Die Kriegsmarine und der Ostfeldzug
07.11.2004
Pro:
fundiert, interessant, streitbar
Kontra:
die Fotos lassen Wünsche offen
Empfehlenswert:
Ja
 straus07
Über sich:
Es scheint Sommer zu werten und da bin ich mehr im Garten als am PC.
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 70 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Kürzlich erschien das Buch „Die Kriegsmarine und der Ostfeldzug“ im verlag am park, Berlin 2004 von Horst Steigleder. Der Autor ist ein Kenner der Materie war er doch über Jahre Dozent für Marinegeschichte an der Militärakademie „ Friedrich Engels“ in Dresden. Von 1955 –1959 studierte er an der Militärpolitischen Akademie in Moskau, 1969 Promotion zum Dr. rer. Mil.,1985 Habilitation an der Ernst-Moritz Arndt Universität in Greifswald. Steigleder behandelt hier ein Thema, das vor ihm schon andere Autoren der alten Bundesrepublik Deutschland beackert haben, er hatte aber den Vorteil, dass er die deutschen Quellen aber auch die Archive der UdSSR und ihrer Marinen studieren konnte. Dazu kommt, das er aus eigener Anschauung das maritime Denken sowjetischer Mariners in Vergangenheit und Gegenwart kannte und die sowjetische Seekriegskunst aus den FF beherrscht. Aus dieser Sicht lassen sich die Aktivitäten der beiden Gegner auf den östlichen Seekriegsplatz, in der Ostsee, im Nordmeeres und im Schwarzen Meer sicher besser beurteilen.Was das Buch besonders auszeichnet ist die umfassende Sicht der Handlungen der beteiligten Kräfte, den nichts ist „... von ökonomischen Voraussetzungen so abhängig, wie Armee und Flotte..., (sicher ein Allgemeinplatz, aber der werte Leser vieler deutscher Erinnerungen sollte einmal nachlesen, warum der 2. Weltkrieg so alles verloren wurde) wie ein großer sowjetischer Führer und Theoretiker einmal schrieb. Deutschland und die Sowjetunion waren eigentlich Kontinentalmächte und ihre politischen, ökonomischen und damit militärischen Interessen erstreckten sich in erster Linie zur Durchsetzung ihrer Ziele auf die Land- und Luftstreitkräfte und die brauchten auf beiden Seiten massenhaft Menschen und viel Material, die zu allen Zeiten und unter allen gesellschaftlichen Bedingungen eigentlich immer begrenzt sind und so mussten die Flotten mit dem zufrieden sein, was man ihnen übrig ließ. Wie Steigleder schreibt“: Die deutsche Marineführung träumte wie zu Wilhelms Tagen mehr von der Beherrschung der Weltmeere als davon, sich in Hitlers Strategie einbinden zu lassen. Das eine war so abstrus, wie das andere Ausdruck von Widerstand war“. Das Buch erschien als Paperback, hat 324 Seiten viele Fotos und Anlagen, ISBN 3-89793-045-5 und ist zum Preis von 17,50 € im Buchhandel zu erhalten. Kapital I Kontinental- oder Seestrategie: Die deutsche Marine 1919- 1941 Trotz Versailles und Scapa-Flow gaben die Verantwortlichen in Deutschland ihre Ziele der Erringung der Vorherrschaft in Europa und der Welt nicht auf und so war die Weimarer Republik nur eine Republik auf Zeit. Marineeinheiten und -freikorps waren bei der Niederschlagung der Novemberrevolution, aber auch an der Seite der Putschisten unter Kapp zu finden. Viele der Aktivisten fanden sich später in den Reihen der Nationalsozialisten in führenden Positionen wieder.Der Versailler Vetrag gestattete nur eine kleine Flotte, U-Boote und Militärflugzeuge waren völlig verboten und mit 15 000 Mann waren die maritimen Ambitionen undenkbar. Führende Mariner gaben in Denkschriften den weiteren Weg vor, in Stabsübungen und Sandkastenspielen wurden mögliche Kriegslagen durchgespielt, gleichzeitig nutzte man Verbindungen im Ausland, um auf den verschiedensten Gebieten der Marine- und Luftfahrtechnik zu forschen und zu experimentieren und bald wurden auch die ersten Kriegsschiffe wieder gebaut. Als Gegner wurde die französische und polnische Flotte aber auch die Baltische Flotte der UdSSR angenommen. So spielte man auch einmal die „Abwehr der Anlandung sowjetischer Kräfte auf Rügen“ durch, die angeblich die Weltrevolution damit vorantreiben wollten. Mit dem Panzerkreuzerbau wollte man die Flotte stärken, wichtiger aber war die damit verbundene Massenpropaganda für „Deutschlands schwimmende Wehr“ Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten brach für die deutsche Admiralität eine neue Ära an. Mit Hitler hatte man den starken Mann, den Scheer 1923 forderte und Raeder aufgeschlossen gegenüber trat und stolz war die Flotte geschlossen der Bewegung zugeführt zu haben. Jetzt konnte man wieder von einer starken Flotte träumen, die auf den Ozeanen für Deutschlands Ruhm und Ehre- sprich Kolonien und Einflusshären kämpfen konnte. Die Marinerüstung schritt voran, es wurden wieder U-Boote und Flugzeuge zum Einsatz gebracht, Schwerpunkte blieben aber zu allen Zeiten die Wehrmacht und Luftwaffe. Die Admiralität fügte sich notgedrungen in der Hoffnung nach der Beherrschung des Kontinents mit dem Sieg über die Sowjetunion die Mittel und Kräfte zu erhalten, die für den weltweiten Flotteneinsatz und Sieg erforderlich waren. Bis dahin beschränkte man sich auf den Zufuhrkrieg mit Überwasserkräften und U-Booten auf den alliierten Seeverbindungen.Kapital II Die Rolle und Aufgaben der Kriegsmarine im Barbarossa-Plan. Kapitel III Die unmittelbare Vorbereitung der Kriegsmarine auf den Ostfeldzug. Kapitel V Maritime Aspekte des Scheiterns der Blitzkriegskonzeption auf den Ostseeschauplatz, Juni 1941 bis Anfang 1942.Steigleder widerlegt in diesen 3 Kapiteln, die den Kern des Buches bilden, die These, die von Großadmiral Reader sogar noch in Nürnberg vertreten hat, das die Seekriegsleitung vom Plan Barbarossa erst unmittelbar vor dem Angriffstermin am 22. Juni 1941 erfahren habe. Es werden Dokumente vorgelegt, die beweisen, das die Marine schon im Dezember 1940 mit der Planung begonnen hatte. , womit die Behauptung widerlegt wird, das die Marine keine Schuld am völkerrechtswidrigen Russlandfeldzug trägt und Raeder sogar Hitler gewarnt hat, die Sowjetunion zu überfallen. Die Seekriegsleitung drängte vielmehr darauf, die UdSSR noch im Herbst 1940 anzugreifen, um dann im Frühjahr 1941 unter günstigeren Bedingungen zu versuchen, auf den britischen Inseln zu landen. Alles eigentlich etwas sehr abenteuerlich und fern aller militärischen ünd ökonomischen Realitäten. In der deutschen Planung war vorgesehen in 3 Stoßrichtungen, Nord in Richtung Leningrad, Mitte in Richtung Moskau und Süd in Richtung Wolga-Don anzugreifen. Dazu wurden die benötigten Kräfte und Mittel geplant und vorbereitet. Die Nordrichtung oder Küstenrichtung war zwar nicht die Hauptrichtung spielte aber eine besondere Rolle durch ihre Zielstellung auf relativ gutausgebautem Territorium im schnellen Vormarsch die „Wiege der Revolution“ Leningrad mit ihrem industriepotential auszuschalten bzw. zu nutzen, die Trumpfkarte Finnland zu nutzen um dann in Richtung Moskau auf gutausgebauten Verbindungswegen einzuschwenken.Zur Sicherstellung diese Hauptaufgabe der Heeresgruppe Nord mit starken Fliegerkräften wurde die KM zur Sicherstellung mehr oder weniger effektiv herangezogen. Tatsache aber war, dass man die Möglichkeiten der KM zur Seelandung und Einnahme der gegnerischen Basen, zur Blockade der Baltischen Flotte der UdSSR und zur Sicherstellung der eigenen Kräfte der Land- und Luftstreitkräfte nur ungenügend plante und einsetzte. Russlandfeldzug entscheidend aber war die Tatsache, das man nicht schnell genug vorankam dank der heldenhaften Verteidiger der sowjetischen Basen und man auch die sowjetische Flotte trotz großer Verluste in Richtung Kronstadt ( Leningrad) ziehen lassen musste und letztendlich zum Wintereinbruch vor der sowjetischen Ostseemetropole zum Stehen kam. Damit verschlechterte sich natürlich auch die Lage der Heeresgruppe Mitte vor Moskau und die erste Große Niederlage der Wehrmacht lag sicher nicht nur am "General Winter". Weitere Planungen sahen den Einsatz der KM im Nordmeer vor, wollte man doch sehr schnell den bedeutenden Marinestützpunkt Murmansk ausschalten, was aber zu keiner Zeit gelang, das Gegenteil trat ein- Murmansk war der wichtigste Anlaufpunkt für angloamerikanische Hilfslieferungen, die nicht zu unterschätzen waren. Steigleder beleuchtet in seinem Buch auch die Aktivitäten Finnlands im Russlandfeldzug und vergisst auch das „neutrale Schweden“ nicht.Das Schwarze Meer spielte zwar in den Überlegungen der deutschen Führung eine Rolle, wegen mangelnder Kräfte kam es aber nicht zu irgendwelchen militärischen Planungen. Wer sich dafür im Detail interessiert kann natürlich die Planung, Struktur, Kräfte und Aktivitäten in den 3 Kapiteln bei Steigleder selbst nachlesen..Kapitel IV Die Entwicklung der Sowjetflotte 1918 bis 1941 Nach der Oktoberrevolution 1917 entstanden die sowjetischen Streitkräfte, darunter auch die Seestreitkräfte in einem komplizierten Prozess. Es galt eine neue Militärdoktrin, deren Ziel die „ Verteidigung der Heimat“ als Kern hatte, auszuarbeiten und darauf aufbauend Kräfte und Mittel zu deren Realisierung zu schaffen. Sowjetische Experten unterscheiden nach Steigleder 2 Etappen der Entwicklung der Flotten, da wäre erstens 1921- 1928 mit der Wiederherstellung von Teilen der alten zaristischen Flotte und Herstellung deren Einsatzbereitschaft und zweitens von 1929 – 1941 der Aufbau der Flotte auf der Grundlage der Industrialisierung und der Fünfjahrpläne. Wie in anderen Flotten auch gab es harte Auseinandersetzung über Zielstellungen und die dafür benötigten Kräfte und Mittel. , Die einen wollten eine starke Hochseeflotte (Dickschiffe), wie sie bei den klassischen Seemächten üblich waren, obwohl die ökonomischen Voraussetzungen nur bedingt vorhanden waren, andere lagen da schon richtiger, wenn sie eine mögliche Aggression gegen das Land voraussahen, deren Hauptrichtungen auf dem Land liegen könnten und zu deren Abwehr im Küstenvorfeld in engen flachen Gewässern zur Sicherung der Seeflanke der eigenen Landstreitkräfte hauptsächlich U-Boote, Seefliegerkräfte,, Küstenartillerie und einer „ Moskitoflotte“ (Torpedoschnellboote) zum Einsatz gebracht werden müssten. Diese Orientierung wurde materiell stärker unterlegt und sollte nicht unwesentlich zum Erfolg im Krieg geführt haben. Bis 1932 wurden 12 U-Boote, 18 Küstenschutzschiffe (sowjetisch KSS, britisch Korvetten) und 36 Torpedoschnellboote gebaut.Interessant aber nicht unbekannt ist, das man nach dem Rapallovertrag 1922 Verbindungen zu deutschen Militärkreisen aufnahm, um deutsche Hilfe beim Aufbau der Streitkräfte zu nutzen , andererseits aber Deutschland die Möglichkeit geben wollte, den Versailler Vertrag mit seinen Rüstungsbeschränkungen zu umgehen. Rapallo hatte natürlich ein höheres Ziel nämlich die internationale Isolierung Sowjetrußlands aber auch Deutschlands zu durchbrechen, was einigen Antikommunisten in Deutschland nicht passte und dem deutschen Außenminister das Leben kostete. Bei Reichswehr und Luftstreiträteentwicklungen, Erprobungen und anderem klappte es zum beiderseitig nutzen, die deutschen Marinekreise unter Admiral Zenker taten sich damit sehr schwer, über Besichtigungen und Delegationsaustausch ging es aber nicht hinaus. Die sowjetische Seite nutzte ihre eigenen Möglichkeiten und schon 1927 wurde das erste sowjetische U-Boot des Typs „ Dekabrist“ auf Stapel gelegt und 1930 in der Baltischen Flotte in Dienst gestellt.. 1936 standen schon 106 U-Boote, 190 TS-Boote zur Verfügung aber bald wurden auch Zerstörer, Großzerstörer und Kreuzer in Dienst gestellt. 1941 verfügten die Seefliegerkräfte allein über 2581 Maschinen, deren Kampfeigenschaften und Möglichkeiten aber nicht dem modernsten Stand der Entwicklung widerspiegelten. Zum Zeitpunkt des deutschen Überfalls besaß die Sowjetflotte 3 Schlachtschiffe, 8 Kreuzer,, 59 Zerstörer, 218 U-Boote und 269 TS-Boote, aber nur über 22 KSS und 80 Minenleg- und Räumschiffe, was sich für die Küstenverteidigung als nicht günstig erwies. Trotz alledem, zeigte diese Entwicklung zu welchen Leistungen das sowjetische Volk in der Lage war und diese Leistungskraft sollte die deutschen Aggressoren sehr bald zu spüren bekommen.Rückschläge und riesige Verluste brachten auch den Flotten die Stalinistischen Säuberungsaktionen der 30iger Jahre. Man stelle sich vor: „ Liquidiert wurden die Helden des Bürgerkrieges, die Marschälle Tuchatschweski, Jegorow und Blücher, alle Stellvertreter des Volkskommissars für Verteidigung, 98 von 108 Mitgliedern des Obersten Militärrates, alle Befehlshaber der Militärbezirke, 13 von 15 Armeebefehlshabern, 50 von 57 Korpskommandeuren sowie 154 von 186 Divisionskommandeuren. Die meisten Politischen Kommissare der Armeen, Korps und Divisionen wurden zu Verrätern erklärt und exekutiert oder gingen in Straflagern zu Grunde. Noch bis 1940 wurden über 3600 Offiziere mittlerer Kommandoebenen des Heeres und der Luftwaffe entweder gänzlich oder vorübergehend entlassen“ Steigleder gibt dafür als Quelle Zentralarchiv der Seekriegsflotte, Dokument 6332 an. In der Flotte ließen ihr Leben die Admirale Orlow, Viktorow, Ludri, Muklewitsch, Duschenkow, Koschanow, Schifkow, Jakimytschew, Panzerschanski, und Kirejew. Über 3000 Marineoffiziere mittlerer Ebenen wurden suspendiert Es ist eine Tatsache wie der sowjetische Historiker Roy Medwejew einschätze: “ Keine Armee hat im Krieg ( bis dahin- der Autor) so viele höhere Offiziere verloren wie die Rote Armee in dieser Zeit des Friedens“ Es ist nicht nur Steigleders Meinung, das die Anfangserfolge der deutschen Wehrmacht trotz deren Kriegserfahrung 1941 etwas mit diesem Aderlass der Stalinschen Säuberungen zu tun hatte. Über Kräfte und Mittel, Basierung, Strukturen und den Verlauf der Kampfhandlungen sollten der Interessierte selbst nachlesen. Nur noch soviel, 1939 wurde Konteradmiral Kusnezow von Stalin zum Volkskommissar der Seestreitkräfte ernannt, ein sehr fähiger und weitsichtiger Mann, der mit Stalin und der Moskauer Armeeführung oft aneinander geriet und der Admiral wurde, der wie kein anderer, sooft degradiert und befördert wurde. Seine Memoiren zu DDR-Zeiten im Militärverlag der DDR erschienen, begeisterten nicht nur die Volksmarineangehörigen des Landes. (siehe Bild)Kapitel VI Die deutsche Seekriegsführung unter den Auswirkungen des Ostfeldzeuges. Sommer 1941 – bis Mai 1945. Neben den in der Ostsee gebundenen Kräften der KM kamen auf Forderung der Heeresgruppe Süd deutsche Marinekräfte im Schwarzen Meer zum Einsatz, da es nicht gelungen war, die Schwarzmeerflotte der UdSSR durch die Luftwaffe auszuschalten, mehr noch die russischen Marinekräfte errangen die Seeherrschaft in diesem Randmeer und bedrohten den deutschen Vormarsch in Richtung Kaukasus und Baku.Auch an der Nordfront in Richtung Murmansk ging es nicht voran, mehr noch – es wurde der deutsche Nachschub empfindlich gestört und die Versorgung der UdSSR durch die westlichen Alliierten erlangte immer größere Bedeutung. Damit wurde die Kriegsmarine gezwungen sich weiter aufzusplittern, die Großkampfschiffe lagen in Brest (Frankreich) oder Norwegen fest und so handelte man auf dem Atlantik mehr oder weniger nur noch mit den U-Booten gegen die alliierten Geleite. Je mehr man sich an der Ostfront totsiegte, um so mehr wurden die Kräfte und Mittel für die Marine gekürzt und auch die Luftwaffe war nach Stalingrad kaum noch in der Lage den Marinekräften Luftunterstützung zu gewähren.Steigleder belegt, wo die Ursachen für das Scheitern des U-Bootkrieges lagen. Da war die Tatsache, das die Alliierten im Verlauf des Krieges mehr Schiffe bauten, als die deutschen U-Boote versenken konnten. Andererseits sanken durch Materialengpässe der Neubau von U-Booten in Deutschland. Das begann schon damit, das von den geplanten 239 U-Bootneubauten bis 1941 nur ein Drittel realisiert werden konnten, trotz geplanter 24 Boote gingen nur 15 von den Hellingen. Schon 1941 fehlten auf den Werften 26 % Stahl, Kupfer, Blei, Aluminium und Nickel 20- 30 %, dazu kamen ein Defizit von 16 000 Werftarbeitern, weitere 10 000 Arbeiter wurden für den Panzerbau abgezogen . Jede Niederlage an der Ostfront reduzierte die Chancen für die Aufgabenerfüllung der KM. Dazu kam, dass die Alliierten natürlich die U-Bootgefahr kannten und sie ernst nahmen indem sie neue Taktiken in der Geleitsicherung und Führung in Anwendung brachten, der U-Bootsuche und Aufklärung die notwendige Aufmerksamkeit schenkten und natürlich auch neue und effektivere Formen, Methoden und Waffen zur U-Bootbekämpfung einführten. Nicht unsensentlich, das im Verlauf des Krieges die Bombardierung deutscher Industrie und Hafenstädte (Hamburg) zunahm und dadurch Kapazitäten, insbesondere aber die erforderlichen hochqualifizierten Arbeitskräfte immer weniger wurden. Sicher gab es immer wieder auch spektakuläre Handlungen einzelner Kräfte der KM, die in der heutigen deutschen Memoirenliteratur eine große Rolle spielt, kriegsentscheidend, sieht man von propagandistischen Effekten ab, waren sie zu keiner Zeit. Der Rückzug deutscher Truppen auf das eigene Territorium 1945 hatte natürlich auch Auswirkungen auf die weitere Seekriegsführung und vieles was damals geschah, findet man heute in den Buchhandlungen als Memoirenliteratur beschrieben und sind Gegenstand von Traditionsverbänden der Marine und der Landsmannschaften. Der schnelle Vormarsch der Roten Armee in der Hauptrichtung Weichsel- Oder- Berlin ließen im Küstenbereich immer wieder größere und kleinere Kessel entstehen, in denen sich Hunderttausende Wehrmachstangehörige, staatliche und parteiliche Instanzen und massenhaft flüchtende Zivilisten, insbesondere Frauen, Kinder und Ältere befanden. Hauptaufgabe der Kriegsmarine war die Organisation und Sicherung mit Kampf- Sicherungs- und Hilfsfahrzeugen dieEvakuierung dieser Menschen unter allen Bedingungen sicherzustellen. Wie Steigleder schreibt waren von Januar – 10. Mai 1945 790 Schiffe daran beteiligt und zwar 367 Kampfschiffe und Boote und 423 Transporter- Wohnschiffe, Frachter, Fischkutter und Leichter. Rund 2 Millionen Menschen wurden über See evakuiert. 109 Transporter gingen durch britische Luftangriffe, britische Flugzeugminen, sowjetische U-Boote und Fliegerkräfte verloren, rund 20 000 Menschen fanden dabei den Tod. Einige spektakuläre Aktionen sowjetischer U-Boote wie die Versenkung der „ Gustloff“ oder der „ Steuben“ wurden schon bald zur Feindbildausprägung im „kalten Krieg“ genutzt. Ich selbst hatte nach der Wende die Möglichkeit an einem der jährlich stattfindenden Treffen der „ Retter und Geretteten über See“ im Ostseebad Damp teilzunehmen und wurde von den letzten Illusionen in diesem Leben geheilt. Ich halte es dabei mit Steigleder, der schreibt:“ Ohne diese Hilfsaktionen und ihre Bedeutung kleinreden zu wollen, muss allerdings auch in diesem Kontext auf den kausalen Zusammenhang von Ursache und Wirkung verwiesen werden: Ohne 1933 hätte es kein 1945 gegeben. Ohne den Überfall des Hitlerreiches auf die Sowjetunion wären die Panzer der Roten Armee nicht nach Berlin gerollt. Ehe die Menschen aus Ostpreußen und Pommern vor der Roten Armee flüchteten, flüchteten Weißrussen, Letten, Esten, Litauer, Ukrainer, Russen und andere Menschen vor der deutschen Wehrmacht. Flucht und Vertreibung von Deutschen kann, wie es in sehr vielen Publikationen geschieht, nicht als singulärer Akt und völlig losgelöst vom historischen Kontext betrachtet werden „.( S. 274 ) Wie das Ende aussah ist bekannt, der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Großadmiral Karl Dönitz brachte es noch zum Hitlernachfolger und Staatsoberhaupt und konnte bis zu seiner Verhaftung am 23.Mai 1945 mit britischen Gnaden die Evakuierungen fortsetzen und Kriegsgerichtsurteile vollstrecken lassen, Exoberbefehlshaber der Marine Großadmiral Raeder begab sich in Potsdam in sowjetische Kriegsgefangenschaft. In Nürnberg trafen sie sich wieder um als Kriegsverbrecher abgeurteilt zu werdenEigentlich sollte man hier enden, der Vollständigkeit halber noch der Hinweis, das auf den Seiten 279 – 308 eine Auswahlbibliographie, Abkürzungen, Bildnachweis, Dokumente, Anlagen beigefügt sind. Ein ausführliches Quellenverzeichnis befindet sich an jedem Kapitel. Fazit: Eine sehr solide und fundamentierte marinehistorische Abhandlung über die deutsche Kriegsmarine im Zusammenhang mit dem Ostfeldzug und der deutschen Niederlage im 2. Weltkrieg. Der Autor ehemaliger Dozent an der Militärakademie „Friedrich Engels“ der NVA nutzte seine umfassenden Kenntnisse der deutschen und westlichen Marinegeschichte über den 2. Weltkrieg und brachte sie in Verbindung mit den Erkenntnissen aus Archiven der UdSSR, die anderen Deutschen in diesem Umfang nie zur Verfügung standen. Schon 2004 brachten die runden Jahrestage der Aktion " Walküre" (Stauffenberg) und die Landung in der Normandie viel "neue Literatur" mit seltsamen Thesen hervor. Was wird uns 2005 , zum 60 Jahrestag der " Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus" oder der " bedinungslosen Kapitulation der deutschen Streitkräfte" oder des "Endes des 2. Weltkrieges in Europa" oder.... bringen ? Steigleders Schlußfolgerungen stützen die immer noch bezweifelte Aussage, dass der Sieg über Nazideutschalnd nicht in Afrika bei EL Alamein und durch die Invasion in der Atlantikküste errungen wurde, sondern auf den Schlachtfeldern im Osten. Letztendlich noch ein persönliches Dankeschön für das Buch an den ehemaligen Lehrer, in dessen Vorlesungen es nie langweilig war und dessen Seminare und Aussprachen zu den Sternstunden meines Studiums in Dresden zählten.
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Das Neue Berlin; Militärverlag Die Kriegsmarine und der Ostfeldzug
Kriegsverbrechen in der östlichen Ostsee.
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Die Kriegsmarine und der Ostfeldzug - Horst Steigleder
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Die Kriegsmarine und der Ostfeldzug - Steigleder, Horst
Buch, gebundene Ausgabe, 313 S., Erschienen: 2010
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23.03.2012 06:42
Ich kenne jemanden, der würde begeistert sein über so eine Abhandlung :-))
21.08.2011 21:50
SH & LG
12.02.2010 19:24
Wir scheinen einen ganz unterschiedlichen Buchgeschmack zu haben ! ------ Maria -------