Meine Entdeckung von "Bruschetta"

5  04.02.2003

Pro:
Schnell, einfach, preiswert  -  und köstlich

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

framichele

Über sich: Ich werde leider aus Zeitgründen vorläufig nicht mehr mitmachen können - näheres dazu im Profil unt...

Mitglied seit:07.01.2003

Erfahrungsberichte:32

Vertrauende:40

Diesen Bericht teilen auf Google+
Dieses Rezept wurde von 101 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Da sich mehrere Leser beschwerten, daß ich hier verlockende Reiseberichte über den sonnigen Süden schreibe - während sie im Schmuddelwetter hocken würden und nicht ihren Urlaubs-Gelüsten folgen könnten...möchte ich heute einen Bericht schreiben, der 1.) zeigt, daß es auch im italienischen Februar kalt und ungemütlich sein kann - aber 2.) zum Ausgleich doch ein kleines Stückchen italienische Lebensfreude zu allen nach Hause bringen kann...

Im Februar 1985 war ich einige Zeit auf einem landwirtschaflichen Hof unterhalb von Assisi in der „Valle Umbra" (auch „Tal von Spoleto" genannt). Es war einer der kältesten Winter, an den sich die Bewohner erinnern konnten. Dem starken Frost fiel auch ein großer Teil der Olivenbäume zum Opfer, die solche Minus-Temperaturen nicht vertragen.

Ausgerechnet zu dieser Zeit war die Oliven-Ernte – und damit auch die Zeit zum Öl-Pressen: denn hochwertiges Olivenöl kann nur gewonnen werden, wenn die Früchte noch am Ernte-Tag frisch gepreßt werden.

An einem Abend ging der Hausherr zum Ofen (der mit Holz gefeuert wurde – wie in der „guten alten Zeit") und legte einige Brotscheiben (des selbstgebackenen) Brotes darauf. Als diese goldgelb geröstet waren, rieb er Knoblauchzehen darauf und übergoß das ganze mit frischem Olivenöl. Lächenlnd sagte er dabei uns „Bruschetta". Ich wußte mit diesem Wort nichts anzufangen – wohl mit dieser einfachen Speise, die vorzüglich mundete.

Erst einige Jahre später, als ich oft als Reiseleiter in Mittelitalien unterwegs war und dazu möglichst alle umbrischen Reiseführer studierte, las ich oft dieses „Zauberwort". Es ist eine einfache Vorspeise, die in guten Restaurants auf der Speisekarte steht – aber auch als einfacher Imbiß öfters angeboten wird.

Scheinbar hat sie in dieser einfachen Grund-Form hier in Umbrien ihre Herkunft. In der Hauptstadt Perugia gibt es die „Bruschetta Perugina" in etwas abgewandelter Form: an Stelle des Knoblauchs kommt hier Salz auf das Brot. Dieses wird hier übrigens seit Jahrhunderten salzlos gebacken: es ist ein Protest der Bäcker gegen die päpstliche Salz-Steuer gewesen, kein Salz mehr zum Backen zu verwenden...

Aus dieser einfachen Bruschetta wurden aber auch raffinierte Gerichte. Am edelsten wohl die „Bruschetta Tartufata": bei ihr kommt eine Paste aus umbrischen Trüffeln darauf (fast immer nur die billigeren schwarzen Sommertrüffel; ansonsten würde es eine sehr teure Angelegenheit: denn ein kg frischer weißer Trüffel, z. B. aus der Gegend von Gubbio, kann durchaus steht, ist das ein Teller, auf dem verschiedene Sorten von Bruschetta serviert werden. Das geht dann schon fast nahtlos über zu den toskanischen „Crostini", die in der Nachbarregion viele Kreationen kennt.

Ein Sonderfall ist Ischia: hier wird die Bruschetta grundsätzlich reichlich mit frischen Tomaten belegt (meist den kleinen „Cherry-Tomaten") sowie mit frischem Basilikum und Zwiebelchen abgerundet.

Vielleicht fragt sich jetzt der Leser, warum dieser Bericht unter Rezepte eingetellt ist – wo denn nun das eigentliche Rezept stehe. Nun, das ist längst „zwischen den Zeilen" beschrieben worden – so einfach ist dieses Gericht:

„Man nehme"... eine Scheibe Brot. In Italien ist das natürlich immer eine Art Weißbrot. In unseren Bäckereien eignet sich gut solches, daß öfters als „Toscana-Laib" angeboten wird. Die Scheibe kann ruhig 1 cm dick sein oder sogar mehr. Die Methode des Röstens ist beliebig. Aufgrund der Dicke der Scheiben eignet sich allerdings weniger ein Toaster (es sei dann, man hat ein Modell wie in manchen Hotels, wo das Röstgut auf einer Art „Fließband" durch das Gerät transportiert wird). In Umbrien hat man oft noch offenes Feuer: dann wird ein kleines Gestell über die Glut gestellt (eine Art Grill-Rost). Oder wo es noch Holz-Öfen gibt, wird die Scheibe wie eingangs bei meiner „Bruschetta-Entdeckung" einfach auf die Herdplatte gelegt. Evtl. sollte man dann eine Folie oder Backpapier unterlegen, damit das Brot nicht Reste von Reinigungsmitteln aufnimmt. Aufgrund der unterschiedlichen Röst-Arten kann keine einheitliche Zeit angegeben werden: wenn das Brot goldgelb ist nimmt man es und reibt eine Zehe Knoblauch darüber (natürlich kann das jeder unterlassen, denen diese Knolle nicht geheuer ist...). Wenn man dann das Brot auf einen Teller gegeben hat, gieße man reichlich gutes Olivenöl der Qualität „Extravergine" (erste Pressung, kaltgepreßt) darauf. Wem diese Grundform nicht ausreicht sind ja oben etliche Variationen zur Bereicherung angegeben. Ich selber habe meistens noch eine italienische Gewürzmischung darauf gestreut.

Als Getränk dazu eignet sich ein einfacher weißer Landwein, z. B. der „Orvieto classico" oder ein Bianco aus Assisi (bzw. für Ischia-Fans vom Epomeo).

Es bleibt mir nur zu sagen: „Buon appetito"
Diesen Bericht teilen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Rezeptes

Wie hilfreich ist dieses Rezept für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Rezept
LittleSteph

LittleSteph

30.01.2010 00:10

wow! das ist für mich nicht nur ein bruschetta bericht...das war direkte aufklärung wie es entstanden ist usw usf...suuuper! =o) bh von mir für dieses super rezept mit interessanter beilage ;o) lg steffi

PadiZH

PadiZH

13.05.2003 12:42

Da fällt mir ein, dass ich noch was essen sollte...:-) Und so nebenbei; ich bevorzuge das Schmuddelwetter der Hitze. Gehöre zu einer Minderheit an, die im Sommer mehr "leiden" als leben...

Angel9878

Angel9878

29.04.2003 10:26

habe das bruscetta auf Ischia entdeckt, das mit den Tomaten. Seither bin ich absoluter Fan von dieser leckeren Vorspeise. Mache ich auch oft selber bei mir zuhause. Lecker.

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Mehr Rezepte dazu lesen
Bewertungen
Dieses Rezept wurde bislang 4135 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (1%):
  1. LittleSteph

"sehr hilfreich" von (99%):
  1. Rochee
  2. Bekayw1976
  3. Knetix
und weiteren 97 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.