Einführung in die japanische Kultur

4  07.02.2006

Pro:
sehr einfühlsame Geschichte  -  fremde Kultur

Kontra:
ich hätte mir das Ende ein wenig anders gewünscht

Empfehlenswert: Ja 

Prisca

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Und weiter geht´s mit einem Buchbericht. Ich erinnere mich, das ich schon mal vor Jahren mit dem Buch begonnen hatte - aber es nie beendet habe. Irgendwie konnte ich mich mit der japanischen Kultur und dem Schreibstil nicht so recht anfreunden. Nun habe ich allerdings wiederholt die Vorschau von dem Kinofilm gesehen, der nach dem Buch gedreht wurde - und der hat mich neugierig gemacht.

Also habe ich das Buch wieder ausgegraben und einen zweiten Versuch gewagt.


*** DIE GEISHA von ARTHUR GOLDEN ***


Ob es sich gelohnt hat oder ob ich das Buch wieder nach 100 Seiten an die Seite gelegt habe, könnt ihr erfahren, wenn ihr diesen bericht lest. Wie üblich möchte ich mit einer kurzen


*** INHALTSANGABE ***


beginnen, damit ihr euch erst mal ein Bild von der Geschichte machen könnt.

Chiyo ist ein kleines Mädchen aus einem armen Fischerdorf. Als ihre Mutter an Krebs erkrankt und nach jahrelangem Leiden im Sterben liegt, werden sie und ihre etwas ältere Schwester immer mehr sich selbst überlassen. Ihr Vater findet nicht die Kraft, sich um seine Kinder zu kümmern.

"Rettung" naht, als Herr Tanaka, ein wohlhabender Japaner aus der nächstgrößeren Stadt sich der Mädchen annimmt. Er kauft sie ihren Vater förmlich ab. Ehe die Mädchen wissen, wie ihnen geschieht, befinden sie sich im Zug nach Kyoto und werden dort getrennt.

Chiyo kommt in eine Okiya - ein Geishahaus, denn sie besitzt sehr außergewöhnliche Augen. Ihre Schwester wird fortgebracht - ohne den Mädchen wenigstens die Möglichkeit zu geben, sich zu verabschieden.

Für Chiyo beginnt jetzt eine schwere Zeit. Sie begreift schnell, das von ihr harte Arbeit und bedingungsloser Gehorsam gefordert wird - sonst muss sie mit harten Strafen und sogar Prügel rechnen. Zudem trifft sie in der Okiya auf Hatsumomo - die Geisha des Hauses.

Hatsumomo erscheint Chiyo überirdisch schön - aber auch abgrundtief gemein. Sie tyrannisiert Chiyo wo sie nur kann.

Chiyo fügt sich nur scheinbar in ihr Los, plant aber im Stillen, ihre Schwester zu suchen und gemeinsam mit ihr zu fliehen. Das Leben in der großen Stadt erscheint ihr unerträglich - die Aussicht, irgendwann vielleicht einmal eine Geisha zu werden, kann sie nicht locken.

Der Plan gelingt scheinbar zunächst - sie findet ihre Schwester tatsächlich wieder, die als Prostituierte arbeiten muss. Die geplante Flucht scheitert dann allerdings - Chiyo stürzt dabei vom Dach, verletzt sich schwer. Sie wird geprügelt bis aufs Blut - ihre Zukunft scheint zerstört. Niemand wird Geld in die Ausbildung einer Geisha investieren, wenn die Gefahr besteht, das sie wieder zu fliehen versucht. Also bleibt ihr das Los einer Dienerin, einer Sklavin fast.

Aber dann kommt doch alles anders als geplant - einige Jahre später erscheint Mameha, eine große Geisha in Kyoto und bietet sich als Chiyos "ältere Schwester" an = sie möchte sie auf ihren Weg zu einer Geisha begleiten ....

So, mehr möchte ich jetzt aber zum Inhalt nicht mehr verraten, ich denke, ich habe heute sowieso schon recht viel geschrieben ... obwohl es nur ein kleiner Teil des Buches ist! Trotzdem möchte ich natürlich mit euch noch ein paar


*** GEDANKEN ***


über das Buch teilen. Und es sind einige, die mich beim Lesen beschäftigt haben.

Zunächst einmal möchte ich eines feststellen: der Einstieg war für mich wieder etwas gewöhnungsbedürftig. Die japanische Kultur ist nun mal für uns eine recht fremde. Die Namen sind ungewöhnlich zu lesen. Der Schreibstil ist sehr ruhig und bildhaft. Alles ein wenig anders als die Bücher, die ich sonst lese. Allerdings habe ich dieses mal den Einstieg dann doch recht schnell geschafft. Die ersten 50 Seiten haben sich ein wenig gezogen - letztlich hat aber doch die Geschichte um Chiyo gesiegt.

Diese Geschichte ist wirklich sehr interessant. Als Leserin habe ich immer wieder fassungslos den Kopf schütteln müssen, wenn ich mir vorgestellt habe, was ein kleines Mädchen im Alter von neun Jahren schon alles erleiden musste. Unvorstellbar aus unserer Sicht - allerdings muss man sich schon klarmachen, das dieses Buch eben in Japan 1930 / 1940 spielt - eine ganz andere Kultur, eine ganz andere Zeit.

Trotzdem wird man von dem Schicksal Chiyos ziemlich schnell gefangen genommen. Das ganze Buch über hat man mit ihr gelitten und auch den einen oder anderen Triumph erlebt. Allerdings würde ich das Buch nicht als spannend bezeichnend - es ist fesselnd, mehr aber auch nicht (was jetzt keinesfalls negativ sein soll !!!).

Vor allem nicht nur wegen der Geschichte um Chiyo, sondern auch, weil das Buch einem mitnimmt in das damalige Japan. Man lernt die Geisha Kultur kennen und erfährt so einiges, was man sonst nie erwartet hätte.

Für mich räumt das Buch z.B. mit dem Vorurteil auf, das Geishas nichts anderes sind als Prostituierte - obwohl ich den Übergang zwischen Unterhalterin und Prostitution als ein wenig fließend empfunden habe. Gerade als es um die Versteigerung der Jungfräulichkeit geht, konnte ich nur entsetzt den Kopf schütteln und wieder musste ich mich daran erinnern, das in Japan eben alles ein wenig anders rüber kommt als bei uns.

Ich glaube, dieser Zwiespalt zwischen zwei so gegensätzlichen Kulturen war es auch, der mich besonders fasziniert hat. Es öffnet ein wenig die Augen dafür, das nicht immer alles so ist, wie es scheint - sondern das es viel mehr auf die Sichtweise der betroffenen Personen ankommt.

Dieser Zwiespalt der Kulturen macht sich auch in den Personen des Romans bemerkbar. Chiyo war mir sehr sympathisch - allein schon wenn man ihr Schicksal und ihr ganzes Leben betrachtet. Hatsumomo war mir unsympathisch, obwohl ich denke, das auch sie nur ein Mensch ihrer Kultur war. Sie war ehrgeizig, wollte die Beste sein und bleiben. Von Beginn hat hat sie in Chiyo eine Konkurrentin erkannt - selbst als sie noch ein kleines, ungebildetes Mädchen war hatte Chiyo das Potential zu einer großen Geisha in sich. Wer konnte das besser erkennen als Hatsumomo? Aus ihrer Sicht war ihre Reaktion auf Chiyo logisch - sie wollte die Gefahr beseitigen - sie vernichten - demütigen ... das sie dabei zu Mitteln gegriffen hat, die sie dem Leser unsympathisch machen, lag einfach in ihrer Art.

Schwieriger einzuordnen sind die meisten anderen Figuren im Roman. Oft verwischt sich "gut" und "böse" ein wenig - denn was in unseren (europäischen) Augen nur negativ sein kann, erscheint in den "japanischen Augen" notwendig, normal. Deswegen möchte ich sagen, es gibt in diesem Roman eigentlich nur wenige Personen, die man wirklich ins Herz schließt aber es gibt andererseits auch nur wenigst, die am abgrundtief verachtet. Interessant ist die Darstellung aller Personen allemal!

Wie ist der Schreibstil des Buches denn sonst? Nun, ich habe das Buch recht schnell durch gelesen, nachdem ich erst mal den Einstieg gefunden hatte. Wie schon gesagt, die Sprache ist sehr bildreich, aber sonst nicht schwierig. Das Buch ist unterhaltsam - ich würde ihm aber trotzdem ein Menge Anspruch unterstellen, einfach weil es dem Leser eine völlig fremde Kultur vorführt.

Was mich an dem Buch etwas enttäuscht ist das Ende. Ich möchte jetzt hier nicht zu viel verraten - aber ich finde es einfach ein wenig unpassend für den Rest des Buches. Viele werden sich damit zufrieden sein - mir persönlich kommt es einfach ein wenig unecht vor - so als wollte man unbedingt ein positives Ende erzwingen. Schade eigentlich - obwohl das Ende allein das Buch nicht (viel) schlechter werden lässt.

Jetzt möchte ich aber noch ein paar Worte zu


*** ARTHUR GOLDEN ***


loswerden.

Viel gibt es von ihm gar nicht zu sagen. Er wurde 1957 in Tennesee geboren. Inzwischen lebt er mit Frau und zwei Kindern in Massachusetts.

Japan ist Goldens Passion - nicht nur, das er Kunstgeschichte mit Schwerpunkt japanische Kultur studierte - anschließend verbrachte er auch einige Jahre in Japan. An seinem Buch "Die Geisha" hat er über zehn Jahre gearbeitet, bis er bereit war, es veröffentlichen zu lassen.

Nun noch ein paar nackte


*** FAKTEN ***


rund um das Buch.

Die Geisha von Arthur Golden
Hardcover
Bertelsmann Verlag
ISBN: 3442731909
572 Seiten
12,00 Euro

Taschenbuch
btb Verlag
ISBN: 3442726328
572 Seiten
10,00 Euro


*** MEIN FAZIT ***


Ein Buch in das man erst mal einsteigen muss, weil einem die japanische Kultur fremd vorkommt und die Sprach ungewöhnlich bildhaft ist. Aber bereits nach kurzer zeit wird man von diesem Buch gefesselt sein.

Die Geschichte um die Geisha Chiyo ist so lebendig geschrieben, das man sich kaum vorstellen kann, die sie "nur" ausgedacht ist.


@ Prisca - Februar 2006 - ich schreibe für Ciao und Yopi

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Volker111

Volker111

09.02.2006 08:53

auch mich hat vor ein paar Jahren dieses Buch beeindruckt. ;-)

MaeusleXXL

MaeusleXXL

08.02.2006 15:32

Wenn ich mich richtig erinnere hatte ich das Buch auch einmal. Weisst Du zufällig wie alt die Story schon ist? Gruss Petra

Die_Buchhaendlerin

Die_Buchhaendlerin

07.02.2006 22:59

ist schon ein paar Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe, aber ich fand es auch ziemlich gut! (ehrlich gesagt, kann ich mich an das Ende gar nicht mehr so erinnern, da machst du mich nun aber gerade neugierig drauf)

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