Eine Pflichtlektüre??? NEIN, viel MEHR
21.09.2001 (18.12.2001)
Pro:
einfach nur GUT
Kontra:
. . .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Wie ergreifend ist die Story?
mehr
 viracocha
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:34
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Nachdenklichkeit – unermessliche Nachdenklichkeit war es, was dieses Buch in mir zurückgelassen hatte. Tragikomödie nennt Dürrenmatt sein Bühnenstück. Ich habe nie ein Buch gelesen, das einen so bittereren Beigeschmack in mir zurückliess, wie es dieses grossartige Werk tat. Gegenpole treffen aufeinander, Hoffnung und Bangen gehen Hand in Hand und die Logik kämpft einen erbitterten Kampf gegen Leidenschaft und Gefühl: Am Ende bleiben nur bestürzte Nachdenklichkeit und grosser Pessimismus zurück... ##### Autor ##### Friedrich Dürrenmatt, ist am 5.1.1921 bei Bern geboren. Sein Vater war ein evangelischen Pfarrer. 1941 machte er das Abitur / Matura und begann anschliessend ein Studium in Philosophie, Naturwissenschaften und Germanistik. 1945 veröffentlichte Dürrenmatt mit der Erzählung „Der Alte“ sein erstes Werk. Nach einigen Hörspielen begann Dürrenmatt Kriminalromane zu schreiben: Das wohl bekannteste ist „Der Richter und sein Henker“. Weitere bekannte Werke aus seiner Feder sind: „Der Besuch der alten Dame“ und „Grieche sucht Griechin“. 1990 stirbt er an einem Herzinfarkt. ##### Inhalt ##### ***Aufgalopp Zu Beginn geschehen zwei Morde in einem Irrenhaus. Voss, der Inspektor kann auf Grund der Rechtslage nicht viel unternehmen, da die Mörder ja vom Wahnsinn getriebene Menschen sind und in einer Nervenheilanstalt sitzen. Als dann aber die drei Hauptfiguren genauer durchleuchtet werden, kommen einige Überraschungen ans Tageslicht. Drei Physiker sitzen in der Irrenanstalt. Der Erste, weil er eine Wahnsinnsentdeckung machte. Er entsagt dem „normalen“ Leben um die Welt vor seiner Erfindung (die Wahnsinnsentdeckung) zu retten. Seine Frau finanziert ihm den Aufenthalt in der Irrenanstalt. Als sie ihn schliesslich verlässt und er sich in eine Schwester der Anstalt verliebt, die natürlich erkennen muss, dass er nicht verrückt ist, bleibt ihm nur der Mord aus Liebe. Der zweite Physiker versucht für eine Grossmacht, des ersten Entdeckung zu entreissen. Auch er schlittert in eine Liebesgeschichte mit einer Schwester und sieht nur eine Möglichkeit: Den Mord an der Geliebten zum Schutz der Menschheit. Der dritte Physiker ist wie der zweite ein Spion, aber einer weiteren Grossmacht. Auch er spielt nur den Verrückten, denn sein Ziel ist es die Entdeckung ans Tageslicht – für „seine“ Grossmacht – zu bringen... ***Mord und Liebe Mord und Liebe sind hier eigentlich nur Nebenhandlungen, die zwar die Handlung einleiten aber nicht den Kern – die eigentliche Kritik Dürrenmatts darstellen. Vordergründig ist das Wissenschaftliche Problem und wie man damit umgehen soll. Die drei Physiker offenbaren sich und entschliessen sich zu einem grossen Opfer für die Menschheit. Sie beschliessen in der Irrenanstalt zu bleiben und der Welt – die für solch eine Erkenntnis noch gar nicht bereit ist – ihre Entdeckung vorzuenthalten. Die Liebe kommt ihnen in die Quere und so müssen sie ein weiteres Opfer begehen: Den Mord. Ein tragikomisches Ende aber wer Dürrenmatt kennt, der weiss: da muss doch noch mehr sein... ***Neugier Wer „Die Physiker“ noch nicht kennt und sich das überraschende Ende aufsparen will, soll folgende Teile überspringen und erst wieder ab der Überschrift „##### Botschaft #####“ weiterlesen... ***Wende Die drei Physiker sitzen noch gemeinsam am Tisch als die Leiterin der Anstalt, Dr. Mathilde von Zahnd, den Raum betritt. Natürlich begleitet von den neuen Wärtern, welche die Anstalt eher zu einem Gefängnis als zu einem Irrenhaus machen. Sie erklärt das auch ihr „Salomon“ (der König aus dem alten Testament) erschienen wäre. Salomon hat sie – sie spricht die Physiker bei ihrem wahren Namen an – beauftragt die Weltherrschaft an sich zu reissen. Dank der grossartigen Entdeckung von Möbius – die sie natürlich aufgezeichnet hat – ist dies jetzt endlich möglich... Die schockierten Physiker erkennen mit einem Schlag die Sinnlosigkeit ihren Handels und auch die Unfähigkeit etwas dagegen zu unternehmen: Sie flüchten sich in den Wahnsinn... ##### Hauptfiguren ##### ***Kriminalinspektor Voss Eine wichtige Nebenfigur. Er ist beauftragt die beiden Morde (innerhalb von 3 Monaten) aufzuklären. Der Tathergang erfolgt auf den Fuss aber Voss kann nichts unternehmen, da diese ja von Irren ausgeführt worden sind und diese ohnehin schon im Irrenhaus hinter Gittern eingesperrt sind. Er ersetzt das weibliche Personal durch ehemalige Boxweltmeister (das ist alles was er tun kann). Der Inspektor ist die Person, welche die Handlung vorantreibt, auch wenn er auf die Ereignisse selbst keinen Einfluss hat. ***Dr. Mathilde von Zahnd Sie hält sich über weite Teile des Stückes im Hintergrund, denn ihre Aufgabe ist es ein Irrenhaus zu führen. Sie ist die Psychiaterin, die alles weiss und alles durchschaut und doch scheinen die Geheimnisse ihrer Patienten bei ihr gut aufgehoben. Sie benutzt die Krankenschwestern um an Möbius heranzukommen, um ihm sein Geheimnis zu entlocken. Am Ende kommt es aber zur grossen Wende. Sie macht sich ihre Patienten zu nutze, indem sie alle Daten aufzeichnete und sucht so ihren persönlichen Vorteil: Eine Intrigantin! Aufgrund der von ihr erschlichenen Unterlagen kann sie die Weltherrschaft an sich reissen und steht als Siegerin da: Aus der grauen Maus wird eine skrupellose, machtgeile und verrückte (Salomon erschien ihr und leitete ihr Vorgehen) Person. Letztendlich stellt sich nur die Frage ob es nicht sie ist, die eigentlich verrückt ist. ***Möbius Ein genialer Physiker, der eine schreckliche und doch geniale Erfindung macht: Ein Wissenschaftler. Weil er die Gefahr und das Potential seiner Erfindung erkennt, flüchtet er ins Irrenhaus um die Menschheit zu verschonen: Ein Opfernder. Er trennt sich von seiner Frau und seinen Kindern: Als seine Frau nach 15 langen Jahren auswandern will (und einen anderen Mann gefunden hat) und sich bei ihm verabschiedet, macht ihr Möbius eine Szene: Der Aufbrausende. Ist diese Szene von ihm gespielt um auch seine Frau zu täuschen oder hadert er insgeheim über sein Schicksal: Schwer zu sagen aber es soll wohl auch offen bleiben: Der Gespaltene. Er ist auch fanatisch und führt seine Arbeiten weiter und macht Notizen: Ein Besessener. Um der Welt (zu ihrem eigenen Schutz) seine Erkenntnisse und Forschungsdaten vorzuenthalten schlüpft er in eine andere Rolle: Der Schauspieler. Er verliebt sich in eine Schwester, die erkennt, dass er nicht verrückt ist: Der Liebende. Um die Entdeckung geheim zu halten bleibt Möbius nur seine Geliebte umzubringen: Der Mörder. Um seine Geliebte, seine Frau oder die ganze Welt zu verschonen müsste sich Möbius selbst richten, oder aber an die Welt appellieren und seine Idee veröffentlichen. Beides kommt für ihn nie in Frage: Der Feigling. Was am Schluss bleibt bedarf keiner Erklärung: Der Irrsinn. ***E. H. Ernesti, Einstein Ernesti ist ein Physiker der vorgibt sich für Einstein zu halten (natürlich ist er nicht wirklich verrückt). Er arbeitet für den russischen Geheimdienst und will Möbius seine Forschungsarbeiten entreissen. Als dies schliesslich gelingt bleibt ihm nur eine Möglichkeit (auf Grund der Tragweite der Entdeckung): Die Menschheit verschonen und im Irrenhaus zu bleiben. Auch er wird von einer Krankenschwester geliebt und auch ihm bleibt nur das Opfer des Mordes an einer geliebten Person: Tragisch. Am Ende wird auch sein Opfer sinnlos und was bleibt ist der Wahnsinn... Hier hat Dürrenmatt in der Charakterisierung der Personen viele Parallelen zwischen Ernesti und Möbius gelegt und auch der Name „Einstein“ ist kein Zufall... ***H. G. Beutler, Newton Beutler ist ein Physiker der vorgibt sich für Newton (ob der Name Zufall ist?) zu halten (natürlich ist er nicht wirklich verrückt). Er arbeitet für den amerikanischen Geheimdienst und will Möbius seine Forschungsarbeiten entreissen. Als dies schliesslich gelingt bleibt ihm nur eine Möglichkeit (auf Grund der Tragweite der Entdeckung): Die Menschheit verschonen und im Irrenhaus zu bleiben. Am Ende wird auch sein Opfer sinnlos und was bleibt ist der Wahnsinn... Hier hat Dürrenmatt in der Charakterisierung der Personen viele Parallelen zwischen Ernesti und Beutler gelegt... (deswegen die überaus ähnlichen Beschreibungen *gg*)... ##### Botschaft ##### ***Atombombe Dürrenmatt schrieb „Die Physiker“ in einer Zeit der internationalen Spannungen: Der kalte Krieg und das grosse Wettrüsten hatten gerade begonnen und Amerika holte sich mit seinen Militäreinsätzen eine blutige Nase auf der internationalen politischen Bühne. Die Atombombe war da wohl die Inspiration für die sagenhafte Entdeckung der Physiker. ***Forschung Die moderne Forschung wirft immer neue Fragen auf. Meist sind diese Fragen ethischer und moralischer Natur. Dürrenmatt richtet mit seinem Werk eindeutig einen Appell an die Forscher und die Politik. Was passiert, wenn wir uns drücken diese Fragen zu beantworten und nicht verantwortungsvoll damit umgehen? 1961 war die Atomtechnologie das heisse Thema. Heute ist es die Gentechnik und Quantenforschung und morgen – wer weiss das schon? „Die Physiker“ ist eine Zeitlose Tragikomödie die immer brandaktuell ist und die uns veranschaulicht, dass es neben der reinen Forschung und dem menschlichen Intellekt noch viele andere wichtige Begriffe gibt: Verantwortung, Moral, Charakter und vielleicht auch etwas Humor. Gab es nicht eine Zeit als man sagte, dass Wissenschaft nichts anderes sei als die Suche nach der Wahrheit??? ***Opfer Die Physiker reissen alle Brücken hinter sich ab, weil sie die Menschheit vor sich selbst schützen wollen. Dies scheint ihnen auf bittere Art und Weise zu gelingen und der Leser erfreut sich an dem kitschigen Hollywood Ende... Doch nicht hier: Mit dem letzten Auftritt von von Zahnd kommt es zur Wende: Das Opfer war sinnlos!! Hätte die Menschheit die Wahrheit nicht ertragen und sich selbst vernichtet? Dürrenmatt gibt hier zu verstehen, dass alle Seiten profitiert haben könnten und ein Gleichgewicht im Bereich des Akzeptablen gelegen wäre: Hier kommt es aber anders und der Ausblick ist der reine Pessimismus: Das Instrument, die Welt zu beherrschen in den Händen einer Verrückten, weil es ein überflüssiges Opfer gibt, um genau das – die Weltherrschaft in den Händen eines Verrückten / Grössenwahnsinnigen zu verhindern. ***Lüge und Wahrheit Für mich das eigentliche Thema des Buches. Lügen, Halbwahrheiten und Intrigen entstehen auf der Basis einer Entdeckung. Der erste Widerspruch ist die erste Polarisierung des Buches (ich werde weiter unten noch auf weiter Polarisierungen eingehen...): Ein Mensch macht auf Grund seines Intellektes eine Entdeckung und ist dann der Meinung, dass die Menschheit dafür noch nicht Reif ist. Als ein Teil der Menschheit hält sich Möbius aber selbst Reif genug für seine Entdeckung und wählt das Exil des Irrenhauses um weiterforschen zu können. In seiner Arroganz widerspricht sich Möbius selbst und begeht die Lüge vorzugeben verrückt zu sein. Hier wird diese Spirale angestossen und es kommt wie es muss: Die Tragödie nimmt ihren Lauf, denn die Wahrheit bleibt auf der Strecke. Als der zweite Mord geschieht, wird die Wahrheit nicht mehr geglaubt und gilt plötzlich sogar als Beweis des Irrsinns. Die Botschaft ist eindeutig: Der Schäfer der nach dem Wolf schreit wurde ja auch nicht mehr gehört, als der Wolf dann wirklich kam... ##### Polarisierungen / Interpretation ##### Dürrenmatt gibt einen Denkanstoss nach dem Anderen. Er polarisiert und lenkt des Lesers Gedanken einmal in eine Richtung um im nächsten Moment die Gedanken wieder in eine andere Richtung zu lenken. Als Leser kam ich mir manipuliert vor und war gleichzeitig von jeder Manipulation aufs neue begeistert. Die Hintergründe werden ausgeleuchtet und es bleibt kein Platz mehr für Oberflächlichkeiten. Am Ende konnte ich nur noch die grosse Verbitterung der drei Physiker teilen: Die Physiker – als intelligente Wissenschaftler – wissen was sie tun und sie versuchen die Welt mit hohem Intellekt vor sich selbst zu retten. Was bleibt ist Bitterkeit. Bitterkeit, die durch zahlreiche Polarisierungen noch viel mehr zur Geltung kommt und gleichzeitig auch veranschaulicht, dass es kein zurück mehr gibt: Ist eine Handlung vollzogen (hier: eine Entdeckung gemacht), dann gibt es keine Möglichkeit mehr diese Tat rückgängig zu machen...
***Tragikomödie Deswegen auch das stilistische Mittel der Tragikomödie: Die klassische Komödie im Gegensatz zu den dramatischen Ereignissen. Der Intellekt versagt und dem Leser werden die Schwächen der Logik vor Augen geführt. Sind Charakter und Humor nicht höhere Güter als ein hoher Intellekt? ***Amerika und Russland: Auf der einen Seite die beiden Grossmächte, die sich gegenüber stehen. Auf der anderen Seite die Einigung der beiden Agenten in Anbetracht der Entdeckung – die in falschen Händen die Menschheit gefährden könnte – den Entschluss fassen, sich zu verbünden und sich auf die gleiche Seite des Entdeckers zu stellen. Zuerst versuchen beide Seiten durch die Erfindung ihre Macht auszubauen. Als die beiden Physiker die Entdeckung des ersten teilen, verbünden sich alle drei und schliessen damit die „restliche“ Welt aus. Wissen ist hier Macht und damit kommt es zu einer neuen Form der Machtverteilung. Wie uns ja die jüngere Vergangenheit zeigte war die Prognose von Dürrenmatt zutreffend: Amerika und Russland stehen sich nicht mehr gegenüber: Sie wurden Partner! Doch wenn man weiterliest stellt sich die Frage: Wo endet die Partnerschaft der Physiker? ***Wissen Das Wissen treibt die Physiker in den Wahnsinn, während von Zahnd davon profitieren kann. Das Wissen um die aussergewöhnliche Entdeckung wird unterschiedlich verwendet und dementsprechend kommt es zu unterschiedlichen Ergebnissen / Auswirkungen: Die Physiker versuchen ihre Entdeckung verborgen zu halten, damit sie nicht von einem verrückten, grössenwahnsinnigen Herrscher missbraucht werden kann: Aber genau durch ihre bewusste (wissentliche) Geheimhaltung fällt genau diese Entdeckung einer Verrückten / Grössenwahnsinnigen in die Hände. Wie soll man mit seinem Wissen umgehen? ***Wahnsinn Die Villa in der von Zahnd residiert als Kontrast zur Irrenanstalt. Das ist eine Unterstreichung des Opfers der Physiker und die offene Frage (die ja am Ende gelöst wird): Wer ist denn nun wirklich dem Wahnsinn verfallen? Die Psychiaterin oder die Patienten? Die Rollen sind anfangs klar und werden dann vertauscht um am Ende wieder vertauscht zu werden. Kommt es auf die Betrachtungsweise an oder endet die Tragikomödie mit der Frage: Sind denn jetzt alle wahnsinnig? ***Frau und Mann Die Schwestern in der Psychiatrie sind schwach, hübsch, nett und sind einfach zum verlieben. Sie stehen für Emotion und Gefühl. Sie werden benutzt um die Physiker auszuspionieren und erfüllen auch diese Aufgabe. Allerdings verlieben sie sich und werden genau deswegen ermordet. Deswegen werden sie durch ehemalige Boxweltmeister ersetzt. Die Boxer sind gross, stark und brutal und sie stehen für Kontrolle und Unterdrückung. Im Endeffekt ist das Wechselspiel zwischen Physikern und Schwestern viel grausamer als es der brutalste Boxweltmeister sein kann. Nur die Art und Weise wie die Kontrolle über die Physiker ausgeübt wird ändert sich als die Schwestern durch die Boxer ersetzt werden. Wollte Dürrenmatt hier aufzeigen, wie ähnlich Mann und Frau sind oder aber wie vielfältig staatlich staatliche Kontrolle sein kann? ***Salomon Der weise König Salomon aus dem alten Testament. Das ist die Figur, die angeblich Möbius erscheint. Wohl gewählt, denn die Weisheit dieses Königs lässt Möbius ins Irrenhaus gehen und sich selbst so Klug und über den anderen Menschen erscheinen. Bei von Zahnd ist Salomon nicht mehr Weise, hier ist er der Herrscher und der König. Die gleiche biblische Gestalt wird hier unterschiedlich beleuchtet. Salomon verkörpert anfangs alles Positive und wird am Ende doch das Symbol eines Tyrannen. Dürrenmatts Vater war ja evangelischer Pfarrer und gerade da stellt sich deswegen folgende Frage: Benutzt Dürrenmatt Salomon um das alte Testament – und damit Religion als solche – zu kritisieren? ***Einstein und Newton Dürrenmatt wählte grosse Wissenschaftler, welche die Menschheit nachhaltig prägten. Sie Symbolisieren die Eigendynamik, die hinter Entdeckungen stehen. Einstein weigerte sich zwar an der Atombombe zu bauen, aber letztlich geht dieses Instrument der Macht und des Todes auf ihn und seine Arbeit zurück. Jede Erfindung und Entdeckung birgt mehrere Seiten und praktisch nie sind nicht alle Seiten nur positiv oder nur negativ: Wir tragen die Verantwortung sorgsam mit unseren Entdeckungen umzugehen. Nur wie können wir das erreichen, wenn im Endeffekt sogar Einstein scheiterte? ##### Allgemeines ##### ***Bühnenstück „Die Physiker“ entstand 1961 und wurde im Februar 1962 in Zürich uraufgeführt. Mittlerweile erlangte das Stück Weltruhm und wurde an über 40 Bühnen – von New York bis Wien – aufgeführt. ***Film 1964 wurde ein sehenswerter Schwarz / Weiss – Streifen gedreht. ***Buch Erschien im Diogenes Verlag mit 92 Seiten im Jahre 1961. ISBN: 3-257-23047-8 ##### Fazit ##### Dieses Buch musste ich in der Schule lesen und war sogar da schon begeistert. Hin und her gerissen zu werden, Spannung und dauernd spekulieren zu müssen hat mich schon damals fasziniert. Und dann hat das Büchlein ja nur ein paar Seiten: Herrlich... Heute sehe ich „Die Physiker“ etwas differenzierter, aber eines ist gleich geblieben: Dürrenmatt fasziniert mich mit seinen gedanklichen Konstrukten nach wie vor. Er beherrscht es den Leser in eine Richtung zu führen und dann doch wieder zu überraschen? Das in unserer Zeit, wo wir doch auf alles gefasst sind und alles besser wissen... Dürrenmatt ist ein Lehrmeister ohne den Beigeschmack erleben zu müssen belehrt zu werden: Er leitet und führt durch eine Geschichte und er manipuliert die Gedankenwelt des Lesers: Aber nicht um den Leser bloss zu stellen, sonder um zu vermitteln, dass da noch mehr ist als das eingleisige Denken, in das man doch so gerne verfällt... Dieses Buch gehört einfach in jede Bibliothek... © by viracocha
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Wunderbarer Bericht über ein wunderbares Buch! Hab das Buch grad erst wieder gelesen und mich erneut in das Drama verliebt. Einfach herrlich!