Fahrzeugbewertung des Autors:
| Pro: |
Ein tolles Fahrzeug |
| Kontra: |
In Deutschland nicht auf dem Markt |
Der Dodge Durango ist in Deutschland nicht erhältlich, wird in den USA jedoch als Mietwagen von Dollar Rent-A-Car angeboten. Möglicherweise plant jemand eine USA-Reise und ist an einem Erfahrungsbericht über dieses Fahrzeug interessiert.
Hinsichtlich der Erfahrungen mit der Autovermietung siehe meinen Bericht unter Auto & Verkehr > Service > Autovermieter im Ausland > Dollar.
Zunächst eine Datenübersicht zu dem von uns angemieteten Durango:
Fahrzeug:
+ Dodge Durango SLT,
+ Modelljahr 2004,
+ V6-Motor
+ 3,7 Liter Hubraum,
+ Motorleistung 210 PS,
+ Tankinhalt 27 Gallonen, das sind rund 102 Liter,
+ Kraftstoffart: Benzin, mindestens 87 (!!!!) Oktan,
+ 4-Gang-Automatik,
+ elektronisch geregelter Allradantrieb, automatisch gesteuert oder fest schaltbar,
+ 7 Sitze in drei Sitzreihen.
Der Durango ist etwa einen halben Meter länger als ein BMW X5 und 10 Zentimeter höher. Um die Dimensionen des Fahrzeuges zu verdeutlichen nachfolgend die Abmessungen des Durango im Vergleich zum BMW X5:
+ Gesamtlänge (cm) Durango: 510,03 X5: 466,70
+ Gesamtbreite (cm) Durango: 181,10 X5: 187,20
+ Gesamthöhe ohne Reling (cm) Durango: 182,88 X5: 171,50
+ Gesamthöhe mit Reling (cm) Durango: 188,72 X5: 175,00
+ Radstand (cm) Durango: 302,77 X5:282,00
Meine Nutzung:
+ 31. März bis 14. April 2004,
+ Mietfahrzeug von Dollar Rent-A-Car,
+ Anmietstation San Francisco International Airport,
+ Fahrgebiet: California, Nevada, Utah, Arizona,
+ überwiegend befestigte Straßen, ca. 400 Kilometer unpaved (gravel-/dirt-) road,
+ 3 Personen mit (reichlichem!) Gepäck.
Daten zur Fahrt:
+ Gesamtfahrleistung genau (!) 3400 Meilen, das sind 5474 Kilometer,
+ Benzinverbrauch: 187,135 Gallonen, das entspricht 708,31 Litern,
+ damit 12,98 Liter auf 100 Kilometer oder 18 Meilen je Gallone,
+ Kosten für Benzin: 397,06 Dollar.
Dodge
Die Marke Dodge gehört zu DaimlerChrysler und ist innerhalb des Konzerns eine eher kleine Marke. Wie mir Bekannte aus den USA erzählten, war Dodge lange Zeit mit einem echten Bauern-Image ausgestattet. Zu diesem eher ländlichen Image gehörte allerdings der Ruf einer außergewöhnlichen Robustheit.
In den vergangenen Jahren wurde die Marke völlig neu positioniert und hat nunmehr ein mehr sportliches Image. Fahrzeuge wie die Dodge Viper unterstreichen diesen sportlichen Anspruch.
Das Fahrzeug
Der Dodge Durango in der von uns angemieteten SLT-Version ist schick. Silbermetallic, Alufelgen, abgedunkelte Scheiben ab der B-Säule nach hinten. 17-Zoll-Räder mit GoodYear-Bereifung.
Die extrem kurze Motorhaube mit einem riesigen, etwas aufdringlich wirkenden Kühlergrill mit tief liegenden Nebelscheinwerfern stehen dem Fahrzeug gut. Offenbar wirkt der Anblick des Durango im Rückspiegel von Limousinenfahrern sehr beeindruckend ...
Vier große Türen an den Seiten und eine große nach oben öffnende Heckklappe unterstreichen die Funktionalität des Fahrzeuges. Man will sofort einsteigen und losfahren und ist sich dabei sicher, dass einen nichts, aber auch gar nichts aufhalten kann.
Etwas unpassend wirkte die vor der rechten A-Säule angebrachte Rundfunkantenne. So etwas habe ich schon lange nicht mehr gesehen ...
Innenraum
Die Ausstattung SLT ist die Mittlere von Dreien und enthält alles was man zum „cruisen“ in Amerika braucht. Bequeme Stoffsitze, der Fahrersitz elektrisch in alle Richtungen verstellbar, ein griffiges Lenkrad mit Multifunktionstasten, automatische Klimaanlage mit separater Regelung in der zweiten Sitzreihe, ein CD-Radio, Wählhebel für die Automatik am Lenkrad, zwischen den Vordersitzen eine mehrstöckige Ablagebox von der Größe eines SMART-Kofferraumes, automatische Geschwindigkeitsregelanlage, umklappbare zweite und dritte Sitzreihe – wobei in der zweiten Sitzreihe die Rückenlehne in der Mitte so umklappbar ist, dass eine bequeme Ablage von der Größe eines Campingtisches mit Getränkehalterungen entsteht. Leider ist bei einer umgeklappten 3. Sitzreihe der Kofferraumboden nicht ganz flach. Auch ist keine Abdeckplatte für den Gepäckraum vorhanden. Wir bunkerten einige Dinge in dem Ablagefach unter dem Kofferraumboden.
Das Armaturenbrett ist ansehnlich und zweckmäßig. Die Instrumentierung ist vollständig. Die SLT-Version hat eine mit Holz (?) verkleidete Mittelkonsole, die in einem „Nutzfahrzeug“ eher deplatziert wirkt.
Die sonstigen im Innenraum verwendeten Materialien sind angenehm und alles ist gut verarbeitet. Man darf nur nicht dem deutschen "Premium"-Wahn verfallen.
Funktionalität
Die Bedienung ist einfach, man findet sich auf Anhieb zurecht. Leider hat man die von Daimler-Benz-Fahrzeugen bekannte Handbremslogik mit Fußpedal zum anziehen und Griff zum lösen übernommen. Ich musste in der Bedienungsanleitung nachlesen, bevor ich nach der Übernahme des Fahrzeuges die Handbremse lösen konnte!
Be- und entladen waren leicht zu erledigen. Den Einstieg auf der Beifahrerseite unterstützte ein Griff an der A-Säule, den meine Frau fleißig nutzte.
Die bereits angesprochene Ablagebox zwischen den Vordersitzen ist gigantisch. Meine Spiegelreflexkamera mit Teleobjektiv passte locker in das untere Stockwerk hinein. Zusätzlich sind an der Box zwei Getränkehalter angebracht, in die verschiedene Gefäßgrößen hineinpassen. Sehr nützlich ist die Klammerhaltung für die Gefäße, die es z.B. ermöglichte während der Fahrt mit einer Hand eine Getränkeflasche aufzudrehen, während sie in der Halterung stak.
Die Sitze sind sehr bequem, vielfältig verstellbar und für die langen Fahrten hervorragend geeignet. Der Fahrersitz verfügt über eine verstellbare Lordosenstütze. In der zweiten Sitzreihe fand unser Sohn ebenfalls eine bequeme Sitzbank mit reichlichem Knie- und Fußraum vor.
Durch die abgedunkelten Fenster jenseits der B-Säule war die Einstrahlung nicht zu hoch und der Einblick in das Fahrzeug erschwert. Im Fahrbetrieb behinderte diese Einfärbung die Sicht nach außen nicht.
Nach dem Anfahren schließen die Türen automatisch ab sobald man eine Geschwindigkeit von etwa 15 Meilen erreicht hat bzw. die Automatik in die zweite Fahrstufe schaltet.
Die Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung enthält eine „Panic“-Taste. Dummerweise ist dieser Knopf genau dort, wo bei unseren Privatfahrzeugen die „Öffnen“-Taste auf der Fernbedienung sitzt!!! Es dauerte Minuten, bis ich die versehentlich ausgelöste Panic-Funktion ausschalten konnte. Das laute Hupen und ausdauernde Blinken in einem Wohngebiet war seeeehr peinlich, denn es war halb elf am Abend!
Fahrbetrieb
Der Dodge Durango fährt sich sehr gut! Wir waren angenehm überrascht (wegen der Vergleichsbasis: Privat fahre ich eine BMW 3er Limousine, meine Frau einen BMW 3er Compact). Das verhältnismäßig große Fahrzeug lässt sich leichtfüßig bewegen und wirkt wendig. Der Wendekreis ist relativ klein.
Die Straßenlage ist bei normalem Fahrbetrieb ohne fehl und Tadel. Selbst auf unbefestigten Straßen (Gravelroads) oder engen Nebenstraßen (Byways) mit slalomartiger Abfolge von Kurven blieb der Wagen immer treu und brav in der Spur (z.B. SR-178 von Ridgecrest, CA nach Bakersfield, CA oder die Strecke SR-168, SR-222 und SR-221 auf dem Weg vom Süden zum Yosemite National Park). Der Wagen zeigte auf diesen Slalomstrecken keine Elch-Symptome.
Ein leiser Motor, so gut wie keine Windgeräusche, die sehr gute Übersichtlichkeit, eine kinderleichte Bedienung, ausgezeichnete Sicht und richtig gute Bremsen machten das Fahren zum Kinderspiel. (Gute Bremsen sind übrigens unter Umständen problematisch!!! In den USA trifft man immer wieder ältere Pick Ups mit Anhängern, die statt zu bremsen lediglich hupen. Bei einem Bremsmanöver würden die sich in einem großen Bogen von der Straße verabschieden. Erwarten Sie nie, dass solche Fahrzeuge nur deshalb bremsen, weil Sie bremsen!!)
Die Automatik schaltet ganz weich. Die Position des Wählhebels am Lenkrad hat Vorteile. Üblicherweise ist man in Fahrstufe 4 mit einer Drehzahl von 1500 bis 2000 Touren unterwegs.
On-Road fährt sich der Durango wie jeder beliebige Van in Europa. Man thront über dem Verkehr, hat eine ausgezeichnete Aus- und Übersicht und fühlt sich sicher wie in Abrahams Schoß. Durch den Allradantrieb ist man auf den unbefestigten Gravelroads erheblich gelassener. Für uns traf dieses zu, weil in der kalifornischen Mojave-Wüste, aber auch in Nevada immer wieder längere unbefestigte Streckenabschnitte angetroffen wurden (siehe Bilder). Da es in den vorangegangenen Tagen stark geregnet hatte, waren Teilstrecken sehr matschig und mit einem normalen PKW nicht ohne weiteres passierbar. Ebenso unterstützte der Allradantrieb, als wir in Arizona zwischen Seligman und Flagstaff in einen Schneesturm gerieten, wobei viele Fahrzeuge an einer Steigung hängen blieben. „Unser“ Durango arbeitete sich spurtreu und ohne Mühe an diesen Fahrzeugen vorbei.
Wir haben jede Meile mit dem Durango genossen.
Motor und Getriebe
Der 3,7 Liter V6-Motor mit 210 PS ist gerade noch ausreichend. Schwächer dürfte die Motorisierung nicht mehr sein, denn an Steigungen geht dem Wagen rasch die Puste aus. Drehzahlorgien verhindert die Automatik, die immer sehr früh hoch schaltet. Bei längeren Fahrten auf engen und kurvigen Strecken, womöglich noch mit Steigungen, half nur der manuelle Eingriff und das Anwählen der Stufe 3 oder sogar 2.
Kick-down funktionierte gut, allerdings gab es eine kleine Denkpause, bevor die Automatik schaltete. Interessant fand ich, dass die Automatik im Schiebebetrieb ggf. auch selbsttätig zurückschaltete!
Der Verbrauch von rund 13 Litern auf 100 Kilometern während unserer Reise geht in Ordnung. Sparsamer kann man in USA mit einem vergleichbaren Fahrzeug wohl nicht reisen.
Erstaunt hat mich die empfohlene Kraftstoffqualität: 87 Oktan. So eine miese Sorte gibt es in Europa gar nicht mehr. Erfreulich die große Reichweite durch den 27-Gallonen-Tank.
Fazit
Summa summarum ist ein Dodge Durango ein idealer Reisewagen für ausgedehnte Fahrten in den USA. Wenn Sie drei bis vier Personen und viel Gepäck bequem und sicher durch die USA bringen wollen: Mieten Sie sich ein solches Fahrzeug! Der USA-Urlaub wird noch schöner und Sie sind für fast jede mögliche Fahrsituation gerüstet!
Würde der Durango mit einem Dieselmotor in Deutschland angeboten – ich würde ihn ohne schlechtes Gewissen kaufen.
DaimlerChrysler sollte sich das überlegen. Der Durango ist ein modernes und praktisches Fahrzeug ohne überzogene und nutzlose Pseudoerfindungen, die nur den Preis und den Wartungsaufwand hochtreiben.
Der Dodge Durango ist schlichtweg einfach und gut. Ich habe ihn nur sehr ungern wieder abgegeben.
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