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Die Autorin
Frances de Pontes Peebles stammt aus Pernambuco, Brasilien, und lebt heute in Chicago.
Sie studierte an der University of Texas, Austin und beim Iowa Writers' Workshop.
Sie hat zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht.
Die Schneiderin von Pernambuco ist ihr erster ... Bericht lesen
Frances de Pontes Peebles stammt aus Pernambuco, Brasilien, und lebt heute in Chicago. Sie studierte an der University of Texas, Austin und beim Iowa Writers' Workshop. Sie hat zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht. Die Schneiderin von Pernambuco ist ihr erster Roman.
Meine Zusammenfassung
Die beiden Schwestern Emilia und Luzia dos Santos wachsen bei ihrer Tante in Pernambuco, Taquaritinga, auf. Emilia ist ein Jahr älter. Von der Tante Sofia haben sie das Schneidern und Nähen gelernt. Und später nähen sie auch im Haushalt einer wohlhabenden Familie. Luzia hat als Kind beim Spielen, als sie auf einen Baum kletterte und herab fiel, ihren Arm verletzt; er wurde nicht richtig behandelt und seitdem hatte sie diesen seltsam abgewinkelten Arm. Dieses Handicap schloss aus, dass sie jemals einen Mann finden konnte, eine Familie gründen konnte.
Als eines Tages die Cangaceiros in den Ort kommen, nehmen sie Luzia mit. Die Cangaceiros teilten sich die Macht mit den Colonels. Bzw. das sah so aus, dass einige Colonels mit den Cangaceiros zusammenarbeiteten; taten sie das nicht, wurden sie bekämpft. Das war damals so, jeder Colonel machte seine eigenen Gesetze, und es gab in allen Orten einen Colonel, der nicht nur die Armen ausnutzte, sondern auch Gesetze machte. Und er konnte ohne weiteres einen, der ihm nicht genehm war, aufhängen lassen. Auch viele Bewohner von Pernambuco waren den Cangaceiros gut gesinnt. - Das sah so aus: Zeigte sich z.b. ein Bauer auf seinem Grundstück freundlich und zuvorkommend, dann kauften die Cangaceiros ihm Lebensmittel und Sachen ab die sie brauchten und bezahlten gut. Wurden sie aber nicht eingelassen oder feindlich behandelt, eröffneten sie das Feuer, nahmen den Leuten alles an Schmuck ab was sie finden konnten, alles Geld, alle Vorräte, steckten das Haus an, trieben das Vieh hinaus bzw. schlachteten es ab.
Während nun Luzia bei den Cangaceiros und ihr Aufenthalt ihrer Familie unbekannt war, war Emilia mittlerweile nach Recife gezogen, wo sie einen Mann geheiratet hatte, der im Haus der Familie verkehrt war, wo sie als Schneiderin gearbeitet hatte. Er war der Freund und Studienkollege des Sohnes, beide studierten Jura. Emilia war diese Heirat nur eingegangen, um vom Bergland wegzukommen und in Recife zu leben, als wohlhabende, angesehene Frau eines Mannes. Das gestaltete sich für Emilia sehr schwierig; die Schwiegermutter erteilte ihr monatelang Unterricht, wie sie sich zu benehmen hat, und ihr Mann schlief weiterhin in seinem Kinderzimmer, die Ehe wurde erst nach einigen Monaten vollzogen, nachdem die Schwiegermutter Enkelkinder verlangt hatte. - Dann kam ihr Mann jede Woche, vollzog den Akt, und ging wieder in sein Zimmer. - Emilia wollte aber nicht schwanger werden, und nahm alle möglichen Kräuter ein, die das verhindern sollten. Und sie wurde nie schwanger.
Politische Wechsel finden statt, Gomes wird Staatspräsident von Brasilien, alle Länder in Brasilien sollen unter einer Nation fungieren, unter einer Regierung stehen, unter Gomes. Um 1930, die große Weltwirtschaftskrise ist auch in Brasilien zu spüren. Und ein großes Ziel von Gomes ist es, diese Cangaceiros zu vernichten. Der Schwiegervater Emilias, mit dem sie sich gut versteht, ist ein Arzt und erforscht den Zusammenhang von Maßen seiner abgemessenen Schädel von Kriminellen und deren künftigen Umgang. - Seltsame Ansichten, die vom fernen Deutschland auch kommen, und zwar sind dort auch Ärzte, die z.b. die Schädel von Juden usw. vermessen, um daraus Schlüsse zu ziehen. Und sein größtes Ziel ist es, den Schädel des Falken und der Schneiderin eines Tages zu vermessen. Es sind hohe Belohnungen ausgesetzt. Es war Sitte und Brauch, dass die Cangaceiros die Köpfe ihrer Gegner abschlugen, aber es war auch Sitte, dass die Soldaten, wenn sie Cangaceiros besiegten, sie nach dem Töten und Entehren köpften und die Köpfe abgaben, zu Forschungszwecken. In den Zeitungen wird viel von ihnen berichtet, und auch darüber, dass unter ihnen eine Frau ist, "Schneiderin" genannt. - Und Emilia weiß bald, dass das ihre Schwester Luzia ist.
Die Schilderungen wechseln von Kapitel zu Kapitel, und abwechselnd wird von Luzia und ihrem Ergehen bei den Cangaceiros erzählt, und dann wieder von Emilia. Luzia wird nach vielen Monaten die Geliebte des Chefs der Cangaceiros, der "Falke" genannt. Die Liebe ist gegenseitig. Luzia lernt Schießen, lebt mit diesen ganzen Cangaceiros als einzige Frau.
Jetzt werden sehr ausführlich die Aktivitäten der Cangaceiros geschildert, wie sie leben, warum und wie sie etwas tun. - Und vor allem: sie sind alle gläubig und der Falke verlangt jeden Morgen und jeden Abend, dass alle zusammenkommen und zusammen beten. Luzia wird mehrmals schwanger, möchte aber eigentlich kein Kind, und immer wieder gibt es Fehlgeburten Bis auf die letzte Schwangerschaft, die trägt sie erfolgreich aus.
Aber sie und auch der Falke sind sich darüber einig, dieses Kind nicht selbst aufzuziehen. Sie kennen ja viele Leute, die ihnen wohlgesinnt sind, u.a. auch einen Arzt, der in den Bergen eine Ranch betreibt. Ihn suchen sie auf, wenn sie verletzt sind oder ärztliche Hilfe brauchen. Luzia bringt ihren Sohn, den sie nach dem Heiligen Expedito nennt, dort zur Welt, bittet aber die Hebamme und den Arzt, ihr den Sohn nicht zu zeigen und sofort wegzunehmen, sie möchte vermeiden, dass der Schmerz allzu groß ist, wenn sie ihn gesehen hat und dann abgeben muss.
Sie ziehen dann auch wieder weiter, und bei einem Angriff kommt der Falke ums Leben. Luzia übernimmt seine Rolle, und es wird verschwiegen, dass der Falke tot ist.
Sie entwickelt sich zu einer noch brutaleren Kriegerin als es der Falke war, aber das Überleben als Cangaceiro ist gefährlich und alles was sich ihnen entgegenstellt, müssen sie töten, weil sie keine andere Wahl haben, wenn sie selbst überleben wollen. Politisch sind die Cangaceiros Gegner von Gomes; nicht nur gegen seine Person, sondern sie wollten mehr Gerechtigkeit für alle, und nicht die Regierung dieses Gomes, der nur, wie überall üblich, das Wohlergehen der reichsten Schichten im Auge hat.
Es werden zahlreiche Begebenheiten auf beiden Seiten erzählt, und es würde zu weit führen, sie noch ausführlicher hier zu beschreiben. z.b. die Schilderung über den Straßenbau, den Gomes plant, der quer durch die Länder gegen soll bis zum Hinterland und Flachland von Pernambuco. Und zwischen den Straßenbauern und den Cangaceiros gibt es zahlreiche Schlachten, auch nehmen die Cangaceiros einige Ingenieure als Geiseln, wollen Geld erpressen, aber für die Geiseln wird nichts bezahlt, es werden einfach neue geschickt, Gomes ist das egal, es gibt genug Leute, und seine Soldaten, "Affen" genannt, sind ihm nur so viel wert, was sie leisten und wie viele Cangaceiros sie abschlachten. - Es gibt genug von ihnen. -
Luzias Sohn, Expedito, wächst zunächst bei dem Arzt und der Amme auf. Der Arzt hat zwischenzeitlich auch Kontakt mit den Leuten aus Recife, und Emilia lernt ihn auf einer gesellschaftlichen Veranstaltung kennen. - Aber, er ist nicht ganz loyal gegenüber den Cangaceiros, und zwar gipfelt das dann später darin, als er aktiv wird, als Luzia gefasst werden soll (immer noch ist nicht bekannt, dass der Falke tot ist).
Am Ende der Geschichte hat man als Leser eigentlich immer im Auge, dass die beiden Schwestern sich treffen, irgendwie. - Und die Sympathien sind auch bei Luzia, auch wenn sie eine Mörderin ist.
*************************************** PS: seltsam, dieser Bericht erscheint plötzlich: wurde noch nicht bewertet, dabei ist er seit Mai hier drin, und natürlich sind viele Bewertungen da - was ist da wieder los ???? **************************************
Die Lage spitzt sich zu, als Gomes aus Deutschland Maschinengewehre ordert, die dann auch eintreffen, und mit diesen Waffen sind seine Soldaten eigentlich unschlagbar, und Cangaceiros, die nur normale Gewehre haben, haben keine Chance. Und diese Tatsache wird den Cangaceiros auch bekannt. - Und hier hat dann der Arzt die Hände im Spiel. Aber mehr verrate ich nicht, es geht sehr spannend weiter, und es gibt ein Ende. Nur welches??
Meine abschließende Meinung
Die Autorin hat, was im Nachwort schön zu lesen ist, sehr gut recherchiert, und sich über diese Guerilla-Gruppen sehr gut informiert.Ob in Archiven, oder aber auch bei Leuten, Nachfahren, die noch was wussten. Alle Geschehnisse sind natürlich fiktiv, allerdings die politischen Ereignisse, auch die Weltwirtschaftskrise usw. sind authentisch.
Die Namen, wie auch Gomes, sind erfunden, und einige Figuren der Cangaceiros hatten ähnliche Schicksale wie die geschilderten, des Falken, der Schneiderin usw. - Und auch, dass die Schneiderin, dann ja Kopf der Cangaceiros-Gruppe, Frauen aufnahm, und dann einige Paare dabei waren. Auch das hatte sie den Aufzeichnungen in Archiven entnommen.
Diese Geschichte, mit den Singer-Nähmaschinen, die die Cangaceiros dann für Luzia immer trugen, damit sie unterwegs nähen konnte, könnte wahr sein. Und egal, ob wahr oder erfunden, interessant ist diese Tatsache allemal.
Den Namen "Schneiderin" hatte Luzia ja deshalb bekommen, weil sie - zumindest am Anfang - alle Uniformen und Kleidungsteile mit zahlreichen wunderschönen Stickereien versehen hatte. Und natürlich aus erbeuteten Stoffen neue Uniformen für die Cangaceiros geschneidert hatte.
Insgesamt ließ sich dieses Buch wunderbar gelesen; tausend Einzelheiten, die sehr interessant sind, aber vor allem auch viele Überlegungen, Charakterzüge von Guerillas, die nicht negativer sind, als die der Mächtigen im Land, sind zu finden.
Und nicht zuletzt, eine sehr spannende Geschichte.
Und auch interessant, wie sich zwar alle südamerikanischen Inhalte von Büchern von dort ähneln, aber dennoch wieder sehr unterschiedlich sind. Ich habe deshalb eine Karte von Brasilien eingefügt, damit zu sehen ist, wie damals die Landeinteilung war, bzw. vermutlich auch heute noch ist, nur eben unter einem Dach: Brasilien.
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