Leben, Lieben und Leiden einer besonderen Frau

5  16.12.2000

Pro:
eine völlig andere Liebesgeschichte

Kontra:
Dumas wahrscheinlich(?) einziges Buch zu diesem Thema

Empfehlenswert: Ja 

Piccina

Über sich:

Mitglied seit:17.07.2000

Erfahrungsberichte:102

Vertrauende:15

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 101 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hallo! :-) Auf diesen Roman bin ich durch den Nachlaß meines Großvaters gestoßen, der eine kleine, aber sorgfältig ausgewählte Bibliothek besaß. Und bis heute habe ich diesen verregneten Sonntagnachmittag nicht vergessen, an dem ich in das Buch eintauchte, ohne auch nur einmal wieder aufzutauchen.


Die Parallele zwischen der Art und Weise, durch die ich zu dem Werk kam, und dem Beginn des Buches war verblüffend: Man wird in das Paris des 19. Jahrhunderts entführt; gerade findet eine Versteigerung der Hinterlassenschaften einer gewissen Marguerite Gautier statt, die offenbar erst kürzlich verstorben ist. Doch obwohl sie zu Lebzeiten viele Freunde und Bewunderer hatte, scheint sich nun kaum noch jemand für sie zu interessieren. Bis auf einen: Armand Duval (aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird), der über den Tod der wunderschönen und noch recht jungen Frau sehr verzweifelt ist - so verzweifelt, daß er sich auf den Weg zu ihrem Grab macht, um sich den Sarg öffnen zu lassen, damit er noch einmal ihr Gesicht sehen kann. Doch dieser Entschluß offenbart ihm nur ein inzwischen grausig verwesendes und zerfressenes Antlitz des Mädchens, das er, wie der Leser inzwischen weiß, einst so heftig geliebt hat.

Nun erschließt sich langsam und von rückwärts her die ganze bittere Wahrheit: Marguerite war eine berühmte und gefeierte Kurtisane, die verschwenderisch in Luxus lebte und sich von zahlreichen Liebhabern aushalten ließ. Sie wurde einfach "Die Kameliendame" genannt, weil Kamelien ihre Lieblingsblumen waren und sie nie das Haus verließ, ohne eine bei sich zu tragen. Oft gab sie rauschende Feste und Bälle, die in ganz Paris bekannt waren.
Bei dem Besuch einer Vorstellung in der Pariser Oper sieht Armand sie zum ersten Mal - und ist völlig verzaubert von der hinreißenden Schönheit dieser Frau, ihrem Körper und ihrer makellosen Haut. Obwohl er erfährt, welchen Beruf Marguerite ausübt, versucht er, ihre Gunst zu gewinnen - und es gelingt ihm tatsächlich, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Sie lädt ihn zu einer ihrer Soiréen ein, bei der sie einen Schwächeanfall erleidet und sich zurückziehen muß. Armand ist der einzige, der den Vorfall bemerkt und sich liebevoll um sie kümmert. Zum Abschied schenkt die Kranke ihm... eine Kamelie - mit der Erlaubnis, wiederkommen zu dürfen, wenn sie verwelkt sei.
Die beiden werden ein Paar, und Armand kann seine Geliebte dazu überreden, ihre Tätigkeit aufzugeben und mit ihm aufs Land zu ziehen, um wieder gesund zu werden. Diese Zeit ist die glücklichste in Marguerites Leben, in dem sie noch nie vorher Liebe, Wärme und Geborgenheit erfahren hat und auch selbst keinerlei Gefühle für jemanden empfinden durfte.

Doch das Glück hält nicht lange an: Marguerite verläßt Armand Hals über Kopf aus ihm unbekannten Gründen, um mit einem Grafen zusammenzuleben. Er kann ja nicht ahnen, daß sie dies nur aus Liebe und Rücksicht auf ihn tut, da er sonst seinen guten Ruf und sein Ansehen bei seiner Familie und auch bei der Gesellschaft verlieren würde - er glaubt, es wäre deswegen, weil er nicht so viel Geld und Vermögen besitzt wie seine "Vorgänger". Nach längerer Zeit begegnen sich die ehemals Liebenden in einem Spielsalon wieder; Armand versucht, seine Geliebte verzweifelt und mit allen Mitteln zurückzugewinnen - vergeblich. Aufs Tiefste gekränkt und verletzt stellt der junge Mann sie vor allen Anwesenden bloß, indem er ihr alles Geld, das er soeben beim Pokern gewonnen hat, wutentbrannt vor die Füße wirft.

Einige Jahre sind vergangen; Marguerites Krankheit - sie leidet an Schwindsucht - ist schlimmer geworden, so daß sie kaum noch das Haus (sie wohnt inzwischen wieder ihrer alten Wohnung in Paris) verlassen kann. Abermals trifft sie Armand, den sie wie in einem letzten Aufbäumen besucht und sich ihm zum letzten Mal mit ihrem fieberheißen, abgemagerten und geschwächten Körper hingibt. Er jedoch verdrängt alles, was er jemals für sie gefühlt hat (und immer noch fühlt!) und will sie am nächsten Morgen für ihre "Liebesdienste" sogar bezahlen.
Daraufhin ist Marguerites Lebenskraft vollkommen gebrochen: Sie stirbt, umsorgt von ihrer Haushälterin - ohne wieder zu Armand, dem einzigen Mann, den sie jemals wirklich geliebt hat, zurückfinden zu können.


Ich habe das Buch einige Male hintereinander gelesen. Obwohl es aus der Sicht der männlichen Hauptfigur beschrieben wird, habe ich doch voll und ganz mit Marguerite mitgefühlt und ihr verschwenderisches und nobles, aber dennoch kaltes Leben, dann die Glückseligkeit und Zärtlichkeit mit Armand auf dem Landsitz, und zum Schluß ihre Verzweiflung und Einsamkeit geteilt, als wäre ich es selbst, der das alles widerfährt.
Etwas besonders interessantes und gelungenes ist die "Erzählweise im Nachhinein": Der Erzähler ist ja gleichzeitig eine der Hauptfiguren der Handlung. Dumas vermischt dadurch geschickt die beiden Ebenen der Vergangenheit und der Gegenwart miteinander, die sich ja dadurch unterscheiden, daß Armand nun viel mehr weiß und eine ganz andere Sicht der Dinge hat als damals.
Ein wunderbar melancholisches, schonungslos realistisches und doch auch wieder hoffnungslos romantisches Buch, über das ich sehr froh bin, es zu besitzen und gelesen zu haben! Es wird in unserem Familienerbe sicherlich noch viele Generationen überdauern...
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
beutelratte67

beutelratte67

22.01.2001 19:28

Wußtest Du, daß G. Verdi daraus eine seiner schönsten Opern gemacht hat? La Traviata endet zwar so, daß Armand (der dort Alfredo heißt) den Grund erfährt, warum sie (Violetta) ihn verlassen hat, sie dann aber dennoch in seinen Armen stirbt. Wunderschön und traurig zugleich. Ciao, Kai

ROCHADE

ROCHADE

08.01.2001 11:54

Schade, daß Du schon so lange nichts mehr geschrieben hast. Gruß R.

Bastel1977

Bastel1977

05.01.2001 20:09

Hi! Schöne Meinung von Dir... Dank Dir nochmal für Deinen aufmunternden Kommentar zu meiner Meinung... Sowas hilft einem wirklich... Vielleicht schickst Du mir mal eine Email? Deine Meil ist ja leider nicht dem Profil zu entnehmen ;-) Gruß Bastel

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  2. nikosternchen
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