Erfahrungsbericht von mima17 über Die Papierfrau / Francoise Rey 12.01.2001
Produktbewertung des Autors:
Niveau
leichte Kost
Unterhaltungswert
hoch
Spannung
ziemlich spannend
Wie ergreifend ist die Story?
berührt ein wenig
Pro:
erotisch - sinnlich, nicht prüde, fantasievoll
Kontra:
hat nach 12 Jahren etwas an Reiz (des Neuen) verloren
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Mit der "Geschichte der O." und "Emmanuelle" vergleicht der Verlag diesen 1989 veröffentlichten Roman. Das soll dieses Buch wohl in die Nähe des moralischen und gesellschaftlichen Skandals rücken. Und wirklich gemahnt die Erzählung zuweilen an de Sades "Justine", denn das Bauprinzip ist ähnlich: möglichst viele "anstößige" Szenen aneinanderzureihen, um den Leser anzutörnen. Dabei stammt das Buch nicht von einem männlichen Autor, sondern von einer Frau, einer französischen Mittvierzigerin.
Im imaginierten Dialog mit ihrem Liebhaber entstehen mehr oder weniger phantastische und prickelnde Berichte über die erotischen Begegnungen des Paares - mit sich selbst oder mit anderen Gefährten der Nacht oder des Tages. Das führt zu sinnlichen Konstellationen wie etwa einem flotten Dreier, sei es mit zwei Frauen oder zwei Männern. Dazu gehört auch, dass die Erzählerin sich vorstellt, sie betätige sich als Prostituierte für einen Zuhälter, dessen Rolle ihr Liebhaber spielt. Leider ist sie davon recht enttäuscht - es kommt eben immer auch auf den Kunden an.
Weitaus witziger und schöner sind die Szenen, in denen ein romantisches Ambiente eine Rolle spielt, etwa in einem Haus auf dem Lande. Auch ein kleines Muschi-Kätzchen kann eine große Rolle spielen, wenn es die Pussi seiner Gastgeberin lecken darf.
Doch dieser Reiz geht natürlich verloren durch zwei Umstände: Erstens sobald diese Pose durchschaut worden ist - das Schema wiederholt sich und wird allmählich aufdringlich. Zweitens hat sich durch die Reizüberflutung, die das Internet in allen Bereichen, denen sich die Phantasien widmen, bietet, inzwischen abgenutzt. Dieses Einflusses war sich die Autorin 1989 natürlich noch nicht bewusst.
Der wirkliche Wert dieses Buchs liegt also nicht im Dargestellten, sondern in der Darstellungsweise. Und die ist durchaus von literarischem Wert, allerdings eben auf dem Niveau der damit verglichenen Werke der erotischen Literatur. Auf eine Ebene wie der von Anais Nin möchte ich dieses Buch keineswegs heben. Aber an das "Opus Pistorum" von Henry Miller reicht es allemal hin.
Info: La femme de papier, 1989; Goldmann-Portobello 2000, München; 188 Seiten, aus dem Französischen übertragen von Angelika Weidmann; ISBN 3-442-55179-X