Meine Weihnachtsgans

5  25.12.2005

Pro:
Einfache Zubereitung .  Schmeckt lecker .

Kontra:
Eine Gans hat nunmal viel Fett .

Empfehlenswert: Ja 

negendank

Über sich: Ein Pessimist ist ein ehemaliger Optimist mit Erfahrung.

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Hallo, liebe Freunde! Zugegeben - dieses Rezept kommt etwas zu spät. Das liegt daran, daß ich unbedingt noch Fotos machen wollte. Das ging erst, als meine Gänsekeule bereits fertig auf dem Teller lag und zu dem Zeitpunkt habe ich sie ersteinmal gegessen.

Dabei kann man tiefgefrorenes Gänsefleisch fast das ganze Jahr über bekommen. Okay - im Sommer habe ich noch nicht danach geschaut. * ggg* Warum tiefgefroren? Eine frische Gans müßte man zu Weihnachten vorbestellen und das geht bei mir schlecht, weil ich keine Familie habe. Dabei finde ich den Titel "die beste Sonntagsgans" schon passender. Es muß sich jeder selbst überlegen, ob er das Rezept genau an einem Sonntag anwendet. Daneben gibt es auch noch "die beste Martinsgans". Diese Tradition stammt noch aus einer Zeit, als es keine Tiefkühltruhen gab und da mußten die Gänse wohl am St. Martinstag geschlachtet werden...?!

Also bin ich auf die Tiefkühltruhe angewiesen. Mein Rezept setzt einen Römertopf voraus. Dieses Teil sollte man schon haben, denn sonst braucht man gar nicht erst weiterzulesen. Nehmen wir einmal an, jemand habe sich solch einen Topf schon angeschafft. Dann komme ich gleich zur Sache.

Die Zutaten
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Ich verwende nur die polnische Hafermastgans. Der Tipp stammt von meiner Großmutter, die noch vor dem Sozialismus lebte. Heute - nach dem Sozialismus - dürfte es nicht schwer fallen, Gänse aus Polen zu bekommen.

Gekauft habe ich ein Doppelpack mit zwei Gänsekeulen. Das Gewicht ist mit 0,9 kg bzw. 900 Gramm verzeichnet. Davon darf man sich nicht täuschen lassen. So ein Doppelpack reicht genau für zwei Personen. Normale Rezepte beziehen sich auf vier Personen. Da darf man ruhig 1,8 kg rechnen und das wäre schon eine ganze Gans.

Beim Spar bezahlte ich für die zwei Keulen 7,19 €. Das ist im Wesentlichen der Preis.

Die weiteren Zutaten sind minimal. Man nehme - je nach Geschmack - Salz, Pfeffer und Beifuß.

Als Beilage empfiehlt sich Rotkohl. Dazu ein Hinweis. Auf dem Bild sieht man außer der Gänsekeule und Rotkohl nichts weiter. Tja, zu Weihnachten hatte ich schon etwas Süßigkeiten genascht und da war mein Hunger nicht mehr so groß. Ansonsten kann man - je nach Appetit - weitere Beilagen hinzufügen. Also eine angeknabberte Gänsekeule läßt sich zu nichts mehr verwenden. Die sollte man schon ganz aufessen können. Die Menge und den Nährwert bestimmt man praktisch nur durch Beilagen. Darauf komme ich nochmals zurück.

Die Zubereitung
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Zumindest zu Weihnachten kaufe ich die Gänsekeulen zwei Tage im Voraus. Besonders die polnischen Hafermastgänse sind an Heiligabend ganz gerne ausverkauft. Da sind wohl auch andere auf den Geschmack gekommen. *ggg* Die tiefgefrorene Packung lege ich ganz normal in den Kühlschrank. So hat das gefrorene Gänsefleisch mindestens 24 Stunden Zeit, um gemütlich auftauen zu können.

Der Römertopf wird zunächst 10 Minuten gewässert. Dazu legt man Topf und Deckel in sauberes Wasser.

In der Zwischenzeit entnimmt man die Gänsekeulen der Verpackung. Sinnvollerweise hält man dazu einen Teller bereit. Die Folie muß man mit einer Schere öffnen und wenn das Fleisch schon angetaut ist, dann tropft Flüssigkeit heraus, die man mit dem Teller auffängt. Auf diesen Teller legt man die Gänsekeulen mit der jeweils flachen Seite nach unten und betsreut die Oberseiten mit Salz, Pfeffer und Beifuß. Anschließend muß man wenden, um die Unterseiten würzen zu können. Wegen der unten befindlichen Flüssigkeit vermischen sich die Gewürze zu einer Paste. Diese verteilt man so gut es geht mit einer Gabel. Die Würzung kann man optisch erkennen. Ich zeige das mal im Bild. Also: je dunkler die Gänsekeulen nachher aussehen, desto würziger sind sie.

Sobald man das hat, dürfte der Römertopf schon hinreichend gewässert sein. Man legt die Gänsekeulen herein, schließt den Deckel und stellt das Ganze in den kalten Backofen. Diesen schaltet man auf die höchste Stufe - bei mir sind es 250 Grad. Solange die gewünschte Temperatur noch nicht erreicht ist, leuchtet bei mir eine Lampe. Wenn diese ausgeht, dann ist der Backofen heiß genug. Ich lasse die Keulen noch ca. 20 Minuten in großer Hitze und schalte anschließend zurück auf 100 Grad. Bei dieser mäßigen Temperatur lasse ich sie noch knappe zwei Stunden dünsten. Dabei sollte man weniger auf die Uhr und mehr auf den Geruch achten. Sobald das Gänsefleisch gar ist, entströmt dem Backofen schon der typische Bratengeruch.

In der Zwischenzeit kocht man den Rotkohl bzw. weitere Beilagen. Für den Zweck verwende ich Tiefkühlprodukte. Die Kochanleitung steht auf der Verpackung.

Mahlzeit!
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Die fertigen Gänsekeulen schwimmen in einem kleinen See aus Schmalz, Wasser und Gewürzen. Ich zeige das mal im Bild. Dort fischt man sie heraus und legt sie auf den Teller. (Oder, bei mehreren Personen verteilt man sie entsprechend auf die Teller). Die gewünschten Beilagen kann man entweder direkt auf den Teller legen oder auch in einer Schüssel auf den Tisch stellen.

Als erstes sieht man, daß die Keulen gar nicht mehr so groß sind, wie es anfangs den Anschein hatte. Das ganze Fett ist nämlich hinausgeschwitzt. Der Geschmack ist schon so, wie man sich eine Gans vorstellt, doch trockener und herzhafter. Dieser Geschmack geht schon in die Richtung von wildem Geflügel oder gar Wild. Es fehlt nämlich der Beigeschmack von Fett, den man sonst von einer Gans gewohnt ist. Ich mag den Geschmack sehr gerne. Das könnte jeder für sich testen.

Nun geht es weiter.

Das Gänseschmalz
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Das Fett hätte man so oder so. Bei anderen Zubereitungen bleibt es lediglich im Fleisch enthalten und wird unbewußt mitgegessen. Die Menge an Kalorien wird dadurch nicht weniger. Dagegen bewirkt der Römertopf eine klare Trennung von Fleisch und Fett und man erkennt auf einen Blick, wie fett die Gans tatsächlich gewesen ist. Nun gibt es mehrere Möglichkeiten.

Falls jemand kalorienbewußt lebt und auf die Figur achtet, dann sollte der sich tunlichst VOR dem Kauf einer Gans im Kreis seiner Bekannten darüber informieren, ob ein anderer mit dem Schmalz etwas anfangen kann. Wenn ja, dann könnte man das Schmalz notfalls verschenken. Wenn nein, dann wäre der Wunsch nach Gänsefleisch fast schon ein Widerspruch in sich. Weitere Möglichkeiten sind:

Wenn der Hunger sehr groß ist, dann empfehle ich als zusätzliche Beilagen entweder Kartoffeln oder auch Knödel. Beide können sehr gut geschmolzenes Fett aufnehmen. Das Ergebnis schmeckt dann wie eine normale Gans. Vorsicht - das ist eine wirkliche Kalorienbombe!

Oder, man gießt diese Lache in ein kleineres Gefäß um und läßt das Schmalz fest werden. Diese Mischung hält sich im Kühlschrank maximal fünf Tage.

So kann man die Menge an Kalorien auf fünf Tage verteilen. Wer es mag, der schmiert sich ein Schmalzbrot. Das schmeckt mit Schwarzbrot am besten.

Ich bevorzuge einen Eintopf aus weißen Bohnen. Den kann man sehr gut mit Gänseschmalz anreichern und das schmeckt dann hervorragend.

Wer sie kennt, der mag es mit tschechischen Skubanki versuchen. Bei diesem Rezept wird Kartoffelbrei in Fett angedünstet und zu Batzen geformt. Mit Gänseschmalz schmeckt es besonders lecker.

FAZIT

Das viele Fett ist bei JEDER Gans ein Kontra. Es sei denn, man findet magere Wildgänse. Diese habe ich im Angebot noch nicht gesehen.

Dieses Rezept bietet mehrere Vorteile. Es ist bequem. Während die Gans im Römertopf schmort, kann ich andere Dinge tun, wie z.B. diesen Bericht schreiben. Die Trennung von Fleisch und Fett führt zu Folgerezepten, die ich kurz mal angedeutet habe. Deshalb ist man mit der Wahl der Menge sehr flexibel und kann eigentlich nicht viel falsch machen. Nur bei der Einladung von Gästen weise ich darauf hin, daß die Menge an Fleisch auf dem Teller viel kleiner ist, als sie urspünglich mal aussah. Deshalb bieten Keulen einen guten Anhaltspunkt. Pro Person eine Keule muß schon sein.

Weil es mir gut schmeckt, gebe ich fünf Sterne und eine klare Empfehlung.

Nachtrag
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Mein Ururgroßvater lebte in Pommern und von ihm wurde folgender Spruch überliefert: "Die Gans ist ein komischer Vogel. Ißt man eine zum Frühstück, dann wird man nicht satt. Ißt man zweie, dann schmeckt einem das Mittagessen nicht mehr." Wer so einen Appetit hat, der braucht keinen Römertopf. Zu Lebzeiten meines Ururgroßvaters wurden die Gänse wohl noch über offenem Feuer geröstet. * ggg *

Bilder von Die beste Sonntagsgans
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Gewürzte Gänsekeulen
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Relaxation

Relaxation

25.02.2006 17:27

Na, da hat ja jemand schön brav aufgegessen, da hat am nächsten Tag bestimmt die Sonne geschienen *ggg* So'n Römertopf scheint wirklich net schlecht zu sein und ne Gänsekeule könnt ich jetzt auch vertragen ;-) Greetz Marcus

didiba

didiba

04.01.2006 03:05

Lecker lecker, unsere Weihnachtsgans gab es als ganze während unserer Tage in DK. :-) Sieht sehr gut aus! Von unserer gibts auch Bilder, nur habe nicht ich, sondern mein Frauchen sie zubereitet :-) Gruß Dieter

MSBBonn

MSBBonn

29.12.2005 20:53

Bin nicht wirklich ein Gänsefreund... LG Martin

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