On the sunny side ...
7. Apr 2004
Pro:
Fox, Warner, Komik, Grady . . .
Kontra:
. . . nein, nicht wirklich
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor:
Spannung:
Anspruch:
Action:
Romantik:
mehr
 Posdole
Über sich:
Boooah ! Äh !
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Was fängt ein Arzt, der sich der plastischen Chirurgie verschrieben hat, mit einem gewöhnlichen Hausschwein an? Na was wohl? Er geht mit ihm spazieren – an der Leine. Das Fettabsaugen und Nase-Gerade-Rücken, die Hautstraffung und die sonstigen mehr oder weniger aufwendigen Korrekturen vermeintlicher körperlicher Missbildungen müssen sowieso seiner harren. Denn vor das Schwein hat der liebe Gott die Kuh gesetzt. Die steht Dr. Benjamin Stone (Michael J. Fox) auf seinem Trip quer durch die Staaten von Washington nach Los Angeles – vom nervenaufreibenden Job in einem völlig überfüllten Krankenhaus zur avisierten ärztlichen Kunst am Institut des plastischen Chirurgen Dr. Halberstrom (George Hamilton) – plötzlich vor der Motorhaube. Das darauf dem jungen Arzt aufgezwungene Ausweichmanöver führt ihn samt seinem geliebten roten Superauto quer durch’s Gebüsch schnurstracks am frisch gestrichenen Zaun eines Hauses vorbei, der sich daraufhin in seine Einzelteile zerlegt. Nicht nur der Wagen leidet unter dieser kurvenreichen Fahrt. Der örtliche Richter Evans (Roberts Blossom) und der ebenso örtliche Sheriff Cotton (Tom Lacy) sind genau die richtigen Männer, die man im Fall eines solchen (Un-)Falles nur allzu gerne als Zeugen vor sich sehen möchte und die darob ziemlich verdutzt aus der Wäsche gucken. Nicht nur das. Der Zaun gehört dem Richter, und der verurteilt unseren jung-dynamischen Arzt zu gemeinnütziger Arbeit: als Arzt in dem versponnenen Nest namens Grady – far far away from Los Angeles.
Caton-Jones („Rob Roy”, 1995; „Der Schakal”, 1997) Mischung aus Komödie und Romanze aus dem Jahr 1991 setzt voll auf den Zusammenstoß des Großstadt-Arztes mit den mehr oder weniger leicht skurrilen Menschen einer durchschnittlichen Kleinstadt irgendwo in South Carolina. Hier läuft alles seinen eigenen Gang. Der alte Arzt des Krankenhauses, Dr. Hogue (Barnard Hughes) ist
griesgrämig, aber er hat das Herz auf dem richtigen Fleck und will sich von dem Jungspund aus Washington nicht ins Handwerk pfuschen lassen. Nurse Packer (Eyde Byrde) wacht – samt Stechuhr – streng über die zeitlichen und sonstigen Regeln in der Krankenstation des Ortes, den die Einwohner „Squash Capitol of the South“ nennen, denn sie leben vom Kürbis in all seinen Formen. Der freundliche Bürgermeister Nicholson (David Ogden Stiers) setzt alles daran, Stone über die von Richter Evans verhängte Strafzeit hinaus an den Ort zu binden. Und ein Begrüßungskomitee, bestehend aus den ältlichen Ladys Lillian, Maddie und Violet, möchte es Stone in seiner neuen Herberge besonders wohnlich machen – natürlich nicht ohne ihn nach Strich und Faden zu begutachten. Da steht er nun, der arme Tor und ist so hilflos wie nie zuvor. Stone muss sich wohl oder übel in sein Schicksal fügen, zumal der örtliche Mechaniker Melvin (Mel Winkler) samt Gehilfe Lane (William Cowart) seinen Superwagen in alle Einzelteile zerlegt haben – und bis der, samt noch zu bestellendem teuren Ersatzteil, wieder zusammengebaut ist – das kann dauern. Während die Tochter des Bürgermeisters Nancy Lee (Bridget Fonda) hinter Stone her ist, interessiert sich der mehr für die bezaubernde Lou (Julie Warner), die mit ihrer Tochter Emma (Amanda Junette Donatelli) zusammenlebt und die Stones Annäherungsversuche zunächst frontal, wenn auch nicht unfreundlich abwehrt. Unser Doc Hollywood, wie ihn der örtliche Beau Hank Gordon (Woody Harrelson) nennt, dessen Sprache versicherungstechnisch mutiert ist und der selbst hinter Lou her ist, verlegt sich auf Hausbesuche, denn die angehende Juristin Lou fährt den stadteigenen Krankenwagen. Die Chance kann sich Benjamin Stone nicht entgehen lassen.
Und dann ist da eben noch Jasmin, das Schwein, das Stone von seinem ersten Patienten geschenkt bekommt. So ein Schwein. Natürlich versucht Stone alles, um möglichst rasch zu Dr. Halberstrom zu kommen. Doch immer wieder muss er den Termin für ein Vorstellungsgespräch verschieben, während der Bürgermeister alles möglich aufbietet, um Benjamin zum Bleiben zu begegnen. Und die Liebe, ja, die Liebe ...
Caton-Jones zeigt uns the sunny side of the south, eine gemütliche Kleinstadt mit verschrobenen Typen, eine Gemeinschaft, in der jeder jeden kennt und über alles Bescheid weiß und der Höhepunkt des Jahres die Kürbis-Parade darstellt. Da laufen Typen herum, vor denen man keine Angst zu haben braucht, nice guys and girls, hilfsbereit, freundlich, und selbst die Mürrischen der Sorte Mensch haben das Herz auf dem rechten Fleck. Grady – das ist eben auch ein Traum, ein amerikanischer Traum über sich selbst, dem alles Schreckliche und Abgründige fremd ist, sozusagen ein blitz blank gereinigtes und ordentlich eingefärbtes „Pleasantville” (1998), das den Bösewicht und den Gauner, den Mörder und den Sexualverbrecher, aber auch den Rassisten und den Redneck vor die Grenzen der Stadt verfrachtet hat. Wie Richter Evans sagt: Bei uns gibt es keine Verbrechen. Der Sheriff ist arbeitslos – und wahrscheinlich hilft er zumeist bei der Kürbisernte. Doch lassen wir den Spott, denn „Doc Hollywood” ist eine der besseren Komödien aus der Traumfabrik, und der hier inszenierte Traum, der natürlich Prinz und Prinzessin einschließt, ist mit viel Wortwitz und einer originell zusammengestellten Einwohnerschaft in ein optisch ansehnliches Format gebracht worden. Michael J. Fox und Julie Warner passen als Filmpaar hervorragend zusammen. Sie spielen eine der schönsten Liebesszenen (während des Tanzes auf einem Fest) und Fox Wechselbad zwischen „Ich will nach Los Angeles” und „Ich liebe Lou” paart sich hervorragend mit Julie Warners Selbstbewusstsein, Sarkasmus und Emotionalität in der Rolle der führenden Schönheit am Ort. Als z.B. beide auf dem Weg zu Patienten unterwegs anhalten und Lou in den Wald rennt, um sich über die Jäger zu beklagen, lässt sie plötzlich die Hose runter, um ein kleines Geschäft zu erledigen. Stone ist baff. „Lassen Sie eigentlich immer die Hosen runter, wenn Ihnen gerade danach ist?” Antwort: „Klar, wenn ich damit das Großwild verjagen kann.” Als Hogue wegen einer Herzattacke Stromschläge verpasst bekommt, kommentiert Stone: „Das ist der Beweis. Der Mann hat doch ein Herz.” Dieser Witz prägt den Film, ohne im übrigen aufdringlich zu wirken.
Der Ort des Geschehens ist – wenn er auch fast märchenhaft überhöht dargestellt wird – vorstellbar, weil das Gezeigte und die Gezeigten eben auch Teil der amerikanischen Wirklichkeit sind, Teil, nicht Ganzes. Dazu gehört das unvermeidliche Happyend, das man in diesem Fall gerne in Kauf nimmt, zumal es nicht übertrieben oder rührselig in Szene gesetzt ist. Also, wie Roger Ebert in seiner Besprechung des Films resümierend schrieb, „a sweetheart of a movie”. Es darf gelacht und geschmunzelt werden.
Wertung: 9 von 10 Punkten. Doc Hollywood (Doc Hollywood) USA 1991, 104 Minuten Regie: Michael Caton-Jones
Drehbuch: Jeffrey Price, Peter S. Seaman, Daniel Pyne, Laurian Leggett, nach dem Buch „What? Dead Again?“ von Neil B. Shulman Musik: Carter Burwell Director of Photography: Michael Chapman Schnitt: Priscilla Nedd-Friendly Produktionsdesign: Lawrence Miller Darsteller: Michael J. Fox (Dr. Benjamin Stone), Julie Warner (Vialula / Lou), Barnard Hughes (Dr. Aurelius Hogue), Woody Harrelson (Hank Gordon), David Ogden Stiers (Bürgermeister Nick Nicholson), Bridget Fonda (Nancy Lee Nicholson), Eyde Byrde (Schwester Packer), Mel Winkler (Melvin, Mechaniker), William Cowart (Lane, Gehilfe Melvins), Roberts Blossom (Richter Evans), Tom Lacy (Sheriff Cotton), Raye Birke (Simon Tidwell), Frances Sternhagen (Lillian, Begrüßungskomitee), Helen Martin (Maddie, Begrüßungskomitee), Amzie Strickland (Violet, Begrüßungskomitee), George Hamilton (Dr. Halberstrom), Amanda Junette Donatelli (Emma, Lous Tochter) Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0101745
Weitere Filmkritik(en): „Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert) (3 von 4 Punkten): http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/1991/08/663141.html © Ulrich Behrens 2004
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12.04.2004 13:22
Einfach toll beschrieben !
10.04.2004 17:49
Mal das Schwein an die Leine nehm *g*
10.04.2004 10:57
... ich hab mir allerdings verkniffen, ihn ein drittes oder viertes Mal anzuschauen... ;-) Aber nett ist der Film wirklich, stimmt.