Die Welt ist rund (Hörbuch) / Stein

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Die Welt in Kinderaugen: rund und bunt

5  19.07.2009 (28.06.2011)

Pro:
lautmalerisch, poetisch, kindgerecht, kongenial vorgetragen, preisgünstig

Kontra:
ein wenig Vorwissen über G .  Stein wäre hilfreich, wird aber im Booklet nur angerissen

Empfehlenswert: Ja 

mima17

Über sich: Ich wünsche allen meinen Lesern ein gesundes, erfolgreiches Jahr 2013! +++ Bitte keine Leserunden-An...

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Dies ist die Geschichte der kleinen Rose. Sie tut etwas, was wir alle lieben: Sie schreibt ihren Namen in die Rinde eines Baumes. Und weil Rose die Schönheit liebt und das Mädchen den Namen der schönsten aller Blumen trägt, schreibt sie: „Rose ist eine Rose ist eine Rose…“. Der Baum ist rund, der Abend noch weit – bis Rose auf einem anderen Baum etwas entdeckt, das jemand anderer eingeritzt hat. Jemand, den sie ganz genau kennt. Da weiß sie, dass sie den Gipfel des Berges erklimmen muss…

Die Autorin
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Gertrude Stein, 1874 in Pennsylvania geboren, studierte Psychologie, Medizin und Philosophie. 1903 zog sie nach Paris und wurde Mittelpunkt eines Künstlerkreises aus Malern und Schriftstellern, darüber Matisse und Picasso. „The World Is Round“ entstand 1939 als Auftragsarbeit an einen New Yorker Verlag. „Rose is a rose is a rose“, die ihre Heldin Rose in die Rinde eines Baums ritzt, gehört mittlerweile zu den am häufigsten benutzten literarischen Zitaten und zeigt Stein experimentellen Schreibstil. Sie starb 1946 in Paris.

Der Sprecher
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Rufus Beck, geboren 1957, ist Bühnen-, Film- und Fernsehschauspieler und hat als deutsche Stimme der "Harry Potter"-Hörbücher mit seiner vollendeten Sprechkunst die Herzen zahlreicher HP-Fans erobert. Er hat aber auch alle Bücher des Iren Eoin Colfer als Hörbücher aufgenommen, insbesondere die über "Artemis Fowl". Beck liest die ungekürzte Fassung.

Die Musik trug Martin Stock bei. Stock, geboren 1961, studierte Musik und Germanistik. Er hat u.a. für das New York City Ballet, das Staatstheater am Gärtnerplatz München und Filmmusiken im Internet- und Ausland komponiert. Die verwendete Musik stammt aus seinem „Konzert für 2 Klaviere und Streicher“

Die Tonmischung führte Martin Pfeiffer durch. Die Aufnahme entstand 2002.

Handlung
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Die Welt ist rund, und in ihr befinden sich Kinder und Tiere und all wollen von sich erzählen. Da ist Rose, ihr Vater heißt Bob und ihre Mutter Kate, aber sie heißt Rose und ist neun. Sie hat zwei Hunde, Love und Pepe. Pepe ist ein unartiger Hund, der sei A-a in die Wohnung macht, nie gehorcht und Rose sogar beißt. Als man ihn rauslässt, läuft er weg. Love hingegen ist groß und weiß und liebevoll und Rose liebt es, ihm vorzusingen (sie liebt es überhaupt zu singen). Und sie weint mit ihm (Rose weint gern und oft).

Und da ist Willie, ihr Cousin, der wäre zweimal fast ertrunken, einmal in einem runden See (denn die Welt ist rund) und einmal nach einem Platzregen. Wenn der Mond aufgeht, liebt es Willie, mit den Eulen zu singen (ob Eulen singen?), und die Shooette-Eule antwortet. Wenn er träumt, dann von einem Wasserschlund. Schuhu!

Rose, die schöne Rose, muss in die Schule, aber in der Schule ist sie stumm, denn sie darf nicht singen, und sie schaut auf die Berge und weint. Auch Willie liebt es zu singen, und er singt über alles Mögliche, denn dadurch werden seine Sorgen weniger. Es ist an der Zeit, etwas für Rose zu tun. Er geht mit seinem Paps in den Laden mit den wilden Tieren und er darf sich eines aussuchen: einen Löwen. Einen großen. Er nennt ihn Billie.

Er schenkt Rose seiner Cousine zwei Pfirsiche und den Löwen, doch Rose muss an Love ihren Hund denken und wie der zum ersten Mal bellte: Das war, als er Löwen in einem Zirkus sah. Rose hat mit der Farbe des Löwen ein Problem, denn nicht Gelb ist ihre Lieblingsfarbe sondern blau, und der Löwe ist nicht blau. Entweder oder, oder? Und so geht sie zu Willie, „hier nimm Billie zurück, der ist für dich“. Und sie geht und vergisst den Löwen, und Willie singt. Und bald ist Billie wieder weg.

Ein Stuhl auf dem Berg

Roses Lieblingsfarbe ist blau, und die Berge sind blau unter den weißen Wolken und den Vögeln, und sie singt ein Lied vom Berg. Auf einen Gipfel vom Berg, mit einem Stuhl und darauf sitzen, so! Und so macht sie es. Sie nimmt den blauen Gartenstuhl eine wunderbare Farbe, und geht früh los, um auf den Berg zu klettern. Sie nimmt nichts zu essen mit, und mal steckt der Stuhl fest, und mal huscht etwas durchs Gebüsch, mal bleibt der Stuhl stecken, und der Hang ist steil, dann muss Rose rasten. Wacht sie oder träumt sie? Sie träumt, sie höre Willie rufen.

Es wird Nacht, und das Alpenglühen war sehr schön, aber jetzt schaut Rose auf die Sterne, erinnert sich an Binsenweisheiten wie „Spinne am Abend, erquickend und labend“, und „Spinne

Bilder von Die Welt ist rund (Hörbuch) / Stein
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Die Welt ist rund (Hörbuch) / Stein Die Welt ist rund / Cover
Die Welt ist rund / Stein, Gertrude
am Morgen, Kummer und Sorgen“. Sie denkt an Willie und geht weiter, in der Nacht. Sie denkt an Wasser, Wasserfall, Wasserotter, hat der Angst, nein, hat er nicht. Und Rose geht hinter den Wasserschwall des Wasserfalls, dort ist es trocken, und setzt sich in ihren Stuhl. Da steht dreimal an die Wand geschrieben: „Teufel! „Teufel! Teufel!“ Aber sie kann die Schrift nicht lesen, denn es ist ja stockdunkel. Sie geht weiter, im Licht der Sterne und des Mondes, den Hang hinauf, mit Stuhl. Sie ist zehn.

Am Morgen erwacht sie, da sind Bäume und Felsen, doch alles ist trocken, nur dass sie allein ist, macht ihr angst und bange. Sie gelangt zu einem Baum, einem schönen Baum, einem runden Baum. Sie hat eine Idee: Sie will ihren Namen einritzen: „Rose ist eine Rose ist eine Rose“. Sie ritzt so hoch sie reichen kann, wenn sie auf ihrem Stuhl steht. Wenigstens hat sie nicht vergessen, ihr Taschenmesser einzustecken. Da fällt ihr Blick auf einen anderen Baum. Und auf dem ist etwas eingeritzt: ihr Name. Und darunter „Willie“ und „Billie“. Da fühlt sich Rose sehr komisch.

Sie egeht weiter den Hang hinauf, und aus dem Wald und den Felsen wird Gras, so viel Gras, und es hat ein elegantes Grün. Sie sieht einen schwarzen Hund und tappt in etwas Rundes (einen Fladen?), bis sie an etwas Violettes gelangt. O, ein Regenbogen. Sie tritt hindurch und gelangt zu einer Stelle, wo das Grün blau wird: der Gipfel des Berges. Sie stellt den Stuhl auf und setzt sich hinein, denn wozu hätte sie sonst den Stuhl mitgebracht? Sie stellt sich vor, der Stuhl wäre ein Bett und sie würde träumen. So wird es dunkel. Auf einem anderen Berg sieht sie ein Licht, das wandert: einen Suchscheinwerfer. Ist es Willie? Rose singt und sie weint und singt. Und das Licht wandert zu ihr.

Nachspiel

Und es zeigte sich, dass Rose und Willie nicht verwandt waren, und sie heirateten und bekamen Kinder und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Die Welt… ist immer noch rund.

Mein Eindruck
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Es ist eine Kindergeschichte, schon klar, und sie sieht täuschend einfach aus, aber sie hat viele Ebenen. Gertrude Stein schrieb sie 1939 auf Bitten eines amerikanischen Verlages, nachdem sie 1934/35 eine Vortragsreihe durch die Vereinigten Staaten gemacht und ihre literarische Methode veranschaulicht und erklärt hatte. 1933 hatte sie die erfolgreiche „Autobiographie von Alice B. Toklas“ veröffentlicht (deutsch erst 1955) und moch mehr Aufmerksamkeit errungen als durch ihren Salon und ihre Bekanntschaften mit namhaften Künstlern wie Hemingway, Picasso, Matisse und vielen anderen.

Bausteine

Schon 1909 hatte sich Gertrude Stein von den traditionellen Konzepten und Formen der erzählerischen Traditionen abgekehrt. Schon da verwendete sie ständig wiederkehrende Sprachmuster, nicht nur um mit einfachsten Mitteln erzählen zu können, sondern um diese Sprachmuster sichtbar zu machen. Dadurch lassen sie sich hinterfragen, infragestellen und die Sprecher, die sie benutzen, analysieren.

Die Sprache wird durch Entkleidung ihrer Bedeutung aber auch zum Material selbst: nicht nur auf der Ebene der Wörter und Sätze, sondern auch auf der Ebene der Laute. Die Sprache wird sowohl Form als auch Klang, wird zu Musik. Und wie eine Musikmelodie lässt sie sich ständig variieren, bis sich aus Wiederholung und Variation ein endloses Band ergibt: „Rose ist eine Rose ist eine Rose.“ Diese Sprache ist dazu gedacht, gehört zu werden. Man könnte sie heute einen „Rap“ nennen.

Wichtig dabei ist der Aspekt der Zeit. In den traditionellen Erzählerweise gibt es einen Erzähler, der in im Rückblick von etwas Geschehenem auf eine zusammenhängende Weise berichtet. Selbst Historie wird auf diese Weise eine Geschichte, und dem Leser bzw. Hörer wird auf diese Weise suggeriert, die Welt werde durch die Geschichte (im doppelten Wortsinne) erklärt, weil Ursache und Wirkung klar seien. Leider hält sich die Welt, die geschieht, nicht an dieses Konzept.

Endlose Gegenwart

Die Ereignisse finden in der Gegenwart statt, und ein Beobachter der Ereignisse würde sie in einer Art fortlaufendem Präsens beschrieben. Rose ritzt ihren Namen in die Rinde und schreibt nicht: „Rose war wie eine Rose und demzufolge…“, sondern sie ritzt „Rose ist eine Rose ist eine Rose“, denn die Gegenwart ist fortlaufend. Es ist Zeitlosigkeit, die dadurch berührt wird, und die Aufhebung von Zeit nennen wir Ewigkeit. (Die meisten Menschen glauben, „Ewigkeit“ sei eine sehr lange Zeit, aber das stimmt nicht. Denn wenn Zeit eine sehr lange Länge hätte, wäre sie ja endlich. Zeit ist jedoch unendlich oder gar nicht.)

Das „Continuous Present“, das Stein als ihr ureigenes Erzähltempus entwickelte, setzt sich aus sehr kleinen Grundformen zusammen, wiederholt diese Bausteinchen oft und variiert sie fortwährend. Die Entwicklung ist spannend, weil sie unvorhersehbar ist. Keiner (außer der Erzählerin) weiß, wohin die Entwicklung führen wird. Geht die Geschichte gut aus, sind alle froh, und ein Happyend – wie bei der schönen Rose – wirkt wie ein Wunder. Wie ein Bad End aussieht ist, wollen wir uns gar nicht vorstellen: eine Tragödie.

Blickpunkte

Wie Stein schon ihren Galanen Picasso und Matisse beibrachte, ist es nicht zwingend, dass man ein Kunstwerk nur aus einem einzigen Blickwinkel betrachtet. Man kann ein Kunstwerk auch so anlegen, dass man es aus verschiedenene Blickwinkeln betrachten kann und jedesmal etwas anderes entdeckt. Sie gehört zu den wichtigsten Einflüssen des Kubismus, der auch die pseudo-dreidimensionale, die monoperspektivische Darstellung aufgab, die erst in der Renaussance entdeckt und entwickelt worden war, 400 Jahre zuvor.

Auch die Geschichte von Rose wird nicht nur aus ihrem Blickwinkel erzählt. Auch Willie hat einen eigenen Blickwinkel und ist eine handelnde Figur. Er wäre zweimal fast ertrunken, erfahren wir, und hat ein reges Seelenleben. Er ist es, der Rose den Löwen Billie schenkt. Er hat einiges für seine Cousine übrig. Wird es ein Happyend für die beiden geben, fragt sich der Leser unwillkürlich. Und die Geschichte löst diese Hoffnung ein. Aber erst im Nachspiel, und ob wir diesem glauben sollen, ist uns überlassen.

Die Geschichte an sich

Die Geschichte von der schönen Rose, die auf den Berg steigt, ist für eine Kindergeschichte schon ziemlich ungewöhnlich. Nicht nur, dass die Neun- oder Zehnjährige (erlebt sie ihren Geburtstag auf dem Berg?) völlig allein und ohne Verpflegung auf den Berg klettert, sie tut es auch noch, um dort oben einen Stuhl aufzustellen und sich hineinzusetzen. So etwas Absurdes würde doch sonst nur eine der wohlhabenden Urlauberinnen tun, die sich damals in Deauville oder Biarritz verlustierten. Es ist ein sinnloses Vorhaben und gerade darum so witzig und charmant.

Noch interessanter ist die Art und Weise, wie die schöne Rose die Welt wahrnimmt. Die Welt ist rund und voller Farben. Da ist Grün und Blau und ein Regenbogen – Rose tritt in ein Gemälde, das ein Impressionist geschaffen hat, und sie ist mittendrin. Da ist das Alpenglühen, das die Berge rosig färbt: Rose ist überall! Und wenn sie ihren Namen in einen Baum ritzt, geht sie rundherum, denn die Welt ist in ihr und sie in der Welt, und die Welt ist rund, und der Baum ist rund, und so schreibt sie eben rundherum, bis sie nicht mehr weiterkann. Die Welt hat keine Ecken, Kanten, Grenzen, Linien, warum auch? Nur die Erwachsenen schaffen solche seltsamen Dinge.

Und darum ist auch die Zeit keine künstlich gemessene, sondern ein natürlicher Rhythmus aus Tag und Nacht aus Hell und Dunkel, aus Farbe und schwarzer Farblosigkeit. Dort drin in der Schwärze existiert der „Teufel“, aber nur für andere menschen, nicht für Rose, denn sie kann die Schrift an der Wand (Menetekel) nicht lesen: Das Licht fehlt ja. Und so bleibt Rose unschuldig wie eh und je. Sie bringt keine Opfer, niemand bringt wegen ihr Opfer, und so gibt es keine Schuld. Die Welt ist rein und rund.

Rose hat keine Ahnung vom Mythos von Sisyphus, der immer einen Felsen den Berg hinaufrollen musste, der dann wieder hinabrollte. Roses Aufstieg ist ein Protomythos, der den von Sisyphos ablöst: Sie existiert vor dem Sündenfall, den der antike griechische König begangen haben soll, so dass ihn die Götter straften. Wir müssen usn daher Rose auch nicht als glückliche Rose vorstellen, wie es Albert Camus verlangen würde, sondern wissen ganz genau, dass sie ein einfaches Mädchen ist, dem im Wald angst und bange wird, weil es allein ist. Das aber neuen Mut fasst, als es seinen Namen neben dem von Willie und Billie eingeritzt sieht. Und so schafft es den restlichen Weg bis ganz hinauf zum Gipfel, wo die Welt offen und bunt ist.

Wäre Rose eine erwachsene Frau, würde man sie eine eigensinnige Emanze nennen, die nicht an ihre Umgebung denkt, sondern nur an sich. Aber eine Erwachsene würde verantwortungsbewusst handeln. Sie würde auch keinen Stuhl auf einen Berggipfel mitnehmen, sondern erwarten, dass man ihr dort einen bereitstellt. Aber eine Erwachsene hätte niemals ihren Namen in die Rinde eines Baumes geritzt und niemals entdeckt, was Willie in den nächsten Baum geritzt hat. Der Weg ist für Rose wichtiger als das Ziel, anders als für Erwachsene. Und so wird aus der Geschichte der schönen Rose am Ende sogar noch eine Zen-Weisheit.

Der Sprecher
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Rufus Beck mag ja Geschichte, die für Kinder geschrieben wurden. Seien es Abenteuer von Jules Verne oder Robinson Crusoe, seien es Geschichten von seltsamen, mitunter homosexuellen Kindern („Der Fliegenfänger“) oder von Mädchen, die zwischen Himmel und Hölle pendeln („Meg Finn“) – Beck ist stets zur Stelle und gibt sein Bestes. Und dieses Beste ist überragend, denn der Schauspieler ist ein vollendeter Sprechkünstler. Als Regisseur weiß er auch die Tontechnik sinnvoll und auf vielfältige Weise einzusetzen.

So auch in „Die Welt ist rund“. Es gibt keinen Moment, indem der Sprecher vom Txt zurücktritt und sich wundert, was diese ungewöhnliche Sprache zu besagen hat. Der Sprecher verschwindet vielmehr im Text und überlässt die Aufgabe, sich zu wundern, dem Hörer. Alles andere wäre oberlehrerhaft und ein Eingriff in das Vorrecht des Hörenden.

Also legt Beck mit einer Einstimmung los und lässt dann Steins Sätze sich entfalten, denn sie wissen genau, wohin sie rollen sollen (wie der Fels von Sisyphos, der immer exakt bis zum Fuß des Berges rollt, aber keinen Millimeter weiter). Da ist die schöne Rose, die wie eine Rose, die schönste Blumen ist, und da ist Willie, und beide singen, und beide weinen. Beck singt ebenfalls, aber nicht so richtig, nämlich ohne Melodie, sondern wie ein Rapper singen würde. Die Worte sind wichtiger als die Melodie. Variationen ergeben sich durch Lautstärke (laut, leise), und Tempo (schnell, langsam).

Immer wieder setzt der Sprecher Hall für seine Sätze ein. Oder er beginnt weit entfernt (leise im Hintergrund) und kehrt in den Vordergrund zurück (wird lauter, präsenter). Da wird der Streoton gut ausgenutzt. Dass die Aufnahme in Stereoton erfolgt sein könnte, wird an keiner Stelle im Booklet erwähnt. Der Stereoeffekt kann also simuliert sein.

Die Geräusche

Es gibt Geräusche, aber nur äußerst wenige, denn sie sollen die fast allgegenwärtige Musik nicht stören. Am häufigsten hörte ich Donner, dan ein Rauschen wie von Wind, aber weder Eulen schuhuhen noch einen Löwen brüllen. Ein tiefes Brummen erklingt, wenn die Stimmung unbehaglich oder bedrohlich wirken soll, doch das Brummen lässt sich auch der Musik zurechnen. Der Übergang ist fließend.

Die Musik

Die Musik von Martin Stock ist zugleich traditionell und modern. Sein Klavierkonzert ist mit den herkömmlichen Streichen, Pianos, Flöten und Harfen instrumentiert, aber doch diese sind modern arrangiert. Sie klingen keineswegs „schräg“, sondern melodiös, aber nicht wie Klischees von Mozart oder Beethoven, die man schon tausendmal gehört hat. Da sind kleine Solo-Piano-Fragmente, da sind statisch schwebende Impressionenen, dann aber wieder richtig schön flotte Orchesterpassagen. Schließlich handelt es sich ja um Ausschnitte aus einem Klavierkonzert. So ist stets für Abwechslung gesorgt, um die Gefühle des Hörers zu „massieren“.

Für mich ist die Musik der große Pluspunkt dieses Hörbuchs, und Martin Stocks Beitrag hinterließ bei mir mir einen bleibenden Eindruck. Es wäre reizvoll, sich das Original zu besorgen, um das komplette Klavierkonzert genießen zu können.

Unterm Strich
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Die Geschichte ist täuschend einfach, hat aber sowohl in der Bedeutung als auch in der Präsentation ihre Besonderheiten. Was sucht ein kleines Mädchen – womöglich an seinem Geburtstag – mit einem Gartenstuhl auf einem Berg? Noch dazu ganz allein und ohne Verpflegung. Doch genauso wie der Mythos kaum nach Psychologie fragt, so auch nicht dieses märchenhafte Stück Kinderabenteuer. Es kommt auf die Schilderungen an, auf die Farben, die Begegnungen, die vielen Lieder. Der Weg ist das Ziel, nicht der Gipfel und dessen Aussicht.

Der literaturgeschichtlich bewanderte Hörer kennt wahrscheinlich das Zitat „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“, doch hier bekommt er endlich den Ursprung dieses Zitats zu lesen, angewandt auf ein Mädchen namens Rose. Es geht um die Schönheit der Welt, ihre Erfahrung mit allen Sinnen, besonders mit den Augen. Wenn Rose aber malen könnte, würde sie nicht singen. Gesang und Rose und Welt sind alles eins, denn Linien und Grenzen und Kategorien sind alles Erwachsenenwerke. Die Welt ist rund, wenn man sie mit Kinderaugen sieht.

Das Hörbuch

Rufus Becks Vortrag ist ein kongenialer Rap, wie er den variierenden Rhythmen der scheinbar einfachen Sätze angemessen ist. Hinzukommen ein paar Hintergrundgeräusche, aber vor allem die Musik. Die facettenreichen musikalischen Motive von Martin Stock erwecken die Geschichte zum eigentlichen leben, so dass wir uns wohlfühlen bei Roses absurdem Abenteuer auf dem Berg. Der Hörer mag sich fragen, ob Text, geräusche und Musik eine harmonische Einheit bilden. Aber dies ist ja kein Hörspiel, sondern lediglich das, was man heute als eine „inszenierte Lesung“ bezeichnet – und das Werk wurde schon vor sieben Jahren aufgenommen!

Fazit: volle Punktzahl.

Michael Matzer © 2011ff

Info: The world is round, 1939; Hörbuch Hamburg 2008, Hamburg; 2 CD, 103 Minuten, EU 9,95, aus dem US-Englischen übersetzt von Michael Mundhenk; ISBN 978-3-86742-816-3
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
giselamaria

giselamaria

29.06.2011 13:19

ein sehr schönes Buch, super Tipp!!! - wie immer top vorgestellt ;-))) - LG gisela

filfil67

filfil67

29.06.2011 09:16

bh am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen :-)

filfil67

filfil67

28.06.2011 18:28

Da komme ich doch morgen sehr gerne mit einem bh wieder. Gertrude Stein und Rufus Bech - das ist ja wohl ein Dream Team :-)

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