Friedrich Schiller's "DIe Räuber"
12.01.2005
Pro:
Preis, viele Anmerkungen (zur Sprachverständnis)
Kontra:
manchmal zu detailiert, gewöhnungsbedrüftiger Stil
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
mehr
 jan0r
Über sich:
Mitglied seit:10.01.2005
Erfahrungsberichte:1
Vertrauende:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 61 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo liebe CiaoLeser! hier wage ich mich an meinen ersten Bericht hier bei CIAO und ich hoffe ich falle bei euch nicht durch =) In den letzten Wochen haben wir im Deutschunterricht Friedrich Schillers „Die Räuber“ gelesen. Erstens, weil es Vorschrift ist, ein Drama in der 11. Klasse zu lesen und zweitens, weil dieses Buch sehr beliebt bei den Lehrern ist. Naja... aber wie sehen die Schüler das? Das dramatische Ende hat mich und auch viele andere meiner Mitschüler sehr überrascht. Im Verlauf des Buches hofft man doch auf ein etwas anderes Ende. Bei manchen Sachen merkt man auch, dass sich der Autor einfach gar keine Gedanken um die weiteren Hintergründe gemacht hat, sondern einfach den Text weiterführen wollte. Zum Beispiel im 4. Akt, 2. Szene, als Karl zum Schloss zurückkehrt. Hier wird nicht beschrieben, dass Karl sich in irgendeiner Art sehr stark verändert hat oder sich verkleidet hat, aber trotzdem erkennt ihn keiner, der dort lebenden Menschen, obwohl er die meiste Zeit seines Lebens mit ihnen verbracht hat. Außerdem ist der Text an einigen Stellen zu detailliert und wirkt dadurch kurzweilig langweilig. Dadurch kann man dann manchmal „den Faden verlieren“ und vielleicht etwas Wichtiges einfach überlesen. Das passiert auch leicht mal, wenn man ständig die altdeutschen Wörter nachschlagen muss. Die Sprache ist gelegentlich wirklich schwer zu verstehen, weil Wörter benutzt werden, die heute gar nicht mehr im Alltag vorkommen. Auf der anderen Seite ist das aber auch gut, weil man viele Wörter halt vorher gar nicht kannte. Der Text des Dramas im Ganzen ist anspruchsvoll gestaltet und macht das Lesen, bis auf wenige Stellen, spannender. Außerdem wird die Geschichte durch die verschiedenen Charaktere aufregender und vor allem realistischer. Das Geschehen würde sich zwar heute sicher nicht mehr genauso abspielen, aber trotzdem sind die einzelnen Themen immer noch aktuell. Im Gegensatz zu anderen literarischen Werken aus dieser zeit ist „die Räuber„ vom Text her spannend, nicht zuletzt wegen dem Thema des „Sturm und Drangs“.|×|×|×Personen×|×|×| Hier erst einmal die wichtigsten Personen, des Dramas:Maximilian von Moor, der regierende ein Graf und Vater von Karl und Franz Karl von Moor, erstgeborener Sohn Franz von Moor, zweitgeborener Sohn Amalia von Edelreich, Geliebte von Karl, wohnt im Schloss des Grafen Räuber Daniel und Hermann, Diener im Schloss Moor |×|×|×Inhalt×|×|×|I. Akt I. Szene Karl, der Lieblingssohn des Grafen Moor, studiert in Leipzig und schreibt deshalb regelmäßig Briefe nach Hause. Da er darin immer wieder von seinen moralischen Fehltritten berichtet, nutzt sein Bruder Franz diese Gelegenheit aus, um mit einer hinterhältigen Intrige den alten Moor dazu zu bringen, den Erstgeborenen zu enterben. Franz liest seinem Vater einen selbstgeschriebenen Brief eines angeblichen Korrespondenten aus Leipzig vor, in dem Karl in sehr schlechtes Licht gerückt wird und plötzlich sogar als Mörder und Dieb dasteht. Der Graf ist daraufhin natürlich sehr bestürzt und enttäuscht von seinem Sohn. Aber trotzdem hofft er immer noch auf eine Besinnung Karls. Er will sich nur für eine Zeit lang von ihm abwenden und will damit eine möglichst schnelle Wirkung in Hinblick auf Karls Verhalten erreichen. Doch dies ist Franz offensichtlich ganz und gar nicht Recht, denn er will das Erbe des Erstgeborenen haben. Er bekommt die Einstimmung seines gebrechlichen Vaters, den Brief zu schreiben. Darin erklärt er Karl, wie enttäuscht der Vater sei und dass er ihn aus der Familie verstoße. Außerdem warnt er seinen Bruder, nie wieder an den Hof Moor zurückzukehren, denn dann würde er in den Kerker gesperrt werden. II. Szene Dieser Brief erreicht Karl gerad in dem Moment, als er diese Besinnung schon von selbst abgeschlossen hat und sich nach seinem zu Hause, seinem Vater und nach Amalia, seiner Cousine und Liebsten, sehnt. Nachdem er die Nachrichten gelesen hat ist er wütend und versteht nicht warum sein Vater ihn jetzt noch aus der Familie ausschließt. Kurz darauf gründet er aus seiner Wut heraus eine Räuberbande, die sogenannten Räuber, und lässt sich zum Hauptmann ernennen. Die Bande macht sich auf in die Böhmischen Wälder. III. Szene Im Schloß spielt sich währenddessen eine Szene in Amalia‘s ab. Franz bedrängt Amalia, denn seiner Meinung nach, steht sie ihm ebenfalls zu und nicht Karl. Er beschimpft seinen Bruder, beschreibt sich aber gleichzeitig als Ersatz Karls für Amalia, denn er sei diesem sehr ähnlich. Doch Amalia durchschaut das Intrigenspiel von Franz und weist ihn zurück. Außerdem schwört sie Karl ewige Liebe. II. Akt I. Szene Um den Tod des Grafen von Moor etwas zu beschleunigen weiht Franz Hermann, einen Bedienten, in seine geheimen Pläne ein. Denn seiner Meinung nach ist sein Vater die letzte Hürde, auf dem Weg zu seinem Ziel. II. Szene Franz hat Hermann dazu gebracht, sich als ehemaligen Kameraden von Karl auszugeben und dem alten Moor zu sagen, Karl sei nachdem er den Brief erhalten hat verarmt umhergeirrt. Dann sei er in den Krieg gezogen, weil er nichts mehr auf der Welt hatte und sei schließlich gefallen. Doch angeblich galten seine letzten Worte Amalia. Der verkleidete Hermann zeigt ihnen gefälschte Beweise, die Franz damit beauftragen, er solle sich von nun an um Amalia kümmern. Franz gibt daraufhin seinem Vater die Schuld an Karls Tod und versetzt ihm dadurch sozusagen den „letzten Tritt ins Grab“. Er wird ohnmächtig und alle halten ihn für tot. Nun ist er der festen Überzeugung, dass er sein Ziel erreicht hat, obwohl er Amalia‘s Reaktion auf die Intrige nicht erwartet hatte. Sie zweifelt nun an der ewigen Liebe von Karl und ist entsetzt. III. Szene Karl und seine Räuberbande morden und rauben währenddessen wann und wie es ihnen passt. Als „Roller“ gefangen genommen wird und ihm der Galgen droht, legen die Räuber in der ganzen Stadt ein Feuer, damit ihr Kumpane gerettet wird. Doch als Karl erfährt, wie viele Opfer dieses Unternehmen gekostet hat und dass die anderen Räuber zwischendurch auch Frauen und Kinder getötet haben, wird er sehr ernst und verspürt das erste Mal Reue. Kurz danach tritt ein Pater auf, der den Räuberhauptmann dazu bringen will, seine Bande aufzulösen und hält ihm seine Fehler vor. Doch Karl lässt sich nicht einschüchtern und bekommt erneuten Drang dazu, sein Räuberleben weiterzuführen. III. Akt I. Szene Franz versucht weiterhin, Amalia für sich zu gewinnen. Im Garten eröffnet er ihr, dass er jetzt der herrschende Graf im Schloss sei und sie heiraten will. Amalia gibt Franz jedoch zu verstehen, dass sie Karl für immer lieben wird und lieber im Kloster enden will als seine Frau zu werden. Als Franz versucht, sich auf sie zu stürzen, entwendet Amalia ihm seinen Degen und jagt ihn fort. Daraufhin sucht Hermann sie auf und beichtet ihr, dass weder der alte Moor, noch Karl tot sind und alles nur eine erfundene Geschichte von Franz war. II. Szene Karl schwelgt in Erinnerungen, an seine Kindheit und Jugend und nun vermisst er sein Heim, wie nie zuvor. In diesem Moment stößt Kosinsky zu ihnen. Er hat viel von dem Hauptmann gehört und will unbedingt in die Räuberbande mit aufgenommen werden. Daraufhin erzählt er von seinem Leben und Karl sieht einige Parallelen zu seinem eigenen, nicht zuletzt, dass Kosinsky‘s Geliebte ebenfalls Amalia heißt. Er entschließt sich dazu, nach Franken zurückzukehren und Amalia zurückzugewinnen... Nach diesen 3 Akten folgen noch 2 weitere, aber wenn ich deren Inhalt widergeben würde, wäre das Ende zu schnell verraten =) |×|×|×Charaktere×|×|×| Karl: Karl entscheidet aus spontanen Launen heraus und lässt sich von seiner und Leidenschaft leiten. An Vorschriften, Regeln und Richtlinien der Gesellschaft hält er sich nicht, sondern macht seine eigenen. Er ist sozusagen der Rächer, der Armen und tötet nur „Schuldige“. Man könnte ihn ansatzweise mit Robin Hood vergleichen. Dass diese Art zu handeln jedoch auch nicht immer richtig ist, bemerkt er erst zum Schluss der Novelle. Weitere Stichworte zu Karl: Wut, Trauer, Liebe, Enttäuschung, Rache an Bigotterie (Heuchelei), will Gerechtigkeit Franz: Franz dagegen zeigt sich gerne als korrekten, fürsorglichen und treuen Sohn, der seinen Vater bis in den Tod pflegt, ist aber genau das Gegenteil. Er ist gezeichnet von dem Materialismus und dem Mechanismus und denkt, er könnte die Menschen in seinem Umfeld zu allem bringen, durch seine Intrigen. Er achtet nicht auf Gefühle und setzt seine Pläne durch, ohne Rücksicht auf jegliche Verluste. Weitere Stichworte zu Franz: Eifersucht, Neid, Größenwahnsinn, Rache am Schicksal, Drang zur Macht (- über Personen) |×|×|×Der Aufbau des Dramas×|×|×|>>>>>VORSICHT SPOILER, ich verrate in diesem Teil ziemlich viel über das Ende<<<<< Exposition: Akt I (Die Figuren Franz und Karl werden vorgestellt.) Einteilung der Einheiten von Zeit, Ort und Handlung (= typisch für Sturm und Drang) - Zeitraum erstreckt sich über zwei Jahre - Häufiger Wechsel der Schauplätze - Aufspaltung in Franz-Handlung und Karl-HandlungErregendes Moment: Akt II (Franz will den Vater töten; Karl als „Rächer der Menschheit“.) Klimax und Peripetie: Akt III Franz scheitert an Amalia; Karl will zurückkehren.)Retardierendes Moment: Akt IV (Franz erkennt Karl; der alte Moor wird befreit. – Herauszögerung - ) Katastrophe oder Lösung: Akt V (Franz erdrosselt sich; der alte Moor stirbt; Karl erschießt Amalia und stellt sich.) Preisleistungsverhältnis: Ich habe das Buch für 3,10 € gekauft, und das ist meiner Meinung nach nicht zu viel für so ein Buch. Insgesamt hat es 149 Seiten, plus 27 Seiten Anmerkungen. Meine Ausgabe ist im Reclam – Verlag erschienen und die ISBN-Nummer ist: 3150000157 |×|×|×Fazit×|×|×| Mein Fazit ist also, dass diese Novelle wirklich lesenswert ist, gerade für ein Schulbuch, weil man auch wirklich etwas dabei lernt, besonders, wenn das Buch ausführlich im Unterricht behandelt wird. Aber auch nur für zu Hause ist es empfehlenswert, da „die Räuber“ nicht wie andere Dramen aus dieser Zeit durchgehend langweilig ist, sondern sehr viel Spannung erzeugt wird. Trotzdem ist der Erzählstil in Dialogform natürlich nicht Jedermanns Sache, wessen man sich bewusst sein sollte wenn man sich dieses Buch zulegen möchte! Denjenigen die diesen Stil mögen wünsche ich jedoch viel Spaß beim lesen =)Ich hoffe man liest sich mal wieder, eure jan0r (für ciao und andere Plattformen, auch unter anderen Namen)
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Verwandte Tags für Die Räuber / Friedrich Schiller
|
|
03.09.2010 17:22
It's not a novella...
11.04.2006 21:09
Wir sind vor kurzem auch mit dem Lesen dieses Buchs im Deutschunterricht fertig geworden. Mir hat es allerdings nicht wirklich gefallen. Aber dein Bericht ist toll. :) LG
02.10.2005 15:24
Sehr schöner Bericht. Schade, dass dies dein erster und einziger Bericht ist. Schreib doch mal wieder was - am besten über Literatur... :-) CU Stephan