Seit über 12 Jahren habe ich und kurze Zeit später auch meine Frau unsere Autos bei Direct Line versichert. Das sind unsere Erfahrungen, die sich ausschließlich auf Kfz Versicherungen beschränken:
DIRECT LINE:
Die Direct Line Versicherungs AG gehört zur internationalen The Royal Bank of Scotland Group. Sitz und postalische Anschrift sind in Teltow in der Nähe von Potsdam. Die Versicherung bietet Auto- und Motorrad-Versicherungen an sowie Privathaftpflicht- und Privatrechtsschutzversicherungen. Einen PKW Anhänger konnte ich dort allerdings nicht versichern. Bekannt ist die Werbung mit dem roten Telefon und so bin ich damals (da war der Name noch "Allstate Direct") auch auf die Versicherung aufmerksam geworden.
ERREICHBARKEIT:
Per Telefon über eine kostenfreie Rufnummer 24 Stunden erreichbar. Wartezeiten am Telefon habe ich nur eine einziges Mal bei einer Schadensanszeige erlebt. Es waren aber auch da höchstens 30 Sekunden. Außerdem gibt es eine sehr gut gegliederte und verständliche Homepage, auf der man sich informieren, Tarifanfragen, Vertragsangebote und Schadensanzeigen machen kann. Auch die Kommunikation auf dem Postwege funktioniert nach meiner Erfahrung zuverlässig.
EXOTEN:
Das ist ein für mich spezielles Kapitel, weil ich zwei aus Mexiko bzw. den USA importierte Autos fahre. Importiert heißt, dass diese Autos keine Typschlüsselung haben und deshalb bei den normalen Online Tarifrechnern der Versicherungen nicht gerechnet werden. Das war auch bei Direct Line so, deshalb musste ich anrufen und fragen. Die Versicherung hat aber beide Autos ohne Murren versichert, indem sie vergleichbare Modelle und deren allgemeine Typklasseneinstufungen herangezogen hat.
TARIFNIVEAU:
Die Anfangsangebote sind nach meiner Erfahrung meistens recht günstig, selten aber die absolut günstigsten. Man kann sich also nicht blind darauf verlassen, dass man ein günstiges Angebot erhält, sondern muss vergleichen.
Der auf meine Frau zugelassene Opel Omega (s. Erfahrungsbericht) mit Typklasse 18 kostet bei 30% Beitragssatz EUR 220,80 an Haftpflicht pro Jahr. Im Vergleich waren der ADAC oder der HDI ein paar Euro billiger.
Mein getunter und aus Mexiko importierter VW Käfer (s. Erfahrungsbericht) liegt dagegen mit Typklasse 10 und Beitragssatz 30% bei EUR 170,40 pro Jahr nur für die Haftpflicht. Das ist auch bei gesteigerter Motorleistung deutlich zu viel. Wahrscheinlich bin ich mit dem Auto schon zu lange dort versichert und muss entweder nachverhandeln oder wechseln.
Meinen neuen Ford Mustang (Erfahrungsbericht folgt) hat Direct Line in Typklasse 17 eingestuft, was bei 30% Beitragssatz (Zweitwagentarif, s. unten) EUR 302,80 für die Haftpflicht ausmacht. HDI wäre deutlich günstiger gewesen, wenn sie mir denn auch 30% angeboten hätten, der ADAC wäre deutlich teurer gewesen. Die Teilkasko mit EUR 1.000,00 Selbstbeteiligung (Typklasse 22) kostet EUR 152,80 pro Jahr. Das wäre beim HDI deutlich teurer gewesen. Der ADAC hat eine Teilkasko für den Mustang abgelehnt.
Generell gibt Direct Line Rabatte für alles mögliche: Garage, öffentlicher Dienst, keine Fahrer unter 24 usw. Auch Payback Punkte kann man sich gutschreiben.
DER ZWEITWAGENTARIF:
Das ist aus meiner Sicht das eigentliche Plus der Direct Line. Auf den Zweitagen gibt Direct Line denselben Schadensfreiheitsrabatt, wie auf den Erstwagen. Voraussetzung: Kein Fahrer unter 24 Jahre und kein Schaden mit dem zu versichernden Fahrzeug oder dem Erstfahrzeug innerhalb von 12 Monaten vor Vertragsabschluss. Für Leute, die mehrere Fahrzeuge angemeldet haben, ein echtes Plus. Ich kenne das von keiner anderen Versicherung. Wenn dann aber ein Haftpflichtschaden auftritt, kann es eben auch sehr teuer werden, denn dann gehen beide Autos im Schadenfreiheitsrabatt nach oben. Damit dass nicht passiert, gibt es den
NIX PASSIERT TARIF:
Da zahlt man einen knackigen Zuschlag zum eigentlichen Beitrag in der Haftpflichtversicherung, hat dafür aber einen Bumms frei ohne hochgestuft zu werden. Der NIX PASSIERT TARIF hätte für den Mustang etwa 15% höher gelegen. Hab ich nicht gewählt, da ich ja - wie alle anderen Deutschen auch - der weltbeste Autofahrer bin und keine Schäden verursache. Außerdem bin ich Optimist.
VERLÄSSLICHKEIT:
Darunter verstehe ich, dass man sich auf telefonische Aussagen verlassen kann und nicht gelinkt wird. Bisher war das so. Alle Einstufungen und Zahlen, die mir an Telefon genannt wurden, haben sich später genau so in schriftlichen Angeboten wiedergefunden. Wenn Unterlagen fehlten, wurden die schriftlich angefordert und alles war gut.
Als ich in meinen Käfer einen deutlich stärkeren Motor eingebaut hatte (natürlich mit TÜV und Eintragungen), teilte ich das der Versicherung mit. Sie haben einen geringen Zuschlag auf den Beitrag erhoben und ansonsten alles unverändert gelassen.
Als meine Frau wider Erwarten mit ihrem Auto nach 2 Jahren deutlich mehr Kilometer machte, als im Versicherungsantrag angegeben, haben wir dies der Versicherung mitgeteilt. Auch dort war die Reaktion gelassen. Es wurde lediglich für die Zukunft ein leicht erhöhter Beitrag erhoben, weiter nichts.
SCHADENSABWICKLUNG:
Als Geschädigter kann ich hier keine Erfahrungen beisteuern. Wenn Leser als Geschädigte eines bei Direct Line Versischerten solche Erfahrungen gemacht haben, schreibt sie bitte in den Kommentar oder mir ins Gästebuch.
Im Sommer 2008 stellten wir bei dem inzwischen verkauften Auto meiner Frau einen Steinschlag in der Windschutzscheibe fest. Direct Line machte gerade Werbung damit, kleine Glasschäden über die Teilkasko ohne Kosten zu regulieren und zwar auch dann, wenn man - wie meine Frau - eine Selbstbeteiligung vereinbart hatte. Wir nahmen Direct Line beim Wort und meldeten den Schaden. Am Telefon (mit folgender Bestätigung per e-mail) erhielten wir eine Schadensnummer, mit der wir uns an die Firma Carglass wenden sollten. Gesagt getan. Carglass kam zu uns, besserte den Schaden im "Smart Repair" Verfahren aus und ließ die Rechnung von EUR 200 von Direct Line bezahlen. Das lief vorbildlich ab.
Kürzlich produzierte meine Frau mit dem Omega einen Parkplatz Rempler (damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Es war ihr erster Unfall in 24 Jahren). Auch dort dasselbe. Unfall per Telefon gemeldet, Schadensnummer an Unfallgegner gegeben. Bisher haben wir von dort noch keine Klagen gehört.
In diesem Punkt kann ich der Direct Line guten Gewissens faires Verhalten dem dort Versicherten gegenüber attestieren.
DER TRICK MIT DER LAUFZEIT:
Im Allgemeinen enden Kfz Versicherungen zum Jahresende, wenn man bis zum 30.11. kündigt. Nicht so bei Direct Line. Hier wird jeder Vertrag genau auf ein Jahr abgeschlossen und verlängert sich um ein weiteres Jahr, wenn man nicht bis einen Monat vor Ablauf kündigt. Der Vertrag für meinen Käfer läuft beispielsweise bis zum 27.03.2009. Selbst wenn ich am 30.11.2008 gekündigt hätte, wäre ich nicht - wie bei anderen Versicherungen - zum Jahresende raus gewesen, sondern erst am 28.03.2009. Das muss man wissen und es ist nach meiner Einschätzung nicht gerade ein Pluspunkt der Direct Line.
FAZIT:
Für eine Direktversicherung sind Erreichbarkeit und Verlässlichkeit sehr gut. Die Schadensabwicklung ist in Ordnung. Die Höhe der Versicherungsbeiträge ist befriedigend, deshalb ziehe ich auch einen Stern ab. Der Clou und ein echter Wettbewerbsvorteil ist der Zweitwagentarif. Insgesamt kann ich Direct Line empfehlen.
19.01.2010 22:01
War interessant zu erfahren.... Danke. Gruß Doris
01.02.2009 01:34
klingt nach einer guten Alternative -)
12.12.2008 20:54
Es gibt Versicherungen, die übernehmen sogar die Sondereinstufungen (vor allem erweiterte Zweitwagenrabatte) von anderen Versicherungen. Also liegt die Direct Line da nicht sooo weit vorne. Zudem gibt es sogar sehr gute "Nicht-Online-Versicherungen", mit besseren Leistungen, die günstiger sind. Richtig ärgerlich ist die von Dir angesprochene "Ablaufproblematik", weil man sich da einfach beim Kündigen auf das Jahresende verlässt. ;-) Gruß Ulman