Thema verfehlt - Setzen, Drei Plus!
20.10.2004
Pro:
Sehr gute Story
Kontra:
Vollkommen am Buch vorbei
Empfehlenswert:
Ja
 coosy
Über sich:
Mitglied seit:18.06.2000
Erfahrungsberichte:121
Vertrauende:13
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 56 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Nachdem uns Matt Damon im ersten Teil "Die Bourne Identitaet" bewiesen hat, dass in ihm mehr steckt als der sensible und rebellische Schueler aus "Good Will Hunting" oder der nicht minder sanfte "Private Ryan", hatte man sich natuerlich eine hohe Messlatte gelegt, die es mit einer Fortsetzung zu ueberspringen galt. Eine alte Weisheit sagt ja bereits, dass Fortsetzungen meist nicht an das Original heranreichen, aber "Die Bourne Verschwoerung" wagt eine besonders pikante Graetsche.
Mit neuem Regisseur und dem gleichen Screenplay-Schreiber, der auch schon die Bourne Identitaet zu einer wirklich netten Geschichte gemacht hat, machte man sich also ans Werk, und ich kann mir in etwa vorstellen, was bei der ersten Projekt-Besprechung zwischen Paul Greengrass (Regie) und Tony Gilroy (Drehbuch) abgelaufen sein muss... Paul: (enthusiastisch) "Also los, machen wir einen zweiten Teil. Die Story kommt gut an!" Tony: "Du, aehm, Paul. Es gibt da ein Problem..." P: "Wieso? Robert Ludlum hat doch ein weiteres Buch um Jason Bourne geschrieben!?" T: "Schon, aber der Rest passt nicht so ganz... Der Boesewicht, den wir am Ende des ersten Teils haben erschiessen lassen, taucht im Buch eigentlich wieder auf. Franka Potente hat keine Lust mehr. Die Chinesen lassen uns nicht am Original-Spielort in Hong Kong und der chinesischen Provinz drehen. Und wenn wir das ganze Buch verfilmen wuerden, brauchen wir MINDESTENS einen 5-Stunden-Film." P: "Hmmm.... Dann schreiben wir doch einfach was Neues und nennen das einfach genau so!"
Genau das hatten die Produzenten wohl dann gemacht. An all jene, die das Buch gelesen haben: Der Film hat nichts, aber auch rein gar nichts mit der Buch-Vorlage zu tun. Ausser der Tatsache, dass eine Handvoll Personen zufaellig den gleichen Namen tragen, wie im Buch. Waehren sich das Buch mit einer Verschwoerung in China und der Suche Bourne's nach einem Killer beschaeftigt, der ihn sowohl im Stil als auch im Erscheinungsbild imitiert, was eine wahrhaft meisterhafte Story ergibt, kommt hiervon im Film nichts vor.
Ergebnis: ich wiederhole: der Film HEISST nur "Die Bourne Verschwoerung"! Wer sich also an diesen Film ranmacht, weil er das Buch gelesen hat und sich nun wundert, wie man diese rasante und unglaublich facettenreiche Story umgesetzt hat, wird schwerstens enttaeuscht und dennoch belohnt. DIE ENTTAEUSCHUNG..................... Wie gesagt, der Film hat mit der Buch-Vorlage rein gar nichts zu tun. Bourne findet sich als Einsiedler mit seiner Marie (Franka Potente) in einem Haus in Indien wieder [Buch: er ist Dozent in den USA unter seinem wirklichen Namen David Webb]. Ohne grosse Einleitung erscheint auch schon der Boesewicht des Films, ein Killer aus Russland, der statt Bourne Marie erschiesst. [Buch: sie lebt und hat eine wirklich lesenswerte eigene Handlung im Buch, die parallel zu Jason's eigener Story verlaeuft]
Waehrend Bourne merkt, dass er mal wieder auf's Kreuz gelegt wurde, jagt er nun wieder mal die Jungs & Maedels vom CIA [Buch: er jagt einen Killer, der sich als Jason Bourne ausgibt]. Nach langem Hin und Her und ein paar netten Sequenzen in Berlin folgt er seinem Wiedersacher bis nach Moskau, wo es dann schliesslich zum Showdown mit einer sehenswerten Verfolgungsjagd in einem Tunnel kommt.
DIE BELOHNUNG..... mit bitterem Beigeschmack... Bei der zugegebenermassen Thema-fernen Umsetzung eines der Meisterwerke von Robert Ludlum ist trotzdem ein sehenswerter Film rausgekommen. Allerdings muss ich folgende Punkte bemaengeln: 1. Teilweise werden Handlungsstraenge nicht weitergefuehrt oder aber nicht tiefgehend genug eingeleitet. Man muss sich also denken, was wohl zwischen diesem und jenem passiert sein koennte oder was spaeter kommen koennte.
2. Der Regisseur scheint sich beim Ansehen des ersten Teils gedacht zu haben, dass die Verwendung von teils ruckeligen Einstellungen sehr gute Action-Szenen noch besser machen kann. Lieber Regisseur: zu viel kann aber die Zuschauer seekrank werden lassen. Zudem waere es manchmal ganz nett, wenn man bei dem Geruckel noch was erkennen wuerde. 3. Ich finde das Thema Russen-Mafia etwas abgekaut. Zwar wird diese Thematik nie wirklich vertieft, aber genau darum scheint es zu gehen. Und die Preisfrage: kennen wir als Boesewicht den russischen Oel-Prinzen mit Weltherrschafts-Ambitionen nicht schon aus "The Saint"?
Nun gut, aber ich will nicht meckern. FAZIT::::::::::::::::::::::::::::::: Es ist schwer, diesem Film ein Urteil zu geben. Einerseits ist es ein sehr guter Film. Spannung und Action-Szenen, die im Stil an den ersten Teil anschliessen (richtig, ein Auto MUSS nicht explodieren wenn es gegen einen Grashalm donnert) machen den Film zu einem der besseren Spionage-Filme. Bei eingen Szenen denke ich mir aber, dass die Wahl der Orte stark von anderen Filmen beeinflusst wurde (z.B. Spy Game oder eben The Saint). Dennoch ist der Film sehenswert uns gut besetzt. Allerdings wiegt die komplette Vernachlaessigung der Buch-Vorlage schwer. Gerade in der heutigen Zeit ist China als Brennpunkt fuer einen Spionage-Thriller eine echte Fundgrube, die man haette nutzen sollen. Drehorte ausserhalb Chinas gibt es ausserdem genuegend.
In Summe kann ich dem Film daher keine sehr hohe Bewertung geben, wenn ich beide Punkte zusammenziehe. Ich lege Interessierten nahe: 1. Buch lesen! Es lohnt sich!!! 2. Film gucken! Lohnt sich auch, wenn man nichts von der Buch-Handlung erwartet!
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11.11.2005 12:35
Gut gemacht. LG Gany
21.10.2004 00:19
Hab keine Ahnung von dem Film, aber so wie du es schreibst scheint er interessant zu sein, guter bericht. sh Lieben gruß Tom
20.10.2004 20:03
ICh hatte mich eigentlich auf den Film gefreut, als Fortseztung der Bourne Identity. Aber ich glaube, ich lese einfach nur das Buch. LG Susi