GRAUSAM HART UND WAHR
16. Mai 2004
(7. Jun 2004)
Pro:
Das Buch gibt die pure Wahrheit wieder
Kontra:
Brutalität und Grausamkeit
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
mehr
 powerade123
Über sich:
Es geht doch nichts über gute Musik!
Mitglied seit:16.04.2004
Erfahrungsberichte:12
Vertrauende:17
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 121 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Vor einigen Wochen sollte ich von der Schule aus ein Buch kaufen und der Klasse darüber ein Referat halten. Ich hatte drei Bücher zur Auswahl und entschied mit für „die Ermittlung“ von Peter Weiss. ©powerade123
Zum Autor °°°°°°°°°°°° Kurze Biographie
Peter Weiß wurde am 08.November 1916 in Nowawes (bei Berlin) geboren. Und das als Sohn einer vom Jüdischen zum Christentum übergetretenen Familie ungarischer Herkunft. 1935 ging Peter Weiss zusammen mit seinen Eltern nach England, wo er aber nur ein Jahr blieb. Von 1936 bis 1938 besuchte er nämlich eine Kunstakademie in Prag. Noch im selben Jahr jedoch ging er übergangsweise in die Schweiz. Wiederum ein Jahr später folgte er seinen Eltern nach Schweden und erhielt 1946 die schwedische Staatsbürgerschaft und arbeitete ein Jahr später als schwedischer Korrespondent in Berlin. Außerdem war er Mitglied in der Gruppe 47. Schließlich starb er am 10. Mai 1982 in Stockholm. Unter anderem schrieb er 1949 Rotundan (zu Deutsch: Der Turm) 1952 den „Kutscher“ 1961 Abschied der Eltern 1963 Fluchtpunkt, für den er den Charles-Veillon-Literaturpreis erhielt und schließlich am 19. Oktober 1965 „Die Ermittlung“ Weitere Infos zum Autor
Peter Weiss hat in seinen Werken oft eigene Probleme und Themen, die ihn persönlich beschäftigt haben eingebracht. Zum Beispiel versucht er in „Das Duell“ seine eigene Verschlossenheit zu überwinden und zurück ins „Leben zu finden“. Er war sein Leben lang oft sehr
in sich gekehrt und stets auf der Suche nach etwas. Nach dem Sinn oder dergleichen. Hermann Hesse war Peter Weiss’ großes Vorbild und ein Treffen hat ihn sehr zum Schreiben animiert. Zudem spielt Psychoanalyse und Surrealismus eine sehr große Rolle in seinem Leben und prägt somit auch seine Werke. 1964 bis 1971 hat er viele politische Dramen verfasst, zum Beispiel: Gesang vom Iustatischen Poptanz, Vietnam Diskurs oder Trotzki im Exil und erhielt vor allem dadurch weltweite Geltung.
Zu „Die Ermittlung“ °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Inhalt
Die Ermittlung gibt sehr klar und direkt die Geschehnisse in Auschwitz wieder. Sie erzählt das alles durch die Prozesse in Frankfurt am Main von 1963-65. Anwesend sind im Buch Angeklagte, Zeugen, Vertreter der Anklage, Vertreter der Angeklagten und Richter. Allerdings ist man lediglich an „einem einzigen Verhandlungstag“ dabei, denn man wird ins Geschehen geworfen und erfährt nichts über die direkte Anklage und auch kein Urteil. Im Nachwort ist lediglich zu lesen, dass viele der Angeklagten zu schwach bestraft wurden. Aufbau
Das Drama ist in 11 Gesänge gegliedert, die von der Rampe immer näher zum Tod der Menschen ging. So kam man also von der Rampe bis hinein in die Feueröfen, als wäre man dabei gewesen. Stilistische Mittel und ihre Zwecke Peter Weiss setzt in „der Ermittlung“ gekonnt viele verschiedenste Stilmittel ein. Zum Beispiel ist es sehr auffallend, dass keinerlei Satzzeichen vorhanden sind. Peter Weiss will damit alles noch klarer machen und noch neutraler als Autor dieses Buches sein. Sein Wunsch nach Neutralität in diesem Buch zeigt auch, dass er keine Regieanweisungen gibt, wie es für ein typisches Drama eigentlich üblich wäre. Auch hier will er zeigen, dass er als Autor sehr wenig interpretieren und möglichst einfach nur wiedergeben will. Weiterhin verwendet er keine Namen für die Personen, sondern nummeriert die Angeklagten oder Zeugen durch. Auch beschreibt er keine Emotionen. Es sind nur die Worte, die man liest, die Worte der Zeugen, Angeklagten usw., ohne dass man weiß, wie etwas gesagt wird.
Entstehung und Grundlage des Dramas Die Ermittlung ist zeitgleich mit den Auschwitzprozessen in Frankfurt am Main entstanden. Die Quellen des Autors waren vor allem eigene Erfahrungen, denn er war in den Prozessen meist dabei um sich ein eigenes Bild zu machen und wirklich nur die Wahrheit wiederzugeben. So erhielt er sein authentisches Material also nur aus Zeitungsberichten und Erfahrungen als Zuschauer, bei dem er den Inhalt auch unverändert wiedergibt. Die Uraufführung war 1965 gleichzeitig an 16 verschiedenen Orten im Westen und Osten Berlins und war von Anfang an ein großer Erfolg.
Erfahrungen beim Lesen °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Es war für mich persönlich sehr heftig, dieses Buch zu lesen. Am Anfang, wo es noch um die Rampe ging, konnte man sich noch recht gut distanzieren, aber es wurde immer härter. Dadurch, dass es keine Gefühle, Emotionen oder irgendetwas dergleichen gab, konnte man sich nicht richtig hineinfühlen, was wohl auch gut war, doch gleichzeitig brachte einen die Neutralität und grausame Wahrheit wirklich an den Rande des Wahnsinns. Man muss sich das wirklich mal vor Augen führen. Es wird einfach etwas gesagt. Man weiß nicht, ob derjenige Reue zeigt oder böse grinst, man ist distanziert und gleichzeitig mittendrin. Es ist wie ein Buch, dass man ohne Filter liest, das direkt ins Bewusstsein schießt, obwohl es so wenige Gefühle beinhaltet. Ich hätte das Buch wohl nicht zu ende gelesen, wenn ich es nicht hätte für die Schule gebraucht.
Leseprobe °°°°°°°°°°°°° Es geht gerade darum, was man sehen musste/konnte, wenn die Vergasung bereits stattgefunden hatte.
Richter Herr Zeuge, sahen Sie diesen Raum nach der Öffnung Zeuge 7 Ja Die Leichen lagen übereinander gedrängt In der Nähe der Tür und der Säulen Und zwar lagen Säuglinge Kinder und Kranke unten Darüber die Frauen Und ganz oben die kräftigsten Männer Dies war so zu erklären dass die Menschen sich gegenseitig niedertraten und aufeinander kletterten weil sich das Gas anfangs am stärksten in Bodenhöhe entwickelte Die Menschen waren ineinander verkrallt Die Haut war zerkratzt Viele bluteten aus Nase und Mund Die Gesichter waren angeschwollen Und fleckig Die Menschenhaufen waren besudelt Von Erbrochenem Von Kot Urin und Menstruationsblut Das Räumungskommando kam mit Wasserschläuchen Und spritzte die Leichen ab Dann wurden sie in die Lastfahrstühle gezogen Und hinauf in den Verbrennungssaal befördert
Richter Wie groß waren die Fahrstühle
Fazit °°°°°° Es ist ein sehr grausames Geschehen gewesen, damals in Auschwitz und auch die Prozesse in Frankfurt. Es ist wirklich hart das Buch zu lesen, aber im Endeffekt hat es sich gelohnt und mich wirklich bereichert, was die Geschichte angeht, die Wahrheit und auch Konfrontation mit der Wahrheit. Es ist lesenswert, ein wirklich gutes Drama, aber wie gesagt sehr direkt und knallhart. ©powerade123 für ciao und yopi am 15.05.2004
Zusätzliche Daten Zum Einband muss man ja nicht viel sagen, weil es oben abgebildet und einfanch neutral gehalten ist. Ich habe für das Buch 9€ gezahlt. ISBN: 3-518-10616-3
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01.07.2004 23:02
Wow, das Buch schockt einen bestimmt ziemlich. Hast alles gut eingebracht. Sehr informativ!! LG! Meigöö
14.06.2004 19:06
das muss ich mir nicht antun :)
12.06.2004 21:59
da kann ich sepideh nur zustimmen :-) lg