Abgründe tun sich hinter dem Schein des Seins auf!
21.07.2004 (26.07.2004)
Pro:
spannende Wortgefechte, großartige tiefschwarze Ironie
Kontra:
es ist so kurz, in einem Zug schon gelesen ; - )
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 black-dog_24
Über sich:
Mitglied seit:19.07.2004
Erfahrungsberichte:10
Vertrauende:6
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 93 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Willkommen bei einer der schrägsten Literatin, die ich lesen durfte. ########### Allgemein ##############Der Bericht handelt von dem Roman "Die Reinheit des Mörders", welches Amelie Nothomb mit ein wenig "schrägen" Gedanken hervorgebracht hat. Es handelt sich bei mir um die fest gebundene Version aus dem Verlag "Diogenes" und umfasst 218 Seiten. Es ist jedoch auch als Paperback erhältlich.########## Die Autorin ############### Amelie Nothomb ist 1967 in Kobe geboren und ist Kind eines belgischen Diplomaten. Ihre Kindheit verbrachte sie in Japan und China. Heute lebt sie in Brüssel und Frankreich. In Frankreich ist sie längst ein großer Literaturstar und ihre Werke konnten sich allesamt lange auf den dortigen Bestseller Listen halten.Sie schreibt viele autobiographische Werke welches "Die Reinheit des Mörders" jedoch nicht ist. Als Beispiel für ein autobiographisches Werk kann hier z.B. "Mit Staunen und Zittern" genannt werden, welches Amelie Nothomb den Prix de l'Academie Francaise einbrachte. "Die Reinheit des Mörders" war ihr Erstlingswerk.########## Das Äußere ############# Die gebundene Version ist in einem schönen Leinenband mit einer Schutzhülle zu erstehen. Es ist im Design wie ein typisches Diogenes Buch. Die Größe ist sehr handlich und macht es dem Leser wirklich bequem. Alles im allem schon vom ersten Eindruck rein Positiv. ########### Die Geschichte ##########Die Ausgangssituation ist folgende: Ein achtzigjähriger fettleibiger Literaturnobelpreisträger gibt durch seinen Sekretär bekannt, dass er an einer äußerst seltenen Krebsform erkrankt sei und lediglich noch zwei Monate zu leben hätte. Daraufhin gibt er von seinem Sekretär ausgewählten Reportern Interviews. Der Roman ist wie folgt aufgebaut:Der Roman ist in verschiedene Abschnitte eingeteilt jedoch sind keine Kapitel und auch keine einzelnen Überschriften vorhanden. Den größten Raum des Romans nehmen die Unterhaltungen zwischen den jeweiligen Reportern und dem Nobelpreisträger in Anspruch. Langsam lernt der Leser den unangenehmen Zeitgenossen, Pretextat Tach, also den Nobelpreisträger, mit vielen außergewöhnlichen und auch teilweise Übelkeit erzeugenden Macken kennen und baut dadurch mehr und mehr eine Hassliebe zu ihm auf. Durch die tiefschwarze Ironie, mit der Amelie Nothomb die Unterhaltungen ordentlich gewürzt hat, kann man den Hauptprotagonisten nur lieben und verabscheuen gleichzeitig.Nach und nach kommen unvorbereitete Reporter und werden eiskalt in sehr wortgewandten und gut durchdachten Wortgefechten von Tach abserviert. Unter anderem bekommt der Leser mit, dass Tach besonders einen großen Hass auf Frauen in sich birgt. Schließlich trifft Tach auf eine Reporterin. Es ist eine wahre Freude dem darauf folgenden Wortgefecht beiwohnen zu dürfen. Amelie Nothomb weiß es wirklich zu verstehen einzelnen Wörtern mit ungeheurer Macht und Tücke auf ihre Romanfiguren einprügeln zu lassen.Doch wie der Titel schon andeutet geht es um einen Mörder. Wer es ist? Warum er es geworden ist? Das werde ich an dieser Stelle nicht verraten. Eins kann ich jedoch guten Gewissens sagen, jeder Leser, der dieses Prachtstück in sich aufsaugt, wird mit anderen Augen durch die Welt ziehen und vor allem mit anderen Augen die Zeit der Jungend eines Menschen betrachten. ########## Das Lesevergnügen ##########Der Leser muss sich zunächst an den ganz und gar nicht alltäglichen Gedankengängen, mit denen er konfrontiert wird anpassen und umgewöhnen. Amelie Nothomb benutzt eine sehr mächtige Sprache und nimmt kein Blatt vor dem Mund. Sicherlich wird der Ein oder Andere doch viele unangenehme Gefühle bei dem Lesen verspüren, da Amelie Nothomb, ihren Hauptprotagonisten wirklich sehr ekelerregend und abscheulich darstellt. Es ist jedoch wirklich das reinste Vergnügen die sehr ausgereiften und hoch intelligenten Unterhaltungen mitzuverfolgen und wundert sich zunächst über den Titel. In dem Roman gibt es viele "aha" Momente und was mir sehr gut gefällt, sehr wenig vorhersehbares. Die Geschichte nimmt immer wieder eine neue Seite von Tach unter die Lupe, bei dem der Leser sich immer mehr in ihn hineinversetzten kann. Der Schluss des Buches steht der hohen Qualität des Werkes in nichts nach. Es ist wirklich ein sehr überraschendes Ende, das den einen oder anderen erschrecken wird.########## Mein Lesevergnügen ########### Da dieses bereits mein drittes Buch von Amelie Nothomb ist, welches ich verschlingen durfte, war ich an den außergewöhnlichen Gedankengängen schon gewöhnt. Sie hat es jedoch immer wieder geschafft mich zu schocken. Was aber das bemerkenswerteste ist, ist dass sie es geschafft hat, bei mir ein großes Gefühl des Mitleids für die Hauptperson des Romans zu erzeugen, obwohl sie als besonders ekelig und widerwärtig dargestellt wird. Amelie Nothomb schafft es tatsächlich einen bitterbösen Mann so zu verpacken, dass er doch Sympathien von mir erhält, zumindest Mitgefühl. Sie schafft es mich und vielleicht an andere Leser eine tief schwarze und böse Denkweise logisch aufzurollen und nachvollziehbar zu machen. Wobei ich davon abraten würde, es dem Hauptprotagonisten nachzumachen. Es ist jedoch ein wahres Kunststück, das Amelie Nothomb mit ihrem Erstlingsroman vollbracht hat.################# Fazit ############ Dem Ein oder Anderem werden höchst wahrscheinlich die wirklich mysteriösen Gedankengänge missfallen, wer sich jedoch drauf einlässt und sich mit hineindenkt, kann sehr viel für das eigene Leben aus dem Roman herausziehen. Vielleicht muss man sich ganz weit von der "normalen Meinung" der Gesellschaft entfernen um dadurch mehr Klarheit zu bekommen. Aufgrund der guten Verarbeitung des Buches, des tollen Werkes und der schrägsten Autorin, die ich lesen durfte, kann ich unter dem Aspekt, dass man sich wirklich mit dem Roman auseinandersetzt und sich drauf einlässt lediglich die höchste Bewertung, also fünf Sterne, vergeben. Über Lob, Kritik und Anregungen freue ich mich immer sehr und ändere den Bericht bei Bedarf auch immer wieder mal zum Besseren ab.
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1996, 224 Seiten, Maße: 11,3 x 18,2 cm, Taschenbuch, DeutschPretextat Tach, ...
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13.09.2004 07:29
Dein Bericht macht neugierig, ohne zu viel zu verraten, das gefällt mir. LG, philo.
17.08.2004 22:48
Nothomb ist schon super...
02.08.2004 18:47
Ich glaube das hat mal meine Freundin gelesen, die fand's auch ziemlich gut... Toller Bericht. LG --- DLG1285