Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Interessante, einfache Geschichte |
| Kontra: |
Etwas „bieder“ |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Nach „Das Fest“ ist dies für mich das zweite Hörbuch von John Grisham, das nicht in einem Gerichtsgebäude spielt. Diesmal wird über einen ganz anderen Menschenschlag erzählt, nämlich Farmer in Arkansas im Jahre 1952. Auf den ersten Blick fand ich das nicht allzu spannend, doch da ich finde, jedes Hörbuch verdient eine Chance, und da ich mit Grisham bis jetzt noch nie auf die Nase gefallen bin, habe ich es mir angehört. Und damit ihr euch zumindest vorab etwas informieren könnt, hier mein Bericht:
Das Hörbuch:
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Als Vorlage diente das Buch „A painted House“ welches im Februar 2001 erschienen ist. Das Hörbuch, das nach dem deutschen Pendant „Die Farm“ vom Heyne Verlag herausgegeben wurde, umfaßt 5 CDs. Es hat eine Gesamtlänge von 245 Minuten und wird von Charles Brauer gelesen.
Preis:
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Der Preis beträgt neu 26 € (Bei Amazon, oder auch im Buchhandel), ist bei eBay aber auch schon für 18 € zu haben.
Über den Autor:
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John Grisham wurde 1955 in Arkansas geboren. Er studierte Jura und arbeitete zunächst als Anwalt und Strafverteidiger. 1983 wurde er ins Parlament des Staates Mississippi gewählt. Aus Spaß begann er jeden morgen vor der Arbeit an seinem ersten Roman zu schreiben. Dieser erschien 1988 unter dem Titel „Die Jury“. Endgültig einen Namen machte sich Grisham mit dem Titel “Die Firma“, seinem zweiten Roman. Er gab sein politisches Amt und seine Anwaltstätigkeit auf, und widmete sich nur noch dem Schreiben. Mit Erfolg! Heute sind seine Titel in den meisten Bestsellerlisten ganz vorne zu finden.
Der Sprecher:
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Charles Brauer ist wohl einer der bekanntesten „Unbekannten“. Die meisten kennen ihn als Kommissar Brockmöller, der jahrelang mit Manfred Krug für den Tatort Ermittlungen anstellte. Neben seiner Leidenschaft für das Singen, erwarb er sich einen guten Ruf als Hörspielsprecher, dessen Name leider viel zu wenig genannt wird. Bereits in anderen Hörbuchern von John Grisham mimte er in einer kolossalen Weise den Erzähler.
Die Geschichte:
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Wir schreiben Sommer 1952, die Baumwollernte steht vor der Tür und die Uhren ticken noch etwas anders. Es ist selbstverständlich, das jedes Familienmitglied sich an der anstehenden Baumwollernte beteiligt, und so kann sich auch der siebenjährige Luke Chandler seinen Pflichten nicht entziehen. Doch es gibt für ihn noch einen zweiten Anreiz bei der Ernte zu helfen. Er wird von seinem Vater dafür bezahlt, und hat den Verdienst schon verplant. Eine rote Jacke seines Lieblingsbaseballvereins, den Cardinals, ist das Ziel seiner Wünsche.
Bevor es jedoch auf die Felder geht, müssen, wie jedes Jahr, Saisonarbeiter angeworben werden, da es eigentlich für keinen Farmer möglich ist die Ernte alleine zu bewältigen. Bisher waren dies immer die gleichen Mexikaner, doch da diese sich verspäten, und die Baumwollernte dieses Jahr reichlich ausfällt, holen sich die Chandlers weitere Unterstützung in Form der Familie Spruill. Ein durchweg anderer Schlag, als alle bisherigen Saisonarbeiter. Anstatt der Bitte der Farmer zu entsprechen und ihr Lager wie üblich hinter der Farm einzurichten, ziehen sie es vor, ihre Zelte auf dem behelfsmäßigen Baseballplatz von Luke und seinem Vater aufzuschlagen. Auch ihre Umgangsformen lassen zu wünschen übrig. Vor allem ihr Sohn Hank, ein Bulle von einem Mann, verhält sich eher wie ein Chef, denn wie ein angestellter Saisonarbeiter. Nachdem die Mexikaner endlich eingetroffen sind, kann die Ernte beginnen.
Eigentlich noch nichts ungewöhnliches für ein Erntejahr, bis zu dem Samstag, der Lukes Leben verändern sollte. Am Samstag Nachmittag zieht es die Familien, sowie die Erntehelfer in die Stadt, wo sie sich entspannen, Einkäufe erledigen und einfach nur Spaß haben. Genau an diesem Tag wird Luke Zeuge einer Schlägerei zwischen einem Mitglied der Familie Spruill und den ortsansässigen Störenfrieden der Familie Cisco, die alles und jeden provozieren, und keinem Ärger aus dem Weg gehen. Doch diesmal ziehen die Cisco-Brüder den Kürzeren, da Hank Spruill einem von ihnen mit einer Latte den Schädel einschlägt.
Für diesen Vorfall gibt es jedoch keinen Zeugen, außer Luke. Alle anderen Zuschauer hatten sich bereits abgewendet, da sie die Grausamkeiten nicht mehr sehen wollten, oder einfach nur dachten, das der Kampf vorbei sei.
Mit dieser Beobachtung lädt Luke sich ein großes Geheimnis auf. Die Ermittlungen des Sheriffs von Black Oak verlaufen im Sande, da er überall nur auf eine Wand des Schweigens stößt. Die Farmer blockieren ihn regelrecht, da sie auf die Erntehelfer angewiesen sind. Und Luke erwähnt diesen Vorfall aus Angst noch nicht einmal vor seiner eigenen Familie. Als der Sheriff Luke befragt deckt er aus lauter Angst den Mann, vor dem er sich selbst so fürchtet.
Luke trägt schwer an seinem Geheimnis, doch er kann sich niemandem anvertrauen. Und es soll nicht das letzte Geheimnis, und nicht der letzte Mord in Black Oak gewesen sein ...
Meine Meinung:
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Trotz der mir anfänglich etwas langweilig, und für meinen Geschmack eher unpassend anmutenden Handlung war dieses Hörbuch wirklich ein kleiner Genuß. Nie hätte ich es für möglich gehalten in so eine Geschichte so viel Spannung hineinzubringen, und so viele unterschiedliche Handlungsstränge zu integrieren.
Der Anfang ist zwar etwas langatmig, aber wenn man sich durch diesen „durchgehört“ hat und die Geschichte mit der Ankunft der Familie Spruill und den Mexikanern an Fahrt gewinnt, fällt es einem schwer den Stop-Knopf am CD-Player zu betätigen.
Vor allem die Gefühle des jungen Luke werden eindringlich, echt und sehr stark beschrieben. Dies fängt bei der Entweihung seines Baseballplatzes an, und geht weiter mit der Beobachtung der siebzehnjährigen Mexikanerin Tally beim Baden. Auch diese Zwiegespaltenheit, seine grauenhaften Erlebnisse mit anderen zu teilen, und sein Gewissen zu erleichtern lassen in einem Erinnerungen an seine eigene Kindheit aufkommen. Seien wir doch mal ehrlich. Hat nicht schon jeder mal so ein Geheimnis gehabt, das sein Gewissen über alle Massen beansprucht hat?
Neben Handlungssträngen wie die uneheliche Geburt eines Kindes, das von seinem Bruder stammt, der im Krieg ist, wird vor allem die erste Verliebtheit von Luke und der verzwickte Geldmangel der Familie Chandler dargelegt.
Wer an ein Happy End glaubt, wird jedoch enttäuscht. Es ist mehr ein offenes Ende, das wohl so, oder so ähnlich sich tausende Male in der Welt abspielen kann. Dies macht jedoch das Hörbuch nicht zu einem schlechteren Stoff, sondern läßt den Hörer noch weiter in den Gedanken und Träumen des Jungen versinken.
Man will unwillkürlich wissen wie es weitergeht, doch die vielen negativen Erlebnisse bringen einen ebenfalls zu der Erkenntnis, das man niemals mit Luke tauschen wollte.
Mein Fazit:
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Wie schon „Das Fest“ ist auch dieses Hörbuch nicht gerade ein typischer Grisham. Hier handelt es sich doch eher um einen Sommerferienaufsatz eines Schülers, ganz nach dem Motto, „Was ich diesen Sommer erlebt habe“. Eine schön zu hörende Geschichte, ohne die übliche, von Grisham gewohnte, elektrisierende Spannung. Man kann nicht anders als es als eine „leise“ Geschichte zu bezeichnen. Ich möchte Grishams Schreibstil nicht schlechtmachen, aber irgendwie paßt dieses Hörbuch nicht zu seinen anderen Werken. Zwar sind vor allem die Gefühls- und Situationsbeschreibungen extrem gelungen, doch die Handlung ist so anders, das man auch einen anderen Autoren dahinter vermuten könnte. Charles Brauer hingegen macht seine Arbeit wie immer exzellent, so das sich das Anhören allein wegen ihm schon lohnt.