Erfahrungsbericht über

Die Chemie des Todes / Simon Beckett

Gesamtbewertung (41): Gesamtbewertung Die Chemie des Todes / Simon Beckett

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"..bis dahin nicht erkannt hatten, was mitten unter uns lebte."

4  24.09.2011 (18.10.2011)

Pro:
sehr spannend, Schreibstil, Serienmörderstory an sich, Atmosphäre, Sog .

Kontra:
trägt zum Schluss a bisserl zu zuckrig auf, Erklärungsmonolog .

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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Cosmay

Über sich: "Stecke lieber eine Niederlage in der Gegenwart von Weisen ein, als dass du einen Sieg über Ig...

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 105 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

„Sally Palmer war nackt und auch im hellen Sonnenlicht nicht mehr zu erkennen. Ihr Körper war durch und durch von Ungeziefer befallen, das unter ihrer Haut brodelte und aus Mund und Nase und anderen, unnatürlichen Körperöffnungen hervorquoll. Die Larven, die aus ihr hervorströmten, sammelten sich am Boden, ehe sie in dieser Linie davonkrabbelten, die sich nun vor den Yates-Brüdern erstreckte. Es spielt vermutlich kaum eine Rolle, wer zuerst davonrannte, doch ich glaube, dass es Neil war. Sam musste sich wohl wie immer nach dem großen Bruder richten und versuchen, bei dem Wettlauf nicht abgehängt zu werden, der sie zuerst nach Hause führte und dann aufs Polizeirevier. Und dann zu mir.“
(Zitat, S. 9)

Dazu überredet und schlussendlich überzeugt, Simon Becketts Werke rund um den forensichen Pathologen David Hunter nicht weiterhin mit Ignoranz zu begegnen, schaffte es
“Die Chemie des Todes“
früh, mich komplett in seinen Sog zu ziehen. Dass ich für das 430seitige Taschenbuch hier ein paar Tage länger brauchte, als es für mich sonst üblich ist, lässt sich keinesfalls mit der Qualität des Werkes in Verbindung bringen ~ manchmal sind es schlicht und ergreifend einfach die vielgenannten „äußeren Umstände“, die mich den Thriller mehrfach aus der Hand legen lassen mussten. Hätte ich hingegen die absolute Wahl gehabt; ich hätte das Buch vermutlich binnen 1-2 Tage komplett durchgelesen, so sehr zog mich der Inhalt durch die geschilderte Ich-Perspektive in seinen Bann. Die Handlung erinnerte mich flott an das, was ich aus der Serie “Bones“ kenne und somit schlussfolgerte, auch dieses Buch eher auf Leinwand gefasst lieber gehabt zu haben ~ ein Trugschluss, wie sich herausstellte.

Die Ereignisse rund um das einstig idyllische und zugleich tratschlastige Dörfchen Manham erweisen sich als bedrohlicher, wie im ersten Moment angenommen. David Hunter, der eigentlich lediglich seiner Anstellung als Arzt nachkommen wollte, wird über kurz oder lang in die laufenden Ermittlungen eines Mordfalles hinzugezogen. Es scheint, dass der Täter seine vermeintlichen Opfer zuerst mit einem toten Tier markiert, jenes in ihrer unmittelbaren Gegend ablegt und Tage später zuschlägt; sprich: die betreffenden Frauen entführt, ein paar Tage gefangen hält, ihnen diverse Schnittwunden zufügt und schließlich nackt an einem anderen Ort zurücklässt.
Erschwerend kommt zur Suche nach der zweiten vermissten hinzu, dass überall Fallen aus förmlich unsichtbaren Drahtschlingen aufgestellt wurden, die dem ein oder anderen Helfer buchstäblich den Fußweg nahezu abschneiden.

Eine besondere Würze erhält “Chemie des Todes“ dadurch, dass David Hunter nicht nur seine eigene Vergangenheit zu bewältigen versucht, sondern darüber hinaus der Dorfpfarrer durch die herrschende Panik seine große Stunde gekommen sieht und durch seine Predigten unverhofft schafft, die Gemeinde gegeneinander aufzuhetzen....

Die Umsetzung fesselte und faszinierte mich hier ähnlich wie in den anderen Werken seitens des Autoren, denen ich erst in diesem Jahre eine Chance zu geben bereit war. Der typische Beckett-Schreibstil, der vor leicht ironischen Formulierungen selbst in den ernstlichsten Lagen nicht Halt macht, hat mich auch in der nachfolgenden Passage durchaus begeistern können:

„Natürlich gab es solche, die es nicht glauben wollten oder stur behaupteten, sich nicht vom Land verscheuchen zu lassen, das ein Leben lang ihres gewesen war. Das dauerte so lange, bis einer der lautesten Protestierer, angeheitert durch ein nachmittägliches Besäufnis im Lamb, in ein Loch trat, das mit trockenen Gras verdeckt war, und sich den Knöchel brach. Sein Geschrei hatte wesentlich mehr Wirkung als jede Warnung der Polizei.“
(Zitat, S. 121)

Gleichermaßen besticht die Lektüre durch die ein oder andere tiefsinnige Ausführung Marke

„Aber ich hatte da meine Erfahrungen und wusste, dass eine Wunde manchmal nur mehr blutete, wenn man darin herumstocherte. (Zitat, S. 69)

sowie fundierten Informationen, die an wissenschaftliche Publikationen durchaus heranzureichen vermögen:

“Ich war kein Fachmann, aber aus Erfahrung wusste ich, dass die meisten Serienmörder entweder durch Zufall gefunden wurden oder weil sie einen eklatanten Fehler gemacht hatten. Es sind Chamäleons, scheinbar normale Mitglieder der Gesellschaft, die sich hinter einer bürgerlichen Fassade verstecken. Wenn sie schließlich entlarvt werden, wollen es Freunde und Nachbarn anfänglich nicht wahrhaben. Erst im Nachhinein meint man schließlich all die Merkwürdigkeiten zu erkennen, die die ganze Zeit schon dagewesen waren. Abgesehen von den Gräueltaten, die sie begangen haben, ist das Erschreckendste an unseren Ungeheuern des wirklichen Lebens, wie normal sie erscheinen.“
(Zitat, S. 168)

Jener Absatz wie auch einige Informationen rund um Verwesungsprozesse, Leichenmerkmale und den damit verbundenen zu entziehenden Schlussfolgerungen lassen “Chemie des Todes“ noch eine Spur authentischer wirken und faszinierend den Leser darüber hinaus auf eine weitere Ebene. Ich persönlich neige zwar dazu, vieles im beinah direkten Anschluss wieder zu vergessen, zumal ich Maden nicht einmal in meine tiefen Gehirnwindungen vordringen lassen möchte, doch wissenswertes liefert der Thriller hier zuhauf, ohne den Leser zu überfordern oder gar zu langweilen.

Neben dem eigentlichen Mordfall spielt sich das ein oder andere zwischenmenschliche Drama ab; so dass ich durchaus auf mehren Ebenen mitfieberte. Überladen oder gar pathetisch sind Bezeichnungen, die auf “Chemie des Todes“ nicht zutreffen, wohingegen ein paar Traumsequenzen David Hunter's durchaus auf mich ein wenig befremdlich wirkten.
Auch wenn der aufmerksame Leser desweiteren früh zu ahnen vermag, wer das nächste Opfer werden wird, schien sich Simon Beckett dessen Umstand bewusst zu sein und schafft es auf filigran-raffinierte Weise, nichtsdestotrotz die ohnehin schon gegebene (An)Spannung durch einen Perspektivwechsel um eine weitere Nuance zu erhöhen.

Dass sich die Ereignisse sodann überschlagen, liegt auf der Hand ~ besonders hervorzuheben bei dieser Lektüre der Aspekt, dass ich persönlich durch eine vermeintliche Nebensächlichkeit kurz nach dem erfolgten Erzählwechsel ahnte, wer sich als Täter entpuppen würde. Sodann entmutigt und zugleich begeistert davon, dass es doch nicht so ganz einfach sein sollte und im weiteren Zusammenhang gleich mehrere Wendungen und Überraschungen stattfanden, sollte sich zu guter Letzt mein Verdacht zwar bestätigen... doch so ganz glücklich bin ich mit den letzten Buchseiten dann tragischerweise doch nicht geworden.

Obschon jene durchaus ereignisreich und gewissermaßen nervenzerfetzend sind, manche Leser durch die zahlreichen Details regelrecht ins Buch hineinkriechen werden, fand ich persönlich es doch ein wenig zu dick aufgetragen. Seitenlange Erklärungsmonologe mag man vereinzelt bereits gewohnt sein oder sich diese sogar zur völligen Nachvollziehbarkeit sogar herbeisehnen ~ doch meines Erachtens nach tut Simon Beckett seiner Lektüre hiermit keinen Gefallen. Zu lang, zu ausgiebig, zu ausschweifend und eigentlich nichtsdestotrotz genauso verworren als in einem einzigen Satz zusammengefasst bietet sich ein Motiv an, welches einerseits schon irgendwo „Sinn“ macht, andererseits aber die Sezierung dessen gleichermaßen ebenfalls seziert wird.

Man kommt nicht umhin, vor seinem geistigen Auge zig filmische Szenarien aufzutun, in denen der Täter so lange monologisierend mit einer Waffe vor dem Opfer herumfuchtelt, bis der Retter auch wirklich Zeit genug hatte, die Szenerie wieder herumzureißen.
In “Chemie des Todes“ läuft dies zwar nicht ganz so ab, kommt schlussendlich jener Manie allerdings bedauerlich nahe.

Summa summarum
hätte ich ungeachtet des vorgenannten Mini-Mankos meine Beurteilung bei stolzen 5 Sternen belassen, wenn da nicht die letzten 3 Seiten gewesen wären ~ so brutal oder gar herzlos dies nun auch klingen mag. Aber, meine Damen und Herren... hier wird meines persönlichen Empfindens nach einfach zu zuckerdick aufgetragen.

Somit bleibt es bei 4 Sternen und der Selbsterfahrung, dass manche Lese-Hypes nicht zu Unrecht entstehen. Ob ich allerdings nun dazu übergehen werde, auch die anderen Werke aus der „David Hunter Reihe“ zu lesen... dies habe ich für mich noch nicht vollends entschieden. Liegt nicht am Buch, nicht an der Thematik, keinesfalls am Schriftsteller ~ doch auf irgendeine nicht näher erklärbare Weise hab ich einfach gegen voneinander unabhängige Fortsetzungen, die aber doch irgendwie zusammengehören.

Ein wenig schrullig darf ich ja sein, oder?


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Die Chemie des Todes / Simon Beckett sb - Die Chemie des Todes - Rowohlts Rotations Rom
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
ruts91

ruts91

17.11.2011 22:53

Das war mein erstes Beckett-Buch und bisher auch mein letztes - hier steht einfach zu viel anderes Zeug rum, was meiner Aufmerksamkeit bedarf. ;) Fand es aber auch toll und werde sicher irgendwann auch die Nachfolger (bzw. Vorfahren) lesen. Die letzten Seite hab ich übrigens verziehen, nachdem Beckett es geschafft hatte, mir kurz vorher noch das Gefühl zu geben, dass nicht alles Friede-Freude... war. Aber ich will hier ja nicht spoilern. ^^

DieMepsi

DieMepsi

07.11.2011 22:15

*lesen will*

blueberry-dream

blueberry-dream

26.10.2011 08:41

Weiß nicht. Hab eh keine Zeit zum Lesen. :(

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