Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
dichte Emotionen, schöne Musik, hintergründiger Humor |
| Kontra: |
Nichts für Happy - End - Fans |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Die kleine Meerjungfrau
Original: Mala morska vila
CSSR 1975
84 Minuten
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Ein Meisterwerk der 70er Jahre
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Zu jenen Filmen, die praktisch jedes Jahr vor allem in der Weihnachtszeit durch die Kinderprogramme der ARD flimmern, zählt auch jener von der kleinen Meerjungfrau aus der Tschechoslowakei, gedreht im Jahre 1975.
Er gehört zu jener Reihe von Filmen, auf die die tschechoslowakische Filmindustrie besonders stolz sein kann. Ganz ohne großartige Computertricks - wie sie heute üblich sind - wurde seinerzeit eine Untermeeresathmosphäre geschaffen. Vor allem Lichteffekte und blasse Farben aber auch eine leicht verlangsamter Handlungsablauf sollen das andersartige Leben und die andersartigen Bewegungen der Meeresbewohner unter Wasser verdeutlichen.
Das mag aus heutiger Sicht vielleicht nicht mehr Hollywood-reif wirken, dafür aber umso menschlicher und natürlicher.
Zu Geschichte an sich
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Die Geschichte des Filmes basiert auf jenem berühmten Märchen von Hanns Christan Andersen. Es ist ein trauriges Märchen mit einem ebenso traurigen Ende. Und beim Filmstudio Barrandov in Prag hat man sich an die Vorlage gehalten, sie allerdings von den Dialogen her etwas modernisiert.
Auch hat man jenen Schluss, in dem die kleine Meerjungfrau ins Reich Gottes eintritt, weggelassen. Das hätte nicht zum Stil des Filmes gepasst, denn die Meeresbewohner geben sich sehr atheistisch :-)
Es ist ein Märchenfilm sowohl für Kinder als auch für Erwachsene - jeder wird auf einer bestimmten Ebene angesprochen.
Der Humor, der dabei mitschwingt, ist recht erstaunlich aber sehr typisch für jene tschechoslowakischen Märchenfilme, aber von ganz anderer Natur als etwa jener aus "Drei Haselnüsse für Aschenbödel".
Eine besondere Art Humor und der Umgang mit dem Tod
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Die Sicht der Meeresbewohner ist eben eine komplett andere als die der Menschen. Das wurde auch konsequent umgesetzt.
So sind für die Meeresbewohner praktisch alle Tiere gleich Fische. So erzählt eine alte Frau von einem Land auf der Erde, wo "bunte Fische durch die Luft fliegen".
An anderer Stelle wird vor dem Kontakt mit Menschen gewarnt: "Sie essen Fische!", was in der Welt der Meeresbewohner ein Sakrileg ist.
Und der Meereskönig lässt kein gutes Haar an der Menschheit.
Wirklich leben würden die Menschen nur etwa 30 Jahre, dann fingen sie an zu altern. Also nichts für Leute mit Torschlusspanik :-)
Auch macht sich der Meereskönig in großer Gesellschaft lustig über eine versunkene Neptun-Figur, die ja IHN darstellen soll, aber so keinerlei Ähnlichkeit hat.
"Mit so einem Dreizack soll ich angeblich Sturme heraufbeschwören können! Ihr müsst doch zugeben, meine Freunde, dass dies reichlich unpraktisch ist!"
Das einzig Gute, was die Menschen erschaffen hätten, sei der Wein, fügt der Meereskönig später hinzu und ergänzt, aber auch den würden die Menschen bereits verfälschen. Ein Seitenhieb auf den österreichischen Weinpanscherskandal in den 70ern? :-)
Auch wird von anderen hohen Herrschaften des Meeres berichtet, die Menschen würden inzwischen Dämme bauen, um das Meer im Zaum zu halten, aber man würde diese nachts immer wieder einreißen. Und ein anderer berichtet von einer beschwerlichen Anreise, da mal wieder Krieg herrsche im dortigen Menschenreich.
Ebenfalls ungewöhnlich direkt geht man mit dem Tod von Menschen um. Da erzählt eine andere Meeresbewohnerin, sie habe sich in einem Fischernetz verfangen. Natürlich habe sie die Fischer ertränken müssen, damit diese nichts von ihr erzählen konnten.
Und auch die spätere Aufforderung an die Meerjungfrau, einen Mord zu begehen, um erlöst zu werden, wirkt eiskalt, geradezu emotionslos. Genau das ist sie aber nicht, und genau das wird ihr auch zum Verhängnis.
Und noch eine Anspielung auf unsere Welt kommt im Film aufs Tapet: die Sucht nach Unterhaltung durch das Leid anderer. So lässt der Meereskönig ein Schiff untergehen und alle seine Gäste dieses Spektakel bewundern.
Die Figur der kleinen Meerjungfrau
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Die Haupfigur des Märchens, die kleine Meerjungfrau, bleibt namenlos. Sie wird immer nur als "kleine Nixe" tituliert. Gespielt wird sie von Miroslava Safrankova, die in den 80er Jahren auch sehr bekannt wurde in der Hauptrolle der "schönen Arabella". Auch ihre Schwester, Libuse Safrankova - bekannt aus "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel"-, spielt in einer Nebenrolle mit. Die Ähnlichkeit der beiden ist dabei ein interessanter Nebeneffekt in der Handlung.
Die kleine Meerjungfrau tritt zu Beginn des Filmes zusammen mit ihrer Schwester in Erscheinung. Beide spielen Murmeln - mit Perlen - und der Spielverlauf scheint wohl symbolisch zu sein für das, was der kleinen Meerjungfrau vom Schicksal vorherbestimmt ist: nachdem sie zunächst drauf und dran ist, das Spiel zu gewinnen, geht sie ein Risiko ein - und verliert - und muss ein trauriges Lied singen. So hat sie es allerdings auch selber bestimmt.
Die kleine Meerjungfrau ist weitaus emotionaler als alle anderen. Sie will sich nicht der Gefühlskälte ihres Vaters - dem König der Meere - unterordnen sondern ist neugierig auf das, was die andere Welt über Wasser so zu bieten hat.
"Du kannst nichts dafür, dass Du ihre Augen hast, die gleichen neugierigen Augen", meint der Meereskönig denn auch einmal zu ihr, als es um ihre Mutter geht.
Um ihre Zerbrechlichkeit noch zu unterstreichen, wird sie auch nach Ankunft in der Welt der Menschen stets in jenen weichen, fließenden Gewändern zu sehen sein, die ihre Figur und ihren Charakter unterstreichen. Auch ist sie stets barfuß.
Die Filmmusik
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Ebenfalls sehr wichtig für die emotionale Dichte des Films und - wie bei so vielen Filmen des Studio Barrandov - überaus schön ist die Musik. Prägendes Hauptmotiv ist eine Melodie, die den Gang der Wellen nachempfinden lassen soll. Je nach Situation ist dieses Motiv mal verspielt - etwa beim Fest der Meeresbewohner - und mal dramatisch-intensiv, wie etwa am Schluss des Filmes. Sie hat sich mir eingebrannt und geht mir in bestimmten Situationen immer mal wieder durch den Kopf.
Auch wird mit Hilfe der Musik sehr gut bei emotionalen Wendepunkten gearbeitet. Als der Prinz während der Begrüßungszeremonie beim König des Westreiches auf einmal seine vermeintliche Lebensretterin wiedersieht, stehenbleibt und sich beide in die Augen sehen, geht die getragene Prozessionsmusik auf einmal über in eine Art Monotonie, die wirkt, als wenn für einen Moment die Zeit stehen bleibt.
Jenachdem, in welcher Stimmung man nun selber ist, lässt man die tragische Handlung mehr oder weniger an sich herankommen.
Ich habe mir diesen Märchenfilm schon oft angeschaut, auch wenn er traurig ist - teilweise habe ich ihn mir gerade deswegen auf Video angeschaut, weil ich das Gefühl von Traurigkeit in mir spüren wollte.
Da mag mich der eine oder andere vielleicht für plem-plem erklären. Ich sehe das aber eher als Beitrag zum seelischen Ausgleich, denn es kann nicht immer nur alles glücklich sein - und es sollte aber auch nicht alles immer nur traurig sein.
"Die kleine Meerjungfrau" ist eben ein Film, der auf schöne Weise traurig ist - auf zeitlos schöne Weise.
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Und für alle, die mehr zur Handlung wissen wollen, lesen einfach hier weiter. Ansonsten bitte bis ans Ende des Beitrags rollen :-)
Der Meereskönig, ist immer wieder vom Gesang der "kleinen Nixe" fasziniert und vor allem vom tragischen Motiv ihrer Lieder. So handelt eines von einem Prinzen, der zur Hochzeit per Schiff aufbricht, jedoch im Sturm in den Wellen umkommt.
Und tatsächlich lässt zeitgleich der Meereskönig ein Schiff in einem Sturm untergehen - um den Inhalt des Schiffs der kleinen Meerjungfrau als Geschenk zu ihrem Geburtstag zu machen.
Auf der Hochzeitsfeier der Schwester der kleinen Meerjungfrau schließlich inszeniert der Meereskönig einen Schiffsuntergang, den sich alle Meeresbewohner von einem Meeresfelsen aus anschauen.
Tja, und zu den Opfern zählt auch der Prinz des Südreiches, der auf dem Weg zu einem anderen Königreich war, um dort die Königstochter kennenzulernen.
Er sei bereits tot gewesen, als er die Stimme der Nixe gehört habe, die über dem Meer vernehmbar war, sagt der Meereskönig.
Die kleine Meerjungfrau aber rettet den Prinzen - "Wach auf, Menschen dürfen nicht unter Wasser atmen" - und bringt ihn in Sicherheit an Land. Dem Meereskönig missfällt das zwar, aber er bleibt fair: Der Prinz habe ihr gehört und sie habe auch mit ihm machen dürfen, was sie wünschte.
Der Prinz wacht schließlich an Land auf, doch die kleine Meerjungfrau muss ins Wasser flüchten, weil andere Menschen nahen. Zufälligerweise ist es die Tochter des hiesigen Königs, die in Gefolge vorbei kommt - und der erwachte Prinz glaubt, sie habe ihm das Leben gerettet. Das schmerzt der kleinen Meerjungfrau natürlich. Trotzdem will sie ihn wieder sehen.
Zurück in der Unterseewelt wird die kleine Meerjungfrau auch bald mit einer anderen Sache konfrontiert: ihr Zukünftiger wird ihr präsentiert. Sie findet ihn jedoch uninterssant, er sähe aus wie ein brauner Frosch. Auch vom Charakter her scheint er eher naiv zu sein und seine Meinung dem jeweils herrschenden Wind anzupassen. Und der Meereskönig scheint auch nicht sonderlich angetan von ihm. Gegenüber der kleinen Meerjungfrau meint er schließlich über den Vater des künftigen Bräutigams, das sei "auch so ein Idiot" gewesen. Aber geheiratet wird nur aus taktischen und strategischen Gründen.
Es stellt sich heraus, dass die Mutter der kleinen Meerjungfrau ein trauriges Schicksal erlitten hatte. Sie hatte sich in einen Fischer verliebt und für ihn das Meeresreich aufgegeben. Was nun genau mit ihr geschah, erfährt man nicht, aber der Meereskönig scheint auch nach langen Jahren noch verbittert über das alles zu sein - und befürchtet nun zurecht, dass sich alles mit seiner geliebten kleinen Nixe wiederholen wird. Also drängt er drauf, dass bald geheiratet wird. Und von anderer Seite gibt man ihm recht:
"Dann bekommt sie Kinder und hat genug andere Sorgen!"
Aber die kleine Nixe durchkreuzt die Pläne, nimmt ihre wertvollsten Sachen an sich und flieht zur Meereshexe. Die ahnt auch sofort, was die junge Besucherin vor hat: sie will ein Mensch werden, um ihren Prinzen wieder zu sehen. Der Preis ist hoch: die kleine Meerjungfrau muss ihre wunderschöne Stimme abgeben und wird künftig bei jedem Schritt an Land glauben, wie auf Klingen zu laufen. Und wenn es ihr nicht gelänge, das Herz des Prinzen zu erobern, wird ihr eigenes Herz brechen und sie sich in Meeresschaum auflösen.
Der kleinen Meerjungfrau ist das egal, so sehr liebt sie den Prinzen - und wird schließlich menschlich und an Land gespült.
Und tatsächlich scheint sie Glück zu haben: denn ausgerechnet ihr Prinz ist der erste, der sie erblickt und mit aufs Schloss nimmt.
Der Meereskönig ist natürlich erbost und beschert dem Südreich Stürme und Überschwemmungen. Doch der Meerjungfrau gelingt es, mit einem ihrer magischen Steine, die Stürme zu besänftigen. Schließlich bringt sie dem verschuldeten Königshaus Glück: in jeder gesammelten Muschel findet sich eine Perle.
Auch wenn sie nicht sprechen kann, ist der Prinz so sehr von ihr fasziniert, dass er sich wünscht, nur noch mit ihr zusammen zu sein, weil sie ihm seither nur Glück gebracht hat. Und im Volk wird zur alten Sage über jene Nixe,die einst dem Meer entstieg und einem Fischer Glück brachte, nun eine neuere Variante erzählt.
Doch jene Rettung aus dem Wasser damals schreibt er nach wie vor einer anderen weiblichen Person zu - und die Meerjungfrau kann ihm die Wahrheit nicht sagen.
Alles scheint gut zu laufen. Einen Anstandsbesuch müsse er allerdings noch machen beim König eines anderen Reiches. Da war zunächst eine Hochzeit geplant - quasi aus Not heraus, da das Südreich in jeder Hinsicht Hilfe brauchte - bis eben die kleine Meerjungfrau auftauchte.
Der Zufall will es, dass die zu treffende Prinzessin ausgerechnet jene Frau ist, die der Prinz seinerzeit für seine Lebensretterin hielt. Und auf einmal kippt die Stimmung, für die kleine Meerjungfrau bricht die Welt zusammen.
Denn der Prinz sieht nun in seiner vermeintlichen Lebensretterin auf einmal die große Liebe.
Und ihm fällt auf, wie ähnlich sich die Prinzessin und die kleine Meerjungfrau sind.
Der Prinz äußert zur Meerjungfrau die Worte: "Nur Du weißt über uns bescheid." Er meint es ganz anders und sagt die Wahrheit, ohne zu kennen - äußerst bitter für die kleine Meerjungfrau.
"Hilf mir noch einmal", bittet die kleine Meerjungfrau ihren Vater. Der schickt ihr mit den Wellen einen Dolch. Mit dem soll sie den Prinz und seine frisch angetraute Gemahlin im Schlaf erstechen. Der Meereskönig ermuntert sie, alle anderen würden sowieso sterben, im Morgengrauen würde das Schiff an den Klippen zerschellen. Und wieder steht die Gemeinschaft der Meeresbewohner am Felsen versammelt, um das Unglück zu beobachten.
Doch die kleine Meerjungfrau bringt dies nicht übers Herz, küsst ihren Prinzen im Morgengrauen ein letztes Mal und stürzt sich schließlich ins Meer.
Doch statt Meeresschaum sieht man am Ende viele Blüten im Wasser. Und wie es scheint, bleibt das Schiff unversehrt.
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Den Film gibt es auch als DVD. Zu speziellen Inhalten dieser DVD kann ich allerdings keine Angaben machen.
Dankeschön fürs Lesen und Bewerten :)