Die Bücherdiebin
13.03.2008
Pro:
Alles
Kontra:
Nichts
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
mehr
 Catblue22
Über sich:
Wenn das Leben dir 1000 Gründe zum Weinen gibt, zeig ihm, dass es 1001 Gründe zum Lächeln gibt...
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Eigentlich wollte ich meinem Bericht den Titel "Der Tod und das Mädchen" geben, doch alles, was ich mir während dieser Lektüre an Überschriften für diesen Bericht ausgedacht habe, verschwand beim Lesen - Es wurde immer kleiner und jedes von mir erdachte Wort schrumpfte in sich zusammen, wurde immer durchsichtiger, je weiter die Geschichte voranschritt und so bleibt mir nur, die Überschrift zu geben, die der Autor und die der Erzähler diesem Buch gaben: "Die Bücherdiebin"
Klappentext Deutschland. 1939. Der Tod hat viel zu tun, und er hat eine Schwäche für Liesel. Am Grab ihres kleinen Bruders stiehlt Liesel ihr erstes Buch. Mit dem "Handbuch für Totengräber" ist eine tiefe Liebe zu Büchern und Worten geweckt, die sie auch dann nicht verlässt, als ihre Welt in Schutt und Asche versinkt. Liesel sieht die Juden nach Dachau ziehen, sie erlebt die Bombennächte über München - und sie überlebt: weil der Tod sie in sein Herz geschlossen hat. Was sagt die New York Times? "Eines jener Bücher, die dein Leben verändern können." Und was die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung? "Manche Romane, die sich an junge Leser richten, sind so ergreifend, dass sie auch erwachsene Herzen brechen. Markus Zusaks "Die Bücherdiebin" (…) ist so einer.
Und was sagt der Tod? Ja, der Tod. Er ist der Erzähler dieser Geschichte und schon bei den ersten Sätzen merkt man, dass man sich auf ihn einlassen muss, will man wissen, was mit Liesel geschieht, die neben ihrer Mutter und ihren kleinen Bruder im Zug sitzt und einer ungewissen Zukunft in einer Pflegefamilie entgegen fährt. Nichts in diesem Land in dieser Zeit ist sicher, nur der Tod und der tritt auch schon ganz am Anfang von Liesels Geschichte in ihr Leben, das heißt in das Leben ihres kleinen Bruders, der neben ihr im Zug ganz plötzlich stirbt. Ein Auge noch im Traum gefangen, das andere wach, so nimmt sie den Tod ihres Bruders wahr, der Tod, der seine kleine Seele ganz sanft in die Arme schließt und der eigentlich nun gehen müsste. (Zitat: "Vielleicht könnt ihr es euch vorstellen, vielleicht auch nicht. Denkt euch eine schwerfällige Stille. Denkt euch Fetzen und Splitter aus fließender Verzweiflung. Und stellt euch vor, wie man in einem Zug ertrinkt.") Doch er bleibt und schaut zu, wie Liesel und ihre Mutter den Jungen auf einem unbekannten, verschneiten Friedhof von einem Totengräber begraben lassen. Das Buch, das dieser verliert und das Liesel aus dem Schnee nimmt und in ihren Sachen verbirgt, wird das erste von vielen Büchern sein, die sie in ihrem Leben stehlen wird. Sie wird weiterreisen müssen, bis nach Molching, einer Kleinstadt kurz vor München und sie wird dort ihre Pflegeeltern kennen lernen. Hans und Rosi Hubermann. Hans, der immer für sie da ist, der in den schwarzen Nächten, in denen ihr die Alpträume die Luft abschnüren, an ihrem Bett sitzt und mit dem sie in diesen Nächten das Lesen lernt. Und Rosi. Die Frau, die wie ein Kleiderschrank wirkt und die sie als "Saumensch" bezeichnet, aber deren Herz so groß ist, dass sie, als Hans ein altes Versprechen einlöst und den Juden Max in ihrem Keller versteckt, von dem Wenigen, was sie haben, fraglos auch noch ihn mit durchfüttert. Schließlich ist da auch noch Rudi, der ihr bester Freund wird und der alles für einen Kuss von Liesel tun würde und der ihn am Schluss auch noch bekommt. Am Schluss - seinem Schluss, aber darüber will ich nichts verraten. Bis dahin wird Rudi immer an ihrer Seite sein und ihr helfen, wenn sie in das Haus des Bürgermeisters einsteigt, um dort nach und nach Bücher aus der privaten Bibliothek zu stehlen. Auch Max spielt eine große Rolle in Liesels neuem Leben. Max, der Jude, der sich im Keller der Hubermanns versteckt und der die Seiten von "Mein Kampf" weiß streicht, um ihr eine Geschichte darauf zu schenken und der in den Nächten, in denen alle während der Fliegeralarme in die Luftschutzkeller müssen, ein Stück Himmel stiehlt… Mehr mag ich nicht über das Buch verraten, doch eine Leseprobe muss ich noch geben, auch, wenn mir die Auswahl schwer fällt, denn der Zauber des Buches wird mit jedem einzelnen Wort offenbar und so wäre jede Seite, ja jeder einzelne Satz zu zitieren, um den Geist dieses Buches einzufangen und darzustellen.
Leseprobe Das Tagebuch des Todes: Der Sommer kam. Im Leben der Bücherdiebin lief alles glatt. In meinem Leben hatte der Himmel die Farbe von Juden. Ihre Körper gaben die Suche nach Spalten in der Tür auf. Ihre Seelen erhoben sich. Ihre Fingernägel hatten sich in das Holz gekrallt, waren manchmal in der Kraft der Verzweiflung wie hineingenagelt. Dann kamen ihre Seelen zu mir, in meine Arme, und gemeinsam kletterten wir aus den "Duschen" hinauf aufs Dach und höher, in den sicheren Atem der Ewigkeit. Sie fütterten mich unentwegt. Minute um Minute. Eine Dusche nach der anderen. Ich werde nie diesen ersten Tag in Auschwitz vergessen, den ersten Tag in Mauthausen. Dort hob ich sie nach einer Weile auch vom Fuß einer hohen Klippe empor, wo ihr Versuch zu entkommen jämmerlich gescheitert war. Es waren zerschmetterte Körper und tote, liebliche Herzen. Aber das war immer noch besser, als das Gas. Manche von ihnen fing ich noch im freien Fall auf. Gerettet, dachte ich dann und hielt ihre Seelen fest, während der Rest ihres Daseins - ihre körperliche Hülle - auf die Erde stürzte. Alle waren sie leicht, wie die Schalen einer hohlen Walnuss. Rauchige Himmel, fast überall. Ein Geruch, wie von einem Ofen, aber so kalt, so kalt. Ich zittere, wenn ich daran denke - wenn ich versuche, die Wirklichkeit ungedacht zu machen. Ich blase mir die warme Luft in die geballten Hände, um die Kälte zu vertreiben. Aber es ist so schwer, sie zu wärmen, wenn die Seelen noch vor Kälte beben…
Meine Meinung Seit mir mein Papa mit 5 Jahren das Lesen beigebracht hat, liebe ich Bücher, lese ich. Vielleicht eine kleine Parallele zur Liesel. Ich habe nie ein Buch gestohlen, aber ich habe in vielen Jahren unzählige Bücher gelesen. Die meisten waren sehr schnell wieder aus meiner Erinnerung verschwunden, weil sie zwar unterhaltsam, oder spannend waren, aber einfach keinen weiteren Gedanken wert, doch einige habe ich niemals vergessen. Nur ganz wenige haben diesen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wenn man viel liest, ist es, als wäre man immer auf einer Suche. Auf der Suche, nach dem perfekten Buch und ich habe mich oft schon gefragt, ob es das überhaupt gibt, oder ob es nur eine Erklärung für die Sucht des Lesens bietet, oder einen Wunschtraum darstellt. Natürlich gibt es kein Buch, das allgemein als perfekt gilt, denn diese Bezeichnung vergibt letztlich jeder Leser nach seinem individuellen Geschmack. Und so werden bei diesem Buch ebenfalls die Meinungen auseinander gehen, es wird polarisieren, doch auch, wenn ich es eben gerade aus der Hand gelegt habe (ich gebe zu, mit verweinten Augen, was mir schon Jahre nicht mehr passiert ist), und noch ganz unter seinem Eindruck stehe, so weiß ich, dass ich das für mich perfekte Buch gefunden habe und dass es schwer wird und ich einige Zeit benötigen werde, bis ich wieder etwas anderes lesen kann. Wer sich auf das Buch, auf den Tod als Erzähler einlässt, der wird von der ersten Seite an ergriffen von seiner Art, die Dinge zu schildern. Er ist es, der das Ende, den Ausgang jeder Geschichte kennt und er ist es, der uns gleich bei seiner Vorstellung erklärt, dass er irgendwann über uns allen stehen wird, so freundlich, wie es ihm möglich ist und der unsere Seelen in seinen Armen halten und uns sanft davontragen wird. Was für ein Einstieg. Und so geht es weiter. Der Tod spricht den Leser direkt an. Oft ganz zart und leise, oft nur in kleinen Andeutungen, doch genau das macht ihn zu einem Erzähler, dem man genau zuhört, da alles, was er sagt, eine tiefere Bedeutung hat. Er ist der Zeitzeuge, dem wir alles glauben, weil er alles gesehen hat und dem es gelingt, uns immer wieder aufzurütteln, mit Sätzen wie: "Die verzweifelten Juden - ihre Seelen in meinem Schoß, während wir auf dem Dach sitzen, neben den rauchenden Schornsteinen." Viele Sätze sind sehr kurz, doch ich musste oftmals innehalten und sie zweimal lesen, während mir ganz langsam bewusst wurde, was diese aneinander gereihten kurzen Wörter bedeuten. Welche Tiefe, welche Grausamkeit oder welche Freude in ihnen liegt und wie man in ihnen ertrinken könnte, wenn man nicht aufpasst. Immer wieder streut der Tod kleine Gedankensplitter, kleine Vorausschauen ein, die so gesetzt sind, dass ich sie zu Beginn für neue Überschriften hielt, eingefasst in zwei Schnörkel und fett gedruckt, wie zum Beispiel während der Schilderung von den Schlachten im ersten Weltkrieg, da springt einen dies an: "Eine kurze, aber bemerkenswerte Beobachtung. In all den Jahren habe ich so viele junge Männer gesehen, die der Meinung waren, auf andere Männer zuzulaufen. Aber das stimmt nicht. Sie alle liefen mir zu." Diese Sätze sind es, die eine Gänsehaut verursachen, die berühren, und von denen es so unendlich viele in dieser Geschichte gibt. Es könnte nun der Eindruck entstehen, es handele sich um ein deprimierendes Buch aus einer deprimierenden Zeit, doch dem ist nicht so. Natürlich lässt die geschilderte Kälte des Krieges, der Härte des damaligen Alltags, das ständige Abschiednehmen einen nicht los, aber die Wärme der Menschen, die Liebe, die Freundschaft, von der erzählt wird, machen das Buch neben seiner Sprache zu etwas Besonderem. Der Blick öffnet sich auf die vielen kleinen Dinge, an denen sich Liesel, ihre Familie und Freunde erfreuen, und die zeigen, dass es auch in so unglaublich dunklen Zeiten Lachen und Leben gibt, die bewusst machen, was wahrer Reichtum bedeutet: Menschen, die einen lieben, die für einen da sind - immer und vorbehaltlos.Das Buch ist als Jugendbuch deklariert, und ich denke, nein, ich hoffe, dass es viele Jugendliche erreicht, um ihnen von einer Zeit in diesem Land zu erzählen, in der alles anders war, als sie es kennen. Wie schon oben zitiert, ist es so ergreifend, dass es auch erwachsene Herzen brechen kann und für mich ist es ein absolut perfektes Buch, darum kann ich es nur weiter empfehlen und hoffen, dass es möglichst viele Leser findet, denn das hat es verdient. Zum Schluss noch etwas zum Autor: Markus Zusak wurde 1975 als Sohn deutsch-österreichischer Eltern geboren. Er lebt in Sydney, spielt Fußball und schreibt Romane, die international für Furore sorgen. Die Bücherdiebin ist eine Reminiszenz an die Geschichten seiner Eltern aus München und Wien während des Zweiten Weltkriegs. Weitere Informationen zum Autor unter www.markuszusak.com oder unter www.cbj.de
Buchdaten Originaltitel: The Book Thief Originalverlag: Random House US/UK Aus dem Englischen von Alexandra Ernst DEUTSCHE ERSTAUSGABE Ab 12 Jahren Gebundenes Buch, 592 Seiten, 15,0 x 22,7 cm ISBN: 978-3-570-13274-6 € 19,95
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02.12.2009 19:32
oh, das ist eine wunderbare Beschreibung eines wirklich hochinteressanten Buchs, das ich aber noch nicht kenne. - LG Gisela
29.06.2009 12:51
Mal was anderes. LG Annette
21.01.2009 10:37
Ich habs zum 50. Geburtstag bekommen, von einer sehr guten Freundin aus Schulzeiten. Auch wenn der Stil mich nach wie vor stört und auch wenn das bedrückende Thema nicht per se 5 Sterne garantieren kann: meine Meinung hat sich bessert :-))