Produktbewertung des Autors:
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manches wird leichter |
| Kontra: |
manches nicht |
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Letztes Jahr war der Sommer überdurchschnittlich heiß. Dieses Jahr ist das Sommerloch überdurchschnittlich tief. Oder wie soll man es sich sonst erklären, daß etliche Jahre nach der Rechtschreibreform alles wieder auf den Prüfstand soll? Daß Stefan Aust vom „Spiegel“ von „staatlich verordneter Legasthenie“ faselt, ohne irgendeinen Satz beizusteuern, der auch nur ansatzweise als Argument gelten könnte? Daß selbst die Bildzeitung, der man Kumpanei mit dem „Spiegel“ nun ganz gewiß nicht nachsagen kann – und vice versa –, auf den fahrenden Zug springt und sogar Vordrucke für Protestnoten empörter Bürger liefert? Daß die ersten Politiker mit diesem Stuß Wählerstimmen für Landtagswahlen einsammeln zu können meinen?
Zugegeben: Mir hat die Rechtschreibreform auch nicht behagt. Ich bin des (Alt-)Griechischen mächtig und konnte deshalb „rh“, „th“ und „ph“ vorher schon korrekt verteilen. (Nein, es heißt nicht „Thautologie“. Es heißt auch nicht „Kathegorie“ und schon gar nicht, wie Siebeck in der „Zeit“ dieser Woche zu Blattgoldfetzchen auf Mokka-Crème sagt, „byzanthinisch“. Und zwar weder vor noch nach der Reform.) Ich kann auch genug Italienisch, um mich vor „Spadschetti“ – mein Dank an Harry Rowohlt, unbekannterweise – zu grausen. Und auch vor Reinhold Beckmann, der diese Woche aus dem armen Luchino Visconti konsequent einen „Lutschino“ machte, was angesichts der Thematik – sein Gast war Viscontis langjähriger Geliebter Helmut Berger – schon nachgerade anzüglich wirkte.
„Aufwändig“ und „Schänke“ jagen mir kalte Schauer über den Rücken, obwohl „aufwändig“ zu „Aufwand“ natürlich den Vorzug der Konsistenz hat. Leider wird nun immer öfter auch „aufwänden“ geschrieben, als ob „aufwänden“ von „Aufwand“ abgeleitet wäre und nicht umgekehrt. (So kann man Derivationsketten verunklären.) Die Unterscheidung von „das“ und „daß“ wurde durch die von „das“ und „dass“ ersetzt – mit dem Ergebnis, daß „das“ für „daß/dass“ mittlerweile bis in die „Zeit“ hineingewuchert ist, weil ganz Deutschland offenbar den durchaus unzutreffenden Eindruck gewonnen hat, die meistgehaßte (nicht dasselbe wie: meist gehasste) Schreibdifferenzierung sei endlich ad acta gelegt worden. Es ist auch wohlbekannt, daß manche Dinge schiefgelaufen sind – das ist eben nicht identisch mit „es ist wohl (= vermutlich) bekannt, daß manche Dinge schiefgelaufen sind“ (oder sind sie gar „schief gelaufen“?).
Doch wollen wir die Kirche im Dorf lassen.
Erstens: böswillige Gegenbeispiele kann man immer finden. Natürlich sind „Maße“ etwas anderes als „Masse“. Trotzdem hat der vollständige Verzicht auf das „ß“ die Eidgenossen nicht an ernsthafter physikalischer Forschung gehindert. Der Kontext macht’s. („Disambiguieren“ heißt das wohl im Fachjargon.)
Zweitens: alles Neue, Ungewohnte, Gewandelte stößt bei älteren Zeitgenossen (und bitte, dazu zähle ich mich selbst) zunächst einmal auf Ablehnung. Wem eine bestimmte Schreibung seit Jahrzehnten vertraut ist, der wird eine neue in der Regel unbehaglich finden und dieses Unbehagen als ästhetisches Mißfallen – „das sieht ja so häßlich aus“ – artikulieren, obwohl Rechtschreibung mit Schönheit nichts zu tun hat. Ein großer Teil des Widerwillens (auch meines Widerwillens) ist rational nicht zu begründen. Ich lehne die neue Rechtschreibung in weiten (nicht allen!) Teilen ab; aber Gründe, die den Namen verdient hätten, vermag ich an vielen (ebenfalls nicht allen!) Punkten nicht zu geben. Und damit reduziert sich meine persönliche Meinung im Großen und Ganzen auf ein bloßes Geschmacksurteil, das für niemanden außer mir relevant zu sein braucht.
Drittens: in Italien werden zum Beispiel griechische Fremd- und Lehnwörter (und sogar Orts- und Personennamen) konsequent italianisiert: aus Pythagoras wird „Pitagora“ und aus Xenophanes „Senofane“. Der „Rhythmus“ ist ein „ritmo“ und die Phthisis (Schwindsucht) die „tisi“ – und das, obwohl in Italien (Alt-)Griechischkenntnisse vielleicht nicht weiter verbreitet sind als hier, aber ganz sicher höheres Prestige genießen. Auf Lettisch heißt Erich Kästner sogar „Erihs Kestners“. Vermutlich würde der gute Mann sich für die Entstellung seines Namens mehr als entschädigt finden, wenn man ihm sagte, daß „Das doppelte Lottchen“ Dezennien nach dem Erscheinen immer noch, und zwar sogar im Baltikum, sehr geschätzt wird. Den Untergang des Abendlands stelle ich mir anders vor.
Die „Orthografie“ wirkt in diesem Zusammenhang freilich etwas merkwürdig – entweder „Orthographie“ oder gleich „Ortografie“, wenn man konsequent sein will –, aber letzte Konsequenz ist in der Rechtschreibung sowieso nicht zu wollen. Sonst hätten wir auch keine „Eltern“ mehr, sondern nur noch „Ältern“. Als „Thür“ und „Thor“ ihr „h“ verloren, durfte der „Thron“ auf allerhöchste Anordnung seins behalten. Trotzdem saß schon weniger Jahre später kein Kaiser mehr darauf.
Viertens schießt sich die Kritik meist auf die Wortschreibung ein – an diesem Punkt sind die Änderungen ja auch am augenfälligsten und darum am meisten strittig. Daß die Reform die Groß- und Kleinschreibung in der Tat stark vereinfacht hat, daß die Kommaregeln wirklich simpler geworden sind, daß die Trennungsregeln keine humanistische Bildung mehr voraussetzen: davon wird erheblich weniger geredet. Auch im Fall der Getrennt- bzw. Zusammenschreibung wurde manche niemandem mehr nachvollziehbare Irregularität beseitigt, wenn auch gelegentlich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet (siehe oben: wohl bekannt/ wohlbekannt, meist gehasst/ meistgehaßt; ein Blick auf den gesprochenen Wortakzent – wohl bekánnt gegen wóhlbekannt – hätte jeden lehren können daß hier ein Unterschied besteht). Auch hat man den Eindruck, daß die so wortgewaltig geschmähten Trennungsregeln in der Zeit von Textverarbeitungsprogrammen, die auf Knopfdruck den allerhübschesten Blocksatz liefern, längst nicht mehr so wichtig sind wie früher. Unschöne Wortabstände gehen meist auf das Konto sehr langer Wörter, und da handelt es sich meist um Komposita – weiß man’s nicht ganz sicher, trennt man eben in der Kompositionsfuge. Das ist auf alle Fälle richtig und außerdem leserfreundlich. Do-naudampfschiff liest sich weniger gut als Donau-dampfschiff. (Die sprichwörtliche „-fahrtsgesellschaft“ tut hier nicht einmal etwas zur Sache.) Richtig ist beides. Richtig ist auch Anal-phabet. Trotzdem würde ich diese Trennung nach Kräften zu vermeiden suchen.
Und hiermit wären wir beim einzigen wirklichen Webfehler der Rechtschreibreform: daß zu stark vom Schreiber aus gedacht und vor allem begründet wurde und zu wenig vom Leser her. Was dem Schreiber Mühe verursacht, ist unter Umständen genau das, was dem Leser das Leben erleichtert. Wenig Aufwand beim Schreiben produziert viel Aufwand beim Lesen – das weiß jeder, der sich jemals mit antiken Texten beschäftigt hat. Dort wird oft ohne Wortabstände einfach in einem Zug geschrieben – sehr bequem, gewiß, aber dem, der die Chose nach zweitausend Jahrend lesen soll, treibt diese Unsitte Schweißperlen auf die Stirn. Immerhin hat man jetzt die Großschreibung beibehalten, denn Experimente haben ergeben, daß unsere in Europa ziemlich singuläre Marotte, nicht nur am Satzanfang und Eigennamen groß zu schreiben, die Lesegeschwindigkeit steigert – auch bei Sprechern bzw. Lesern von Sprachen, bei denen das nicht üblich ist. Am ehesten stören denn auch – so der allgemeine Eindruck, der man freilich sorgsam experimentell überprüfen müßte – neue Wortschreibungen den Lesefluß: je länger die Gewöhnung an die alte Schreibung, desto mehr. Und hier darf man sich tatsächlich fragen, ob man das der Menge an erfahrenen Lesern zumuten mußte, um es künftigen Lernern zu erleichtern. Zumal die anwachsende Fehlerhäufigkeit, der mit der Reform begegnet werden sollte, weniger durch realen Sprachwandel verursacht wurde, sondern durch Unzulänglichkeit schulischer Bildung.
Wenn das so ist, dann ist nämlich die Erleichterung auch gar keine echte solche: es sind weniger Ableitbarkeit und Analogie („Anstand“ – „anständig“, also auch „Aufwand“ – „aufwändig“ oder auch, etymologisch falsch, „jemandem etwas einbläuen“ zu „blau“), die richtiges Schreiben erzeugen, als das Lesen selbst. Wer viel gelesen hatte, kam nie auf die Idee, es könnte ein Problem sein, daß man „Gams“, aber „Gemse“ (und nicht „Gämse“) schreibt. Daß ein gewohntes Schriftbild – routinierte Leser buchstabieren nicht, sondern nehmen das Wort als Ganzes wahr und kommen auch ohne „phonologisches Rekodieren“ aus, das heißt, sie übersetzen „direkt“ vom Buchstaben zum Sinn, ohne den Umweg über die Lautung – im Zweifelsfall öfter als Kriterium herangezogen wird als sprachliche Logik, weiß jeder von uns: was tun wir, wenn wir nicht wissen, wie man ein Wort schreibt? Wir schreiben uns beide Möglichkeiten auf und nehmen die, die „richtig“ aussieht.
Aber was hat das zu sagen? Höchstens, daß die Wortschreibung eventuell nie das Problem war, sondern höchstens die fehlende Leseroutine. Aber das spricht weder für noch gegen die Rechtschreibreform im Ganzen.
Kurz: zu meckern gibt es immer etwas, und mit keiner Normierung kann man es allen recht machen. Am Neudeutschen ist manches gut, manches schlecht, manches indifferent. Meinetwegen hätte es keiner Reform bedurft. Ich persönlich hätte es vorgezogen, darauf zu verzichten. Aber ich kann mit ihr leben. Sprachverhunzung kann ich nur dort erkennen, wo mein ganz persönlicher Vorsprung – den ich durch Fremdsprachenkenntnise habe – gefährdet ist. Aber mein ganz persönlicher Geschmack (und mein ganz persönliches Streben nach Distinktionsgewinn) kann wohl kaum die Richtschnur für ein Volk von 80 Millionen Menschen sein. Daß die Junktur „ganz persönlich“ hier geballt auftritt, ist beabsichtigt bzw. billigend in Kauf genommen.
Da außerdem nicht alle Bücher von heute auf morgen neu gedruckt werden können (bzw. keine hinlänglich mächtigen Interessengruppen existieren, die das auf Deubelkommraus und ohne Rücksicht auf Verluste durchdrücken könnten), ist die Umstellung von einer alten auf eine neue Rechtschreibung eine langwierige Sache – aber das ist nicht weiter tragisch. Auch wer mit neuer Rechtschreibung aufgewachsen ist, wird Bücher in der alten lesen können und umgekehrt. Wenn die Übergangsfristen nur großzügig genug bemessen sind, daß sich auch altgediente Schreiber allmählich umstellen können oder nicht einmal das müssen, sollte alles kein Problem sein. Die große Rechnung stimmt. Mehr ist nicht zu wollen.
Jetzt alles rückgängig zu machen, wäre eine gigantische Verschwendung finanzieller und vor allem (das nehme ich, Reaktionär, der ich bin, wichtiger) intellektueller Ressourcen. Nur, weil ein Verfasser von Romanen, über deren Qualität man durchaus geteilter Meinung sein kann (gut, einen Nobelpreis hat er bekommen, aber was heißt das schon?), ein abgehalfteter Literaturkritiker, auf dessen Empfehlungen zu hören ich oft genug bereut habe, und ein profilneurotischer Chefredakteur sich mit mehrjähriger Verspätung bemüßigt fühlen, die teutsche Zunge aus ihren Nöthen zu erretten, sollen millionenfach verbreitete Computerprogramme umgeschrieben, Hunderttausende von Mitarbeitern neu geschult, Zigtausende Schüler zum Umlernen gezwungen werden? Das darf ja wohl nicht wahr sein.
„Die Kultusbürokratie darf uns nicht vorschreiben, wie wir zu schreiben haben“ – das wird munter herausposaunt. Nein? Wer denn dann? Der Boss eines Montagsmagazins? Wenn wir uns überhaupt einig sind, daß Deutschland eine normierte Schriftsprache braucht – und das steht völlig außer Frage, wenngleich das Warum (vielmehr das Wozu) an dieser Stelle weder erörtert werden kann noch soll –, dann ist nicht einzusehen, wieso Grass, Reich-Ranitzki und Aust hier eher das Sagen haben sollten als der gewählte Gesetzgeber. Außerdem: ein Schriftsteller ist ebenso wenig maßgeblich für Rechtschreibung wie ein Violinvirtuose für Geigenbau. Das Produkt muß für seine Bedürfnisse taugen – aber wie man es herstellt, wußte Stradivari besser als Paganini. (Der Vergleich hinkt natürlich auf mehreren Füßen – unter anderem insofern, als große Werke der Literatur oft den Maßstab geliefert haben für die Entwicklung einer überregionalen Sprachnorm. Aber das ist für die heutigen bundesdeutschen Verhältnisse uninteressant. Grass ist nicht Dante. In mehrfacher Hinsicht.)
Außerdem hat die Kultusministerkonferenz sich in diesem Fall tatsächlich um Expertenrat (nämlich vor allem vom „Institut für deutsche Sprache“ in Mannheim) bemüht und diesen Rat dann auch ernstgenommen. Von Schnellschüssen ohne oder sogar wider das Votum von Fachleuten kann in diesem Fall keine Rede sein. Derlei kommt in der Politik wahrhaftig selten genug vor.
Und überhaupt: an ihren Freunden sollt ihr sie erkennen. Was steht denn auf dem Vordruck, den nun nach dem Willen der „Bild“ massenweise besorgte Bürger gen Berlin schicken sollen? Da steht zum Beispiel, „Schifffahrt“ sei schauderhaft. Sicher, die Häufung der „f“ ist unschön. (Allerdings habe ich vorhin gesagt, daß Ausdrücke wie „schön“ oder „häßlich“ hier keine Anwendung finden können. Doch sei mir diese Inkonsequenz für den Moment gestattet.) Aber den Umstand, daß auch nach der alten Rechtschreibung „Schifffracht“ – wie Feuerzangenbowlen-Pfeiffer mit drei FFF – korrekt war, läßt dieses Blatt geflissentlich unerwähnt. Hier hat die Reform eine wirklich nicht mehr nachvollziehbare Regelung („Schiffahrt“, aber „Schifffracht“) versenkt.
In der „Bild“ kann man außerdem lesen, man könne seinen Kindern nicht klarmachen, wieso man „morgen früh“, aber „morgen Abend“ schreiben solle. Nun, wer das seinen Kindern nicht klarmachen machen kann, der hat in der Grundschule selig oder seelig geschlafen – nämlich als die Wortarten erklärt wurden. „Abend“ schreibt man in diesem Fall groß, weil „Abend“, anders als „früh“, ein Substantiv ist. Man kann „am frühen Mittwoch“ sagen, aber nicht „am abenden Mittwoch“. Kurz: die Bildzeitung wird ihrem Ruf als Verdummungsorgan einmal mehr in vollem Umfang gerecht. Daß sie sich dann noch auf Goethe, Schiller, Thomas Mann und Hermann Hesse beruft: darüber kann man nur noch höhnisch lachen. Mich würde wirklich interessieren, wie viele Bildzeitungsleser „Die Wahlverwandtschaften“ richtig zuordnen und womöglich noch grob den Inhalt referieren könnten.
Kurz: die ganze Chose oder, von mir aus auch Schose, müffelt auf hundert Meilen gegen den Wind nach Sommerloch. Werfen wir doch zum Abschluß einmal spaßeshalber einen Blick über den Zaun.
Die englische Rechtschreibung ist berüchtigt. Man erzählt die Anekdote, George Bernard Shaw habe gesagt. „ghoti“ sei „fish“ zu artikulieren – „gh“ = „f“ wie in „tough“, „o“ = „i“ wie in „women“, „ti“ = „sh“ wie in „consideration“. Lautfolgen werden häufig gleich ausgesprochen, aber anders geschrieben – und umgekehrt. Bereits Shakespeare bastelt „eye rhymes“: Reime, die nur schriftlich, nicht aber mündlich funktionieren. Geplagt sind auch junge Griechen: ihr „i“ kann man auf fünf verschiedene Arten schreiben, und vermutlich habe ich mindestens eine vergessen. Französisch „mär“ schreibt sich „mère“, „maire“ oder „mer“, je nachdem, ob wir von der Mutter, dem Bürgermeister oder dem Meer sprechen. (Hier gilt derselbe Disclaimer wie beim Griechischen.) Andere Nationen können sich also in ganz anderen Fallstricken verheddern und schaffen es doch, der nachfolgenden Generation die nötigen Fertigkeiten zu vermitteln, ohne nach einer Reform zu brüllen. Mit anderen Worten: brauchten wir wirklich eine? Oder sollte sie nur den kollektiven Unwillen, Geld und Zeit in vernünftigen Deutschunterricht zu investieren, verschleiern? Denn neu sind die Probleme wahrlich nicht.
Andererseits: Kemal Atatürk führte eine umfassende Sprachreform durch. Die arabische Schrift wurde durch die lateinische ersetzt; arabische und persische Einflüsse in großem Umfang ausgemerzt. Ein heutiger Türke kann ein Buch oder Dokument aus dem Jahre, sagen wir einmal, 1890 ohne spezielle Ausbildung nicht entziffern. Die Menschen in Moldawien, Sprecher einer Varietät des Rumänischen, mußten im 20. Jahrhundert nicht nur einmal zwischen kyrillischer und lateinischer Schrift wechseln. Ein kompletter Schriftwechsel ist wohl eine andere Größenordnung als die Umstellung, von der wir in Sachen Bundesrepublik reden. Die Rätoromanen in der Schweiz bekamen statt ihrer 5 (!) Schriftdialekte in den 80er Jahren eine vereinheitlichte Schriftsprache, das sogenannte Rumantsch Grischun, verpaßt. (Allerdings nicht aus Schikane, sondern als Maßnahme zum Spracherhalt.) Entwickelt hatte es ein Romanist aus Zürich. Über die Sprachpolitik Griechenlands und Norwegens wurde Wissenschaftlertinte gleich hektoliterweise vergossen. Und wir echauffieren uns, weil man uns am Ende gar zumutet, „platzieren“ statt „plazieren“ zu schreiben und zu lesen?
Nein, ich mag die Rechtschreibreform nicht. (Kenner werden gleichwohl bemerken, wieviel ich trotz meiner erklärten Mißbilligung angewendet habe.) Aber diese Aufregung ist sie wahrhaftig nicht wert. Die Reform ist seit Jahren beschlossen. Die Entscheidung trafen gewählte Volksvertreter, die, ungewöhnlich genug, ihre Aufgabe ernst nahmen und Fachleute konsultierten. Herausgekommen ist eine vielleicht nicht optimale, aber immerhin gangbare Lösung. Die Umstellung ist so gravierend nicht, daß sich nicht auch ihre Gegner ohne viel Federlesens darauf einstellen könnten. Also sollten wir dabei bleiben und allenfalls die Übergangsfrist verlängern – damit meiner einer es bequemer hat (ich argumentiere hier schamlos pro domo) und seine Zeit anderweitig fruchtbringender nutzen kann. Sollten sich gewisse Macken als nicht durchsetzbar erweisen, kann man sie immer noch eines stillen Todes sterben lassen. Ein bißchen mehr Pragmatismus mit einem Schuß Laissez-Faire (immer noch nicht: Lässee-Fähr) und ein bißchen weniger Nabelschau und Prinzipienreiterei täten diesem Land verdammt gut. Und das gilt nicht nur für die Rechtschreibung.
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Hat sich erledigt
Bewertung für Die Neue Rechtschreibung von
drucker03
Pro: Ein Bühnenstück mit Unterhaltungswert
Kontra: Mediokre Darsteller
Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata ...
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sehr hilfreich
23.08.2004
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Die Reform - viel besser als ihr Ruf!
Bewertung für Die Neue Rechtschreibung von
Levay
Pro: logische, leicht verständliche Regeln und mehr Einheitlichkeit
Kontra: Umgewöhnung
Der folgende Text, verfasst nach den amtlichen Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung, wird gegeben zu Köln am 6. August 2004 A.D.; an diesem Tag haben Spiegel- und Axel-Springer-Verlag öffentlich kundgetan, dass sie fortan ihre Printmedien wiede ...
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sehr hilfreich
06.08.2004
(08.08.2004)
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Die allerneueste Rechtschreibung - mit Wörterliste
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w.gruentjens
Pro: In der allerneusten Form der Rechtschreibung von 2004 sind die schlimmsten Verstöße gegen das Sprachgefühl zurückgenommen, ...
Kontra: ... aber dafür sind die Rechtschreibparagraphen unverständlicher als 2000: man muss jetzt "janz mit Jefühl" schreiben.
War die Rechtschreibreform von 1899 schon eine umstrittene Sache, bei der sich der Kaiser mit dem griechischen th durchsetzte ("Am Thron darf nicht gerüttelt werden"), so siegten bei der Rechtschreibreform von 2000 die Erneuerer so umfassend, dass sie übe ...
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26.09.2006
(27.09.2006)
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Das große Sterben hat begonnen !
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Lambertus
Pro: Ein paar wenige gute Ansätze ...
Kontra: ... der Rest ist ein Fall für die Intensivstation!
Gibt es in unserem Land noch junge, dynamische und ideenreiche Politiker, also wirklich vielversprechende Politiker? NEIN! Spätestens seit der letzten Rechtschreibreform nicht mehr. Seitdem trennen wir, was zusammengehört - Pardon - zusammen gehört. Wir h ...
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15.08.2005
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Vergeßt die neue!
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Der_Troll
Pro: hatte mit guten Ansätzen angefangen
Kontra: daraus wurde der größte Schwachsinn, den man nicht mitmachten sollte
Ich hätte nicht gedacht, daß das Thema noch einmal so ordentlich debattiert wird. Vielleicht soll es in den Medien einfach nur das Sommerloch füllen, vielleicht wollen Politiker von so Punkten wie Hartz IV ablenken, wer weiß, jedenfalls ist es nun wieder ...
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09.08.2004
(15.10.2004)
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