Erfahrungsbericht über

Die Informanten / Bret Easton Ellis

Gesamtbewertung (4): Gesamtbewertung Die Informanten / Bret Easton Ellis

1 Angebote von EUR 9,95 bis EUR 9,95  

Alle Die Informanten / Bret Easton Ellis Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


Abgründe

5  22.02.2005

Pro:
Story, Schreibstil, mal was anderes

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

mehr


Pampashase

Über sich: +++ Kein Interesse an Leserunden +++ Liegengebliebene CIS-Mails werden langsam, aber sicher nachgeho...

Mitglied seit:26.05.2002

Erfahrungsberichte:2004

Vertrauende:237

Diesen Bericht teilen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 80 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Nach all den Konzert- und Beautyberichten geht es in meinem heutigen Bericht wieder einmal um ein Buch. Seit ich vor gut einem halben Jahr „American Psycho“ von Bret Easton Ellis gelesen habe, bin ich von dem Autor einfach begeistert. Das liegt weniger an der Brutalität von gerade genanntem, sondern vor allem wegen des Sarkasmus und dem Hohn & Spott gegenüber der „gehobenen“, amerikanischen Gesellschaft. Soweit ich weiß, spielen die meisten Romane von Ellis in den 80er Jahren und so auch „Die Informanten“, welches das Buch ist, dass ich euch heute vorstellen möchte. Darauf aufmerksam geworden bin ich eher aus der Not heraus, denn als ich mal wieder bei Hugendubel am Stöbern war und unbedingt ein neues Buch kaufen musste (weil ich durch eine Erkältung zu mehr als Lesen kaum fähig war…), war mir schnell klar, dass ich mal wieder einen Ellis lesen wollte. Und als ich am Regal angelangt war, gab es dort nur „Die Informanten“. Da mich die Zusammenfassung auf dem Buchrücken jedoch ansprach, war der Kauf schnell beschlossene Sache und wie ich das Buch nun letztendlich finde, könnt ihr in diesem Bericht nachlesen…


Das Buch & der Autor:
*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*
Ich habe für meine Ausgabe der 2. Auflage von „Die Informanten“ des Kiwi-Verlages 9,90 Euro bezahlt, was für ein doch recht dünnes Taschenbuch mit gerade mal 257 Seiten wahrscheinlich recht viel ist. Doch letztendlich siegte bei mir doch die Neugier… Die Erstausgabe im Original erschien 1994, seit 1995 ist der Roman auch in Deutsch zu haben. Das Buch ist recht gut & passend gestaltet, wie ich finde (anders als auf dem Bildchen da oben): auf dem dunkelgrünen Cover sieht man den Großteil eines modelartigen Frauenkörpers, der sich den Pulli zur Brust hin nach oben zieht. Auf der Rückseite findet man neben einer kurzen Inhaltszusammenfassung noch einige Kommentare der Presse zum Buch. Sehr passend auf „Die Informanten“ finde ich folgendes Zitat:

„Eine scharf beobachtete, düster-witzige Anklage gegen eine von Geld und Drogen saturierte Kultur.“
(Times Literary Supplement)

Im Buch selbst gibt es auf den ersten Seiten noch eine etwas ausführlichere Zusammenfassung der Handlung sowie eine Kurzbiografie von Bret Easton Ellis. Dieser wurde 1964 in Los Angeles geboren und schrieb bereits im College seinen ersten Bestseller „Unter Null“. Es folgten mehrere Erfolgsromane, darunter „American Psycho“. Heute lebt Ellis in New York.

Infos:
------
Erschienen im Kiwi-Verlag
www.kiwi-koeln.de
ISBN: 3-462-03053-1


Die „Geschichte“:
*~*~*~*~*~*~*~*
Am Anfang steht das Motto des Romanes. Wozu sich Gedanken machen, wenn man schlafen kann?
(ich hoffe, dass ich hier nicht durcheinander gerate, denn das Buch ist sehr komplex…)

Erzählt wird die Geschichte von (wahrscheinlich, da an manchen Stellen keine Namen genannt werden und man nicht sicher ist, ob es sich um eine „neue“ Figur handelt oder ob sie schon mal vorgekommmen ist) 12 Menschen in 13 Kapiteln. Kern bilden 4 Freunde, die gerade ihr erstes Jahr am College hinter sich haben und deren Hauptbeschäftigung darin besteht, sich zu bekiffen. Parallel dazu werden beispielsweise die Geschichten einiger Elternteile erzählt. So hat die Mutter von Graham beispielsweise eine Affäre mit dessen Freund Martin und ist außerdem abhängig von Valium und Co. Dann hingegen gibt es Tim, ein Freund von Graham, der von seinen getrennt lebenden Eltern beinahe schon dazu gezwungen wird, mit seinem alkoholabhängigem Vater auf Hawaii Thanksgiving zu feiern und der eine Affäre mit einem Model, Christie, hat, die wiederum einen Produzenten namens Randy kennt, der ein Mädchen namens Anne in das L.A.-Jetset-Leben einführt, und sich später (wahrscheinlich) selbst umbringt…
Wie ihr seht, alle Geschichten hängen zusammen und eins führt zum anderen. All zu sehr möchte ich gar nicht ins Detail gehen, da es 1. nicht in einen Bericht passen würde und gleichzeitig verständlich bleiben könnte und 2. einfach die ganze Spannung nimmt. Denn eine richtige Handlung gibt es eigentlich nicht, es werden einfach nur die miteinander verknüpften Figuren und deren Lebensweise dargestellt…

Gesagt sei nur: Jedes Kapitel ist in der Ich-Perspektive verfasst, womit es dem Leser einfacher gemacht wird, den jeweiligen Charakter zu verstehen.


Meine Meinung:
*~*~*~*~*~*~*~*
Die Sprache dieses Romans ist Ellis-typisch umgangssprachlich und sehr direkt. So, wie Menschen eben reden, Ellis hat jedes einzelne „Ähm“ und „Mmh“ berücksichtigt, was die Dialoge erschreckend wahrheitsnah macht. Man kann sich förmlich ganz genau vorstellen, wie die Figuren da stehen und sich anöden, denn so ist es meistens. Die Menschen reden nicht miteinander, sondern aneinander vorbei und das ließ zumindest bei mir relativ schnell die Alarmglocken läuten.
Die Einteilung in Kapitel macht sich bei dem verwirrenden Schema, das der Roman verfolgt, echt gut, da man ansonsten wahrscheinlich vollkommen den Zusammenhang verlieren würde. Beispielsweise ist es aufgrund der Ich-Perspektive so, dass man oft seitenweise nicht weiß, wer da erzählt. Manchmal sogar nicht einmal, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt. Ans Licht kommt dies dann erst im Laufe von wiedergegebenen Gesprächen und manchmal hab ich dann noch zurückgeblättert, um mir über die ein oder andere Sache im Nachhinein noch mal klar zu werden.
Als die Mutter von Graham beispielsweise vorgestellt wird, wird das Ewigkeiten nicht wirklich gesagt. Sie beschreibt zwar, dass sie ihn in der Küche sieht, aber man weiß ja weder, welches Geschlecht sie hat noch ob sie dessen Geliebte oder sonst was ist?!

Selten hat mich ein Roman so begeistert und so erschreckt. Musste ich bei einem Buch lachen und kurze Zeit später an Dinge erinnern, die ich so oder anders auch schon mal erlebt hab.
Im Grunde genommen ist „Die Informanten“ eine einzige Satire auf das Leben in Los Angeles in den 80er Jahren. Nichts wird wirklich ernst genommen und unter dem Deckmantel einer scheinbaren Dokumentation der verschiedensten Ereignisse wird dem Leser unmissverständlich klar gemacht, wie krank das alles ist.
In L.A. zählt vor allem eines: Geld, Sex, Drogen und dass man mindestens einen Therapeuten hat. Alle Männer sind erfolgreich und alle Frauen blond, braungebrannt und durchtrainiert. Und wer sich dem nicht fügt, geht unter. Es geht um die Oberflächlichkeit des Jetset und wie dieser daran zerbricht. Denn während der Drogen und Affären wird den meisten Figuren doch das eine klar: im Grunde genommen ist ihr Leben sinnlos: Partys, Koks, Sex … immer das Gleiche. Und was hilft dagegen, gegen diese unerträgliche Erkenntnis? Genau… Partys, Drogen, Sex! Das Buch driftet immer weiter ab in die Perversion und die Abgründe. Bis hin zum Vampirismus (den man an dieser Stelle aber vordergründig als Metapher verstehen sollte, meine ich) ist fast alles dabei. Sogar vor Mord wird nicht zurückgeschreckt.

Am besten zeigt diesen Wandel eines Menschen zu einem Produkt meiner Meinung nach das Kapitel „Briefe aus L.A.“, in dem ein 20jähriges Mädchen an einen verflossenen schreibt, als sie ein Semester lang bei ihren Großeltern in Los Angeles wohnt. Anfangs sind die Briefe noch weitgehend intelligent und man mag das brünette, blasse Mädel, das da schreibt. Sie möchte gerne Drehbuchautorin werden und zu diesem Zweck gibt sie einige ihrer Skripte diversen Studiobossen, die meinen, sie schreibe nicht kommerziell genug. Am Ende des Kapitels – und nachdem so einiges vorgefallen ist – schreibt sie, dass sie in L.A. bleiben will, blond und braun und durchtrainiert ist, dass sie Valium und Drogen nimmt und dass ihre neuen Skripte endlich kommerziell seien…

Letztendlich kann ich nur sagen, dass ich das Buch einerseits sehr unterhaltsam und auf perverse Art lustig fand, andererseits enthält es aber viele z.B. frauenverachtende und Gewalt-Elemente, die mich wieder aufgeregt haben (ist jedoch recht harmlos im Vergleich zu „American Psycho“). Dann wiederum will man aber unbedingt wissen, wie es mit den einzelnen Figuren weitergeht, wie sie dem Abgrund entgegensteuern und wie wer mit wem verbunden ist. Das alles macht das Buch zu einem einzigen Widerspruch. Es ist die überzogene, abstrakte Realität. Satire eben.

Das Ende hätte wohl besser kaum sein können. Aber ich will natürlich nicht zu viel verraten. Letztendlich weiß man nicht, ob man verarscht wird, ob es sich um Ausreden handelt oder – das Abwegigste – ob es vielleicht für dieses Buch wirklich die Wahrheit sein sollte?!
Das letzte Kapitel spielt im Zoo, Sinnbild für alles zuvor Geschehene. Ich finde dieses Ende sehr gut.


Fazit:
*~*~*
Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der offene und heftige Satire mag und vor der (überzogen dargestellten) Realität nicht zurückschreckt. „Die Informanten“ ist weniger brutal und langatmig als sein Vorgänger, viel eher ist es eine Momentaufnahme einiger Jahre in den 80er Jahren in Los Angeles. Der Roman macht auch nachdenklich, doch vordergründig hat er mich in meinem Denken über diese Stadt und deren Lebensphilosophie bestätigt. Dass die Geschichte an manchen Stellen verwirrend ist, finde ich nicht so schlimm, denn letztendlich kommt man doch mit und dass zum Ende hin immer weniger Namen genannt und Dinge erklärt werden, sehe ich als stilistisches Mittel.
„Die Informanten“ ist eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe und daher gibt es auch die 5 Sterne!

Liebe Grüße!


Diesen Bericht teilen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Flavius

Flavius

06.03.2005 15:25

Ich habe seit Monaten "Glamorama" vom selben Autor bei mir im Regal stehen. Ich sollte wirklich wieder mehr Bücher lesen, als im Netz rumzuhängen. Dein Bericht macht neugierig und verrät dabei nicht zu viel, ist also gut gelungen! Ach ja, danke für die freundliche Nachricht in meinem Gästebuch. Gruß von Flavius

Milsch

Milsch

26.02.2005 11:24

Klingt irgendwie spannend - prima analysiert.

Daniel-Becher

Daniel-Becher

25.02.2005 15:14

Ein genialer Autor. Ich sollte mir das mal wieder zur Hand nehmen. Und den Rest auch, steht ja zuhause alles im Regal. Falls du es noch nicht gelesen haben solltest "Glamorama" ist auch genial. Seeeeeehr lang aber lesenswert und so erschreckend bildlich!

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken
Preisvergleich sortiert nach Preis
Kiepenheuer & Witsch Die Informanten

Kiepenheuer & Witsch Die Informanten

Auch im Nachfolgebuch zu seinem international erfolgreichen und umstrittenen ...

mehr

€ 9,95

Händler kann Preis
erhöht haben

buecher.de 136 Bewertungen

Versandkosten: EUR 0,0...

Verfügbarkeit: Auf Lager

     zum Shop  

buecher.de

* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein,
da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.


Preisvergleich
Kiepenheuer & Witsch Die Informanten
Kiepenheuer & Witsch Die Informanten
buecher.de
€ 9,95 *
Versandkosten: EUR 0,0.​.​.​...
mehr
 zum Shop
buecher.de
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Verwandte Angebote
SZ-Bibliothek Metropolen Band 13: Die Informanten - Bret Easton Ellis
SZ-Bibliothek Metropolen Band 13: Die Informanten - Bret Easton Ellis
Amazon.de Marketplace Bücher
€ 5,95 *
Versandkosten: 3...
mehr
 zum Shop
Amazon.de Marketplace Bücher
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 535 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (4%):
  1. BrillenMarsvin
  2. winterspiegel
  3. BelgischePommes

"sehr hilfreich" von (96%):
  1. DasBercki
  2. Mogry1987
  3. annmarie91
und weiteren 74 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.
Das könnte Sie interessieren
Er ist wieder da - Der Roman / Timur Vermes Er ist wieder da - Der Roman / Timur Vermes
Gebundene Ausgabe - ISBN: 9783847905172, 9783838721781, 9783838720197 - Verlag: Bastei Lübbe
13 Testberichte
Zum Angebot für € 14,99
Macho Man - Roman / Moritz Netenjakob Macho Man - Roman / Moritz Netenjakob
Taschenbuch, Broschiert - ISBN: 9783462042115 - Verlag: Kiepenheuer & Witsch
4 Testberichte
Zum Angebot für € 7,99
Das Delta der Venus - Erotische Erzählungen / Anaïs Nin Das Delta der Venus - Erotische Erzählungen / Anaïs Nin
Taschenbuch, Broschiert - ISBN: 9783596164035 - Verlag: Fischer Taschenbuch, Fischer Tb.
10 Testberichte
Zum Angebot für € 8,95
Verwandte Tags für Die Informanten / Bret Easton Ellis