa Paranello veröffentlichte mit 17 Jahren ihren ersten Roman „Mit geschlossenen Augen“; 2005 erschien von ihr die quasi-Fortsetzung und (angebliche?) autobiographische Darbietung
Dich lieben
Der Rowohlt Taschenbuch Verlag führt mit seinem Klappentext wieder völlig in die Irre, wer anhand dessen glaubt, eine „normal strukturierte“ Geschichte vorzufinden, wird entweder absolut enttäuscht und gar böse sein oder aber absolut fasziniert, sofern er sich wirklich auf die 126 Seiten pure Schizophrenie einzulassen getraut.
Ähnlich wie in der „Gelben Tapete“ von Charlotte Perkins muss man hier etliche Zeilen mehrfach lesen, um dem eigentlichen Inhalt folgen zu können. Die Ich-Erzählerin Melissa litt bereits mit 5 Jahren unter Halluzinationen sowie Depressionen, ihre Mutter weiß sich genauso wenig Rat wie der Vater, der sie dann jedoch zum Psychologen schickt. Und doch verliert sich Melissa auch Jahre später erneut mehr und mehr in ihren Wahnvorstellungen, reißt den Leser mit in ihre Welt und verhindert somit gleichzeitig die Möglichkeit für (die lesenden) Außenstehende(n), zu begreifen, was wirklich vor sich ging.
Darüber hinaus springt Melissa arg viel hin und her; Erinnerungen an ihre Kindheit wechseln sich ab mit den aktuellen Geschehnissen wie den Dingen, die sich lediglich in ihrem Kopf abspielen. Hier und dort grenzt es an einer absoluten Herausforderung, jedwege Entwicklung zwischen den Zeilen herauslesen zu können ~ ein Buch, welches man eben mal zwischendurch liest, liegt somit hier nicht vor. Die geringe Seitenanzahl täuscht, führt auf die falsche Fährte ~ „Dich lieben“ beeinhaltet so viel Raum an Spekulation, Vermutung sowie Auslegung, dass man sicherlich beim wiederholten Lesen noch einiges entdecken wird, was man im ersten Moment nicht wahrnahm.
Die Schilderungen sowie die Umschreibung
„Vom Stängel einer Blüte tropft Blut“
auf S. 22, welche wohl nur im Kontext verstanden werden kann, kommen im ersten Moment absolut unerwartet und regelrecht erschreckend daher; wobei sie an für sich schon auf den ersten Seiten irgendwo verborgen auf der Hand lagen.
Schlussworte
„Dich lieben“ ist kein Buch im herkömmlichen Sinne, es gibt im Grunde keine „Story“, sondern vielmehr lediglich einen Einblick in Melissas Seele, in ihr selbstzerstörerisches Verhalten, ihre vehemente Suche nach bestätigender Liebe, Halt und unerfüllter, von sich selbst nicht verstandener Sehnsucht. Melissa scheint auf der Suche und Flucht zugleich, ohne sich selbst beantworten zu können, vor wem oder was sie wegläuft und wer sie erretten können sollte. Sie selbst ist viel zu sehr in ihre Wahnvorstellungen, Halluzinationen sowie einer ausgeprägt fantasielastigen Paranoia im Würgegriff gehalten, um sich selbst die Hand reichen zu können.
Melissa kämpft gegen die Schatten ihrer Kindheit, misst manchen vielleicht zu viel an Bedeutung und belastenden Gewicht zu... und doch ändert es nichts, dass sie schlussendlich nichts anderes mehr kann, als schlicht und ergreifend auf ihren Tod zu warten.
„Dich lieben“ eignet sich meiner Ansicht nach nur für Seelen, die sich während einer Lektüre gerne Gedanken machen und sich nicht der puren Unterhaltung und Zerstreuung hinter Bücher parken. Jedem Interessenten sollte hier klar sein, dass „Dich lieben“ mehr Fragen aufwirft als es je beantworten könnte; es mannigfaltige Interpretationen zulässt und darüber hinaus gratis ein Gefühl der Unbehaglichkeit hinterlässt.
Ergo des Ergos:
Für Menschen wie mich ein wahrhaftig beeindruckendes und heißgeliebtes Buch; für die breite Masse jedoch trotz des Aufklebers „Bestseller“ vermutlich eher nichts.
„Ich muss mir das Leben, das ich in mir habe, ansehen, dieses dunkle Leben, das mit den anderen nichts gemeinsam hat, muss in mir selbst leben, denn außerhalb gibt es niemanden, der mich leben lässt. Ich hatte geglaubt, er wäre in der Lage, mich leben zu lassen, und hätte mich nicht Tag für Tag allmählich sterben lassen. Doch genau das tut er, und da kann er mich auch gleich umbringen, mit einem gut platzierten Fausthieb.“ (ZITAT; AS. 107)
Pro: Steigerung zu "Mit geschlossenen Augen" Kontra: aber: strukturlos, verwirrend, noch immer leicht entrückter Schreibstil
Zwei Jahre hat sich Melissa P. Zeit gelassen, um den Nachfolger zu ihrem heißdiskutierten, erotischen Tagebuch "Mit geschlossenen Augen" zu veröffentlichen. Nun ist es da und in Anbetracht des jungen Alters der Autorin, sie wird dieses Jahr einundzwanzig, ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die ...
sehr hilfreich
22.08.2006
Zum Genießen Bewertung für Dich lieben / P. Melissavon
Pluenjule
Pro: Sehr intim Kontra: ein wenig kurz
Ich liebe dieses Buch. Ich glaube allerdings, dass es für Frauen einfacher zu verstehen ist. Man darf nicht alles wörtlich nehmen, sondern versuchen, warzunehmen was sie einem WIRKLICH sagen möchte. Belanglose Dinge ermöglichen einem schon den Einblick in ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als weniger hilfreich