Wie Gewalt entsteht und wohin sie führen kann
04.09.2001 (18.10.2001)
Pro:
super Schreibstil
Kontra:
verwirrender Anfang mit vielen Namen
Empfehlenswert:
Ja
 rokaria
Über sich:
Mitglied seit:21.06.2001
Erfahrungsberichte:27
Vertrauende:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 24 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Gestern Abend, als ich das Buch „Die Ehre der Katharina Blum“ fertig gelesen hatte, beschloß ich es zu meinem neuen Lieblingsbuch zu ernennen. Der Inhalt, aber ganz besonders der Schreibstil Heinrich Bölls haben mich schlichtweg begeistert. Zu Beginn war es zwar wie ein durchschnittlich schweres Buch zu lesen, doch etwa ab Seite 50 erreichte ich einen Lesefluß, der kaum zu unterbrechen war. Veranlaßt, dieses Buch zu lesen, hat mich folgender Spruch von Dorothee Sölle, auf der Rückseite des Buches: „Eine Gestalt wie Katharina, die zwei lebensgefährliche Eigenschaften hat: Treue und Stolz, spricht eine Hoffnung auch in der Zeit der Gewalt aus.“ Beim Inhalt des Buches habe ich beschlossen mich auf das Nachwort von Heinrich Böll „10 Jahre danach“ zu konzentrieren und einige Details auszulassen, da es unmöglich wäre, alles einzelnen Punkte des Gerichtsverfahrens „Katharina Blum“ aufzugreifen. Katharina, ein einfaches Mädchen von 27 Jahren, fleißig, tüchtig und völlig unpolitisch, die leider weder von ihren Eltern, noch von ihrem geschiedenen Mann viel Liebe erfahren hat, verliebt sich in einen, wie sich erst später herausstellt, von der Polizei verfolgten Verbrecher. Sie verbringt eine Nacht mit ihm. – Die Nacht, die ihr Leben auf einen Schlag verändern sollte. Bald berichtet die ZEITUNG über den Fall und zeiht sogar die vereinzelten Wahrheiten, über die sie geschrieben werden, in den Dreck. Katharina, die aber diese beiden verfluchten Eigenschaften TREUE und STOLZ besitzt, wird schließlich von den vielen Schlagzeilen, Verdächtigungen, Verleumdungen und Gemeinheiten explosiv, sie hat sich inzwischen wirklich strafbar gemacht, indem sie Ludwig Götten, ihrem Liebsten, zur Flucht verhilft. Sie verliert ihre Ehre und Würde, ihren größten Schatz. Als dann noch ihre Mutter, auf Grund des lästigen Reporters Tötges, verfrüht stirbt, explodiert sie ganz. Die verzweifelte Katharina erschießt, vor einem Interview und einer möglichen Vergewaltigung, Tötges. Das Buch wurde oft fälschlich als Terroristen-Roman bezeichnet, will von Heinrich Böll aber eher als Liebesgeschichte genannt werden, da weder Katharina noch einer der anderen Mitwirkenden des Buches Terroristen sind. Vermutlich hätte sich Katharina auf Grund ihres Charakters auch als „Wissende“ in Ludwig verliebt. Denn...(Zitat aus dem Buch)...Die Liebe ist ja nun einmal eine verflucht merkwürdige Sache. Es gibt Frauen, die Verbrecher lieben, nicht weil, sondern obwohl die Verbrecher sind....Frauen, die jemanden lieben, haben nicht immer alle gängigen Steckbriefe in ihrer Handtasche, tragen auch nicht Strafgesetzbuch, nicht einmal das bürgerliche Gesetzbuch ständig mit sich herum. Schlimm wird die Sache, weil ihre Liebe erwidert wird. Kurzum, das Buch handelt von einer unschuldigen Frau, die von der Presse in den Ruin getrieben wird. Noch als kleine Information: Das Buch erschien nicht auf der Bestsellerliste, da die Reaktion der Presse auf das Buch zu heftig war. „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ ist wie ein gesetzlicher Bericht verfaßt und war bis jetzt die erste Schullektüre, die mich wirklich fasziniert hat.
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31.12.2001 15:34
Für mich war es auch das erste Schulbuch, was ich mit Spannung gelesen habe. Aber bei mir waren es nur 100-200 Seiten!
04.09.2001 17:44
Sei gegrüßt. Ich freue mich sehr, dass da Buch heutzutage offensichtlich immer noch gelesen wird... Ich habe sozusagen mit Böll lesen gelernt und gerade die "Verlorene Ehre..." ist eines der Bücher, die mich im Teeny-Alter geprägt haben... Gute Besprechung. In diesem Sinne - Pessoa
04.09.2001 16:28
hatte auch vor das buch demnächst zu lesen, da ich die literaturverfilmung schon sehr gut fand! solltest du dir vielleicht auch mal ansehn, gruß, Kruemelchen83