Was der NichtSaarländer nicht kennt ...

5  01.02.2003

Pro:
legga

Kontra:
die Arbeit? !

Empfehlenswert: Ja 

nillepu

Über sich: Nach wie vor wenig bis keine Zeit für Ciao... Liebe Grüße nillepu

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Dieses Rezept wurde von 112 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet


Dibbelabbes oder was der Nicht-Saarländer nicht kennt, das ....

... sollte er dringend mal probieren! ;o)


Nachdem ich dieser Tage hier bei Ciao bei einer lieben Userin kommentiert hatte, dass ich dem von ihr beschriebenen Kartoffelkochbuch einen Punkt abziehen würde, weil da wohl kein Dibbelabbes-Rezept drin ist, folgte auch gleich die „Retour-Kutsche“ und ich wurde um das Rezept gebeten! Aber da ich der Meinung bin, dass es gar nicht schaden kann unsere saarländischen Spezialitäten nach „draußen“ zu verbreiten, habe ich mich dazu entschieden, gleich hier bei Ciao damit anzufangen.

Um Euch den Namen „Dibbelabbes“ etwas verständlicher zu machen, versuche ich Euch nun einmal die „Zusammensetzung“ zu erklären:
Der „Dibbe“ ist im Saarländischen der Topf und „Labbes“ kommt – soweit mir bekannt ist – daher, dass die Masse sehr an einen großen, schweren Lappen erinnert.


~ Was brauche ich alles dazu? ~
Zur optimalen Zubereitung benötige ich einen großen gusseisernen Bräter – im Saarland hat so was eigentlich jeder.
Weiter sollte ich mir einen stabilen Bratenwender bereitlegen und ein paar dicke Topflappen.


~ Die Zutaten ~
2 kg Kartoffeln, saarländisch „Grumbiere“ genannt
2 Zwiebeln, „Zwiwwele“
Salz, Pfeffer, Paprikapulver
1 Ei
4 EL Öl
2 Stangen Lauch
250 g Dörrfleisch bzw. durchwachsener Speck

Über die Zutatenliste in Bezug auf Dörrfleisch und Lauch teilen sich jedoch die Meinungen und Rezepte, was wohl u.a. aus den verschiedenen Familien-Überlieferungen herrührt. Je nach Hunger werden bei dieser Menge an Zutaten 4 bis 6 Personen davon satt.


~ Die Zubereitung ~
Als erstes müssen die Kartoffeln geschält und gerieben werden. Die „Streifen“ sollten von mittlerer Stärke sein, also keine Pommes-Dicke, aber auch nicht so haarfein. Als nächstes die Zwiebeln schälen und in Würfeln schneiden. Habe ich diese „Heul-Arbeit“ hinter mich gebracht, so nehme ich mir das Dörrfleisch vor. Ist es noch am Stück, so schneide ich den Block in einige Scheiben und würfele auch diese.
Für den Fall, dass Ihr frischen Lauch nehmt – ich bevorzuge ehrlich gesagt auf Grund meiner Bequemlichkeit fertig geschnittenen Tiefkühl-Lauch – müsst Ihr diesen noch waschen und dann in etwa 2 cm dicke Ringe schneiden.

Ist dies alles erledigt, sind die Vorbereitungen soweit abgeschlossen. Lediglich muss jetzt noch das Öl im Bräter großzügig und rundherum bis zum Rand verteilt werden.
Während die Herdplatte schon mal aufheizen sollte, vermische ich die Zwiebeln, das Ei, das Dörrfleisch, den Lauch und die Kartoffelmasse gut und würze die Masse dann mit Salz, Pfeffer und etwas Paprikapulver.
Mit dem Salz sollte etwas vorsichtig umgegangen werden, da das Dörrfleisch oder der Speck durch das lange Braten noch einen salzigen Geschmack abgibt.

Nun gebe ich diese Masse in den Bräter – zu dem es einen passenden Deckel geben sollte. Wichtig ist, dass die Masse gut anbrät und leichte Krusten bildet. Deswegen ist es auch wichtig, dass nicht zu früh gewendet wird!!!! Es sollte alle paar Minuten der Teig gewendet werden, dabei wird die Masse etwas „zerpflückt“, damit sich viele Krüstchen bilden können. Dafür benötigt es etwas Kraft, da die Masse recht schwer ist. Ihr solltet vor allem darauf achten, dass Ihr den Bräter nicht ohne Topflappen angreift, denn das Gusseisen wird verdammt heiß!
Während nicht gewendet wird, sollte der Bräter mit dem Deckel zugedeckt werden, damit die Masse gut durchzieht.
Fertig ist der Dibbelabbes, wenn er schön goldbraun ist und viele Krüstchen gebildet hat. Es ist schwer eine Zeitangabe zu machen, da es sehr von Herd, Topf und Menge abhängt. Das Minimum hierbei ist nach meiner Erfahrung eine halbe Stunde, die aber auch ganz schnell zu einer ganzen werden kann.


~ Beilagen ~
Den Dibbelabbes serviert man am Besten frisch aus dem Topf, damit er längst möglich schön heiß bleibt und als Beilage bieten sich zwei Varianten an:
Variante 1 – deftig: hier wird als Beilage ein Spiegelei gereicht. Die von mir bevorzugte Variante! ;o)
Variante 2 – süß: wer es lieber etwas süßlich/fruchtig mag, kann dazu Apfelmus essen.


~ Duft und Geschmack ~
Nehme ich den Deckel ab, kommt mir ein sehr leckerer, leicht würziger Duft entgegen. Eine gewisse Ähnlichkeit zu Kartoffelpuffer-Geruch lässt sich nicht abstreiten.
Zum Geschmack ist zu sagen, dass die Masse ja vielleicht auf den ersten Blick für manchen nicht sonderlich appetitlich aussehen mag, er aber keineswegs zu verachten ist. Dibbelabbes schmeckt – wie auch nicht anders zu erwarten – deutlich nach würzigen Kartoffeln, Speck und Lauch. Das Ei und das Lauch geben dem ganzen eine milde Note. Je nach Geschmack kann ja noch nachgewürzt werden. Die Kartoffelmasse hat den Geschmack von Speck und Gewürzen durch das gute Anbraten mit aufgenommen und gibt dem ganzen ein kräftiges, aber dennoch angenehmes Aroma.


~ Sättigung ~
Wer sich nun Sorgen macht, dass die „magere“ Beilagen-Auswahl dazu doch nicht sattmachen kann, den kann ich beruhigen. Dibbelabbes ist sehr sättigend und nicht unbedingt das Richtige für den kleinen Hunger – sonst packt man kaum was davon. ;o) Wäre viel zu schade!


~ Meinung und Fazit ~
Dibbelabbes zählt zu meinen Lieblingsspeisen und wenn es nicht so viel Arbeit machen würde, dann gäbe es das bei uns auch öfter zu essen. Man sollte sich schon gut und gerne so 1 bis 2 Stunden, je nach Arbeitstempo und Menge (und Herd) einplanen.
Dieses Gericht macht gut und auch relativ schnell satt und stellt – für mich zumindest – eine willkommene Abwechslung auf dem Essensplan dar. Der Geschmack macht das nicht so sonderlich schöne „Äußere“ auf jeden Fall wieder wett.
Ich habe es sogar geschafft, dass die Familie von meinem Teddy mit wachsender Begeisterung Dibbelabbes isst und das will was heißen! ;o)
Also lasst Euch nicht nachsagen: „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht!“ sondern lasst es Euch schmecken!

Guten Appetit!

P.S.: Dass Ciao die Kartoffelgerichte nur unter vegetarische Gerichte hat, ist etwas unglücklich, aber für alle Vegetarier oder die, die des so halbwegs sein wollen - den Speck bzw. das Dörrfleisch kann man ja auch einfach weg lassen - dann nur etwas stärker würzen! ;o)


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Kommentare zu diesem Rezept
schreiblissl

schreiblissl

18.09.2011 17:28

Jetzt habe ich Hunger! ;) Sehr schön beschrieben, vor allem den Geschmack. LG

MSBBonn

MSBBonn

03.10.2003 00:36

Das erinnert mich an unseren rheinischen Kesselskuchen... nur daß da kein Lauch rein kommt und die Masse nicht gewendet wird... hört und liest sich aber auch sehr lecker... rheinische Grüße von Martin

angeleyed

angeleyed

18.08.2003 17:09

naja, ich hab lange gegrübelt, aber ich will ja an meinen geburtstag mal nicht so sein -trotz, daß du saarländer bist. aber ich muss zugeben, ich eß auch gern "schaales" (pälzisch für dibbelabbes);) liebe grüße, sabrina :)

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