Die Schlacht an der Neretva

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... Schon länger her? Aber nicht abgeneigt, mal wieder auf diesen Pfaden zu wandeln? Dann folgt mir ins Jugoslawien des Zweiten Weltkrieges, wo wir Die Schlacht an der Neretva mitverfolgen werden. 1. Knappe Inhaltsangabe & historischer Kontext Ende 1942: Das faschistische (dritte) ... Bericht lesen





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Die Schlacht an der Neretva (DVD) Die Schlacht an der Neretva (DVD)
FSK: ab 16 Jahre, farbig, Spieldauer: 145 MinutenSprache: DeutschDas enge Tal an der ... mehr
Neretva in Jugoslawien war im Jahre 1943
Schauplatz einer der erbittertsten Schlachten des
Zweiten Weltkrieges. Hier erzwang Josip Broz Tito
mit seiner Partisanenarmee den Ausbruch aus dem
Kessel, den die deutsche Wehrmacht, das
italienische Heer, die königstreuen Tschetniks und
die faschistischen Ustaschi gebildet hatten. Der
Partisanenkommandeur hat sich dabei mit vielen
schicksalhaften Entscheidungen auseinanderzusetzen
und muß unter dem Gewissenskonflikt -
militärischen Denkens versus menschliches Fühlen -
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Hier erzwang Josip Broz Tito mit seiner
Partisanenarmee den Ausbruch aus dem Kessel, den
die deutscheWehrmacht, das italienische Heer, die
königstreuen Tschetniks und die faschistischen
Ustaschi gebildet hatten. Der Partisanenkommandeur
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Echte Kerle weinen nicht?
Erfahrungsbericht von bojorix über Die Schlacht an der Neretva
12.10.2005


Produktbewertung des Autors:   

Humor wenig humorvoll 
Spannung sehr spannend 
Anspruch sehr anspruchsvoll 
Action: viel 
Romantik: wenig 

Pro: Darsteller, Story, Spannungsbogen, Musik
Kontra: Sentimentalitäten

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Wann ist euch ein Film das letzte Mal richtig an die Nieren gegangen? Gehässig will ich nicht sein (zumindest nicht in den ersten paar Zeilen) - aber irgendwelche Romanzen mit Leo di Caprio oder Brad Pitt (ich weiß: die beiden können auch anders) meine ich an dieser Stelle nicht. "An die Nieren" soll heißen, daß selbst die Härtesten unter euch ein paar Tränen kaum verdrücken konnten, selbst die Geschwätzigsten zumindest in den fünf Minuten nach dem Abspann schwiegen. Schon länger her? Aber nicht abgeneigt, mal wieder auf diesen Pfaden zu wandeln? Dann folgt mir ins Jugoslawien des Zweiten Weltkrieges, wo wir

Die Schlacht an der Neretva

mitverfolgen werden.

1. Knappe Inhaltsangabe & historischer Kontext

Ende 1942: Das faschistische (dritte) Deutsche Reich ist auf dem europäischen Kontinent am Zenit seiner Ausdehnung angekommen. Im Westen ist Frankreich überrannt, im Norden sind Dänemark Schweden besetzt, Polen seit 1939 "deutsch", Österreich "heim im Reich", die Sowjetunion bis auf Leningrad (heute St. Petersburg), Moskau und Stalingrad (heute Wolgograd) zurückgedrängt, der Balkan zu großen Teilen besetzt. Es gibt also wenig, was den größenwahnsinnigen Gefreiten aus Braunau, der sich selbst "Führer" nennt, in Besorgnis versetzen könnte. Als allerdings Erwin Rommel in Nordafrika einem anderen Wüstenfuchs unterliegt, spitzt sich die Lage zu. Eine Invasion der Westalliierten auf dem Kontinent wird zuerst am Balkan, im Gebiet des späteren Jugoslawien, angenommen. Und eben dort sitzt seit 1941 ein Stachel im Fleisch: die aufständischen und vor allem kommunistisch dominierten Partisanen des Organisationstalents Josip Broz, der auch "Tito" genannt wird. Schlecht bewaffnet, von Typhus geplagt und im Kampf auch gegen regionale Widersacher (die kroatischen Ustascha - Faschisten, fanatisierte, schwarze Kleidung tragende Horden, und die königstreuen, überwiegend serbischen Tschetniks) stehend, verhindern die Partisanen eine Befriedung und Absicherung der Südostfront der Achse. Entsprechend plant das Oberkommando der Wehrmacht (OKW), im Falle Jugoslawiens durch den intriganten General Lohring (Curd Jürgens) vertreten, einen schnellen Schlag mit deutschen und italienischen Truppen, um sich des hartnäckigen Tito zu entledigen.

Einer zentralen Rolle kommt dabei dem (SS?)-Panzerkorps von Oberst Krenzer (Hardy Krüger) zu, dass, wie schon Dutzende Male erfolgreich durchgeführt, die Artillerie des Gegners überrennen soll, einen schnellen Sieg zu erringen fast verdammt ist. Steiners Mannen erwächst aber auf der Gegenseite ein ebenbürtiger, hoch motivierter, für die Freiheit und gegen den Unverstand kämpfender Gegner: die Einheit von "Kanonen - Martin" (Sergej Bondartschuk), die Pioniere von Vlado (Yul Brynner) und die scheinbar unerschütterliche Moral der Infanterie der Jugoslawen um Ivan (Lojze Rozman), Novak
(Ljubisa Samardjic) und Nikola (Oleg Vidov).

Auf der Flucht vor den Feinden schlagen sich die Partisanen bis zum Fluss Neretva durch, sprengen dort allerdings zur Überraschung fast aller die einzige Brücke, machen kehrt, vernichten die Verbände der Ustascha, kehren erneut um, schlagen eine Befehlsbrücke über die Neretva, reiben die Tschetniks auf und entkommen durch diesen genialen Schachzug Titos den inzwischen auch arg gebeutelten Deutschen sowie den demoralisierten Italienern, vermeiden also die drohende Auslöschung und geben Hitler und seinen Generalen den deutlichen Fingerzeig, dass Welteroberungspläne nicht nur auf dem Balkan schwerlich umzusetzen sind.

2.) Interpretation

Dieser Film, mit beachtlichem technischen Aufwand und einer jeden Rahmen sprengenden Besetzung unter der Regie von Veljko Buajic 1968 eingespielt, ist um Klassen beklemmender und beeindruckender als etwa "Der Soldat James Ryan" oder "Duell - Enemy at the gates", auch, weil er ein Thema behandelt, dass im Film sowieso, aber auch in der Geschichtsschreibung eher eine Randbemerkung darstellt, obwohl es so komplex und bedeutsam ist, dass es bis heute Auswirkungen zeitigt.

Das Werk in handelsüblicher Kritik "abzuarbeiten" scheidet fast grundsätzlich aus. Zäumen wir es also anders auf und bemühen uns, dem Film damit gerecht zu werden.
Ich finde es angebracht, mehrere Analyseebenen herauszustellen - auch wenn dies sehr akademisch wirken mag, es wird halb so schlimm, versprochen, deshalb jetzt der Versuch:

a) die militärische Rahmenhandlung

Ohne Zweifel: Der Krieg auf dem Balkan, die Schlacht an der Neretva zeichnen den groben Rahmen, in dem sich alles Folgende sortiert. Und die Lage scheint klar: Deutsche und Italiener, den Sieg im Weltkrieg vor Augen, versuchen die Partisanen zu vernichten, um damit Südosteuropa endgültig zu befrieden. Anders aber verhält es sich bei Ustascha und Tschetniks, die, jeweils nationalistisch oder monarchistisch geprägt, die Ausschaltung Titos als Etappensieg auf dem Weg zu einer dominanten Rolle in einem Nachkriegsjugoslawien zu erreichen suchen.

Die Partisanen ihrerseits sind gegen eine solche Übermacht, personell wie materiell, nur darauf bedacht, der Zangenbewegung zu entgehen, das eigene Überleben abzusichern. Vor diesem Hintergrund ist jedes Gefecht, jedes taktische Manöver, jeder Befehl auch wirklich nur eindimensional zu interpretieren. Manchmal muss es eben knallen und bumsen, damit ein Antikriegsfilm auch als solcher bezeichnet werden kann. Und die Kämpfe zwischen deutschen Panzern und jugoslawischen Geschützen, Fliegerangriffe und das abschließende Gefecht um den Friedhof am anderen Ufer der Neretva sind ohne Zweifel, berücksichtigt man das Entstehungsjahr, packend, ziemlich realistisch und in ihrer Brutalität schonungslos offen dargestellt.

b) Zwischenmenschliches, Krankheit und Tod

Schon zu Beginn wird offenkundig, was neben der Bewaffnung den Unterschied zwischen den Partisanen und ihren Feinden ausmacht. Ist es auf der einen Seite eine vom Typhus geplagte Volksarmee, die Frauen und Kinder mit sich führt, Verletze unter Inkaufnahme großer Risiken mit sich schleppt, obwohl diese darum bitten, zurückgelassen zu werden, nehmen wir auf der Gegenseite Berufssoldaten und wohl gerüstete Milizionäre zur Kenntnisse.

Die Verluste an Menschenleben, von Personen, die einem gerade ans Herz wachsen wollen oder es längst sind, verleihen dem Film eine Atmosphäre, die in keiner Minute ruhig durchatmen lässt. Schon in den ersten Sequenzen fallen auf beiden Seiten Dutzende, später fordert der Typhus erste Opfer, wieder später erleiden die Jugoslawen beim Sturm auf eine Stadt große Verluste - zum Ende überlebt kaum einer der Protagonisten, die drei Geschwister Buko, Novak und Janica (die Frau Ivans - Sylva Koscina wunderschön) sterben allesamt.

Viele verschiedene Handlungsstränge laufen schließlich hinter der Brücke an der Neretva zusammen: die Artillerie Martins, das Fußvolk, Verletzte und Krankenschwestern treffen sich dort, fast schon sentimental einer gemeinsamen Zukunft entgegenstrebend.

c) Ethik und Moral, Ideologie und Fanatismus

Eins vorweg: Der Film erspart es sich und dem Zuschauer zum Glück (es handelt sich um eine Kooperation Jugoslawiens, der Bundesrepublik und Italiens von 1968!), politische Theorie und Philosophie ellenlang zu verbreiten, Klassenkampfparolen oder Weltherrschaftspostulate breitzutreten - das ist wohltuend, hält den Blick für das Wesentliche frei. Selbst Ustascha und Tschetniks werden relativ wertfrei dargestellt, so wie es in Titos Jugoslawien (man sieht den großen Mann übrigens nie, nimmt nur durch einen schriftlichen Befehl von ihm Kenntnis - "Prozo muß heute fallen. Tito.") später zumindest offiziell üblich war, dürfen sogar singend in den Untergang reiten.

Drei einschneidende Erlebnisse werden uns aber präsentiert: Der italienische Hauptmann Morelli erschießt sich selbst, als er von den Partisanen gestellt wird, völlig entnervt, der sonst so dienstbeflissene Oberst Krenzer bricht den Angriff auf die Nachhut der Jugoslawen ab, als ein verzweifelt deklamiertes Volkslied an sein Ohr dringt - und Hauptmann Michele Rossi (Franco Nero) wechselt sogar die Seiten, als ihm bewusst wird, wie wenig Italiener (zumeist ohnehin auf der Flucht) eigentlich auf dem Balkan zu suchen haben.

Unterbewusst wird damit eigentlich mehr zu vermitteln versucht, als man offenkundig erkennen kann, aber das ist eben so: die deutschen Militärs sind ebenso wie die Italiener bis auf wenige Ausnahmen blinde Befehlsempfänger, die Partisanen eine verschworene und prinzipiell saubere Gemeinschaft, die die Eigenstaatlichkeit als Ideal zusammenschweißt - ist natürlich realiter auch nicht so gewesen, ordnet im Film selbst aber Gut und Böse eindeutig zu. Ich finde Ungenauigkeiten und Tricks solcher Art legitim.

Für viele der "Guten" bricht schließlich auch durch den Tod enger Freunde die Welt nicht gänzlich zusammen, denn die ärgsten Übel scheinen überstanden: Djuka, der später noch zum Massenmörder werden soll, erkennt den Sinn des Bewahrens von Kultur auch in Zeiten der Wirren, der demobilisierte Martin (die Kanonen mussten beim Übergang über die Behelfsbrücke vernichtet werden) nimmt sich zweier Waisenkinder an, Vlado, der Pionier und Sprengmeister, urteilt sachlich: "Ich bin Ingenieur. Seit Jahren mache ich nun nur kaputt. Eines Tages werde ich aber auch wieder Brücken für unser Volk bauen."

3.) Kritik & Schauspielergarde

Die Riege internationaler Akteure ist beachtlich und spielt überwiegend souverän, die jugoslawischen Teilnehmer, grundsätzlich motiviert, ergänzen die Routine der Weltstars überzeugend. Hardy Krüger und Yul Brynner machen ihre Sache ganz hervorragend, spielen angenehm zurückhaltend, Franco Nero wirkt ein wenig aufgesetzt, insgesamt aber sehr sympathisch, Orson Welles (als Repräsentant der Tschetniks) und Curd Jürgens fallen nicht auf, weil ihre Rollen für die Handlung nicht entscheidend sind. Sergej Bondartschuk, der große sowjetische Superstar, ist als Martin, der eiserne Kämpfer, hingegen sogar fast oscarreif.

Was aber davon unabhängig Buko, Nikola, Novak, Martin, Stole, Danica und Maria leisten ist ganz einfach großartiges und authentisches Kino. Man nimmt ihnen, jeweils ganz besondere Akzente setzend, den Typus des Freiheitskämpfers wirklich ab. Und das mit Recht: Immerhin werden die meisten von ihnen in der Kindheit den Zweiten Weltkrieg auch am eigenen Leib erlebt haben. Wahrscheinlich sogar auf der "richtigen Seite".

Regisseur Buajic opfert bedauerlicher Weise die Genauigkeit historischer Abläufe hin und wieder dramaturgischer Effekten, etwa bei einem Massaker an gefangenen Tschetniks durch einen Freund des gefallenen Novak, der dafür lediglich degradiert wird. Es wäre besser gewesen, diese Metapher für die Ereignisse bei Bleiburg entweder auszuklammern oder sie geschickter zu inszenieren, wie es zuvor bei den Säuberungen durch Deutsche, Tschetniks und Ustascha eindrucksvoll gelungen war. (Mir drängt sich nämlich der Eindruck auf, die Säuberungen gegen die Partisanen seien fast wie im Dokumentarfim dargestellt, um die Verbrechen als exemplarisch herauszustellen, während die Erschießung durch den Partisanen den Eindruck erweckt, es handele sich um den Kurzschluß eines Einzelnen. Gleichwohl ermordeten die Partisanen ihre Gegner auch systematisch, dies allerdings wird ausgeblendet, überlagert.)

Die dezente musikalische Untermalung des Filmes ist lobend zu erwähnen.

4.) Abschlussbetrachtung

Wie eingangs angesprochen: Ein Film, der unter die Haut geht. Nicht so sehr wegen seiner durchaus spannenden Handlung, die dem normalen Zuschauer wohl eher als Dutzendware erscheinen mag, sondern wegen der Tragik, die sich um dieses Konstrukt spinnt. Und dort werden Meilensteine gesetzt: Mir ist bisher kaum ein Film untergekommen, der so viele Leistungsträger opfert, Freund und Feind fast vorurteilsfrei gegenüberstellt, von einigen Nebengeräuschen abgesehen.

Und wenn ich Tragik hier ausschreibe, dann beschwöre ich, dass sie existiert, denn ein Herz aus Stein hat niemand - und "Die Schlacht an der Neretva" scheut kein Tabu: der typhuskranke Bosko ertrinkt im eiskalten Fluß, als er ans andere Ufer schwimmen will, ein kleiner Junge spuckt mit Tränen in den Augen Vlado vor die Füße, der gerade den Fluchtweg Brücke scheinbar für immer abgebrochen hat ("Ich habe einen Befehl - und den führe ich aus. Alles andere ist mir egal." - ist es aber nicht!), Nikola, der den Tod seiner Freundin entsetzt zur Kenntnis nimmt ("Sie schläft nur.") und dann in Vlados Armen stirbt, eine durch das Gefecht um den Friedhof gesprengte Ehe, das Ableben Franco Neros - und damit sind nur einige Beispiele genannt.

Und viele dieser Momente prallen gerade am Ende derart massiv auf den Zuschauer, der glaubt, jetzt wende sich alles zum Guten, ein, dass zumindest ich nach Abspann meist sprachlos bin: denn dann wird wieder aufgezeigt, wie sinnlos (Angriffs)Krieg eigentlich ist, egal, ob man den Sieg davonzutragen scheint. Denn jedes einzelne Beispiel menschlichen Leidens ist eines zuviel. Und bei dieser Erkenntnis, das gestehe ich, kommen mir regelmäßig die Tränen.

Fünf Sterne. Vielen Dank für die Geduld.
   

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