Das Paradies sieht anders aus
05.05.2012
Pro:
Eine andere erzählweise zwischen Phantasie, Genie und Zwischenwelt
Kontra:
Ab der Mitte wird es zu verwurschtelt
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
mehr
 yesup
Über sich:
Hey Ciao, das mit den "Aufplopp."Fenstern habe ich kapiert. Danke, für mich nicht mehr
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Auf der Suche nach visionärem hatte ich bei Amazon mal 1984 eingegeben und wollte mal schauen, wer das kauft, was der noch so kauft. Und so stieß ich auf Alfred Kubin – Die andere Seite. Bestellt bei Amazon am 16.11.11 und geliefert wurde es bereits am 17.11.11 Zum Äußeren:Da Taschenbuch sieht sehr edel aus und entsprechend ist eine schraffierte Zeichnung in grau und Ockertönen mit einem müden König auf einem Thron und einer tumben Anhängerschar in Kutten davor. Ergänzend zu Titel und Autor noch Ein phantastischer Roman und der Verlag Rororo. Rückseite: Ein Jahrhundertroman über den Kampf zwischen Gut und Böse. Eines Tages erhält ein Mann überraschend Besuch. Der verkündet ihm „Claus Patera, absoluter Herr des Traumreichs, beauftragt mich als Agenten, Ihnen die Einladung zur Übersiedlung in sein Reich zu übersenden.“ Der Mann folgt der Einladung. Doch die Traumwelt entpuppt sich als Überwachungsstaat, in dem sich ein apokalyptischer Kampf anbahnt…„Ein großer, düsterer Klassiker der phantastischen Literatur.“ Von Deutschlandradio Kultur www.rororo.de, ISBN und der Verkaufspreis 9,95 Euro Innenleben:Alfred Kubin wurde 1877 in Leitmeritz/Böhmen geboren. Er absolvierte zunächst eine Lehre als Fotograf und besuchte anschließend die Kunstakademie in München, um Graphik und Malerei zu studieren. Nach mehreren Studienreisen nach Frankreich, Italien und auf den Balkan ließ sich Kubin auf Schloß Zwickledt in Oberösterreich nieder, wo er ab 1906 als freier Künstler arbeitete. Bekannt wurde er im Kreis der Expressionisten als Illustrator und Autor. Alfred Kubin starb 1959 in Zwickledt. „Der Charme dieses Buches liegt darin, sein Alter vergessen zu lassen.“ (Die Zeit) „Eine großartige Satire auf den Kapitalismus.“ (Frankfurter Rundschau) „Solche Bücher werden gebraucht in Zeiten des Epochenwandels.“ (Die Zeit) „Noch hundert Jahren nach seinem Erscheinen hat dieses Buch nichts an Qualität und Dringlichkeit verloren.“ (ORF) Neuausgabe Dezember 2010, Dieser Titel erschien 1994 in der Reihe „Rowohlt Jahrhundert“Veröffentlicht im Rohwolt Taschenbuch Verlag August 1994, diese Ausgabe folgt dem 1990 bei Edition Spangenberg erschienen Reprint der Erstausgabe von 1909, Copyright 1994 by Christa Spangenberg, Umschlagsgestaltung Copyright 2010 by Digital Image, The Museum of Modern Art, New York/ Scala, Florence). Das Taschenbuch fängt mit dem Ersten Teil (Der Ruf) auf Seite 5 an und endet auf Seite 249 mit einem zweiseitigen Epilog. Es folgt das einseitige Inhaltsverzeichnis, eine zweiseitige Schwarzweiß Zeichnung der Stadt Perle des Autors und Nobelpreisgewinnerbücherwerbung (1 Seite). Zum Roman:Der Erzähler schreibt das Buch in der Ich-Form und blickt zu Anfangs zurück wie er Patera in der Schule kennenlernte und wie sie Freunde wurden und sich als Erwachsene aus den Augen verloren. Als Erwachsener bekommt der Erzähler einen ungewöhnlichen Besuch: Er ist von seinem alten Freund Patera und er lädt ihn ein in sein Land über zu siedeln. Nicht irgendein Land: Das Traumland. Dort ist Patera die höchste Person im Staate und man hat mit der alten Welt und dem ganzen unnötigen Fortschritt nichts zu tun, dort sind alle Menschen glücklich. Neid und Mißgunst oder finanzielle Nöte kennt man dort nicht. Das hängt auch damit zusammen, das nur ausgewählte Personen in das Land einreisen dürfen, aktuell sind es gerade mal 65000 Einwohner.Der Erzähler muß erst überlegen, aber als der Besucher auch noch einen Scheck für die Reisekosten aushändigt die ein größeres Vermögen darstellen, als er je besaß, schlägt er ein und reist mit seiner Frau in das Traumland. Im zweiten Teil die Reise berichtet er dann wie er mit seiner Frau anreist und die ersten Eindrücke des Traumlandes verarbeitet und welche Gedanken, Träume und Pläne sie noch hatten. Allerdings erst einmal im Traumreich angekommen und die große schwere uneinehmbare Türe hinter sich geschlossen war beiden klar: Nicht jeder kommt hinein, aber raus kommt auch nie wieder einer. Weiter geht es mit dem Zweiten Teil: Perle. So heißt die Stadt. Ungewöhnlich ist alles. Sie werden mit offenen Händen empfangen, aber irgendetwas ist merkwürdig. Das kann alleine schon daran liegen, das hier niemals (!) die Sonne scheint. Auch zu seinem Freund Patera kann er nicht. Seine Frau fühlt sich vom ersten Tag an unwohl und auch der Erzähler sucht sich schnell eine Arbeit, aber merkwürdig kommt ihm das alles vor.Im weiteren Verlauf geschehen immer merkwürdigere Dinge, oder träumt er das bloß? Doch das Traumwelt verändert sich ständig und der Erzähler muß nicht nur mit ansehen wie seine Frau plötzlich dahinsiecht, sondern auch wie ein Amerikaner sich anschickt, Patera vom Thron zu stürzen. Und immer wieder diese seltsamen Veränderungen in der Traumstadt. Zerfällt und verändert sich hier alles, oder bildet er sich das alles nur ein… Doch zu einem Showdown zwischen Patera und dem Amerikaner scheint es hinauszulaufen, doch was geschieht mit der Stadt und ihren Einwohnern? Meine Meinung:Nach den ganzen modernen Büchern und Krimis tut es ganz gut, mal so ein oldstyle Buch zu lesen. Das es alt war, wußte ich, das es über 100 Jahre alt ist, hätte ich nicht gedacht. Es ist in der Tat schon reichlich visionär und sicherlich nicht jedermanns Geschmack, spätestens als ab so ca der Hälfte des Romans die Grenzen zwischen Realität und Traum/Fiktion immer häufiger übergangslos wechselt. Das Buch ist schon mal verfilmt worden, heutzutage würde sich wohl ein David Lynch oder Lars von Trier an dem Stoff probieren. Und das es irgendwie auch was politisches ist, hatte ich mir auch gedacht, aber eher den Untergang des Sozialismus, das es ein mögliches Untergangsszenario des Kapitalismuses ist, muß ich mir erst von der Frankfurter Rundschau erklären lassen.So richtig glücklich bin ich mit dem Buch nicht geworden und meine Frau die mal was anderes lesen wollte, war zuerst ganz begeistert sinngemäß mal was anderes, hat aber später nur noch quer gelesen, weil es ihr nicht mehr gefiel. Irgendwie zu verstehen. Das Werk ist sehr düster und verwirrend. Und so richtig berührend ist es auch nicht. Das die Grenzen immer zwischen Realität und Traum sich schneller verändern erleichtert das Lesen auch nicht wirklich. Aber Hauptkritikpunkt bleibt das menschliche. Vom ersten Tag an, fühlen sie sich der Beschreibung nach nicht wohl und doch sind alle glücklich und zufrieden in Perle. Erst als der Zersetzungsprozeß voran schreitet, fallen Schatten auf die Zufriedenheit, das ist schon mehr als Merkwürdig. Mit der Sprache kommt man als Leser sehr gut klar, warum die Traumstadt aber so erlebenswert und glücklich ist, erschließt sich mir nie ganz. Und spätestens mit dem Zersetzungsprozeß kann man die Einwohner eh nicht mehr verstehen, oder wird das alles nur geträumt?Leseprobe:Über das zerwühlte Lager gebeugt stierte ich fassungslos mein sterbendes Weib an; --- sie war ganz still bis auf ein schauerliches Zähneklappern; --- wie eine kleine Maschine – ein unaufhörliches Geklapper – trocken – hart – und klar. Ich fühlte den tiefen Schmerz meines Lebens; vor Entsetzen begriff ich gar nichts. --- Ihre faltige Haut war grünlich, -- Schweiß brach aus allen Poren --- mit einem Tuche wollte ich ihn abwischen --- da hörte das Geklapper auf --- Mund und Augen öffneten sich weit ---das Gesicht wurde bleich wie Kreide---- sie war tot.Fazit:Ne vergleichen kann man das mit 1984 nicht. Ein phantastischer Roman ist es, da es viele Gehirnwindungen braucht um dem Roman und den Träumen zu folgen. Sehr düster ge- und beschrieben. Unterm Strich auch sehr politisch weil es die Staatsform doch stark kritisiert und mit dem Ende-was ich natürlich nicht verrate- den Leser auch wieder alleine stehen läßt mit dem was der Autor uns sagen will. Ein anderer Roman, der aber durchgängig auch nicht berührt. Dennoch trotz des Alters gut zu lesen und halt mal was anderes. Von daher von mir 3 von 5 Sterne und eine Empfehlung für den anspruchsvollen Leser der mal was anderes als diese FriedefreudeEierkuchen oder Krimibücher lesen will.Dieser Bericht wurde auf www.egotester.de zuerst veröffentlicht
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23.06.2012 20:10
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23.05.2012 16:40
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16.05.2012 19:25
sh