... Die Autorin bindet diese Geschichten alle in ihr Geflecht aus bekannten Motiven ein. Dazu gehört auch der mittelalterliche Mythos vom Feenreich, hier Feery genannt. Dieser Mythos war in England - siehe Edmund Spenser und Shakespeare - besonders verbreitet. Auch die irischen und walisischen ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von mima17 über Die Schöne / Sheri Tepper 16.02.2000
Produktbewertung des Autors:
Niveau
anspruchsvoll
Unterhaltungswert
hoch
Spannung
durchschnittlich spannend
Wie ergreifend ist die Story?
ergreifend
Pro:
Originelle Dornröschen - Parodie mit Hölle und Elfen
Kontra:
könnte moralisierend wirken; gibts nur noch bei justbooks/ebay/sfbasar . de
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Tepper ist eine ausgezeichnete Erzählerin, und Beauty gehört in die Bibliothek jedes Fantasy-Fans als eines der originellsten und engagiertesten Werke des Genres. Das einzige, was mich persönlich störte, war die ausschließlich weibliche Sicht der Dinge und der manchmal zu hoch erhobene Zeigefinger der Hauptgestalt - aber das läßt sich verschmerzen.
Handlung
Wir alle kennen die Märchen der Brüder Grimm: Dornröschen, Froschkönig, Schneewittchen und Aschenputtel. Nun, dieser umfangreiche Roman enthält sie alle, einfach aus dem Grund, daß die Geschichten, die die Grimms gesammelt hatten, offenbar einer realen Grundlage nicht entbehrten. Die Autorin bindet diese Geschichten alle in ihr Geflecht aus bekannten Motiven ein. Dazu gehört auch der mittelalterliche Mythos vom Feenreich, hier Feery genannt. Dieser Mythos war in England - siehe Edmund Spenser und Shakespeare - besonders verbreitet. Auch die irischen und walisischen Kelten hatten ihr Gutteil an Material dazu beigetragen. Diese zwei Geschichtenkreise entsprechen den zwei Abstammungen der Hauptperson des Romans "Die Schöne", Beauty, da sie die Tochter einer Fee und eines menschlichen Herzogs ist. Ihre Geschichte beginnt im Jahr 1417 irgendwo in England, und zwar mit dem Übereintreffen einer bösen Stiefmutter, Beautys Geburtstag und dem Inkrafttreten des bannfluches, den die vermeintlich bösen Tanten unseres Dornröschens verhängt haben: Beautys Zuhause wird in einen unbegrenzt langen Schlaf fallen und die Burg Westfaire als bald von einer unüberwindlichen Hecke aus Rosensträuchern umschlossen.
Da kann man nur auf den Prinzen hoffen, der da nach 100 Jahren kommen soll. Doch da die Autorin mit dem bekannten Material spielt, passiert nichts dergleichen und die Lebensgeschichte Beautys nimmt einen ganz anderen, höchst abenteuerlichen Verlauf. Denn nicht Beauty, sondern ihre Zwillingsschwester liegt schlafend als Opfer des Banns im Schloß, und Beauty macht sich auf die Suche nach ihrer verschwundenen Mutter, der Fee Elladine.
Siebenmeilenstiefel tragen sie ins Feenreich, kehrt sie in unsere Welt zurück, macht ein Feenmantel sie für Menschen unsichtbar.
So gewappnet, besteht Beauty ein Abenteuer nach dem anderen. Dies ist jedoch nicht mit Action zu verwechseln, sondern mit den Wechselfällen des Lebens - z.B. Entführung, Vergewaltigung, Heirat und Geburt usw. - sowie den damit verbundenen Gefühlen. Beauty hat Freunde unter den Erdgeistern, Bogles genannt, und den Feen und Engeln. Ihre Feinde sind der stolze Fürst der Feen, Oberon, den Shakespeare-Freunde aus dem "Mittsommernachtstraum" kennen (Titania taucht nur in einer Nebenrolle auf, dafür ist jedoch Puck, der Erdkobold, ständig in der Nähe). Oberon läßt sich von Satan verführen, ihm Beauty als Tribut zu opfern und so landet unsere Heldin gegen Ende des Buches gar noch in der Hölle.
Beobachtungen
Höllenbeschreibungen sind in der Fantasy-Literatur, z.B. bei Dante, oftmals die besten Stellen, weil sich hier der Autor vom moralischen Abschreckungstrieb anstacheln und er seine Phantasie zu Höchleistungen antreiben läßt. Nicht so bei Tepper. Vielmehr stellt sich heraus, daß die Menschen und darunter insbesondere die Horrorschriftsteller die besten Handlanger des gefallenen Engels Luzifer sind, da ihre menschenfeindlichen Phantasien in Teppers Augen dazu beitragen, die Empfindungen der Lebenden gegen den alltäglichen Horror - Krieg, Mord, Vergewaltigung usw. - abzustumpfen.
In der Hölle wird ein Horrorautor sein bestes Opfer, da er Luzifer die Horrorszenen seiner Bücher vorspielen "darf". Beauty trifft hier auch ihren Vergewaltiger wieder. Schließlich gelingt ihr mit Hilfe einer List und eines "zauberhaften" Gedichts die Flucht. Damit erreicht sie, ohne es zu wissen, ein wichtiges Ziel: die Bestrafung Oberons durch den "Allerhöchsten", weil Oberon den Pakt zum Schutz aller Menschen gebrochen hatte, und den Kriegszug aller Feen gegen den Herrn der Finsternis. Im Alter von 116 Erdenjahren - Zeitreisen nicht mitgezählt - beendet Beauty ihren Lebensbericht.
Mein Eindruck
In "Beauty" vereint Tepper bekannte Fantasystoffe mit einer harschen Kritik an den Verfallserscheinungen unserer Zeit: die Zerstörung der Umwelt, die Abstumpfung des Gewissens bei immer mehr Menschen und das Verschwinden des Schönen allgemein, sei es in der Natur, sei es in der Kunst, sei es im menschlichen Miteinander.
Das Kapitel, das Beautys Aufenthalt im 20 Jahrhundert, genauer 1991 bis 1994, schildert, ist eines der schmerzlichsten des Buches, denn der Leser kann nicht leugnen, daß die geschilderten Zustände bereits Teil der amerikanischen Realität sind (hierzulande kommt das wohl noch oder ist erst stellenweise zu beobachten). Das Ende der bekannten Menschheit findet seine Darstellung dann im 22. Jahrhundert, wenn Filmteams die letzten Wale/Bäume/Radieschen filmen, um sie den eingepferchten Milliarden von Menschen wenigstens als Erinnerung zu erhalten.
Michael Matzer (c) 1998ff
Info: Beauty, 1991, 668 S., Heyne, München, HSF 060/5344, aus dem US-Englisch v. Biggy Winter, DM 16,90, ISBN 3-453-xxx
Pro: origineller Weltentwurf; tiefschürfende Fragen werden angeschnitten; stellenweise spannend Kontra: etwas langsam, wenig Action, wenig Spannung, erfordert Kenntnis der Vorgängerbände
...Gestaltwandler ist und dem Todfeind in der Stunde der Wahrheit Paroli zu bieten vermag.
Im dritten und letzten Band der Trilogie um das Wahre Spiel bringt Sheri Tepper alle Handlungsfäden zu einem halbwegs befriedigenden Abschluß. Ganz am Schluß öffnet sie aber schon wieder Perspektiven für weitere Bände - clever girl!
Die Autorin
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Sheri S. Tepper wurde am 16. Juli 1929 als Shirley Stewart Douglas in der Nähe von Littleton (Colorado) geboren. Sie heiratete zum ersten Mal im Alter von 20 Jahren; diese Ehe wurde 1955/1956 geschieden, wodurch sie zur alleinerziehenden Mutter ihrer zwei Kinder wurde. Sie schlug sich jahrelang mit den verschiedensten Jobs durch, unter anderem arbeitete sie für die internationale Hilfsorganisation CARE. Zur Ruhe kam sie erst mit ihrer Arbeit für die Rocky Mountain Planned Parenthood, eine Klinik...
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...auf der anderen Seite. Wenn man will, kann man dieser Konstellation eine Menge Spaß abgewinnen, und das machen die 'Chicks in Chainmail' Autorinnen und Autoren sehr gerne. Wie ich schon in der Besprechung zu 'Did You Say Chicks!?' anmerkte, vertreten sie dabei meist emanzipierte bis feministische Positionen, ohne aber so penetrant und aufdringlich wie z.B. Sheri S. Tepper zu werden. Humor ist eine viel bessere Waffe im Kampf der Geschlechter, wenn er schon auf den Buchseiten ausgefochten werden muß.
Margaret Ball gehört wie Mercedes Lackey oder Anne McCaffrey zu den Autorinnen, die ihren Gesichtspunkt darstellen können, ohne zum Holzhammer zu greifen. Und sie bringt viele sehr ernste Dinge ins Spiel ? um geradezu spielerisch dem Leser diese klarzumachen. So werden u.a. Tendenzen im amerikanischen Schulsystem angeprangert, wird vehement...
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...: Nicht einen Vertreter dieser hochentwickelten, sternenfahrenden Gattung Mensch kommt in den Sinn, dieses Gott-Ding genauer zu erforschen, niemandem fällt auch später etwas zu Symbiose oder anderen esoterischen Dingen ein. Jeder halbgebildete SF-Leser weiß sofort, was da passiert, aber für die Leute und die Handlung hat das keine Bedeutung (jedenfalls solange ich die Geduld zum Lesen aufbrachte). Als der letzte Ureinwohnergott gestorben ist, d
auert es nicht lange, bis eine unbekannte Macht die Kinder eines Dorfes dazu benutzt, einen Tempel zu restaurieren und einen neuen Gott einzusetzen. Und wieder nimmt man das im Dorf in stumpfer Teilnahmslosigkeit hin.
Diese Story an sich wäre recht interessant, abgesehen von ihrer schon zu Anfang auftretenden Widersprüchlichkeit. Aber Sheri S. Tepper führt noch eine zweite Handlungsebene ein...
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