Die Sonne erwartet dich, Choga!
13.01.2006
Pro:
Schreibstil
Kontra:
gleicht ein wenig dem ersten Buch
Empfehlenswert:
Ja
 ghost333
Über sich:
Mitglied seit:29.08.2005
Erfahrungsberichte:41
Vertrauende:5
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 68 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Mal wieder ein Buch-Bericht von mir, der Leseratte! :-) Warum gerade dieses Buch? °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°Das Buch habe ich, wie die meisten meiner Bücher online gekauft. Ich habe es mir ausgesucht, weil ich die Fortsetzung von "Hinter goldenen Gittern" lesen wollte, welches ich schon vor einiger Zeit gelesen habe. Mehr über den ersten Teil könnt ihr auch in meinem Bericht "Ein ganz anderes Leben" erfahren. Mehr über die Autorin! °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Choga Regina Egbeme wurde 1976 in Lagos, Nigeria, geboren. Sie verbrachte zusammen mit ihrer deutschen Mutter Lisa ihre Kindheit und Jugend in einem Harem. Nach ihrer Flucht lebte sie zunächst versteckt in einer Frauengemeinschaft afrikanischer Heilerinnen, wo sie sich in die traditionellen Riten einweisen lies. Durch den überwältigenden Erfolg ihres ersten Buches "Hinter goldenen Gittern" ermutigt, setzt Choga ihren neuen Weg fort. Zusammen mit ihrem aidskranken Sohn Joshua und ihrer deutschen Halbschwester Magdalena lebte sie in einer festungsähnlichen Farm in Nigeria. Ich habe kürzlich aus dem Internet erfahren, dass 2003, ein halbes Jahr nach dem Tod ihres Sohnes, auch Choga an Aids gestorben ist! Ihr drittes Buch "Hinter dem Schleier der Tränen" hat Choga kurz vor ihrem Tod auf Tonband aufgesprochen. Ich werde dieses Buch bestimmt demnächst lesen und von ihm berichten. - Möge Choga ewige Liebe beschützen. - Sie war eine besondere Frau, die tiefe Eindrücke bei vielen Menschen auf der ganzen Welt hinterlassen hat! Worum geht es in diesem Buch? °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°Choga Regina Egbeme wurde in einem Harem in Nigeria geboren. Jahrelang lebte sie in einer perfekten Welt hinter hohen Mauern. Erst als sie älter wird, erfährt sie am eigenen Leibe, dass die Welt draußen ganz anders ist. Als sie 16. ist, zwingt ihr Vater sie, einen 30 Jahre älteren Mann zu heiraten. Um Chogas Widerstand zu brechen, wird sie brutal vergewaltigt. Mit Hilfe ihrer Mutter gelingt Choga die Flucht. Nach einer Ausbildung als Heilerin, baut sich Choga ein neues Leben auf einer Farm auf. Dort lebt sie zusammen mit anderen Frauen und ihrer deutschen Halbschwester isoliert von der Außenwelt. Die Frauen bauen ein sogenanntes "Heilhaus" auf, in dem Choga benachbarte Patientinnen aufnimmt und gesund pflegt. Doch die scheinbare Idylle wird bedroht, als die islamische Nachbarschaft missmutig wird und die Frauengemeinschaft nicht duldet. Immer wieder werden sie überfallen und sogar ihr Haus abgebrannt. Doch Choga schöpft Kraft mit Hilfe ihrer Schwestern und Freundinnen, lässt sich nicht unterkriegen und baut ihr Heim neu auf. Eine kleine Leseprobe gefällig? °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Auszug aus dem Kapitel: Die ZerreißprobeAm nächsten Morgen, einem Sonntag, versorgte ich gerade in Magdalenas Zimmer Tanisha, als Josh hereinplatzte. In seinem Gefolge der übermütige Hope. Bevor er etwas sagen konnte, rüffelte ihn Magdalena, die noch im Bett lag. "Josh, ich habe dir schon oft genug gesagt, dass du anklopfen sollst!" "Wir klopfen nie. Das ist nur bei deinem Zimmer so", meinte mein Sohn. "Tu bitte, was Magdalena sagt. Nur weil das niemand macht, heißt das nicht, dass es nicht richtig wäre", sagte ich. In meinem Land klopft in der Tat kein Mensch an einer Zimmertür, falls es überhaupt welche gibt. Aber ein paar europäische Manieren konnten meinem Sohn nicht schaden. Endlich trug Josh vor, worum es ging. "Da draußen steht ein komischer Mann. Der will meinen Vater sprechen. Ich habe gesagt, dass ich keinen habe. Da hat er gesagt, ich soll meinen Großvater holen. Und ich hab gesagt, dass ich keinen Großvater habe. Dann wollte er, dass ich meinen Onkel hole. Und ich ..." Magdalena verdrehte die Augen. "Josh, nun komm endlich zur Sache." "Ich soll Mama holen", murrte mein Sohn und trollte sich samt Hund. Ich ging gleich mit. Als wir hinauskamen, lehnte der Besucher mit verschränkten Armen an seinem Auto, das mitten im Hof stand. Hinter dem Steuer saß ein Fahrer. Der Mann trug einen Turban, dessen eines Ende ihm majestätisch über die Schulter fiel, und ein bodenlanges, graues Gewand. Ich dachte nur, dass der letzten muslimischen Patientin wenigstens erspart blieb, wie ein Bündel Holz abtransportiert zu werden. Als Erstes traf mich ein abschätziger Blick. Dann deutete der Fremde auf Hope. "Ein Hund gehört nicht ins Haus", schleuderte er mir anstelle einer Begrüßung entgegen. Ich war zu verblüfft, um etwas zu entgegnen. "Leben Sie hier allein?", lautete seine erste Frage. Ich verneinte. Es war zwar Sonntagmorgen, dennoch herrschte schon reges Leben. Meine Gefährtinnen liefen emsig umher, um die Vorkehrungen für die Speisen zu treffen. "Wo sind die Männer?", präzisierte er nun. Glücklicherweise hatte mein redseliger Sohn den mit dem Fremden geführten Dialog recht ausführlich wiedergegeben. So blieb es mir also erspart, durch meine übliche Taktik, die Halbwahrheit zu sagen, einen bösen Fehler zu begehen. ... Meine Meinung über das Buch °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Das Buch ist aus der Sicht der Choga R. Egbeme geschrieben. Wer das erste Buch gelesen hat (Hinter goldenen Gittern), sollte auch den zweiten Teil lesen. Es hat mir gut gefallen, es lässt sich gut und zügig lesen und der Schreibstil ist verständlich. Wenn ich einen Vergleich mit dem ersten Buch ziehen müsste, würde ich sagen, dass "die verbotene Oase" einen kleinen Ticken weniger spannend ist. Dennoch vergleichbar gut. Was diese Frau alles erlebt hat, ist wirklich erschütternd und beeindruckend zugleich. Leider ist dies aber auch kein Einzelschicksal. Millionen von Menschen in Afrika leiden an Aids, werden zwangsverheiratet oder leben in einem Harem. Choga, ihre Ziehmütter und Schwestern sind Tag für Tag mit dem Thema Tod konfrontiert, da fast alle Bewohnerrinnen an Aids erkrankt sind. In diesem Buch erfährt man einiges über das Leben afrikanischer Frauen. Man merkt sehr stark, dass die Menschen besonders die Männer in der Umgebung es nicht dulden, dass es eine Gemeinschaft gibt, in der sie keinen Zutritt haben. Vor lauter Angst haben die Frauen sogar damit begonnen, eine hohe Mauer um ihre Farm zu bauen, um sich etwas sicherer zu fühlen. Wenn ihr das Buch lest, werdet ihr aber feststellen, dass die Mauer nicht viel gebracht hat! ;-) (Will ja nicht zu viel verraten). Ich werde mir demnächst auch das dritte und letzte Buch von Choga Regina Egbeme kaufen, da ich gerne wissen möchte, wie es weiter geht und wie sie die letzten Monate in ihrem viel zu kurzem Leben erlebt hat. Noch ein paar extra Infos für euch! °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°Erscheinungsdatum: Januar 2003 ISBN: 3548363806 Erschienen bei: Ullstein Taschenbuchvlg. Seitenzahl: 240 Gewicht: 192 g Inhaltsverzeichnis: - Gruß an einen neuen Tag - Besuch zu Weihnachten - Der Tod eines Kindes - Efes Geheimnis - Kleine Schritte - Hoffnung - Das Heilhaus - Zwischenfall auf dem Markt - Schatten der Vergangenheit - Die Mutter des Hasses - Blutiger Regen - Eine Warnung - Der Mauerbau - Magdalenas Ankunft - Das Lebensrad - Schulsorgen - Tanishas Baby - Das Ritual - Die Weigerung - Die Zerreißprobe - Seite an Seite - Nachtwanderung - Der Angriff - Trauer und Hoffnung - Die kluge Schildkröte - Schicksalsfragen - Eine Liebe Kaduna - Die Entscheidung - Ein Brief von Magdalena - Die wichtigsten im Buch erwähnten Personen - Ein Dank und eine BitteNoch ein kurzes Zitat von Choga: "Ich erzähle meine Geschichte nicht, um Mitleid zu erregen oder Hilfe zu erheischen. Statt dessen habe ich eine große Bitte an Sie: Niemand kann die Welt allein retten. Es reicht, wenn wir nach der Hand unseres Nächsten greifen. Was für eine wunderbare Welt wäre das!" 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16.08.2006 17:25
Hallo, Natasha! Das Buch „Hinter goldenen Gittern / Ich wurde im Harem geboren“ habe ich auch gelesen! Klar, auch ein besonders Schicksal! Die anderen zwei von Choga Regina Egbeme sind mir noch nicht in die Hände gefallen! Muss ich sie mir merken! Wenn ich über solche Frauenschicksale lese, denke ich wie gut wir es doch haben und wie winzig klein unsere Probleme sind! LG, Maria
15.01.2006 19:18
Ich glaube, selbst wenn du zwischen den Seiten ein paar 10-Euro-Scheine verstecken würdest, würde ich das Buch nicht lesen. Ich les ja eh so selten....und dann auch noch ne Biographie....ne, ne, ne.....aber der Bericht ist gut :-))))
15.01.2006 03:38
werde ich mir für meinen nächsten urlaub mal mit vormerken ;o)