Kinderkomödie: Mit Pupsonautenpulver zum Mond
25.02.2009 (26.02.2009)
Pro:
unterhaltsam, komisch, etwas spannend, sehr einfallsreich, kompetent vorgetragen
Kontra:
hoher Preis, keine Musik, keine Geräusche
Empfehlenswert:
Ja
 mima17
Über sich:
Ich wünsche allen meinen Lesern ein gesundes, erfolgreiches Jahr 2013! +++ Bitte keine Leserunden-An...
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Doktor Proktor ist ein verrückter Professor. Na ja, beinahe vielleicht ? eigentlich ist er ja ein genialer Erfinder! Es wird schließlich nicht alle Tage ein Pupspulver erfunden, das man sogar als Raketenstarthilfe an die NASA verkaufen könnte. Davon sind zumindest Bulle und Lise fest überzeugt! Wären da bloß nicht die beiden fiesen Zwillinge Truls und Trym, die alles daran setzen, sich das Pupspulver unter den Nagel zu reißen? Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 8 Jahren.HINWEIS: Der CIAO-Texteditor ersetzt sämtliche Sonderzeichen durch Fragezeichen. Der Autor °°°°°°°°°°°°Jo Nesbø, geboren 1960, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker und gilt in seiner Heimat Norwegen als das neue Multitalent. Sein erster Roman ?Das Fledermausmuseum? wurde in Norwegen 1997 mit dem Riverton-Preis als bester Krimi des Jahres ausgezeichnet. Mit ?Rotkehlchen? gelang ihm der Durchbruch und seit der Veröffentlichung von ?Die Fährte? ist er ein Bestsellerautor. Inzwischen erscheinen seine Bücher in 14 Sprachen. (Verlagsinfo) Der Sprecher °°°°°°°°°°°°°°°°Andreas Schmidt, geboren 1963 im Sauerland, spielte bereits mit elf seine erste Titelrolle in dem TV-Film ?Alwin auf der Landstraße?. Er studierte zunächste Germanistik und Philosophie, wandte sich aber doch lieber der Schauspielerei zu und besichte diverse Seminare. Sein Kinodebüt gab er 1987 in der überdrehten Komödie ?Peng! Du bist tot!?. Für seine leistung in ?Pigs will fly? wurde Schmidt 2003 für den Deutschen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller nominiert. Erneut wurde er 2006 für ?Sommer vorm Balkon? vorgeschlagen. Seine jüngste Hauptrolle spielte er 2008 in der viel beachteten Tragikomödie ?Fleisch ist mein Gemüse?. Regie führte Ralf Ebel, die Technik steuerte Ahmed Chouraqui.Handlung °°°°°°°°°°°°° Die Maisonne geht über einem friedlichen Norwegen auf, das noch nicht ahnt, was auf es zukommt. Friedlich ragt die Festung Askerhus über Oslo auf und wartet auf den Nationalfeiertag am 17. Mai, wenn hier die Salutschüsse für den König abgefeuert werden. Wird auch dieses Jahr alles klappen, fragt sich der Festungskommandant, Lises Vater, als er mit seiner Tocher frühstückt. Zum Glück hat er in China genügend Schießpulver für den Salut besteht, und heute soll das Schiff aus Shanghai im Hafen einlaufen. Auch die Zelle für die schlimmsten Verräter, das Totenmannsloch, ist friedlich leer, von der dicken fetten Wanderratte mal abgesehen. Wie ist sie bloß hier eingedrungen?Lise ist traurig. Ihre beste Freundin ist weggezogen, und in der Kanonestraße leben jetzt bloß noch die zwei fiesesten Jungs der ganzen Schule, die Zwillinge Truls und Trym, die Herrn Trane gehören. Sie sind so böse und gehässug wie ihr Vater, ein reicher Industrieller, der keinerlei Kritik duldet. Sein Reichtum stammt unter anderem aus der Erfindung von ausbruchsicheren Gefängnistüren, wie sie in der Festung eingebaut worden sind. Um besser protzen zu können, hat er sich einen gepanzerten Hummer-Geländewagen gekauft, der die Luft verpestet. Ein neuer NachbarDa bringt ein Umzugswagen
Bilder von Doktor Proktors Pupspulver (Hörbuch) / Nesbø
neue Mieter in das Haus, aus dem ihre Freundin auszog. Ein winziger Junge mit roten Haaren spricht Lise an. Er heiße Bulle und spielte Trompete, kräht er. Es klingt wie ein Pups, denkt Lise insgeheim. Und wenn er spielt, klingt es wie eine seekranke Ziege, findet sie. Die fünfzehnjährige Eva ist seine große Schwester, doch weil er klüger ist als sie, wirkt sie manchmal unsicher. Gibt es Elefantenschneckenschleim wirklich, wie er behauptet? Hm?Bulle geht zur Schule und kommt an einem merkwürdigen Haus vor, vor dem ein dünner Mann steht, der eine Taucherbrille trägt. Bulle stutzt. Nicht viele Leute tragen an Land eine Taucherbrille, genauer gesagt, eigentlich niemand. Er sieht aus wie ein verrückter Professor. Das ist also Doktor Proktor. Er stellt sich vor und behauptet, er habe ein Pupspulver erfunden. Das macht Bulle neugierig: Ein Pulver gegen das Pupsen im Unterricht wäre in der Tat eine hilfreiche Erfindung. Die neue Erfindung Kurzerhand springt Bulle über den Zaun und folgt Dr. Proktors Einladung. Im Keller hat der professor sein Labor eingerichtet. Er gibt Bulle eine Schutzbrille und sagt, nun könne das Experiment losgehen. Das Licht geht aus, die Maschine an, dann folgt ein Mordskrach. Heureka, ein blaues Pülverchen! Der Doktor demonstriert, wie es wirkt: Nichts passiert. Ergo wirkt das Antipupspulver, oder? Doch als Bulle ebenfalls davon kostet, fegt sein Riesenpups die Kellertür aus den Angeln! Ups, dieser Pups war gewaltig. Sofort fällt Bulle eine praktische Anwendungsmöglichkeit ein. Der neue Mitschüler In der Schule stellt Frau Strobe den neuen Mitschüler Bulle vor, der doch glatt behauptet, er wolle am Nationalfeiertag die Trompete in der Schulkapelle spielen und dass Dr. Proktor ein tolles Pulver erfunden habe. Alle starren den Wahnsinnigen an. In der Pause stellen sich ihm Truls und Trym Trane in den Weg. Er müsse getauft werden. Sie tunkten den Knirps in den Brunnen und gehen von dannen. Lise erklärt dem klatschnassen Bulle, wer die beiden sind. Hat Dr. Proktor wirklich ein Antipupspulver erfunden? Pupsonautenpulver Es sei wahr, behauptet Bulle und nimmt sie mit zu Dr. Proktor. Weitere Test zeigen, dass im Pupspulver eine Menge Potential steckt. Mit etwas mehr Karacho könnte dies ein Verkaufsschlager werden. Kinder würden damit an Silvester und am Nationalfeiertag einen Heidenspaß haben können. Am nächsten Tag essen Lise und Bulle beim Professor Karamellpudding und führen danach einen Test durch. Dr. Proktor lässt Bulle ein ulkige Lederhose anziehen, die im Schritt eine Art Fischernetz aufweist. Lise warnt Bulle noch vor dem Einnehmen einer Überdosis, doch es ist bereits zu spät: Das Pupspulver kracht wie nie zuvor und hebt den winzigen Bulle in ungeahnte Höhen. Tatsächlich in eine Höhe, aus der er ganz Norwegen sehen kann. Wow, denkt Bulle, wer hätte das gedacht! Ein Pülverchen so stark wie Raketentreibstoff: Pupsonautenpulver! AusverkaufDer Normalpulver ist am nächsten Abend sofort an die Schulkinder ausverkauft. Vielleicht kann sich Dr. Proktor endlich das Reisebillett kaufen, um damit nach Paris zu seiner ehemaligen Verlobten Juliette Margarine zu fahren. Deren Vater hat ihn für verrückt erklären und seine Beziehungen spielen lassen, so dass der Doktor das Land verlassen musste. Ach, wie romantisch, findet Lise. Doch Truls und Trym haben es auf das Pulver ebenfalls abgesehen. Sie verlangen die Herausgabe aller Vorräte, sonst? Bulle weigert sich rundweg. Sie laufen zu ihrem Daddy, und als Herr Trane von dem neuen Wundermittel hört, bekommt er Visionen von ungeahntem Reichtum. Er heckt einen Plan aus, den seine Söhne in die Tat umsetzen. Doch Lise und Bulle, die ahnen, was auf sie zukommt, haben ein Mittelchen, um die beiden Fieslinge in die Flucht zu jagen?Mein Eindruck °°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Zunächst klingt alles wie ein harmloser Spaß für Proktor und seine zwei jungen Helfer. Doch durch die Intrige seines gierigen Gegners Herrn Trane wird daraus schnell bitterer Ernst: Proktor und Bulle landen im Totenmannsloch von Festung Akershus, und das ist ja bekanntlich ausbruchsicher. Nicht jedoch für Ratten und kleine Dreikäsehochs wie Bulle! Die anschließenden Abenteuer des kleinen Trompeters, die er in der Kanalisation von Oslo erlebt, suchen ihresgleichen. Er bekommt es mit einer Anakonda zu tun, die einmal Herrn Trane gehört hat und die sich noch gut an ihren Peiniger erinnert. Aber Bulle hat keineswegs das Format eines Herrn Trane, und nach einem Zwischenaufenthalt im Anakondamagen findet Bulle wieder einen Weg ans Tageslicht: dank sei dem Erfinder des Pupsonautenpulvers! Schließlich darf Bulle seinen Auftritt am Nationalfeiertag nicht verpassen. Bulles Ausflug hat weitreichende Folgen für die Ehre des Festungskommandanten, Lises Papa, und für den König dieses schönen Landes namens Norwegen. Denn die Kiste mit dem chinesischen Schießpulver ist ins Reich der Anakonda gelangt, wo sie natürlich wenig zum königlichen Salut aus des Festungskanonen bezutragen vermag. Woher also schnell eine Ladung Schießpulver für die acht Kanonen nehmen und nicht stehlen? Doktor Proktor und Lise wissen zum Glück Abhilfe. Nie gab es ein eindrucksvolleres Salutschießen zum Nationalfeiertag? Nie war Pupsen so wertvoll wie an diesem Tag.Natürlich finden auch Herr Trane und seine zwei fiesen Söhne ihre gerechte Strafe. Doch bis die Polizei Herrn Trane schnappt, wird erst einmal eine wilde Verfolgungsjagd inszeniert. Herr Tranes neuer Hummer-Panzerwagen darf zeigen, was er draufhat. Doch das Ende Herrn Tranes ist vorbestimmt: Eine gewisse Anakonda wartet bereits sehnlich auf seinen Besuch, um ihm heimzuzahlen, was er ihr vor 30 Jahren angetan hat. Die Moral von der Geschicht?Selbst die kleinsten Knirpse können es also in der Welt zu etwas, solange sie nicht auf den Kopf gefallen sind. Fiese Rabauken, hungrige Anakondas, Ausflüge ins All ? all dies macht dem tollen Bulle nichts aus, solange er nicht die Nerven verliert und seinen Grips einsetzt. Lise ist froh, einen solchen Freund gefunden zu haben, und Dr. Proktor kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sein romantisches Widersehen mit seiner Beinaheverlobten rückt in greifbare Nähe. Es findet in der Fortsetzung von Bulles Abenteuern vielleicht sogar statt, die ebenfalls als Hörbuch erscheint. Ich hätte nie gedacht, dass ein arrivierter Krimiautor wie Jo Nesbö mal mit einem Kinderbuch auf den Markt kommt, aber sein Landsmann Roald Dahl hat es ja vorgemacht. Dessen Kinderbücher wie ?Hexen hexen? und um den Riesenpfirsich wurden ja sogar verfilmt. Die Welt braucht pfiffige Geschichten, in denen aufgeweckte Kerlchen wie Bulle die Erwachsenen alt aussehen lassen. Dass man es auch mit dem Pupsen weit bringen kann, ist vielleicht nicht nach dem Geschmack der Eltern, aber Kinder finden es umso aufregender, die Benimmregeln der Großen mal zu brechen. Der Sprecher °°°°°°°°°°°°°°°° Andreas Schmidt macht sich und dem jungen Zuhörer (ab 8 Jahren) einen Spaß daraus, die Figuren ein wenig zu überzeichnen. So klingt Bulle (sprich: bülle) tatsächlich wie ein kleiner Dreikäsehoch, der ein wenig größenwahnsinnig wirkt, will er doch in der Schulkapelle die erste Trompete spielen. Tatsächlich ist Bulle der liebenswerteste Charakter des ganzen Stücks. Daneben verblassen selbst Dr. Proktor und vor allem Lise, die stets recht vernünftig wirkt. Dr. Proktor soll ja absichtlich wie ein ?verrückter Professor? wirken. Folglich darf er auch ein wenig durchgeknallt daherreden, über Pülverchen und Mischungen und Konzentrationen. Außerdem weist er einen leichten Akzent auf, der möglicherweise aus seinem Heimatland Frankreich stammt. Das Gegenteil des aufgeweckten, quirligen und intelligenten Bulle bilden die beiden Trane-Zwillinge. Truls und Trym reden so hohl daher, wie ihr auch ihr Kopf ist, lachen im Tandem und stammeln schwachsinnig, wenn sie etwas nicht kapieren oder erstaunt sind. Es sind richtige Schießbudenfiguren, wie sie nur für kleine Kinder glaubwürdig sind, also etwa auf dem Niveau von Kasperletheater. Die Frage ist allerdings, ob Kasperletheater das richtige Niveau für eine so kluge und durchdachte Handlung ist. Andreas Schmidt ist jedenfalls bemüht, die Lesung für Achtjährige unterhaltsam zu gestalten. Das gelingt ihm auch, aber er kann es älteren Kindern wohl nicht rechtmachen. Unterm Strich °°°°°°°°°°°°°°°°°°°Das Pupsen lässt sich durchaus steigern und sogar zu einer Art Meisterschaft führen. Diese erweist sich am Beispiel von Dr. Proktor als nicht nur potentiell lukrativ, sondern im Falle von Bulle sogar als real lebensrettend. Diese Geschichte ist natürlich eine witzige Flunkerei, wie sie achtjährige Kinder lieben, besonders wenn sie so respektlos ist wie diese. Die Erwachsenen erhalten aber auch eine Lektion: Seid nicht so gierig, sondern lieber gerecht, denn dann wird euch die Strafe, die die Gierigen und Fiesen erwartet, euch nicht ereilen. Und: Die Kinder mögen zwar klein sein, aber wenn sie Grips haben, dann sind sie auch hilfreich, wie etwa am Nationalfeiertag. Und außerdem machen sie jede Menge Spaß. Das Hörbuch Das sprachliche Niveau eines Kasperletheater, wie es der Sprecher Andreas Schmidt hier inszeniert, ist nur für die kleinen Achtjährigen geeignet, aber nicht für ältere Zuhörer. Zu diesem Niveau zählt auch das Niveau des Witzes, der mit dem Pupsen an sich zusammenhängt. Das ist sicherlich für Eltern eine Geschmackssache, doch kleine Kinder dürften das sehr lustig finden, weil es gegen die Benimmregeln der Erwachsenen verstößt. Fazit: vier von fünf Sternen. Michael Matzer © 2009ffInfo: Doktor Proktors Prompepulver, 2007; Hörverlag 2008, München; 2 CDs, 158 Minuten, EU 14,95, aus dem Norwegischen übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel; ISBN 978-3-86717-358-2
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10.03.2009 09:29
Werde ich mir mal notieren! merci@knopfi
05.03.2009 15:21
Hach J.Nesbø steht bei mir auch schon länger auf der Liste, allerdings die eher Actiongeladeneren Bücher... da zücke ich doch glatt ein Dessous mit Antipupseffekt, lG Chrissy
02.03.2009 19:55
sehr schön beschrieben