Hercule Poirot auf den Spuren von Herkules (Teil 1)

3  14.06.2012

Pro:
Poirot ist richtig menschlich, unterhaltsam, schöne Kurzgeschichten für den Feierabend

Kontra:
Geschichten sind mitunter vorhersehbar, nicht so undurchschaubar wie normal bei A .  C .

Empfehlenswert: Ja 

DamarisAnklam

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Wieder einmal war ein Hercule Poirot Kriminalroman an der Reihe. Das Buch ist eine Sammlung von mehreren kleinen Geschichten. Es heißt Die ersten Arbeiten des Hercules.

Aussehen des Buches
Bei meiner Ausgabe handelt es sich um Eine Weltbild Verlag Edition, die vor etlichen Jahren einmal erschienen ist. Die Bücher sind alle fest gebunden, haben einen harten, schwarzen Deckel und rote und weiße Schrift. Es gibt keinen extra Einband. Dieses Exemplar zeigt auf der Vorderseite einen großen Vogel.

Text von der Vorderseite:
Agatha Christie
Die ersten Arbeiten des Herkules
Ein Hercule Poirot-Krimi

Allgemeine Buchdaten
Das englische Original wurde über die Jahre 1939 bis 1947 von Agatha Christie geschrieben und unter dem Titel The Labours of Hercules veröffentlicht. Die deutsche Originalausgabe liegt beim Scherz Verlag vor. Die Ausgabe des Weltbild Verlages ist eine Lizenzausgabe.

Leserschaft: Jedermann
Seitenanzahl: 157
Übersetzung: Frau von Wurzian
Weltbild Artikelnummer: 296848056
Preis: Das Buch kostete in der Weltbild Edition vor einigen Jahre 11,00 Euro. Das war der monatliche Preis für zwei Buchausgaben. Bei Amazon.de kostet ein broschiertes Buch mit den ersten und den letzten Arbeiten des Herkules von 2007 7,95 Euro.

Über die Autorin
Agatha Christie wird nicht umsonst die Queen of Crime genannt. Sie wurde 1890 in England geboren und pflegte während des 1. Weltkrieges Verwundete und arbeitete in einer Klinikapotheke. Dort erlange sie ihr Wissen über Gifte. Nachdem sie ihren zweiten Ehemann, einen Professor für Westasiatische Archäologie geheiratet hatte, bereisten die beiden den vorderen Orient. Daher spielen dort auch einige ihrer Krimis. Insgesamt schrieb sie 66 Kriminalromane, 144 Stories und 15 Theaterstücke. 1976 starb sie mit nur 85 in Oxford an einem Schlaganfall.

Beschreibung auf der Rückseite
Was haben antike Halbgötter und moderne Privatdetektive gemeinsam? Was Schlaufuchs Hercule Poirot angeht, teilt er zumindest den Vornamen mit dem muskelbepackten Herkules. Und noch mehr, findet Poirot: Dem kriminellen Treiben unserer Tage gehört ebenso der Kampf angesagt wie den monströsen Machenschaften unter dem griechischen Götterhimmel. Da kommt Poirot gleich eine zündende Idee. Zwölf Fälle will er lösen – und den Aufgaben des Herkules sollen sie gleichen. Für den Krimifan heißt das aufgepasst und die grauen Zellen wachgerüttelt! Poirot ringt nicht nur mit der berüchtigten Hydra, seine Mission führt ihn auch auf die Jagd nach der spurlos verschwundenen Schönheit und nach einem kaltblütigen Killer in eisigen Bergeshöhen. Der pfiffige Detektiv weiß sich stets zu helfen...

Meine eigene Buchbeschreibung
Hercule Poirot beschließt die antiken Heldentaten seines Namensvorfahren Herkules nochmals unter modernen Maßstäben zu bestehen. Denn die alten Götter hatten seiner Meinung weder Ordnung noch Methode. Und so sucht er nach zwölf besonderen Fällen die einen Bezug zu dem antiken Vorbild haben. So nimmt er Fälle über entführte Pekinesen, vergiftete Ehefrauen, verschwundene Zofen berühmter russischer Tänzerinnen, gesuchte Mörder, ja sogar eine Politskandal an. Die letzte Geschichte befasst sich schließlich mit einem Erpresserpaar. Die Auswahl der Fälle richtet sich immer nach den Fällen des Herkules. Die Titel der jeweiligen herkulischen Arbeit sind auch immer angegeben. Die einzelnen Geschichten heißen: Der nemeische Löwe, die lernäische Hydra, die Arkadische Hirschkuh, der Erymanthische Eber, die Ställe des Augias und die Stymphaliden.

Die weiteren sechs Herkulesfälle wurden vom Weltbildverlag in ein extra Buch gepackt.

Meine Meinung und Fazit
Die enthaltenden Fälle sind interessant zu lesen. Sie sind auch spannend, aber nicht so undurchschaubar wie Hercule Poirot-Fälle normalerweise aufgebaut sind. So war mir die Lösung von drei Fälle schon lange vor der Auflösung von Hercule Poirot bereits klar. Trotzdem waren die Geschichten kurzweilig zu lesen. Genau in dieser Kürze liegt auch der Vorteil. Man kann sich das Lesen des Buches sehr gut einteilen und kann bequem an einem Abend einen kompletten Fall durchlesen. Hercule Poirot wählt die Fälle nicht nach dem besonderen Interesse oder dem Reiz aus, sondern eher wie sie zu den herkulischen Originalen der Antike passen. So setzt er zum Beispiel den entführten Pekinesen mit dem nemeischen Löwen gleich. Normalerweise würde der große Hercule Poirot natürlich nicht nach entführten Hunden suchen. Doch der Fall reizt ihn. Vor allem, da der Hund wieder aufgetaucht ist, sobald das Lösegeld bezahlt wurde. Der Pekinese stellt sich tatsächlich als kleiner Löwe heraus. Doch wer ist der Entführer? In einem anderen Fall wird ein Landarzt beschuldigt seine Ehefrau ermordet zu haben. Das sagt ihm aber niemand ins Gesicht. Stattdessen wird er von der Landbevölkerung geschnitten und ist ganz verzweifelt. Auch ihm will Poirot helfen, da das Gerücht sich für den Arzt wie die Hydra aus der Antike erweisen kann. Ein Mörder wird von der Polizei schon als wilder Eber bezeichnet und auch kranken Tänzerinnen und liebeskranken Mechanikern kann Poirot in seinen Fällen helfen. Sogar in die Politik mischt er sich ein.

Besonders angenehm fand ich, dass Poirot hier in den meisten Fällen sehr menschlich herüber kommt. Er hat es, außer bei dem Suchen nach dem Mörder in dem er sehr korrekt vorgeht, meistens mit kleineren Vergehen zu tun und verwarnt die gestellten Täter eher, als das er sie gleich der Polizei übergibt. Man merkt, dass er etwas lockerer ist. Für ihn sind vor allem die herkulischen Fälle wichtig. Das macht ihn einfach sympathisch. Er wendet wie in anderen großen Fällen immer seine kleinen grauen Zellen an und kann hinter die Kulissen blicken. Leider kann das eben manchmal auch schon im Vorfeld der Leser. Das hat einmal den Vorteil, dass die Beweise, die Poirot anführt, nicht so überraschend auf einen Zukommen und man einen leichten „Hab ich mir schon gedacht“-Effekt erlebt. Und zum Anderen, dass die Fälle sehr natürlich wirken und wirklich so passiert sein könnten. Jeder Fall ist dabei immer etwas komplett Neues. Es sind also nicht immer Mörder beteiligt, sondern es handelt sich um verschiedenartige kleinere und größere Verbrechen. Richtig brutal finde ich die Geschichten auch nicht. Daher kann ich das Buch auch gut jugendlichen Lesern empfehlen. Hier kommt es eher auf das Rätselraten an. Und Agatha Christie macht es einem eben in manch einer Geschichte dieses Mal etwas leichter. Ist auch gut fürs Selbstbewusstsein! :-)

Was auch in allen Fällen konstant bleibt ist, dass Agathe Christie die Personen und Landschaften immer eindrucksvoll beschreibt. So ermittelt Poirot nicht immer nur in England, sondern reist auch nach Italien und sogar in die Schweiz, wo er einen Kurzurlaub einlegt. So ist er einmal mit einer Mörderbande auf einem Berg komplett von der Zivilisation abgeschlossen. Diese verschiedenen Stimmungen kann Agatha Christie in der dort kurzen Zeit, die sie für jede Geschichte zur Verfügung hat, sehr gut herüber bringen. Das Buch selbst ist schön gebunden, hat aber wieder diese kleine Schrift. Dafür sind die Seiten nicht zu eng bedruckt. Es gibt auch in den kleineren Kapiteln immer auch Absätze. Jedes Kapitel ist mit dem Titel der antiken Aufgabe des Herkules überschrieben. Also weiß man schon ein klein wenig, worauf man achten muss. Das gibt einem aber keinen Hinweis auf den endgültigen Täter, sondern eher nur auf die Tat an sich.

Insgesamt kann ich das Buch schon zum Lesen empfehlen. Es sind interessante, kurzweilige und auch spannende Fälle, die vor allem durch die Kürze zum Lesen einladen. Man kann bequem an einem Abend ein oder sogar zwei Geschichten durchlesen. Nur so komplizierte und undurchschaubare Hercule Poirot-Fälle wie sonst darf man nicht erwarten. Manchmal kommt man auf den tatsächlichen Täter schon nach der Hälfte der Geschichte. Auf der anderen Seite kann man als Leser so richtig schön mit Hercule Poirot mithalten, der sehr sympathisch und menschlich in den einzelnen Geschichten wirkt. Von mir bekommt das Buch eine Wertung von 3 Sternen.
Bilder
Die ersten Arbeiten des Herkules mit Hercule Poirot / Agatha Christie Die ersten Arbeiten des Herkules - Die ersten Arbe
Das Titelbild der Weltbild Buchausgabe.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
antjemue

antjemue

25.07.2012 08:13

Ich habe es immer noch nicht geschafft, mich wieder mal der guten Agatha Christie zu widmen. LG Antje

blonde.locke

blonde.locke

05.07.2012 10:18

BH nachgereicht :-) LG

jansdarling2002

jansdarling2002

29.06.2012 13:57

Haut mich jetzt nicht soooo vom Hocker.... aber Deine Rezension ist mal wieder sehr gelungen, sommerliches Freitags-BH zum Start ins Wochenende, LG Chrissy

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