Die neue Oberstufe (Gym.)

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... (2) Die Halbjahreskurse eines Faches bauen als Folgekurse aufeinander auf. §14 Kernfächer, Profilfächer und Wahlpflichtfächer (1) Die Möglichkeit, Fächer als Kern-, Profil- oder Wahlpflichtfächer anzubieten ergibt sich aus Anlage 2. § 16 Belegungsverpflichtungen (2) [...]Aus ... Bericht lesen





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Abi in Sachsen-Anhalt
Erfahrungsbericht von soesta über Die neue Oberstufe (Gym.)
10.03.2004


Produktbewertung des Autors:   


Pro: nicht erwähnenswert
Kontra: zu hohe Anforderungen, zu viele schriftliche Prüfungen, größere Einschränkung der Schüler

Empfehlenswert? nein 

Kompletter Erfahrungsbericht

Tja, nun bin ich jetzt auch endlich in der gymniasalen Oberstufe.
Wie schon relativ schwer zu erkennen war, komme ich aus Sachsen-Anhalt.Eigentlich ist es ein ganz tolles Bundesland, wenn es da nicht zwei, für mich sehr relevante, Probleme gäbe: Arbeitslosigkeit und PISA-Studie.
Natürlich fragt ihr euch jetzt, warum ich ein Problem mit der PISA-Studie habe. Nun ja, eigentlich bin ich ja ganz angetan von diesen Ergebnissen, denn es spiegelt meine Meinung über das Lernverhalten vieler Jugendlicher wieder. Da aber Sachsen-Anhalt bei dieser Studie sehr schlecht abgeschnitten hat, musste die Landesregierung reagieren.Und dabei kam die neue Verordnung über die gymniasiale Oberstufe zustande.

Ich möchte in diesem Bericht insbesondere auf die Qualifikationsphase eingehen.(Klassen 12 und 13)

Hier nun ein paar wichtige Auszüge aus der Verordnung über die gymniasiale Oberstufe, die jeder wissen sollte, der in Sachsen-Anhalt sein Abitur ablegen möchte.

§12 Organisation des Unterrichts in der Qualifikationsphase

(1) Das Unterrichtsangebot gliedert sich in Kernfächer, Profilfächer und Wahlpflichtfächer und wird in Halbjahreskurse strukturiert.Der Unterricht in den Kern- und Profilfächern wird vierstündig erteilt, in den Wahlpflichtfächern wird er zweistündig erteilt.Fremdsprachen werden generell vierstündig erteilt.

(2) Die Halbjahreskurse eines Faches bauen als Folgekurse aufeinander auf.


§14 Kernfächer, Profilfächer und Wahlpflichtfächer

(1) Die Möglichkeit, Fächer als Kern-, Profil- oder Wahlpflichtfächer anzubieten ergibt sich aus Anlage 2.


§ 16 Belegungsverpflichtungen

(2) [...]Aus den Kern- und Profilfächern sind vor Beginn des dritten Kurshalbjahres("Anm.also 13/1") zwei als doppelt gewichtete Kurse zu benennen.Dabei kann nur eine Fremdsprache und aus den Fächern Geschichte, Naturwissenschaft und [...] nur eines doppelt gewichtet werden.

(4) Als Profilfach können nur dürchgängig spätestens seit dem 9.Schuljahrgang oder gemäß §10 Abs.2 belegte Fremdsprachen gewählt werden.

(6) Belegnungsverpflichtungen können nicht mit Kursen erfüllt werden, die mit 0 Punkten bewertet wurden.

(8) Ergänzend zur Belegungsverpflichtung können weitere Wahlpflichtfächer gewählt werden.

(10) Fächer, die über die Mindestbelegung hinaus belegt wurden, können jeweils zum Kurshalbjahresende abgewählt werden.


§20 Prüfungsfächer

(1) Für die Abiturprüfung sind fünf Prüfungsfächer zu wählen:

1. Das erste und zweite Prüfungsfach sind die gemäß §6 Abs.2 doppelt gewichteten Fächer.Sie werden schriftlich auf Leistungskursniveau geprüft.

2.Die wieteren Prüfungsfächer werden durch die SchülerInnen bei Anmeldung zum Abitur benannt und werden auf Grundkursniveau geprüft. Zulässig sind dabei nur Fächer, die in der gymniasialen Oberstufe seit Beginn der der Einführungsphase durchgängig belegt wurden. Das dritte und vierte Prüfungsfach werden schrifltich, das fünfte Prüfungsfach mündlich geprüft.

(2) Für die Wahl der Prüfungsfächer gilt:

1.Aus jedem Aufgabenfeld muss mindestens ein Prüfungsfach gewählt werden.(sprachlich-literarisch-künstlerisches Aufgabenfeld, gesellschaftswissenschaftliches Aufgabenfeld und mathematisch-naturwissenschaftlich-technisches Aufgabenfeld)

2.Verbindliche schriftliche Prüfungsfächer sind Deutsch, Mathematik und eine Profilfach-Fremdsprache sowie eine Profilfach-Naturwissenschaft oder Geschichte oder Profilfächer gemäß §14 Abs.2 .

(3) In bis zu zwei Fächern der schriftlichen Prüfung können von der Prüfungskomission ergänzend zur schriftlichen Prüfung mündliche Prüfungen angesetzt werden.Ist auf diesem Wege das Erreichen des Abiturs noch möglich oder wurden in einzelnen Prüfungsfächern weniger als 5 Notenpunkte der einfachen Wertung erreicht, ist diese Möglichkeit auszuschöpfen.Weicht das Ergebnis der schriftlichen Prüfung um vier oder mehr Notenpunkte vom Durchschnitt der Kurdhalbjahresleistungen ab, ist, soweit die zulässige Anzahl noch nicht ausgeschöpft ist, in der Regel ebenfalls eine Ergänzungsprüfung anzusetzen. Die Prüfungen können auch von dem Prüfling beantragt werden.

§37 Gesamtqualifikation

Also...jetzt mal zusammenfassend:
Die Gesamtqualifikation wird durch die Leistungsblöcke A und B errechnet.

LEISTUNGSBLOCK A
Bei den doppelt gewichteten Fächern werden die Notenpunkte der ersten drei Kurshalbjahre verdoppelt und die Notenpunkte des vierten Kurshalbjahres in einfacher Wertung angerechnet.
Außerdem sind weitere 22 Halbjahresleistungen aus den Halbjahreskursen einzubringen.(darunter die ersten drei Halbjahresleistungen der Prüfungsfächer drei bis fünf und alle anderen Halbjahresleistungen aus Fächern, die nicht Prüfungsfächer sind)
Die weiteren Halbjahresleistungen werden vom SchülerIn selbst festgelegt.Aus Sport können maximal drei Halbjahresleistungen eingehen.

LEISTUNGSBLOCK B
Die Halbjhresleistungen im vierten Kurshalbjahr der fünf Prüfungsfächer in einfacher Wertung und die Ergebnisse der schriftlichen Abiturprüfung in dreifacher Wertung.(durch Zusatzprüfung werden die Abiturergebnisse anders berechnet)

--> demnach wurden Grund- und Leistungskurse abgeschafft.Der Unterricht erfolgt in Kern- und Profilfächern auf Leistungskursniveau, im Wahlpflichtbereich auf Grundkursniveau.

-->1.Kernfächer sind Geschichte, Mathe und Deutsch.(muss jeder machen)Sie werden im Klassenverband unterrichtet.
2.Profilfächer können sein: Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Russisch etc.) oder Naturwissenschaften( Biologie, Chemie, Physik)
3.Wahlpflichtfächer können im Prinzip alle anderen Fächer und die Fächer, die nicht als Profilfächer gewählt worden sind, sein .Verpflichtend einzubringen sind aber Sport(außer Langzeitbefreiung), Geographie/Sozialkunde und Kunst/Musik.
Profilfächer und Wahlpflichtfächer werden in Kursen unterrichtet.

Das waren jetzt erstmal die wichtigsten Neuerungen.Besonders wichtig ist, dass man keine Grund- und Leistungskurse mehr hat und dass man erst nach Ende der 12.Klasse festlegt, welche Fächer man auf Leistungskursniveau prüfen lassen will.


FAZIT
Meine ganz ehrlich Meinung? Ich finde dieses neue System ziemlich unnütz.Es sind zwar einige Gedanken und die Absichten richtig, aber die Ausführung dieser neuen Verordnung lässt doch ziemlich zu wünschen übrig.Außerdem werden dem Schüler die Hände mehr und mehr gebunden (bei der Fächerwahl).
Das größte Problem liegt aber meiner Meinung nach darin, dass Kernfächer verpflichtend sind(jeder muss sie machen) und außerdem noch im Klassenverbnand unterrichtet werden.Mathematikbegabte Schüler müssen dadurch weiterhin mit eventuell schlechteren Schülern den Mathe-Unterricht besuchen und werden dadurch eingeschränkt, da sie zum Teil nicht ihren Möglichkeiten nach gefordert werden können.Ähnlich ist es mit dem Deutsch-Unterricht.
Ein weiteres Manko sind die Profilfächer.Es kommen im Prinzip nur maximal sechs Fächer als Profilfächer in Frage.Das sind maximal drei Sprachen (z.B. Eng, Frz, Ru) und drei Naturwissenschaften.Daraus folgt:

1.Wenn man sprachlich nicht sehr begabt ist, wird man bestimmt nur Englisch wählen.Dadurch wird man indirekt gezwungen 2 Fächer aus Physik, Biologie oder Chemie zu wählen.Was aber ist, wenn man Physik aufgrund der zum Teil komplizierten Rechnungen oder Vorgänge und auch Chemie aufgrund der schweren Themen nicht versteht?Man muss dann trotzdem eines der beiden und Biologie wählen und diesen Unterricht zwei jahre auf Leistungskursniveau durchziehen...
2.Ist man naturwissenschaftlich nicht begabt, wird man wohl allerhöchstens Biologie als Profilfach wählen.Ddaurch muss man zwei Fremdsprachen belegen.Aber auch da liegen die Probleme vieler Schüler, die mit den hohen sprachlich Anforderungen nicht zurecht kommen. (Profilfach-Fremdsprache wird auch auf Leistungskursniveau unterrichtet)

Ich habe diese Probleme auch schon erlebt, da wir auch schon für die Qualifikationsphase wählen mussten.Sie sind also Realität!

Weiterhin frage ich mich, was es bringen soll, dass man Deutsch und Mathe in einer schriftlichen Prüfung ablegen muss.Ich kann ja verstehen, dass ein Abitur ohne diese Fächer nicht möglich ist: Aber warum eine schriftliche Prüfung?Vielen Schülern wird damit ein echter Stein in den Weg gelegt.Es ist ja wohl kein Geheimnis, dass gerade Mathematik eines der größten Schüler-Probleme darstellt.Es gibt nicht gerade Wenige, die sich durch dieses Fach quälen und dann wird ihnen noch diese Last auferlegt.Für mich wirklich unverständlich.

Das nächste Problem stellt für mich die zu hohe Belastung der angehenden Abiturienten dar.Bisher war es so, dass man mit zwei Leistungskursen (5-stündig unterrichtet) und 8 Grundkursen (2-stündig unterrichtet) das Abitur ablegen konnte. Man hätte also nur 26 Wochenstunden belegen müssen.(durch Sprachen und Mathe verschob sich das natürlich, so dass man wohl zumeist 30 Wochenstunden hatte) Jetzt liegt die Mindestbelegung alleine schon bei 32 Wochenstunden.
Außerdem wurden bisher nur zwei Fächer auf Leistungskursniveau unterrichtet.Zwar ein relativ großer Lernaufwand, aber jetzt wird es noch härter. Man erhält sowohl Kern-, als auch Profilfächer auf Leistungskursniveau. Das bedeutet, dass man in sechs Fächern einen hohen Schwierigkeitsgrad zu bestehen hat. Der Aufwand wird also verdreifacht. Und da fehlt mir nun wirklich das Verständinis für. Was soll das denn eigentlich für ein Ergebnis haben? Klar schaffen es Schüler, die sehr gut sind, diese Hürde zu nehmen.Aber was wird aus den schwächeren Schülern?Diejenigen, die so schon zu kämpfen hatten, werden jetzt ein weiteres Mal bestraft. Und ein Großteil wird sich sagen, dass man sich das für einen vielleicht höheren Abschluss nicht antun will/muss. Schließlich sind wir noch jung und man will ja nicht ständig damit beschäftigt sein zu lernen. natürlich sollen auch meiner Meinung nach die Anforderungen hoch sein.Aber man kann es bei weitem auch übertreiben.

Im Allgemeinen sollte die Landesregierung diese Verordnung nochmal überdenken.Schließlich wird damit die Bildung nicht unterstützt, sondern sogar noch geschwächt. Ich denke, dass sich die Durchfall-Quote des Abiturs steigern wird oder weniger Schüler das Abitur überhaupt angehen werden.

Ich persönlich wünsche mir, dass das alte System mit Grund- und Leistungskursen wieder zurück kehrt, da dort mehr die Individualität der Schüler beachtet wurde. Schließlich kann man dort selbst entscheiden, was schriftlich geprüft wird und man ist nicht zu vielen Zwängen bei der Kurswahl erlegen. Außerdem sind die Anforderungen und Belastungen nicht so extrem hoch.
Nun gut, ich habe mich für diesen Weg entschieden und werde ihn auch bis zum Ende durchziehen.Es ist einfach nur schade mit an zu sehen wie nach und nach immer mehr Schüler unsere Schule verlassen. Darunter auch eigentlich Leute, die nicht dumm sind, sondern nur in wenigen Fächern nicht den Anforderungen stand halten können. Und dann kriegt man in den Medien zu hören, dass Deutschland, und speziell Sachsen-Anhalt, viel mehr Hochschulabsolventen benötigt. Doch die Chance überhaupt ein Hochschulstudium zu beginnen, wird doch bereits am Anfang zerstört: durch die neue Verordnung zur gymniasialen Oberstufe!

Leider kann ich nicht noch mehr Beispiele bringen, da ich selber erst in der 11.Klasse bin und somit noch nicht direkt auf die Qualifikationsphase eingehen kann.Die bisher geschilderten Probleme sind entweder hypothetisch oder beruhen auf schon in der jetzigen Phase (also 11.Klasse) gemachten Erfahrungen!

Ich bedanke mich dafür, dass ihr diesen Bericht gelesen habt! Ich freue mich über Bewertungen und Kommentare!


PS: Ich möchte noch darauf hinweisen, dass ich, genau wie jeder andere Schüler meiner Jahrgangsstufe, diese Auszüge von unserer Oberstufenkoordinatorin erhalten habe und sie nicht als pdf.Datei aus dem Internet gedownloaded habe.Und dies ist auch meine Meinung und sicherlich nicht die aus irgendwelchen Foren oder von anderen Homepages.Das habe ich nötig, da ich direkt mit dieser Problematik zu tun habe und mir alle geschilderten Probleme, zum Teil durch mich oder auch durch meine Mitschüler, persönlich bekannt sind.   
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