Döblinger Bezirksmuseum, Wien

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Döblinger Bezirksmuseum, Wien

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Erfahrungsbericht über "Döblinger Bezirksmuseum, Wien"

veröffentlicht 30.04.2005 | SabineG1959
Mitglied seit : 16.10.2004
Erfahrungsberichte : 283
Vertrauende : 59
Über sich :
Ihr Lieben, ich wünsche Euch allen eine scholne Adventszeit frohe Weihnachten und einen guten Rutsch :)
Ausgezeichnet
Pro sehr informativ, ein richtiges Schatzkästlein, gemütliche alte Villa :)
Kontra vielleicht etwas eng
sehr hilfreich

"Döblinger Bezirksmuseum, Wien XIX. Bezirk"

Im Zusammenhang mit den Beethoven-Gedenkstätten erwähnte ich bereits das Bezirksmuseum Döbling im 19. Wiener Bezirk. Das Museum befindet sich in der Villa Wertheimstein direkt neben dem Eroicahaus, einer der vielen Beethovengedenkstätten. Und da wir auf den Spuren Beethovens unterwegs waren, hofften wir, auch in diesem kleinen Museum etwas über ihn und sein Leben zu erfahren.

Aber fangen wir ganz von vorne an, mit dem rein Organisatorischen, das ich von der Homepage der Einfachheit halber hierher kopiere:

Bezirksmuseum Döbling
Villa Wertheimstein
19., Döblinger Hauptstraße 96
Telefon und Fax: 368 65 46
E.Mail: apfel.doris@chello.at
Handy: 0676 790 85 06
FAX & Tel.: PRIVAT: 968 88 01

Erreichbarkeit: Straßenbahn 37,Richtung Hohe Warte bis zur Pokhornygasse,
Bus 10A, 39A bis Barawitzkagasse

Säle/Exponate: 14/ca. 10.000

Öffnungszeiten: Samstag 15.30 bis 18 Uhr, Sonntag 10 bis 12 Uhr

Führungen: nach Vereinbarung
Kontakte für Anfragen: ML Prof. Kurt Apfel, Telefon/Fax: 368 65 46
Eintritt: frei


Wie wir in das Museum eingeladen worden waren, obwohl gar kein Wochenende war, habe ich ja schon in meinem Beethovenbericht erzählt, mit anderen Worten: wir waren allein im Haus. Der Mitarbeiter hatte noch zu tun und zeigte uns den Weg in die oberen Gemächer, wo wir uns alles angucken konnten.

Als wir oben in der ersten Etage, wo die Ausstellungsräume sind, ankamen, befanden wir uns in einem kleinen Flur mit einem alten Tisch, auf dem es Bücher, Prospekte, Ansichtskarten und Ähnliches gab. Von dort aus konnte man in zwei Richtungen gehen. Wir betraten zunächst den rechten Raum - von der Treppe aus gesehen, der ziemlich klein war und voller Fotos und Dokumente zur Geschichte des 19. Bezirks, Döblings, war.

Es wurde erklärt, dass der 19. Bezirk aus elf Dörfern entstand, die im Jahre 1892 alle bei Wien eingemeindet wurden. Diese elf Dörfer sind Unter- und Oberdöbling, die dem Bezirk auch den Namen gaben, der Stadt nächsten sind bzw. selber noch städtischen Charakter haben, Unter- und Obersievering, Grinzing, Nussdorf, Heiligenstadt, Kahlenbergerdorf, Neustift, Salmannsdorf - das elfte fehlt in der Liste auf der Homepage.

Da wir auf Beethovens Spuren wandelten, interessierte uns besonders die Geschichte der Dörfer, in denen Beethoven gelebt hatte.

Von allen Ortsteilen gab es Bilder, gemalte und alte Fotos, Informationen zur Geschichte und zur sprachlichen Herkunft der Ortsnamen. Sprache, das ist ja nun wieder genau mein Thema.

Grinzing und Sievering wurden von Bayern gegründet und tauchen schon in Urkunden von 1114 auf. Nussdorf ist eine fränkische Gründung und noch älter, sie taucht schon in Urkunden von 1081 auf. Heiligenstadt wurde bereits im Jahre 119 von den Römern als Sanctus Locus gegründet, was Heiliger Ort und nicht etwa Heiliges Klo bedeutet. Das Wort Lokus für Klo stammt zwar aus dem Lateinischen, wurde aber erst viel später als vornehme Umschreibung für das stille Örtchen verwendet.

Zum Sanctus Lokus gab es in dem Museum noch eine weitere Erklärung. Im Germanischen bedeutete das Wort heil ursprünglich eigen, also Heiltum bedeutete Eigentum. Erst im Zuge der Christianisierung wurde das Wort Eigentum für weltlichen Besitz verwendet und das Wort Heiltum für den "Besitz" Gottes verwandt und damit heilig. So gab es hier also zwei Erklärungen für die Entstehung des Namens für Heiligenstadt, das um 900 wie Nussdorf eine fränkische Siedlung war.

Die Wurzeln des Wortes Döbling vermutet man im Slawischen. 1114 wurde es urkundlich als Teopolice erwähnt, später als Topolice, 1336 erscheint es bereits als Töbling in alten Urkunden.

Wie gesagt, die anderen Orte haben uns dann nicht mehr so sehr interessiert.


Neben der Ortsgeschichte gibt es in dem Raum noch alte Fotos zur Verkehrsgeschichte von den ersten Pferdekutschen, die nach der Eingemeindung in 1892 langsam durch den Pferdetramway ergänzt und oder ersetzt wurden. Das sind Straßenbahnen, die von Pferden gezogen werden, also auch über Schienen laufen. Ich habe mal so eine im Original im Eisenbahnmuseum in Utrecht gesehen. Hier also gab es nur Fotos. Ab 1904 wurde dann die Stadtbahn dort ausgebaut, heute gibt es im ganzen Bezirk Straßenbahnen, Busse und die U-Bahn.


Außerdem stehen in diesem Raum noch einige Modelle u.a. von Kirchen des 19. Bezirks und das des Sperrschiffes im Donaukanal. Das habe ich aber nicht verstanden, wie das funktioniert und wozu das gut war. Des weiteren gab es noch eine Karte von der Donau, wie sie zu Beethovens Zeiten ausgesehen haben mag, bevor sie kanalisiert wurde. Damals war die Donau ein riesiger Fluss - von der Ausdehnung her - mit vielen Inseln und Inselchen. Das gleiche hat man ja bei uns in der BRD mit dem Oberrhein gemacht, einen Kanal für die Schifffahrt …

Ein Bild ist mir noch aufgefallen, was für die Geschichte Wiens nun wirklich nicht so wichtig sein dürfte: Beethoven schrieb die 6. Sinfonie, die Pastorale, die so malerische Titel für die einzelnen Sätze trägt wie z.B. Szene am Bach (oder so ähnlich, habe gerade keine 6.Sinfonie hier …). Man erzählt sich, dass Beethoven sie komponierte und sich dabei von seinen Spaziergängen am Schreiberbach bei Heiligenstadt inspirieren ließ. Nun sind wir aber auf der Straße Beethovengang an diesem Bach entlang spazieren gegangen - und ich fand es fürchterlich. Nie im Leben war das der Bach von Beethovens Pastorale, 2. Satz (der erste lautet ungefähr Frohe Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande). Aber trotzdem war er wohl genau an dieser Stelle auch spazieren gegangen durch die wunderschöne Natur. Das Bachbett war eingemauert, überall Häuser, Spielplätze, Bolzplätze und verloren dazwischen ein Beethovendenkmal … Und dann im Museum, da hing ein Bild von einem Bach, der durch ein Meer von Blumen und Blüten floss, durch Gras und ganz frei ohne steinernes Bett. Da dachte ich, das muss Beethovens Bach gewesen sein. Dieser hier sieht genauso s aus, wie die Sinfonie klingt - und er war es tatsächlich, der Schreiberbach von anno toback …


Jetzt haben wir uns also endlos in diesem einen kleinen Raum aufgehalten. Also weiter zu dem noch kleineren dahinter. Da gab es noch Älteres zu bewundern, Dinge aus der Zeit der alten Römer, aus Vindobona, dem römischen Namen von Wien. Da das lange vor Beethoven war, belasteten wir unseren Kopf nicht auch noch mit all diesen interessanten Informationen und wanderten in die Räume auf der anderen Seite des kleinen Flurs.


Hier gab es wieder Technik - Technik, die begeistert - das meine ich ernst. Parallel zum Beethovengang gab es eine ebenso kleine Straße mit Namen Zahnradbahnweg. So sehr wir auch fragten, was dieser Name zu bedeuten hatte - ob Wien mal eine Zahnradbahn hatte - keiner wusste es so recht. Nur der Juniorchef unseres Lieblingskaffeehauses erzählte, dass Wien mal eine hatte und es die aber wohl nicht mehr gäbe. Mehr wusste er auch nicht. Und nun standen wir hier in diesem wundervollen kleinen Museum, in diesem Miniräumchen - und was entdeckten wir da? Sogar zwei Bergbahnen, die beide auf den Kahlenberg hinauf führten und spätestens im letzten Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut worden waren., "unsere" Zahnradbahn und eine Drahtseilbahn, die auch auf Schienen fuhr aber von einem Drahtseil nach oben gezogen wurde. Mit dieser Technik kann man heute noch in Dresden auf einen der Berge in der Stadt fahren.

Als wir hier in diesem Raum waren, auf dem Rückweg wohl aus den hinteren Räumen, kam auch der Museumsleiter zu uns und erklärte uns die Geschichte der beiden Bahnen. Alles weiß ich leider nicht mehr auswendig, aber zumindest weiß ich noch, dass die beiden Modelle funktionierten und er sie uns vorführte. Wir waren ganz begeistert! Endlich wurden wir nach langem Fragen und Suchen darüber aufgeklärt, dass es tatsächlich dieses Bahn(en) gegeben hatte, an die sich kaum noch ein Wiener erinnern konnte.

An den Wänden hingen noch alte Plakate und Fahrpläne der Bahnen. Und an die Geschichte des Modells der Zahnradbahn kann ich mich noch erinnern. Dieses wurde nach der Zerstörung der Bahn von einem Liebhaber selber nach den alten Plänen für sein Wohnzimmer gebaut - maßstabsgerecht - und funktioniert noch heute.


Das nächste Zimmer war wieder etwas größer aber total überladen mit Krimskrams ohne Ende. Hier gab es Ausstellungstücke zu den Großen, die in den Döblinger Dörfern gelebt hatten, u.a. Beethoven, Strauß - welcher weiß ich nicht mehr - und einige andere. Hier erfuhren wir dann auch, dass es in Heiligenstadt einen Beethovenchor zumindest gegeben haben muss. Es gab Beethovenmedaillen und einen Beethovennotenständer zum Besichtigen. Ebenso wurde auf ein Beethovenmuseum in der Pfarre von Heiligenstadt verwiesen - im Zusammenhang mit dem Chor, was wir aber nicht gefunden haben. Vielleicht existiert es ja schon nicht mehr.

Hinter diesem Raum gelangte man in einen noch größeren Raum, der einen Einblick in das Leben in der Villa gab. Das schönste in diesem Raum war die Decke, die nicht einfach nur eine weiße Stuckdecke war, wie man sie in vielen Häusern findet, sondern auch noch farbig war. Von unten sah es fast so aus, als ob Teile der Decke mit rotem Samt ausgelegt gewesen wären, auf jeden Fall war es ein wunderschöner Anblick.

Der letzte Raum war der größte. Auch er bezog sich mehr auf das Leben in früheren Zeiten, war wohl so etwas wie ein Salon.


Auf dem Rückweg aus diesem Teil der Villa trafen wir dann unseren Gastgeber, der uns auch wieder die Treppen hinunter führte und uns zum Abschied jeweils eine Ansichtskarte des Museums schenkte.

Im Erdgeschoss gab es noch eine Tür zu einem Weinmuseum, was wir uns aber nicht mehr angeguckt haben. Man muss die Freundlichkeit der Menschen ja nicht gleich überstrapazieren.


Fazit:

Das Museum befindet sich in uralten Räumen, was ich sehr gemütlich und ansprechend finde, was aber vielleicht nicht jedermanns Fall ist. Die Räume sind klein und zum Teil ziemlich überfüllt mit Informationen und Gesammeltem, was zum Teil etwas erdrückend wirken kann. Auf jeden Fall wird es eng, wenn viele Leute da sind … Positiv ist, dass der Eintritt frei ist und man am Ende etwas zum Erhalt und zur Pflege der Sammlung spenden kann, was wir auch gemacht haben. Die Leute dort arbeiten ehrenamtlich und sind mehr als freundlich und zuvorkommend. Kurz: ich fand es einfach klasse, genau der richtige Ort für fundierte Informationen und zum Herumstöbern und quasi auf Schatzsuche zu gehen.

Ach ja: ein Museumscafé gibt es nicht, aber ein paar Meter die Straße runter ist ein gutes, und durch den Park der Villa hindurch soll es ein internationales bekanntes und beliebtes Restaurant geben, ein McDoof - äh - McDonald's ….


Ich freue mich auf Euer Echo.

Alles Liebe von Sabine :)

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Spohler veröffentlicht 03.12.2007
    Ein schöner ausführlicher Bericht. Leider habe ich dieses Museum bei meinen 3 Wienreisen verpasst. Es war in keinem meiner Reiseführer erwähnt. LG Dorothea
  • Doro1975 veröffentlicht 06.05.2005
    Schöner, informativer Bericht! Gruß Doro
  • mirco30 veröffentlicht 03.05.2005
    Ich liebe Museen und der Bericht hört sich super interessant an. Werde ich mir merken, wenn ich mal in der Nähe bin! LG Mirco
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