Die naive Christel schaut aus ihrem Kittel so bläßlich, daß sich weder ihre Ausstrahlung noch ihr Teint von ihrer weißen Schwesterntracht abheben. Der Zuschauer fragt sich deshalb bald, ob die Darstellerin Bojena Golenac das häßliche Entlein wirklich spielt oder vielleicht der Einfachheit halber ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von Fostermom über Die Salsaprinzessin (TV-Film) 02.04.2001
Produktbewertung des Autors:
Action:
wenig
Anspruch
Anspruch - was ist das?
Romantik:
wenig
Spannung
ohne Spannung
Spaß
schwach
Pro:
einige wirklich witzige Szenen mit Maverick Quek
Kontra:
echte Folter für Leute mit Tanzkenntnissen !
Empfehlenswert?
nein
Kompletter Erfahrungsbericht
Die naive Christel schaut aus ihrem Kittel so bläßlich, daß sich weder ihre Ausstrahlung noch ihr Teint von ihrer weißen Schwesterntracht abheben. Der Zuschauer fragt sich deshalb bald, ob die Darstellerin Bojena Golenac das häßliche Entlein wirklich spielt oder vielleicht der Einfachheit halber sich selbst gibt.
Selbiges Christelchen bedient in RTL-typischer Kitschmanie so überzogen auch das zuckrigste Tanzfilm-Klischee, daß den denkenden Mensch, der sich in der Hoffnung auf ein paar gute Tanzszenen diesen Film als Trotzdem-Gucker ansieht, eine heftige Sehnsucht auf eine Zahnbürste mit einer großen Portion Elmex-Gelee überkommt.
Es drängen sich Gedanken auf wie:
Die Laienspielgruppe Dortmund-Mengede führt zum Schützenfest eine Dirty-Dancing-Parodie auf!
oder
In den 70ern wurde "Folter für Travolta" gefordert, dabei konnte der wenigstens tanzen. Was fordern wir hierfür?
Nun ja!
Ausgerechnet Schwester Christel verliebt sich - natürlich! - in Macho Rubén, einen in der BRD gestrandeten kubanischen Salsa-Tanz-Star, der für seine große Liebe einen Traumjob im weltberühmten Tropicana geschmissen hat, woraufhin selbige Dame ihn natürlich gleich zu Anfang des Films zugunsten ihrer Jugendliebe verläßt.
Schon jetzt kommen dem Zuschauer Fragen in den Sinn: Wofür hat Regisseur Dror Zahavi eigentlich den Bayerischen und den deutschen Filmpreis erhalten? Wieso flasht hier dauernd der Geist seiner Regiearbeit bei "Gutes Reiten, schlechtes Reiten" 1993/94 durchs Niveau? Hat er in all der langen Zeit wirklich nichts dazugelernt?
Doch zurück zu unseren Protagonisten!
Wer jetzt noch nicht abgeschaltet hat sieht, wie Rubén - in der Bahn beim Schwarzfahren erwischt - fliehen muß und dabei seine Sporttasche vergißt, und diese von der bereits von Amor´s Pfeilen durchsiebten Urin-Kellnerin nachgetragen bekommt. Natürlich mitten in ein Vortanzen hinein, was ihn den dringend benötigten Job kostet. Ihn und den chinesischen Tänzer Han, der eigentlich ein alternder Ex-Star der Peking-Oper ist und sich illegal in Deutschland aufhält.
Anmerkung: Das habe ich mir nicht ausgedacht! Ruft doch bei RTL an, wenn Ihr´s nicht glaubt! Die haben das selbst so konstruiert!
Und jetzt wird der Film endlich witzig! Die beiden Pleitegeier entdecken beim Kaffee im Café ihre Gemeinsamkeiten als Kinder des Sozialismus. Sie beenden die Szene mit einem kubanisch-chinesischen Duett der Internationale!
Han, vom einzigen wirklich guten Schauspieler in diesem Film - Maverick Quek - gespielt, nimmt sich des Landeis Christel an und tut sein Bestes. um der doch eher plumpen und holzigen jungen Dame das Salsa-Tanzen beizubringen, damit sie in Rubéns Salsarobic-Kurs ein gute Figur macht bzw. bekommt, und bei El Macho landen kann. Weil Han eben ein Guter ist, der neben sozialistischer Solidarität auch noch chinesische Weisheit und asiatische Bescheidenheit in sich vereint, wobei dieses Unterfangen dann auch noch den Gedanken an ein wenig Größenwahn aufkommen läßt!
Im Film wird das dann so dargestellt, als würde es ihm gelingen, aber welcher RTL-Zuschauer (klingt das nicht überhaupt schon fast so gemein wie Schattenparker oder Frauenversteher?) hat schon Ahnung vom Tanzen allgemein und von Salsa im Besonderen?
Wenigstens gönnt er ihr die einzige Szene, in der sie gut wegkommt: Kurz bevor er an Christel´s Untalent verzeifelt, schleppt er sie auf das Dach eines Hochhauses, wo sie endlich lernen soll, sich fallenzulassen. Leider nicht auf den Parkplatz. Aber von nun an behauptet der Regisseur, Christel könne Tanzen und benutzt ab jetzt ein Fußdouble und vermeidet Ganzaufnahmen, bei denen das Double nicht die Haare über dem Gesicht hat.
Endlich entdeckt Rubén dann die Qualitäten von Christel, und weil sie jetzt ´ne Frisur hat und Lippenstift in Knallrot trägt, verliebt er sich doch in sie, weil sie jetzt durch die viele Hopsereei sogar in das Auftritts-Kleid (in Wirklichkeit hatte der Regieassistent natürlich noch schnell das gleiche Kleid 2 Nummern größer eingekauft!) von Rubén´s Ex paßt, also wird es Zeit für ein neues Vortanzen!
Alle anderen Paare werden wieder nach hause geschickt, obwohl da im Hintergrund ein paar Statisten zu sehen waren, die sich beim Latin Club im Dortmunder FZW nicht blamiert hätten, weil sie nämlich tanzen konnten. Doch bevor unser Super-Pärchen mit Han als Coach im Schlepp anfangen kann, taucht bereits erähnte Ex auf und klaut den Job.
Hinterher dürfen unsere beiden dann aber doch eine Runde tanzen, und jetzt klauen sie der Ex und deren Lover den Job!
Aber Christel will nur noch mit Han tanzen. Und knutschen. Weil: Das war doch von der ersten Minute an klar! Wir sind hier doch bei RTL!
FAZIT. Der Film als solcher ist furchtbar, die Tanzszenen ärmlich. Insbesondere die letzte Szene, das FINALE, ist grottenschlecht. Entweder Du siehst die Füße eines Doubles, oder Ganzaufnahmen, bei denen das Double die blonde Perücke über dem Gesicht hängen hat, oder Hauptdarsteller in Zeitlupe!
Das einzig Sehenswerte an diesem Machwerk ist Maverick Quek, der in seiner Ausstrahlung und Komik den Film brilliert und durch einige gekonnte Szenen rettet.
Er wirkt so nett, daß er mir am Ende leid tat, daß er jetzt diese Dummtusse von Krankenschwester am Hals hat!