Witzischkeit kennt keine Grenzen (nach unten)
06.06.2012
Pro:
zumindest der Soundtrack ist nicht unter aller Kanone
Kontra:
alles andere schon
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
mehr
 Dr.Ed
Über sich:
Auch dieses jahr fallen Ostern und Weihnachten wieder auf einen Tag: Der nächste Ciao-Stammi in HH f...
Mitglied seit:02.03.2001
Erfahrungsberichte:577
Vertrauende:89
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 53 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo Zielgruppe! Hochzeitsfilme scheinen gerade irgendwie schwer in Mode zu sein. Insbesondere Filme, die zeigen, was im Vorfeld oder während Hochzeitsfeiern alles schiefgehen kann. Nach den beiden „Hangover“-Filmen und Sönke Wortmanns „ Das Hochzeitsvideo“ scheinen nun auch die Australier dieses Thema für sich entdeckt zu haben. Wie die Australier das Thema umgesetzt haben und was von dieser Umsetzung zu halten ist, dazu mehr in diesem Bericht. ### INHALT ###
~~~ Heute die „MissVega und Dr.Ed haben schon einen Hangover von zu vielen schlechten Hochzeitsfilmen“ - Mittelversion ~~~ Während einer Reise durch die Südsee lernt der Brite David auf Tuvalu die schnuckelige Australierin Mia kennen und lieben. Die Liebe ist so groß, dass man kurzerhand beschließt, zu heiraten. Da David keine Eltern mehr hat und seine Kumpels Luke, Graham und Tom zwar so etwas wie seine Ersatzfamilie für ihn sind, aber David sich nach „richtigem“ Familienanschluss sehnt, soll die Hochzeitsfeier in Australien stattfinden. Seine Kumpels stehen diesem Vorhaben eher skeptisch gegenüber, lassen sich aber letztlich von dessen Sinnhaftigkeit überzeugen und steigen mit David in den Flieger nach Australien, um ihm als Trauzeugen beizustehen.
In Australien angekommen, wird Luke von der Familie seiner Zukünftigen gleich im V.I.P.-Raum des Flughafens in Empfang genommen. Sein Schwiegervater in spe entpuppt sich als ziemlich aufgeblasener Regional-Politiker, der ein riesiges Anwesen besitzt, auf dem auch die Feier stattfinden soll. Währenddessen haben seine Flitzpiepen-Freunde nichts besseres zu tun, als einen örtlichen Drogendealer aufzusuchen. Dabei vertauscht Graham seine Reisetasche mit einer fast gleich aussehenden Tasche des Dealers und damit fangen dann die Probleme an. Denn als alle Beteiligten diesen Irrtum bemerken, hat das Chaos schon seinen Anfang genommen... ### MEINE MEINUNG ###
Seit den beiden „Hangover“-Filmen ist ja hinlänglich bekannt, welche Folgen ein Junggesellen-Abschied unter Drogeneinfluss haben kann. Man wacht am nächsten Morgen in einem Chaos auf und es fehlt jedwedes Erinnerungsvermögen, wie es zu diesem Chaos kam. Dummerweise lassen sich die Spuren dieses Chaos nicht so ohne weiteres beseitigen und so schlittert man von einer Verlegenheit in die nächste. Auch hier darf wieder der Auftritt eines Vierbeiners nicht fehlen. Offenbar gehören in Filmen dieser Art Tiere zum Gelingen eines Junggesellen-Abschieds irgendwie dazu. Hier darf Schafbock Ramsy, das Wahlkampf-Maskottchen von Mias Vater, in Spitzenunterwäsche durchs Bild laufen und verschluckt nebenbei noch einige Beutelchen mit Kokain, die natürlich geborgen werden wollen, was – naheliegenderweise – einige unappetitliche Szenen nach sich zieht. Wer meint, bei den beiden „Hangover“-Filmen oder beim Hochzeitsvideo schon alles an gängigen Unappetitlichkeiten gesehen zu haben, der wird hier leider eines besseren belehrt. Der Film scheint sich an das Motto zu halten „es gibt kein Niveau, dass wir nicht noch unterbieten könnten“. Jedenfalls dürfte dieser Film in der Rubrik „Schlimmer geht’s nimmer“ ziemlich weit vorne landen, denn unsere Trauzeugen landen buchstäblich in der Scheiße und der berühmt-berüchtigte Griff ins Klo ist hier durchaus wörtlich zu nehmen. Es wird keine Zote, aber auch kein Klischee ausgelassen. Leider ist der Film dabei in keinster Weise innovativ oder wirklich originell. Im Grunde genommen werden hier nur Gags, wie man sie aus anderen Filmen kennt, nur ein wenig variiert. Hier ein bisschen „Hangover“ dort ein wenig „Die Hochzeits-Crasher“, da noch eine Prise „Das Hochzeitsvideo“ und fertig ist die Liebeslaube.
Ist ja auch im Grunde bequem: Einfach Rezept übernehmen, dann noch mit etwas Lokalkolorit abschmecken und fertig ist der Chaos-Cocktail. Leider wird dabei völlig ignoriert, ob das Publikum diesen Cocktail auch verträgt bzw. goutiert. Wenn man noch nie einen Film aus dieser Gattung gesehen hat, wird man an einigen Stellen sicherlich herzlich lachen können. Wenn man jedoch die oben zitierten Filme kennt, wird man sich höchstens ein müdes Lächeln abringen können und überlegen, welchen Gag man schon wo – so oder in ähnlicher Form und wahrscheinlich besser – gesehen hat. Die Wiedererkennungseffekt ist ebenso enorm wie ermüdend und man fragt sich ernsthaft, wie bekifft, bekokst oder besoffen oder alles zusammen der Drehbuchautor gewesen sein mag, als er an diesem Film gearbeitet hat, denn ohne Zuhilfenahme bewusstseinserweiternder Mittelchen dürfte das ganze nur schwer zu ertragen sein. Als Beispiel sei hier nur Graham erwähnt: Mit seiner Frisur und seinem verunglückten Schnurrbart sieht er nach den Worten seiner Freunde wie eine Junior-Ausgabe eines faschistischen Diktators aus, während er darauf besteht, einen Charlie-Chaplin-Schnurrbart zu haben – was haben wir gelacht, drei Eimer voll und den Rest in Tüten. Oder nehmen wir Luke: Er wurde von seiner Freundin verlassen wegen eines Typen, der angeblich keinen Penis hat. Das deprimiert ihn natürlich derart, dass er ständig Alkohol trinkt und Selbstmordgedanken hat und seine Kumpels ihn aus allen möglichen und unmöglichen gefährlichen Situationen retten müssen. Oder Drogendealer Ray: Nach außen hin ein harter Kerl, der in jeder Motorrad-Gang locker unterkommen könnte und der auf einmal seine sensible Seite entdeckt, als er mit Graham redet und ihm dabei von seinen Panikattacken erzählt. Oder Schwesterchen Daphne, die vorgibt, lesbisch zu sein, um die spießigen Eltern zu schockieren, aber in Wirklichkeit auf Typen wie Graham steht. Witzig...
Die Liste peinlicher Plattheiten ließe sich an dieser Stelle noch beliebig fortsetzen, aber das spare ich mir aus Zeit- und Platzgründen. Überhaupt ist die Inszenierung reichlich konventionell geraten. Man ahnt häufig schon, welcher Gag als nächstes kommt und auch viele Slapstick-Szenen wirken ziemlich bemüht und aufgesetzt. Darstellerisch werden die Beteiligten nicht wirklich gefordert. Kris Marshall und Kevin Bishop sorgen für die meisten Lacher und bekommen ihre Figuren ganz gut hin. Xavier Samuel und Laura Brent bleiben als Brautpaar insgesamt ein wenig blass, aber machen noch das beste aus ihren Rollen. Jonathan Biggins kann zwar seine Politiker-Figur auch glaubhaft ausfüllen, aber da sie ziemlich klischeehaft angelegt ist, wird er auch nicht wirklich gefordert. Ähnliches gilt für Steven Le Marquand als sensibler Drogendealer und Rebel Wilson als vermeintlich lesbische Schwester der Braut. Prominentester Name auf der Besetzungsliste ist Olivia Newton-John, die als überdrehte Schwiegermutter hart am Rand des Overacting agiert. ### FAZIT ###
Wer auf Unterhaltung mit Niveau steht, wird hier definitiv deplatziert sein und wenn man Filme wie „Hangover“ oder „Die Hochzeits-Crasher“ oder „Das Hochzeitsvideo“ mochte, wird man sich vielleicht noch an der ein oder anderen Stelle ein Lachen oder zumindest ein müdes Lächeln abringen können. Aber wirklich amüsieren kann man sich hier definitiv nicht, denn die meisten Gags in diesem Film kennt man schon irgendwie von irgendwoher. Selbst unter Trash-Gesichtspunkten kann ich diesen Film nicht empfehlen, denn er ist meist nicht einmal unfreiwillig komisch. Insofern kann ich von diesem Film einfach nur abraten, denn er ist letztlich nur Zeit- und Geldverschwendung, weil er diesem Genre keinen einzigen wirklich neuen Aspekt hinzufügen kann. Deswegen vergebe ich nur 1 von 5 möglichen Brautsträußen und rate von diesem Film ab. ### ABSPANN ###
Spielfilm AUS 2011, 97 Min., FSK 12 Regie: Stephan Elliott Buch: Dean Craig Kamera: Stephen F. Windon Musik: Guy Gross
~ David Locking – Xavier Samuel ~ Mia Ramme – Laura Brent ~ Graham – Kevin Bishop ~ Luke – Tim Draxl ~ Tom – Kris Marshall ~ Daphne Ramme – Rebel Wilson ~ Jim Ramme – Jonathan Biggins ~ Barbara Ramme – Olivia Newton-John ~ Ray – Steven Le Marquand ~ Maureen – Elizabeth Debicki ~ Eddie Marshall – Alan Cinis u.v.a.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Verwandte Tags für Die Trauzeugen (2012)
|
|
27.11.2012 12:46
Wo ich jetzt deine Inhaltsanagabe und deine Meinung zum Film lese glaube ich, diesen auch schon gesehen zu haben... aber irgendwie verschwimmt das alles mit dem Hangover-Einheitsbrei...
28.06.2012 13:18
Das klingt ja grottig,aber nach dem Efolg von hangover war mit soclhen miesen Abklatschfilmen ja leider zu refhnen.
21.06.2012 06:30
Jesses, zum Fremdschämen....da könnte ich weder Hirn runterfahren noch an erhöhter Verzweiflung leiden oder zuviel Alkohol intus haben....und selbst das schaffe ich in seltener Form (fällt mir gerade Steinzeit Junior ein, huah!);-)