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Erfahrungsbericht von Gering über Die Sammler / Baldacci, David 11. Februar 2009
Produktbewertung des Autors:
Niveau:
durchschnittlich
Unterhaltungswert:
sehr hoch
Spannung:
sehr spannend
Humor:
wenig humorvoll
Aufmachung:
ok
Pro:
alles
Kontra:
nix
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Inhalt Washington scheint ein unsicheres Pflaster zu sein: Der Sprecher des Abgeordnetenhauses, gerade erst neu ernannt und ein aufrechter und ehrlicher Mann, der gegen die Berufsheuchelei und das Lobbyistentum vorgehen wollte, stirbt durch einen gezielten Schuss durch ein geschlossenen Fensters während einer party, sein Wohnsitz geht in Flammen auf. Kurze Zeit später wird der Leiter der Abteilung für seltene Bücher der Kongressbibliothek tot im zentralen Tresorraum der Einrichtung aufgefunden. Hier sieht alles nach einem Herztod aus. Jonathan DeHavens, so sein Name, konnte sich aufgrund seiner vermögenden Herkunft und dem Erbe, das ihm seine Eltern hinterlassen haben, ein repräsentatives Leben in einem schönen Haus leisten und daneben noch ein recht teures Hobby. Hobby und Beruf sind aber identisch, denn beruflich wie privat sammelte er seltene Bücher und so hinterlässt er bei seinem überraschenden Tod eine beachtliche Sammlung wertvoller Bücher. Caleb Shaw, Mitglied im geheimen Camel - Club, arbeitet seit Jahren in der Kongressbücherei und war ein enger Mitarbeiter DeHavens. Allerdings ist er überrascht, dass er als Nachlaßverwalter der privaten Büchersammlung bedacht wird. Mit diesem "Akt" tritt der Camel - Club wieder in Aktion, denn den Mitgliedern kommen nach und nach Zweifel an der Diagnose Herzinfarkt. Reuben Rhodes, ehedem hoch ausgezeichneter Vietnam - Kämpfer und Mitarbeiter des militärischen Geheimdienstes, hat er zu viel Kritik geäußert und verdient mit knapp 60 Jahren sein Geld im Hafen. Milton Farb, Intelligenzgenie und dem Wahnsinn nahe, fristete geraume Zeit in einer geschlossenen Anstalt, aus der er von Oliver Stone befeit wurde. Oliver Stone wiederum ist ein Deckname für einen alten CIA - Profikiller, der mit allen Wassern gewaschen ist.
Zeitgleich zu den Ereignissen in Washington bereitet eine gut aussehende Betrügerin den Cup ihre leben vor und möchte damit gleichzeitig auch den Tod ihrer Mutter rächen. Sie sammelt eine Schar bekannter Profis um sich, um den Inhaber eines Kasinos in Atlantic City um mehr als 30 Millionen Dollar zu betrügen. Dass Startkapital für das Unternehmen wird durch diverse kleinere "Geschäfte" aufgetrieben.
Währenddessen stößt der Camel - Club bei seinen Ermittlungen auf interessante Neuigkeiten: Zum einen stößt man im Nachlass auf ein seltenes und wertvolles Buch, dass gar nicht in der Sammlung sein dürfte: Von den weltweit 11 noch vorhandenen Exemplaren ist keines gestohlen und dennoch befindet sich ein 12 im Besitz des Verstorbenen. Zum anderen scheint der Nachbar des Toden, ein einflussreicher Waffenfabrikant, dass Interesse des Verstorbenen geweckt zu haben: Ein stark vergrößerndes Fernrohr erlaubt Einblicke in ein separates Schlafzimmer im Haus des schwerreichen Industriellen, in dem er in für ihn sicher erfreulicher Regelmäßigkeit sich dem Liebesspiel mit ausgesuchten Schönheiten hingibt. Ich habe kein separates Schlafzimmer! DeHavens scheint dem Treiben im Nachbarhaus regestes Interesse entgegengebracht zu haben. Die Alarmsirenen des Camel - Clubs läuten allerdings in höchsten Tönen, als sie feststellen, dass das Löschsystem in der Kongressbücherei zum einen von eine Tochterfirma des Waffenfabrikanten geliefert und installiert worden ist und sie den Nachweis erbringen können, dass jemand das Löschgas gegen CO2 - gas ausgetauscht hat. Die Wirkung des Gases ist bei Toden nur schwer feststellbar. Etwas problematischer werden die Entwicklungen, als der scheinbare hauptverdächtige und eine seiner Gespielin in dem eben erwähnten separaten Schlafzimmer von einem Profi liquidiert werden - durch das geschlossene Fenster.
Währenddessen hat Annabelle ihren Cup durchgezogen, wird aber durch einen Medienbericht an der weiteren Ausführung ihrer Flucht gehindert. Denn sie erfährt, dass ihr Ex-Mann, die einzige Liebe ihres Lebens, unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist: Jonathan DeHaven.
__________________________________ Baldacci und das amerikanische Syndrom
Das Buch "Die Sammler" spiegelt ganz typische amerikanische Ängste wider, die mit Watergate oder Nixon einen realhistorischen Niederschlag gefunden haben. Das Wissen über die eigene Macht aber auch die Ohnmacht gegen Selbstläufer diverser Dienste, die Angst vor dem Ausgeliefert sein der Administration gegenüber und das tatsächliche Wissen, dass nicht alles, was die Administration oder Geheimdienstorganisation so tun, der Öffentlichkeit eingestanden wird - also schlicht: die amerikanische Verratsneurose-, sind Grundlage dieser Angst. Da mag auch die in den letzten Jahrzehnten durch die Kommunistenhatz, durch die Informationspolitik der jeweiligen Regeierungen bei diversen Krisen, so dem Vietnamkrieg kritischer gewordenen öffentlichen Meinung eine Rolle spielen, auf jeden Fall sind Konstellationen in der Thrillerliteratur nicht gerade selten bei US - Autoren zu finden.
Baldacci etabliert mit seinem Camel - Club nun zum zweiten Mal eine Form des externen Gewissens, der Hüter über Gesetz und Moral, die in Eigeninitiative dem Recht zu seinem Recht verhelfen und dabei sich auch mit mächtigen Teilen von Regierungs- Apparat anlegen.
Nun mag der eine oder andere diese ständig Angst vor dem Versagen des Demokratieprinzips von Regierungsorganisationen oder der Generalverdacht der Administrationen dem einen oder anderen schon böse aufstoßen, aber bei dem Buch "Die Sammler" als Nachfolger zu "Die Wächter" schafft Baldacci zwar ein Buch aus einer gewissen Schublade heraus, die quasi als stoffliches Sprungbrett dient. In der ihm eigenen und sehr fesselnden Art aber präsentiert er Handlungsstränge und führt sie Stück für Stück so zueinander, wie es kaum ein anderer derzeit leisten kann. So kann er durchaus in der qualitativen Tradition der großen Agententhriller der 60er und 70er Jahre gesehen werden, zwar mit individuellen Ausprägungen, doch in der gleichen Liga spielend.
Vor allem die personale Ausgestaltung der Personen des Camel - Clubs trägt dabei seinen Teil zu Glaubwürdigkeit bei: Allesamt Aussteiger aus den gewohnten Bahnen der gesellschaftlich zu erwartenden Biografien, stellen alle Personen Defizitpersönlichkeiten dar, die wiederum aber klare Stärken als Kompensation aufweisen können: So der ehemalige 666, der sich Oliver Stone nennt (na, welche Assoziationen mag Baldacci damit wohl auslösen wollen ??), wobei mit der Zahl die höchstgeheime Gruppe der Agenten bezeichnet wird, die zu Tötungszwecken ausgesandt wurden. Aber Stone ist zwar durch seine "Profijahre" immer noch eine auch intellektuell beeindruckende Persönlichkeit, aber natürlich eine, die in die Jahre gekommen ist. Andere des Clubs haben leichte Probleme mit dem Selbstbewusstsein oder gar mit der Psyche.
Baldacci adaptiert mit diesem reell gesehenen Verliererclub dennoch die faszinierende Geschichte "Vom Tellerwäscher zum Millionär", aber auch die Charaktereigenschaften der cineastischen Idole der Wild-West-Film-Zeit.
Die Betrugsgeschichte der jungen Annabelle spielt zwar für die eigentliche Problematik des Verrates nicht wirklich nötige, für das Einbringen weiterer geistiger Ressourcen in den Camel - Club aber fundamentale Bedeutung. Aber natürlich kommt auch dieser Bereich nicht ohne typisch US-amerikansiche Stereotypen aus: So ist der zu betrügende Casino-Chef zweifelsohne ist bester Mafia-Manier die Eigenschaften des Berufsverbrechers symbolisieren. Skrupellos, höchst brutal in der Wahl seines Vorgehens, aber nicht wirklich richtig schlau. Aber auch hier erkennt sich der US-Leser in seinen Denkschablonen durchaus wieder. Aber auch hier langweilt der Griff in das Stereotypentrickkistchen definitiv nicht, sondern wirkt wie das berühmte Salz in der leckeren Handlungssuppe.
____ Fazit
Spannend in der Konstruktion der Handlung, zum Ende hin so richtig Fahrt aufnehmend und mal wieder meisterhaft konstruiert schickt David Baldacci seinen Camel - Club in eine zweite Runde im Kampf gegen untreue Staatsdiener, die die Sicherheit der Nation gefährden.
Wer sich nicht an den us-typischen Clinches stört, erhält einen ungemein spannenden und mal wieder faszinierend meisterhaft geschriebenen Politthriller aus der Feder eines der Aktuellen Größen des Genres.Michael
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