... Bei seiner Lektüre von Paul Austers "Die Brooklyn-Revue".
DIE STORY -
Nathan ist 59 Jahre alt und pensionierte Versicherungsmakler. Zudem noch geschieden von seiner Frau Edith. Und seine erwachsene Tochter Rachel will auch nichts mehr allzu viel wissen von ihm. Als einsamer Eigenbrötler ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von olsen77 über Die Brooklyn-Revue / Auster, Paul 23. Februar 2008
Produktbewertung des Autors:
Niveau:
anspruchsvoll
Unterhaltungswert:
hoch
Spannung:
ziemlich spannend
Humor:
ziemlich humorvoll
Aufmachung:
mäßig
Pro:
Geschichte, Charaktere, Humor, Melancholie
Kontra:
Cover, Übersetzung des Titels
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
"Writing is no longer an act of free will for me, it's a matter of survival" (Paul Auster)
Das Leben birgt immer wieder die eine oder andere Überraschung. An der Behauptung, das Leben sei eine Achterbahn, scheint etwas Wahres dran zu sein. Das stetige Auf und Ab, die bekannten und unbekannten Menschen, die uns in den einzelnen Etappen zuwinken, auftauchen und auch wieder verschwinden und die Frage, in welchen Wagen steigen wir eigentlich ein, könnten wir in abgewandelter Form auch auf unser Leben anwenden. Eine Achterbahn haben auch Nathan und sein Neffe Tom hinter und auch noch vor sich. Nach ihrem Wiedersehen in Brooklyn wandelt sich das Leben für beide wieder einmal überraschend, vor allem überraschend schnell. Und der Leser wird einfach mitgenommen. Bei seiner Lektüre von Paul Austers "Die Brooklyn-Revue".
DIE STORY -
Nathan ist 59 Jahre alt und pensionierte Versicherungsmakler. Zudem noch geschieden von seiner Frau Edith. Und seine erwachsene Tochter Rachel will auch nichts mehr allzu viel wissen von ihm. Als einsamer Eigenbrötler zieht er von New Jersey nach Brooklyn, um das Ende seines Lebens zu erwarten, da er bereits eine Therapie gegen Lungenkrebs hinter sich hat.
Bei seinen Touren durch Brooklyn trifft er nichts ahnend seinen Neffen Tom, mit dem das Schicksal auch nicht gerade zimperlich umgesprungen ist. Denn er könnte zur Elite des Landes gehören, hatte ein Studium der Literaturwissenschaft begonnen, was er allerdings abgebrochen hatte. Statt einer Professur an einer Universität verdient er seine Brötchen als Taxifahrer, später schließlich ein Mitarbeiter eines Antiquariats.
Genau in "Brightmans Attic" treffen die beiden zusammen und klagen sich erstmal gegenseitig ihr Leid. Während zwar Nathan reichlich Kohle besitzt, fristet er ein einsames Dasein. Tom dagegen hat weder Geld noch eine Frau. Doch mit diesem Wiedersehen kommt die Geschichte ins Rollen. Denn Nathan lernt auch den Besitzer des Buchladens kennen: Harry Brightman. Eine komische Type. Zwar verheiratet, allerdings schwul. Zudem hat er bereits einige Jahre wegen Betruges hinter Gittern gesessen. Sein damaliger Geliebter Gordon malte Bilder unter dem Namen eines bereits verstorbenen Künstlers, den Harry als Galeristen betreute. Der Schwindel fliegt auf. Doch die Katze lässt das Mausen bekanntlich nicht. Harry will es noch einmal wissen, gemeinsam mit seinem ehemaligen Liebhaber plant er den nächsten Coup. Die wollen das Original des Romans "Der scharlachrote Buchstabe" von Nathanael Hawthorne fälschen, das als verschwunden gilt. Doch schließlich wird alles andere als gedacht. Denn hinter dem Schwindel steckt eine große Intrige, bei dem einer der große Verlierer ist.
In der Zwischenzeit müssen sich Tom und Nathan immer wieder mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen. Nathan mit seiner Tochter Rachel, Tom mit seiner Schwester Aurora, die Drogen nahm, als Pornodarstellerin arbeitete und dann auch noch dank ihres Mannes gemeinsam mit ihrer Tochter Lucy in die Fänge einer Sekte gerät. Lucy gelingt schließlich die Flucht zu Nathan, der will jedoch endlich eine Frau für seinen Neffen finden und hat im Übrigen ein Problem mit dem Mann seiner heimlichen Liebe, die Kellnerin in seinem Lieblingslokal ist.
SPRACHE UND STIL -
Was für eine Geschichte….Auch wenn die kurze Nacherzählung an einigen Stellen vielleicht etwas unglaubwürdig klingt, liest man das Buch, wirkt das Geschehen zwar verrückt, aber nicht unglaubwürdig. Zwar hat Paul Auster wundervolle skurrile Personen ins Leben gerufen, sie alle müssen allerdings die üblichen Schwierigkeiten durchstehen: der Zerfall einer Familie, etwas Kriminalität, die Frage, was mach ich eigentlich aus dem Leben und vor allem, wer ist meine große Liebe. Auster lässt Nathan erzählen und das ist eine sehr gute Entscheidung gewesen. Wirkt der pensionierte Versicherungsmakler doch selbst vom Leben geplagt und deshalb auch vertrauenswürdiger, als einer der ein problemloses Leben sein eigen nennt. Nathan ist zudem sehr weise, klug und genauso belesen wie sein Neffe Tom. Deshalb streut er in dem Nacherzählen der Geschichte immer wieder Lebensweisheiten dazwischen und gilt bei Tom und auch bei Harry als Berater in allen Lebenslagen.
Der Erzählstil ist sehr nachdenklich und heiter zugleich. Man spürt bei den traurigen Erlebnissen die Tragik, bei den kuriosen dagegen das gewisse Augenzwinkern. All dies ist immer mit einer gewissen Prise Übertreibung und einem ungeheuren Talent an Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis gewürzt. Nathan erzählt dabei nicht linear. Er springt oftmals von den neuen Geschehnissen in Brooklyn zurück in das vorherige Leben von Tom oder auch Nathan. Das ist nicht schwer zu verstehen und geschieht auch sehr fließend. Dem fantastischen Aufbau des Buches sei dank.
Die Personen erscheinen nicht als plakative schwarz-weiß Schemen. Sie sind sehr vielschichtig. Trotzdem schaffen sie es auf Anhieb, den Leser auf seine Seite zu ziehen oder auch unsympathisch zu wirken. Nathan und Tom sowie dessen Nichte Lucy wachsen einen richtig ans Herz, zeigen sie doch ihre guten und schlechten Seiten, ohne vor allem letztere nicht zu verbergen. Das nenne ich dann mal Ehrlichkeit, die ungemein sympathisch wirkt.
Ein Lesegenuss sind zudem die Dialoge, vor allem die zwischen Onkel und Neffe. Sie sprühen geradezu vor Witz oder auch Nachdenklichkeit und ungeheurem Wissen über Literatur und Philosophie.
Ein wenig Magengrummeln hat mir allerdings bereitet, dass Auster wie viele seiner Kollegen den 11. September einfließen lässt. Das geschieht zwar nur am Ende des Buches, wirkt allerdings etwas konstruiert, auch wenn der US-Wahlkampf immer wieder kritisch beleuchtet wird und dies sicherlich auch in diesem Zusammenhang gesehen werden muss.
Noch ein paar Worte zur deutschen Ausgabe: Denn etwas unglücklich erschien mir die deutsche Übersetzung des Originaltitels. Denn mit einer "Brooklyn-Revue" kann ich nichts anfangen. Der Originaltitel "Brooklyn Follies" verweist dagegen auf die heimliche Schreiberei Nathans an einem Werk unter dem Arbeitstitel "Das Buch der menschlichen Torheiten." Und dann das schreckliche Cover der Taschenbuchausgabe. Einfach einfallslos und fad.
EIN AUSZUG -
"Ja, Tom war hervorragend in Form an diesem Tag. Ein wenig überdreht, mag sein, aber jedenfalls war sein weitschweifiges, gelehrtes Geplauder ein wirksames Mittel, die Eintönigkeit der Fahrt vergessen zu machen. Er trabe munter in eine Richtung los, kam an eine Abzweigung und schwenkte scharf in eine andere Richtung los, ohne lange zu überlegen, ob es nach links oder rechts gehen sollte. Alle führten nach Rom, könnte man sagen, und da Rom nichts Geringeres war als die gesamte Literatur (über die er alles zu wissen schien), spielte es keine Rolle, wofür er sich entschied. Von Poe kam er plötzlich auf Kafka zu sprechen. Gemeinsam war den beiden das Alter, in dem sie starben: Poe mit vierzig Jahren und neun Monaten, Kafka mit vierzig Jahren und elf Monaten. Das war eine dieser wenig bekannten Tatsachen, für die sich nur jemand wie Tom interessierte, aber da ich selbst mein halbes Leben lang Versicherungsstatistiken studiert und über Sterberaten in verschiedenen Berufszweigen nachgedacht hatte, fand ich es auch ziemlich interessant."
DER AUTOR -
Paul Auster hat nicht nur seinen Namen, bekannte Werke und den Status als einer der herausragendsten amerikanischen Schriftsteller als Teil seiner Biografie zu bieten. Beschäftigt man sich näher mit seiner Biografie stößt man auf sehr interessante Fakten, abseits der langweiligen Daten. An denen sollte es hier allerdings auch nicht mangeln: Paul Auster erblickte am 3. Februar 1947 in Newark, New Jersey das Licht der Welt. Seine Großeltern waren jüdischer Abstammung und immigrierten aus Österreich. Nach der High-School ging Auster auf eine Europareise und begann anschließend sein Studium der Anglistik und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Columbia University, um schließlich mehrere Jahre in Paris zu leben und zu arbeiten. Heute lebt er mit seiner Frau, der Schriftstellerin Siri Hustvedt ("Was ich liebte") in Brooklyn und hat zwei Kinder.
Was für mich beeindruckend ist, sind neben seiner mannigfaltigen Arbeit - er war Übersetzer, Spieleerfinder, Regisseur und Drehbuchautor - sowohl seine Leidenschaft zur Literatur als auch seine Gewohnheit dem Computer als Arbeitsmittel aus dem Weg zu gehen. Noch immer schreibt er seine Notizen per Hand, um sie anschließend auf einer Schreibmaschine ins Reine zu schreiben. Für mich ist dies auch ein bewundernswerter Beweis, dass er nicht nur dem "handwerklichen" Schreiben den Vorrang gibt, sondern dass das Wort oder ein Text eine ganz andere Bedeutung gewinnen, wenn sie in diesem fast vergessenen Stil entstehen.
Nicht nur auf Wikipedia findet sich ein Abriss seiner bisherigen Lebensstationen. Auch ein Blick auf die Website www.paulauster.co.uk lohnt sich. Dort ist übrigens auch das Anfangszitat des Berichtes zu finden. Zu seinen bekanntesten Werken zählen unter anderem die Romane "Die Musik des Zufalls", "Leviathan", "Das Buch der Illusionen" sowie das Buch "Die New York Trilogie" sowie das Drehbuch zu "Lulu on the Bridge"
MEIN FAZIT -
Wer John-Irving-Fan ist, aber einfach mal einen Buch lesen möchte, was eine Spur nachdenklicher, aber ebenso ironisch ist, kann zu "Die Brooklyn-Revue" greifen. Ich empfehle dieses Buch, weil es spannend, melancholisch, voller skurriler Charaktere und wunderbar erzählt ist. Für mich war es eine Wiederbegegnung mit dem Autor Auster und ein Beweis, dass er zu den großen Autoren Amerikas zählt und immer wieder gelesen werden können und müssen.
DAS BUCH ---
Der Roman "Die Brooklyn-Revue" erschien 2005 unter dem englischen Originaltitel "The Brooklyn Follies" bei Henry Holt New York. Der Rowohlt Verlag sicherte sich die Rechte und gab das Buch 2006 als gebundene Ausgabe und ein Jahr später als Taschenbuch heraus in der Übersetzung von Werner Schmitz. ISBN: 978-3-499-23814-7, Seiten: 351, Preis: 9,90 Euro
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Die Brooklyn-Revue Bewertung fürDie Brooklyn-Revue / Auster, Paulvon
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Pro: viele Kontra: xx
...möchte ich über das Buch: Die Brooklyn - Revue etwas erzählen. Paul Auster hat es geschrieben. Dieses broschierte Buch hat 352 Seiten und erschien am 1. Oktober 2007 im Verlag Rowohlt Tb. Zum bestllen braucht ihr die ISBN mit der Nummer 3499238144. Teuer ist es auch nicht, nur EUR 9,90. Das Buch beginnt schon ziemlich traurig mit dem Satz: " Ich suchte nach einem ruhigen Ort zum Sterben! “ Nathan Glass ist ein 59 jähriger frühpensionierte Versicherungsvertreter, ... ...Jersey und macht sich in die Arbeit alles was er besitzt zuverkauft und mietet sich in Brooklyn eine Wohnung gemietet. Er will auf den Tod warten. Aber er macht dies nicht einfach so, sondern er sammelt Geschichten. Dies sollen in ein Buch veröffentlicht werden. Es soll das heissen: Buch der menschlichen Torheiten. Aber wie das Leben so ist, kommt es anders als man denkt. In New Jersey trifft er seinen Neffen Tom Wood. Diser hat öfters angefangen ...
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28.04.2009
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